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John Prine: Ein großer Musiker fällt dem Virus zum Opfer

Am 7. April 2020 starb John Prine an den Folgen seiner Covid-19-Erkrankung.

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John Prine John Prine. Bildrechte: Oh Boy Records

Es geht ein ganz großer Künstler der amerikanischen Musikszene von uns. Gestern am 7. April 2020 starb John Prine mit 73 Jahren an den Folgen seiner Covid-19-Erkrankung. Vergebens hatten seine Familie und seine vielen Fans gehofft, er könne sich erholen, nachdem er am 29. März ins Krankenhaus eingeliefert worden war. John Prine war ein Kämpfer, denn er hat 1998 dem Kehlkopfkrebs getrotzt, doch diesmal war die Krankheit stärker.

Geboren wurde John Prine am 10. Oktober 1946 in Maywood, in Illinois, wo er in der Musikszene Chicagos begann. Als er im vergangenen Jahr zum Mitglied der Songwriter Hall of Fame vom Billboard interviewt wurde, erzählte er, dass seine ersten Idole Bob Dylan, Kris Kristofferson und „Cowboy“ Jack Clement waren. Als Aschenputtel-Geschichte bezeichnete Prine, dass er in einem Club in Chicago auftrat, als auch Kristofferson vor Ort war, ihn auf die Bühne bat und letztlich der Grund war, dass Prine 1971 seinen ersten Plattenvertrag erhielt.

Er sang viele seiner Songs selber, aber dem breiten Publikum wird er vor allem als genialer Songschreiber in Erinnerung bleiben: Mit seinem Freund Steve Goodman schrieb er einen der witzigsten Country-Songs, in dem die beiden das Genre mächtig verulken. David Allan Coe nahm sich mit Erfolg des Liedes an und „You Never Even Called Me By My Name“ wurde eine Nummer 8 im Jahr 1975. Aber er schrieb auch für Johnny Cash (Sam Stone), Bette Midler (Hello In There) oder das tolle „Angel From Montgomery“ mit Bonnie Raitt. Seine Lieder waren oft genaue Beobachtungen, witzig, frech, aber auch kritisch und traurig, wie „Paradise“, das über die Verwüstungen durch die Kohlenindustrie in Kentucky berichtet, eine Nummer 26 für Lynn Anderson im Jahr 1975. „Unwed Father“, das Tammy Wynette sang, beschreibt die Leidensgeschichte unverheirateter Mütter. Er machte sich über die Anhänger von Hare Krishna lustig „Come Back To Us Barbara Lewis Hare Krishna Beauregard!), aber er konnte auch Popsongs wie Kim Carnes‚ „Speed Of The Sound Of Loneliness“.

Zwei Country-Nummer-Eins-Hits hat er verfasst: 1983 „Love Is On The Roll“ für Don Williams und 1998 für George Strait das lockere „I Just Want To Dance With You“. Insgesamt 15 Album schafften es in die Bestenlisten, doch erst 2016 gelang ihm ein großer kommerzieller Erfolg mit „For Better Or Worse“. Hier hatte er wunderbare Country-Klassiker im Duett mit Kolleginnen aufgenommen. Es sind herrliche Songs und wenn ich mir gerade „Fifteen Years Ago“ mit Lee Ann Womack anhöre, merke ich, welchen Verlust wir beklagen müssen. Sein allerletztes Album war denn auch sein größter Erfolg, denn „The Tree Of Forgiveness“ kam bis auf Platz 5 der Top Album Charts des Billboard.

Es würde John Prine gefallen, wenn wir seiner mit einem Lied gedenken, das er für „Sweet Revenge“ 1973 aufgenommen hat. „Please Don’t Bury Me“ ist ein lustiges Lied über seinen eigenen Tod: „Ich wachte heute morgen auf, lief in die Küche und war tot. Ich war ausgerutscht und mit dem Kopf aufgeschlagen. Meine letzte Worte waren: Bitte begrabt mich nicht im kalten Boden“. Dann schlägt er vor, dass man seinen Körper doch bitte aufteilen soll. Es endet mit: „Die Blinden können meine Augen haben und die Tauben meine Ohren, wenn ihnen die Größe nichts ausmacht.“

John Prine, du wirst unvergessen bleiben.

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Über Franz-Karl Opitz (724 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditional Country. News & Storys, Charts, Rezensionen.
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