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Anne Haigis: Carry On

Mit "Carry On" hat Anne Haigis ein starkes Album am Start.

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Anne Haigis - Carry On Anne Haigis - Carry On. Bildrechte: Westpark Music

Nicht jeder der den Namen Anne Haigis hört, verortet die Sängerin sofort in der Countrymusik. Ihre kommerziell erfolgreichste Phase hatte die Musikerin in den achtziger Jahren mit deutschsprachigen, im Rock verwurzelten Songs. Später wandte sie sich in ihren Liedern auch der englischen Sprache zu, dem Southern Rock, Folk, Country und Gospel. Auch das neue Album Carry On strahlt genau in diese Richtung.

Fast sanft gelingt der Sängerin mit „Come Dance“ der Einstieg in das Album. Aufgenommen in Los Angeles und Nashville, ist der Song sparsam instrumentiert, gitarrenorientiert. Ruhig und eindringlich gesungen macht er deutlich, wohin die Reise in den nächsten Minuten musikalisch geht. Die Melodie hat irgendetwas Unterbewußtes, das im Ohr haften bleibt und das man kaum abzuschütteln vermag. „Jeder der zehn Songs stellt für mich eine enge Verbindung zu persönlichen Begegnungen und prägenden Ereignissen und Erfahrungen dar“, schreibt die Sängerin und erinnert sich z.B. in „Um Dich doch zu bewahr’n“ an ihren Entdecker und Förderer Wolfgang Dauner, der sie „sowohl im Leben als auch in der Musik stark geprägt hat“. Mit „Emily im Park“ holt sie sich durchfeierte Nächte in Jazz- und Rockclubs zurück, ihre wilde Zeit in Stuttgart, in der das Leben end- und grenzenlos erschien. Erlebnisse aus früher Kindheit, kleine und große Ängste, die ihren Ursprung in dunklen Kellern und fehlender Zuwendung haben, kommen in „Heckenschützen der Angst“ zum Ausdruck. Im Titelsong „Carry On“ wechselt die Gitarre als tragendes Instrument zum Piano. Von Franz Benton erdacht und ursprünglich als Duett geschrieben, wirkt das Lied in der Solo-Interpretation von Anne Haigis fast schon wie eine Hymne. Sehr schön auch: die Version von Zucchero’s „Un Soffio Caldo“, die untermalt von treibenden Pianoläufen, ein herausragendes Musikstück auf dem Album ist.

Noch ein Highlight: Das melodisch wunderschöne, von Tony Carey schon vor mehr als 20 Jahren geschriebene „No Man’s Land“, über das immerwährende Thema Krieg, Leid, Vertreibung und Flucht. Ein Thema das wohl nie aus der Zeit fällt und immer aktuell bleiben wird. „Closer To Fine“ schließlich, eine Coverversion des Hits der Indigo Girls (aus dem Jahr 1989) läßt mit seiner beschwingten Melodie und einer akzentuiert eingesetzten und unaufdringlichen Fiddle, eine gewisse Fröhlichkeit beim Zuhörer aufkommen und beschreibt die oft ergebnislose und nervenaufreibende Suche nach dem Sinn des Lebens und dem eigenen Ich. Die Antwort: „It’s Only Life After All“.

Während viele Menschen seit Monaten im „Homeoffice“ sind, befinden sich viele Künstler in ihrer „Homerecording“–Phase, in der man viele Dinge neu reflektiert, die Sichtweise verändert. Auch für Anne Haigis ist es eine Zeit, in der sie einmal mehr feststellte, dass ihr das „… Entdecken und Aneignen technischer Details und Innovationen der Aufnahmetechnik viel mehr Befriedigung verschafft, als Handtaschen zu shoppen.“ So war es auch überhaupt kein Problem, dieses Album aufzunehmen. Jeder der Musiker nahm seinen Part in seinem eigenen Studio auf. Durch das jahrelange Zusammenspiel auf Tourneen war es für die Musiker ein Leichtes, miteinander zu kommunizieren, sich zu verstehen und zu verbinden. Das ist heute schon längst ein gängiges Verfahren, wie Alben international aufgenommen werden. Das klappt hervorragend, wie das Ergebnis zeigt.

Fazit: „Carry On“ ist ein Album mit durchweg nachhaltigen Songs, die nicht an das heute und jetzt geknüpft sind, sondern auch künftig Bestand haben. Musikalisch sind die zehn neuen Lieder sehr stark verwurzelt im Folk, überschreiten aber auch mehrmals die Linie zum Country. Es ist eine spezielle und eigenwillige Mixtur, die sich dem Hörer darbietet. Sie ist fast durchgängig balladesk und strahlt eine besondere Ruhe aus. Bei der Umsetzung verzichtet Anne Haigis fast vollständig auf den vielfach beschworenen Stecker in der Steckdose und setzt stattdessen hauptsächlich auf akustische Instrumente wie Mandoline, Flöte, akustische Gitarren, Cello und Streicher. Dazu wird der Hörer beschenkt mit einem wundervollen, aufwändig gestalteten Booklet mit vielen tollen Fotos.

Anne Haigis – Carry On: Das Album

Anne Haigis - Carry On

Titel: Carry On
Künstler: Anne Haigis
Veröffentlichungstermin: 7. Mai 2021
Label: Westpark Music
Vertrieb: Indigo
Formate: CD & Digital
Laufzeit: 46:45 Min.
Tracks: 10
Genre: Country & Folk, Rock

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Trackliste: (Carry On)

01. Come Dance
02. Emily im Park
03. Carry On
04. Heckenschützen der Angst
05. Un soffio caldo
06. No Man’s land
07. Um Dich doch zu bewahr’n
08. Haut für Haut
09. Closer To Fine
10. Wer fragt nach mir

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Über Andreas Weihs (111 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.