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Gary P. Nunn: Texas Country-Urgestein

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Seine Karriere begann bereits in den frühen 1960er Jahren, seither ist der Sänger und Songschreiber Gary P. Nunn in der texanischen Musik so fest verwurzelt wie kaum ein anderer Künstler. Seit mehr als einem halben Jahrhundert fungiert er als eine Art Botschafter für die Musik aus dem Lonestar State. Sein Weg war zwar mit Höhen und Tiefen gepflastert, aber er ging ihn gradlinig bis hinein in die Gegenwart.

Heute nennt man ihn gern eine texanische Institution, auch wenn er nicht den Bekanntheitsgrad eines Willie Nelson, Johnny Bush oder Jerry Jeff Walker erreichte. Sie sind aber lange Jahre miteinander befreundet und mit ihnen hat Nunn oft und viel gearbeitet.

Eigentlich stammt er aus Oklahoma (geboren 1945), doch noch während der Grundschulzeit zog er mit seinen Eltern nach West Texas. In Brownfield bei Lubbock absolvierte er seine Schulausbildung zu Ende und unternahm erste ernsthafte Schritte in Richtung einer Karriere als Musiker. Er gehörte einer der vielen so genannten „Garagen-Bands“ an. 1968, inzwischen Pharmazie-Student in Austin, etablierte er sich in der dortigen Musik-Szene, zu der Anfang der 70er Jahre auch Willie Nelson, Michael Martin Murphey und Jerry Jeff Walker stießen. Gary P. Nunn spielte Bass für alle drei von ihnen. Zudem machte Nunn nun auch als Songschreiber von sich Reden.

Während seiner Zeit bei und mit Michael Martin Murphey schrieb Nunn u.a. den „London Homesick Blues“ – einen Song, der seither Geschichte geschrieben hat. Nicht von ungefähr war er 20 Jahre lang Titelsong der TV-Serie Austin City Limits. Nunn über dieses Lied: „Ich habe es damals in London geschrieben, um Zeit tot zu schlagen, es als eine Übung angesehen, einen humorvollen, kauzigen Country-Song zu schreiben. Nie hätte ich gedacht, dass daraus einmal ein Kult-Song werden könnte. Keiner war mehr überrascht davon als ich.“ Aber noch etwas brachte er damals von seinem Besuch in England mit. Nunn: „Ich lernte in London einen Verleger kennen, der mehr als die Hälfte der Songs in den Charts in seinem Verlag hatte. Das veranlasste mich, einen eigenen Musikverlag zu gründen.“ Eine kluge Entscheidung, wie sich seither erwiesen hat. Mehr noch, Nunn startete mit Guacamole Records auch seine eigene Plattenfirma und hat die Karriere gemeinsam mit seiner Ehefrau komplett selbst gesteuert. So behielt er alle Entscheidungen, vor allem auch die künstlerischen, in eigenen Händen. Das hat ihm und seiner Karriere gut getan!

Die 70er Jahre waren für ihn geprägt von seiner Arbeit als Teil der Lost Gonzo Band, die zunächst mit Jerry Jeff Walker verbunden war, ab etwa 1977 eigene Wege ging und sich 1980 auflöste. Sowohl bei Plattenaufnahmen von Walker als auch denen der Band war Nunn ein wichtiger Musiker und Songschreiber. Danach startete Gary P. Nunn eine eigene Solo-Karriere, eine sehr erfolgreiche muss man hinzufügen. Es gibt keine halbwegs namhafte Musik-Lokalität, in der er nicht immer wieder aufgetreten wäre. Darunter natürlich auch solche Kult-Stätten wie das „Silver Dollar“, die „Gruene Hall“, das „Broken Spoke“, der „Longhorn Ballroom“, das „Armadillo World Headquarter“ und so weiter, und so weiter.

Gary P. Nunn

Was meistens weniger beachtet wird sind Erfolge als Songschreiber. Gary P. Nunn ist stolz, Künstler wie David Allen Coe, Rosanne Cash (Couldn’t Do Nothing Right), Willie Nelson (The Last Thing I Needed The First Thing This Morning), natürlich Walker und Murphey aber auch viele andere Stars mit Liedern versorgt zu haben.

Mitte der 80er Jahre kehrte er in seine Heimat nach Oklahoma zurück und betrieb dort neben seiner musikalischen Arbeit eine ansehnliche Rinderranch, die er geerbt hatte. Beides verband er miteinander, indem er auf dem Ranch-Gelände ein Festival veranstaltete, das jungen Musikern und Talenten die Gelegenheit bot, sich unter Mithilfe erfahrener Profis live zu präsentieren. Seine Frau Ruth war ihm immer eine unersetzbare Stütze. Erst 2003 kehrten die Nunns dann zurück nach Austin.

Im Jahre 1993 schloss sich Gary P. Nunn dem kleinen Label Campfire Records aus San Antonio an, bei dem einige prächtige Alben seither erschienen sind. Das derzeit aktuellste von mehr als einem Dutzend Solo-Alben des Gary P. Nunn trägt den Titel „One Way Or Another“. Es enthält 13 prime Songs, die alles enthalten, was man sich von typischer Country Music „made in Texas“ verspricht. Egal ob „Feels Like Texas“, „I Feel At Home In A Honky Tonk“, „Cowboy Boots And Telecasters“, „My Way Is The Highway” oder das programmatische „Where’s The Country In Our Country Music” – das Album fühlt sich an wie eine kräftige und frische Brise an einem Frühjahrsmorgen im Hill Country. Dieses Feeling kann man nicht nur, man sollte es sich auch in die eigenen vier Wände holen.

Gary P. Nunn, der mit seiner Band „The Sons Of The Bunkhouse“ nach wie vor regelmäßig auf der Bühne steht und der in Europa schon seit Jahren viele treue Fans hinter sich weiß, ist zufrieden, mit dem, was er erreicht hat. Auf die Frage, worauf er besonders stolz sei, antwortet er ohne zu zögern: „Darauf, dass ich zum West Texas Walk of Fame in Lubbock gehöre. Mit Burschen, die meine Vorbilder waren, Buddy Holly, Bob Wills, Waylon Jennings, Roy Orbison… Für mich ist das das Größte! Und wenn ich heute im Radio höre, dass ich neben Hank Williams, Hank Thompson, Willie Nelson und Johnny Bush gespielt werde, kommen mir fast die Tränen vor Rührung. Ich habe immer versucht, die Stile, die unsere Musik in Texas ausmachen, zu erhalten, sie miteinander zu verbinden und nach außen hin zu vertreten. Texas hat eine so vielfältige Musik-Kultur. Ich werde nicht nachlassen, dazu beizutragen, diese zu bewahren.“

Es wird ihm gelingen – „One Way Or Another“ – auf die eine oder auf die andere Art!

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