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Van Morrison: Latest Records Project Vol. 1

Die Musiklegende hat ein Meisterwerk geschaffen: Er verbindet Blues, Rock & Country!

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Van Morrison - Latest Records Project Vol. 1 Van Morrison - Latest Records Project Vol. 1. Bildrechte: Exile, BMG Rights Management

Es sind so viele „Shalala’s“ gleich zu Beginn zu hören. Das klingt fast schon wie ein angehender Party-Song, der zudem auch noch Stadl-fähig ist und zu dessen Melodie es sich sogar gut schunkeln läßt. Ein Volltreffer, den Van Morrison hier schon mit dem Opener und Titelsong seiner neuen Liederkollektion Latest Records Project Vol. 1 abliefert und gleichzeitig sagt: schaut her ich bin noch da und besser denn je! Gleich auf zwei silbernen und drei schwarzen Scheiben serviert uns der 75-jährige Ausnahmemusiker unglaubliche 28 neue Songs. Wie nur wenige andere Künstler steht Van Morrison nicht nur für Quantität, sondern vor allem auch für musikalische Qualität. Über die Aussagen in seinen aktuellen Texten kann allerdings kontrovers diskutiert werden.

Der Nordire hat seine Gefühle zu den Einschränkungen und Regeln der Covid-Pandemie sehr deutlich gemacht, die Idee von sozial distanzierten Konzerten als „Pseudowissenschaft“ kritisiert und im vergangenen Jahr insgesamt vier Coronavirus-Protestlieder veröffentlicht, eines davon sogar gemeinsam mit Eric Clapton. In einer Erklärung zu diesen Lockdown-Songs sagte Morrison: „Ich sage den Leuten nicht, was sie tun oder denken sollen, die Regierung leistet bereits großartige Arbeit! Es geht um Wahlfreiheit, ich glaube, die Leute sollten das Recht haben für sich selbst zu denken.“ Nordirlands Gesundheitsminister Robin Swann bezeichnete diese Songs aber als „gefährlich“ und er wird im „Rolling Stone“ folgendermaßen zitiert: „Morrison’s Worte werden den Verschwörungstheoretikern großen Trost spenden – der Zinnfolienhut-Brigade, die gegen Masken und Impfstoffe kämpft und der Meinung ist, dass dies alles eine riesige globale Verschwörung ist, um Freiheiten zu beseitigen.“

Von den besagten Aufnahmen befindet sich allerdings keine auf dem vorliegenden Album. Auch hier läßt sich nur spekulieren, warum. Dennoch ist mit „Deadbeat Saturday Night“ ein Song über das Leben im Lockdown enthalten. Frustriert singt er darin: „Kein Leben, keine Auftritte, keine Wahl, keine Stimme“. Ob die Einschränkungen im Lockdown seine Kreativität beflügelten oder ob die verordnete Isolation seine Gedanken in eine bestimmte Richtung trieb, lässt sich nur vage beantworten. Vieles spricht aber dafür. Allein die Songtitel, wie „Where Have All the Rebels Gone?”, „Stop Bitching, Do Something“, „Psychoanalysts‘ Ball“, „Diabolic Pressure“ und „They Own the Media” lassen schon erahnen, wie es tief in der Gefühlswelt von Van Morrison aussieht. Die Musikpresse und ihre Besitzer sind ebenso vom Umschlag betroffen (They Own The Media), wie die sozialen Medien. In „Why Are You on Facebook?“ fragt er: „Warum bist du auf Facebook? Warum brauchst du ‚Second-Hand‘-Freunde? Warum interessiert es dich wirklich, wer im Trend liegt?“ Zugegeben: gute Fragen!

„Latest Record Project“ ist aber auch wiederum gespickt mit musikalischen Höhepunkten. Der Country Blues „Thank God For The Blues” begeistert mit einem wunderbaren Call & Response, man wird einfach mitgerissen von der locker-flockigen Melodie und der Coolness des Sängers. Gleiches gilt auch für „A Few Bars Early“, Countrymusik mit Hammond-Orgel (Tasten gedrückt von Richard Dunn) – eine eigenwillige, vielleicht gewagte, aber in jedem Fall hörenswerte Kombination. Für „Big Lie“ holte sich Morrison keinen geringeren als Colosseum-Urgestein Chris Farlowe vor das Gesangsmikrofon. Im Duett schmettern die beiden einen erdigen Blues um die Wette. Das flotte, ebenfalls von Dunn’s Hammond dominierte „It’s Only A Song“ strahlt ungekünstelte Fröhlichkeit aus. Morrison selbst ist mit dem Saxophon dabei, was der Nummer immer noch eine gewaltige Note an Musikalität draufsetzt.

Fazit: Musikalisch gibt es an „Latest Record Project Vol. 1“ kaum etwas zu kritisieren. Die Umsetzung ist ausnehmend gut gelungen, die Produktion klingt frisch und modern. Das neue Material strotzt vor Lebendigkeit und verblüffender Direktheit. Alles dargeboten von einem Musiker, dessen Performance in einem Atemzug mit dem Begriff Coolness genannt werden muss! Van Morrison ist nicht nur charismatischer Sänger, er setzt auch mit seinem Saxofonspiel bemerkenswerte Akzente. Als Person mag er eigenwillig bis egozentrisch sein, als Musiker befindet er sich immer auf einer höherwertigen Qualitätsstufe und das auch mit Erfolg. Ein Album, das ohne DEN bombastischen Hit auskommt, das aber von vorn bis hinten gut hörbar ist.

Für die Chronisten sei noch erwähnt, dass im Booklet alle Details und Musiker zu den jeweiligen Titeln aufgeführt sind.

Van Morrison – Latest Records Project Vol. 1: Das Album

Van Morrison - Latest Records Project Vol. 1

Titel: Latest Records Project Vol. 1
Künstler: Van Morrison
Veröffentlichungstermin: 7. Mai 2021
Label: BMG Rights Management
Vertrieb: Warner
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 127:46 Min.
Tracks: 28
Genre: Blues, Rock, Country

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Trackliste: (Latest Record Project Vol. 1)

01. Latest Record Project
02. Where Have All The Rebels Gone
03. Psychoanalysts‘ Ball
04. No Good Deed Goes Unpunished
05. Tried To Do The Right Thing
06. The Long Con
07. Thank God For The Blues
08. Big Lie
09. A Few Bars Early
10. It Hurts Me Too
11. Only A Song
12. Diabolic Pressure
13. Deadbeat Saturday Night
14. Blue Funk

Trackliste: (CD 2)

01. Double Agent
02. Double Bind
03. Love Should Come With A Warning
04. Breaking The Spell
05. Up County Down
06. Duper’s Delight
07. My Time After A While
08. He’s Not The Kingpin
09. Mistaken Identity
10. Stop Bitching, Do Something
11. Western Man
12. They Own The Media
13. Why Are You On Facebook
14. Jealousy

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Über Andreas Weihs (111 Artikel)
Fotograf und Journalist. Fachgebiet: Country & Folk. Rezensionen und Konzertberichte.