Del McCoury
Als Bill Monroe die Virginia Mountain Boys für einige Gigs an der Ostküste verpflichtete, war er von McCoury so angetan, dass er ihm einen Job in seiner eigenen Band anbot. 1963 wechselte McCoury zu den Bluegrass Boys, wo er bald zur Gitarre wechselte und Leadsänger wurde. Zwar erkannte er, dass ihm nun ein Sprungbrett geboten wurde, er entschied sich aber anders.
McCoury heiratete, ging zurück nach Pennsylvania, gründete eine Familie und arbeitete in der Holzindustrie. Die Musik freilich ließ ihn nicht los. Mit seiner eigenen Band, The Dixie Pals, spielte er meist an Wochenenden und bei Bluegrass Festivals.
Für diverse Label, darunter Rounder Records, nahm er Platten auf und erwarb sich im Laufe von mehr als Zehn Jahren einen Ruf als erstklassiger, innovativer Bluegrass-Künstler. Wesentlich dazu bei trugen seine eigenen Songs, die gern von anderen Bands übernommen wurden. Beispiele: „High On A Mountain“, „Are Your Teasing Me“, „Dark Hollow“, „Bluest Man In Town“, „Rain And Snow“, „Rain Please Go Away“.
Wie in der Szene üblich, wechselte das Personal der Dixe Pals relative häufig. Ein einschneidender Punkt war erreicht als 1981 sein damals 14jähriger Sohn Ronnie in die Band eintrat und etwa fünf Jahre später auch Sohnemann Robbie folgte. Jetzt nannte man sich einfach The Del McCoury Band und ging nach Nashville. Ronnie erinnert sich: „Das war Dad’s Idee. Von Nashville aus tat sich eine Menge in den Medien für Bluegrass. Es war eine richtige Entscheidung, auch wir sind sehr schnell bekannter geworden, nachdem wir 1992 dorthin gingen und die Musik endgültig zum Beruf machten.“
Man kann es gar nicht übersehen, in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre erlebte die Del McCoury Band einen enormen Popularitätsschub. Sie gewannen zahlreiche Awards der International Bluegrass Music Association und – was noch wichtiger ist – sie wurden weit über die Bluegrass Music hinaus beliebt und gefragt. Plötzlich interessierten sich Leute wie die Gruppe Phish oder ein Steve Earle für McCoury und Bluegrass und sangen Loblieder auf ihn. Vince Gill versucht das Phänomen so zu erklären: „Del ist einer der letzten Patriarchen, die diese Musik noch authentisch spielten. Obwohl er sich dem Neuen gegenüber öffnet, hört es sich nicht so an, wie das, was die neuen Musiker heute spielen. Wenn er neue Songs singt, hören die sich an wie 1959 oder 1962. Es ist seine Stimme, deren Echtheit ändert sich nie.“
So nimmt es nicht wunder, dass McCoury mit Vince Gill, Dierks Bentley und anderen Country-Größen auftritt oder Platten macht. Herausragend die Zusammenarbeit mit Steve Earle für dessen Album „The Mountain“.
Del McCoury und seine Band sind natürlich Mitglied der Grand Ole Opry. Sie machen weiter höchst beachtenswerte Alben, sie sind regelmäßig bei Konzerten und Festivals anzutreffen und stecken voller Energie. Wie meint Del McCoury schlitzohrig: „Auch nach über 50 Jahren sind keine Abnutzungserscheinungen erkennbar. Wir haben noch die eine oder andere Idee, die wir umsetzen möchten. Es geht immer weiter, solange wir gesund bleiben und man uns noch hören will.“


