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Faron Young (Biografie)

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Country Music kennt viele Stars, die auf ihre Weise einzigartig und unverwechselbar waren bzw. immer noch sind. Manche wurden zu Legenden, manche gerieten rasch in Vergessenheit, nachdem sie in den Hillbilly Heaven einzogen. Ein Künstler, der auch zu Lebzeiten nie den Stellenwert erreichte, den er eigentlich verdient gehabt hätte, ist Faron Young.

Zumindest in Europa konnte er sich nie so richtig in Szene setzen. Dabei war dieser aus Shreveport, Louisiana stammende Vollblutsänger so facettenreich wie ein Chamäleon. Young vereinigte so manche der Eigenschaften in seiner Person, die man eher einem Rock- oder Filmstar zudenkt denn einem Countrysänger der 1950er, 1960er und 1970er Jahre. Das gilt für seine Musik, sein Privatleben und seine Persönlichkeit.

Faron YoungKaum ein anderer seiner zeitgenössischen Kollegen hat musikalisch soviel versucht wie der Mann, den man auch den „singenden Sheriff“ nannte. Und er war erfolgreich damit. Mehr noch, Faron Young war einer der ersten und wenigen Country-Stars der sich im Aufbruch befindenden und neu orientierenden Country Music, die auch als Geschäftsmann kräftig mitmischten.

Ausgestattet mit einem starken Ego, einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und dem richtigen Instinkt ging er konsequent seinen Weg, der ihn an die Spitze der Country Music brachte. Dabei nutzer er jede sich bietende Chance. Ein Faron Young lebte sein Leben in vollen Zügen. Er war alles andere als ein Kind von Traurigkeit.

Wer wie er das Schicksal immer wieder einmal heraus forderte, der musste auch Niederlagen verdauen und Rückschläge einstecken. Getreu dem Motto „Wein, Weib und Gesang“ lebte er ein Leben, das auch einem Rockstar alle Ehre gemacht hätte.

Alkohol, Pillen und die holde Weiblichkeit spielten oft und immer wieder Hauptrollen in seinem Leben. Young stand im Ruf eines Schürzenjägers, der es mit der Treue nicht so genau nahm. Handgreiflich konnte er durchaus auch schon mal werden. Er liess kaum eine Gelegenheit aus, sowohl wenn es galt, über die Stränge zu schlagen aber auch in künstlerischer Hinsicht. Wenn er eine Chance sah, als Sänger ein Stück voran zu kommen, zögerte Young nicht lange. Selbst wenn er eine Art von Musik machen musste, die er eigentlich ablehnte. Die Karriere des Faron Young geriet so auf eine Art Achterbahnkurs und machte aus ihm einen Künstler, der nie ein Superstar wurde, der aber in vielen Aspekten Anderen vormachte, wie man in der seinerzeit noch bescheidenen Country Szene auch wirtschaftlich zu Wohlstand kommen konnte. Da passt dann auch das Ende zum Gesamtbild dieses Mannes: Faron Young beging Selbstmord. All die menschlichen Schwächen wurden allerdings überstrahlt vom Künstler Faron Young, den es hier zu würdigen gilt.

Als Faron Young am 25. Februar 1932 geboren wurde, war Shreveport noch nicht das Country Music Zentrum, zu dem es nach dem Ende des 2. Weltkrieges werden würde. Die Jugend verlief unauffällig, Country Music spielte für Young keine Rolle. Einzig ein angeborener Drang danach, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, fiel schon sehr früh auf. In der Musik schien dies am einfachsten möglich. Zugute kamen dem Jugendlichen dabei, dass er am rechten ort lebte und nicht lange zögerte, wenn ein Angebot sich lukrativer anhörte. Dazu braucht man eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und die Entschlossenheit, unbedingt sein Ziel zu erreichen.

Erster wichtiger Schritt wurde Webb Pierce, der seinerzeit bereits ein Star war. Pierce erkannte das Talent des Youngsters und holte ihn in seine Band, wo Faron Young Gelegenheit hatte, im Schatten seines Bosses auf sich aufmerksam zu machen. Er trat 1951 beim „Louisiana Hayride“ in seiner Heimatstadt auf und machte eine 15-minütige Sendung bei KWKH. Auch erste Platten konnte er aufnehmen, mit einer Art Rockabillie, den er zwar nicht mochte, der aber ausreichte, das Interesse von Capitol Records zu wecken.

Ken Nelson holte ihn dorthin und machte aus ihm rasch einen Plattenstar. 1953 landete Faron Young mit „Goin‘ Steady“ seinen ersten Hit. Man holte ihn in die Grand Ole Opry – aber auch zum Militär. Auch diese Zeit, die oft eine Karriere zumindest verzögerte, nutzte Young zu seinen Gunsten. Er machte viele Sendungen und Aufnahmen für die Army und bekam im Gegenzug Gelegenheit, weiter Platten zu machen und live aufzutreten. Das hielt ihn im Geschäft und führte zum nächsten wichtigen Hit: „If You Ain’t Lovin'“. Damit hatte er „seine“ Linie gefunden, eine spezielle Mischung aus Honky Tonk, Rockabilly, Boogie und traditionellem Country.

Faron Young avancierte zu einem der beliebtesten Countrysänger der 1950er und 1960er Jahre. In jenen Jahren legte er sich auch den Beinamen „The Singin‘ Sheriff“ zu. Ausgehend von einer der Filme, in denen er mitwirkte, der betitelt war mit „The Young Sheriff“. Exzentrisch wie er war, machte er nie ein Hehl daraus, dass er das singen würde, was erfolgreich wäre. Deshalb behielt er seinen Sound solange bei wie er sich verkaufte, wobei sich viele seiner Aufnahmen sowohl inhaltlich als auch sonst kaum voneinander unterschieden. Es fällt auf, dass Young sich nicht in etwas hinein zwängen ließ, doch immer bereit zu Experimenten war. Auch wenn er selbst nicht hinter dem Sound stand, den er manchmal produzierte, gab er stets sein Bestes und brachte sein Talent voll ein.

So wie er bei Webb Pierce seine Chance erhielt, gab Young jungen Musikern ihre Möglichkeiten. Legendär wurde sein Gespür für große Talente, Roger Miller, Johnny Paycheck, die Wilburn Brothers, Gordon Terry und sogar ein Willie Nelson gehörten u.a. seiner Band an. Letzterer schrieb den Song, mit dem Young 1961 seine 4. No. 1 hatte und damit einen wichtigen Beitrag zu dem lieferte, was als „Nashville Sound“ Furore machen sollte: „Hello Walls“.

Danach hielt Young sich zwar in den Charts aber ein weiterer Knaller stellte sich erst 1969 wieder ein mit „Wine Me Up“. Er arbeitete viel, kümmerte sich wenig um seine Zukunft und mußte viel Lehrgeld zahlen. Zu lange vertraute er Menschen, die mit seinem Geld wirtschafteten – nicht unbedingt zu seinem Vorteil. Young sagte einmal: „Eines Tages wurden mir die Augen geöffnet. Ich erkannte, dass ich mich selbst betrog. Mir hätte es besser gehen müssen, ich konnte mehr Geld verdienen, ich konnte mich selbst wieder in die Spur bringen und der Industrie Einiges zurück geben. Das habe ich dann auch getan.“ Faron Young krempelte sein gesamtes Umfeld um. Mit Billy Deaton fand er die Vertrauensperson. Mit ihm arbeitete er viele Jahre zusammen. Young gab seiner Band „The Deputies“ ein neues Outfit und machte sie zu einer der besten Bands im Nashville der 1960er und 1970er Jahre. Und er stieg auch als Geschäftsmann ein. Nicht alle Investitionen freilich erwiesen sich als glücklich, sein bekanntestes zweites Standbein wurde „Music City News“, eine über viele Jahre sehr populäre Zeitschrift, die Faron Young gründete und mit viel Geschick steuerte. Auch im Hotelgeschäft war er aktiv, ihm gehörten Musikverlage und er machte mit Immobilien Geschäfte.

Mit „Wine Me Up“ deutete sich noch nicht unbedingt eine Kehrtwendung in seiner Musik an, die aber schon bald anstehen sollte. Mit u.a. einem im Honky Tonk Sound gehaltenen Remake seines ersten Hits „Goin‘ Steady“, mit „Step Aside“ und „Leaving And Sayin‘ Goodbye“ startete er wie gewohnt in die 70er Jahre. Dann gelang ihm 1971 mit „It’s Four In he Morning“ eine weitere No. 1, die ihn als „Nashville Sound Star“ etablierte und als Balladensänger hoffähig machte. Das eröffnete ihm lukrative Pfründe. Als Live Entertainer blieb er jahrelang sehr gefragt. Aber der Song sollte auch sein letzter großer Hit bleiben.

Nach den so erfolgreichen Jahren bei Mercury versuchte es Faron Young ab Ende der 70er Jahre bei MCA Records und ein weiteres Jahrzehnt später bei Step One Records. Mehr als Achtungserfolge sprangen nicht mehr heraus. Für einen Mann mit seinem Ego, seinen Ansprüchen, seiner Karriere war es schwer, sich daran zu gewöhnen, dass ihn die Entwicklung überrollte und ihn nicht vor dem Schicksal verschonte, das fast all seine Kollegen ereilte. Die sich immer mehr kommerzialisierende Country Music mit ihren nahezu grenzenlosen Möglichkeiten, Künstler zu Stars zu machen, brauchte einen in die Jahre gekommenen Faron Young nicht mehr. Auch geschäftlich lief es nicht mehr ungetrübt und wie gewohnt. So mußte er „Music City News“ verkaufen, wenig später gab es sie nicht mehr. Mit dieser für ihn desillusionierenden Situation ging Faron Young anders um als seine „Leidensgenossen“. Offenbar hat das Leben für ihn seinen Sinn verloren – am 10. Dezember 1996 setzte er seinem Leben selbst ein Ende!

Was ist geblieben von diesem schillernden Künstler, der kein Trendsetter war. Kein Künstler, der Neues in die Country Music einbrachte sondern, der wusste wohin er wollte. Er hat gezeigt, dass man mit starkem Willen und der Bereitschaft, die Mechanismen einer Industrie zu nutzen und dabei eigene Vorlieben zu ignorieren, Berge versetzen kann. Hinterlassen hat Faron Young eine ganze Menge von Aufnahmen unterschiedlicher Machart, die ihn allesamt als einen begnadeten Sänger ausweisen. Völlig zu Recht wurde er deshalb in die Country Music Hall of Fame aufgenommen.

   
The Millennium Collection
CD: „The Millennium Collection“
Erscheinungsdatum: 2003
Label: Universal

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Trackliste:

01. Keeping Up With The Joneses
02. Walk Tall
03. Unmitigated Gall
04. I Just Came to Get My Baby
05. Wine Me Up
06. Your Time’s Comin‘
07. If I Ever Fall in Love (With a Honky Tonk Girl)
08. Goin‘ Steady
09. Step Aside
10. Leavin‘ and Sayin‘ Goodbye
11. It’s Four in the Morning
12. This Little Girl of Mine

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