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Hezekiah Procters begeisternde musikalische Zeitreise

Konzert im Alten Volksbad Mannheim: An der historischen Schnittstelle von Old Time, Country, Blues, Folk und Jazz.

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Hezekiah Procter - Live in Mannheim Hezekiah Procter - Live in Mannheim. Bildrechte: Thomas Waldherr (Country.de)

Es war ein funkensprühender Abend: Hezekiah Procter alias Li’l Andy nahm das Publikum im Alten Volksbad Mannheim mit auf eine Zeitreise besonderer Art. Mitten hinein in die 1920er Jahre. Als es noch keine Genretrennung zwischen Jazz, Blues, Country und Folk gab. „We are playing all kinds of music“, sagt denn auch die Kunstfigur Hezekiah Procter auf der Bühne des kleinen Konzertraums. Und so ist es. Das vierköpfige Ensemble – neben Procter wirken mit „Jeremiah Isosceles Procter“ (Geige), „Clayton ‚Papa‘ Hunsucker“ (Tuba & Percussion) und „Derwood ‚Sonny‘ Wilson“ (Banjo) mit – spielt Mörderballaden, religiöse Songs, Gewerkschaftslieder, Werbesongs und Liebeslieder und kennen keine Genretrennung.

Zeitkolorit, Humor und mitreißende Musik

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Hezekiah Procter ist der charismatische Bandleader, der pathetische Ansagen und allerlei Lebensweisheiten von sich gibt. Geschickt verbindet er Historisches mit Aktuellem. Sei es ein kleiner Exkurs über politische Polarisierung in den USA und Europa oder die Erinnerung daran, dass in Mannheim von Carl Benz das Automobil erfunden wurde. Letzteres führt dann gleich in den Song „Get Behind The Wheel (of an Auto-mobile!)“. Einen weiteren Song kündigt er als Sponsoren-Song an. „In The Roebuck Catalogue“ ist dann auch ein flottes Old Time-Stück. Und den Roebuck Catalogue gab es tatsächlich. Ab Ende des 19. Jahrhunderts konnte man in den USA mit diesem einzigen Katalog alles kaufen, von Betten und Werkzeugen bis hin zu Kleidung und Opium, Hörrohren, Pferdekutschen und Bibeln. Für den Flächenstaat USA mit seinen ländlichen Gegenden war das ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Von Mörderballaden bis zu religiösen Songs

Li’l Andy hat mit Hezekiah Pocter ein eigenes Universum geschaffen, das den realen 1920er Jahren in den USA zum Verwechseln ähnlichsieht. Und er hat die Zeithintergründe genau studiert. Und so schüttelt er in Mannheim immer wieder ebenso humorvolle wie kenntnisreiche Ansagen aus dem Ärmel. Seine Schilderung des Inhaltes der Mörderballade „Jennie Blythe“ entlarvt gleichzeitig auch die böse Absurdität dieser Musikgattung. Er hebt seine Stimme zum klassenkämpferischen Pathos bevor der kämpferische Worker’s Song „When The Fire Comes Down“ angestimmt wird. Nur um danach ins religiöse predigen zu kommen, wenn er Songs wie „I See Jesus Coming Down The Road“ anstimmt.

Starke Ensembleleistung

Doch bei allem Sendungsbewusstsein dieses Hezekiah Procter – es ist vor allem auch eine große Ensembleleistung. Seine drei Mitmusiker kommen aus Großbritannien und sind dort als Old Time Music-Band „Sheesham, Lotus & Son“ bekannt. Die drei sind echte Typen und ergänzen Hezekiah kongenial. Jeremiah Procter ist der Bruder von Hezekiah und gibt auf der Bühne dessen lautstarken Herold. Er ist fein gekleidet und frisiert und ist der geborene Verkäufer. Der dürre, ältliche „Papa“ Hunsucker spielt das Sousaphon und brilliert am Glockenspiel. Und „Sonny“ Wilson ist der derb-humorvolle Banjospieler und Veteran so mancher Medicine Show. Zusammen mit Hezekiah Procter spielen sie großartige, mitreißende, unterhaltsame Musik, die das Konzert zu einem großartigen, stimmungsvollen Abend werden lässt.

Hezekiah Procter - Live in Mannheim

Hezekiah Procter – Live in Mannheim. Bildrechte: Thomas Waldherr (Country.de)


Und so begeistern die vier an diesem Abend das Publikum im gut gefüllten Konzertraum restlos. Ein kleine Konzertjuwel, das mitreißend war und das uns mit einem breiten Lächeln in die Mannheimer Nacht entließ. Eines der schönsten Konzerte der letzten Jahre.

Hezekiah Procter auf Deutschland-Tour

Hezekiah Procter spielt noch einige Konzerte in Deutschland. Wer in der Nähe ist, sollte sie nicht verpassen.

23.06: Roding, Germany – Tennis-Club
25.06: Hamburg, Germany – Hafenklang (Slim Cessna’s Auto Club)
26.06: Braunschweig, Germany – Das KULT
27.06: Schwalmstadt, Germany – Hotel Rosengarten

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Über Thomas Waldherr (823 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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