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Wie Mumford & Sons zu Nashvilles Lieblings-Briten wurden

Mit Sierra Ferrell, Chris Stapleton und Luke Combs: Warum die britische Folk-Band heute enger mit der Country-Szene verbunden ist als jemals zuvor.

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Mumford & Sons Mumford & Sons. Collage (Country.de) // Photo Credit: © Künstler, Promo (Universal Music)

Mumford & Sons galten lange als Aushängeschild des modernen Folk. Doch Kooperationen mit Sierra Ferrell, Chris Stapleton, Luke Combs und Lainey Wilson zeigen: Die Briten sind längst mehr als nur Folk-Musiker. Warum ihre Geschichte gleichzeitig die Geschichte einer neuen, offeneren Countrymusik ist.

Kurz erklärt

Künstler: Mumford & Sons
Aktuelle Single: „Here“ (mit Sierra Ferrell)
Album: Prizefighter (2026)
Genre: Folk, Americana, Country-Folk
Wichtige Kollaborationen: Chris Stapleton, Sierra Ferrell, Luke Combs, Lainey Wilson
Thema: Warum Folk und Country heute enger zusammenrücken als je zuvor.

Mit der neuen Version ihres Songs „Here“, aufgenommen gemeinsam mit Sierra Ferrell, liefern Mumford & Sons das jüngste Beispiel für ihre enge Verbindung zur Countrymusik. Noch vor wenigen Jahren hätte wohl kaum jemand erwartet, dass eine britische Folkband regelmäßig mit einigen der größten Namen aus Nashville zusammenarbeitet. Doch genau das ist inzwischen Realität.

Dabei teilen Country und Folk eigentlich dieselben Wurzeln. Beide Genres entstanden aus traditionellen Liedformen, Geschichten des einfachen Lebens und akustischer Instrumentierung. Dennoch entwickelten sie sich in den vergangenen Jahrzehnten oft in unterschiedliche Richtungen. Während sich Countrymusik zunehmend dem Mainstream öffnete, verstand sich die moderne Folk-Szene häufig als Gegenentwurf zu kommerziellen Trends.

Natürlich ist das eine Vereinfachung. Doch viele Country-Fans blickten lange skeptisch auf die großen Folk-Acts der 2010er Jahre, während umgekehrt manche Folk-Künstler Countrymusik auf Cowboy-Klischees reduzierten. Erst in den vergangenen Jahren begann diese Trennung sichtbar zu bröckeln.

Einen entscheidenden Anteil daran hatten Künstler wie Noah Kahan. Mit seinem Erfolgsalbum „Stick Season“ und Kooperationen mit Kacey Musgraves, Brandi Carlile, Post Malone oder Kelsea Ballerini öffnete er die Tür für eine neue Generation von Künstlern, die sich nicht mehr um Genregrenzen kümmern.

Und genau an diesem Punkt kommt Mumford & Sons ins Spiel.

Mumford & Sons entdecken Nashville

Seit ihren ersten Erfolgen gelten Mumford & Sons als eine der prägendsten Bands des modernen Folk. Die kraftvollen Harmonien, die markanten Banjo-Klänge und die großen Refrains machten die Briten zu Wegbereitern einer ganzen Bewegung, die später als „Stomp-and-Holler-Folk“ bekannt wurde.

Viele heutige Künstler – darunter Noah Kahan oder Hozier – nennen Mumford & Sons als wichtigen Einfluss. Doch während die Band lange fest in der Folk-Welt verankert war, hat sie in den vergangenen Jahren ihre Verbindung zur Countrymusik immer stärker betont.

Nach ihrer siebenjährigen Pause kehrten Mumford & Sons 2025 mit dem Album „Rushmere“ zurück. Ein Jahr später folgte Prizefighter, das zwar weiterhin klar im Folk verwurzelt ist, gleichzeitig aber zahlreiche Americana- und Country-Einflüsse erkennen lässt.

Dabei wird schnell deutlich: Die Liebe zur Countrymusik ist keineswegs einseitig. Auch in Nashville genießt die Band inzwischen enormen Respekt.

Mit Lainey Wilson, Darius Rucker und der Grand Ole Opry auf einer Bühne

Besonders sichtbar wurde diese Entwicklung während der Railroad Revival Tour 2025. Statt klassischer Vorbands holten Mumford & Sons einige der bekanntesten Namen der Country-Szene mit auf die Bühne.

Lainey Wilson, Darius Rucker, Brandi Carlile und Old Crow Medicine Show gehörten zu den Gästen, die gemeinsam mit Marcus Mumford, Ben Lovett und Ted Dwane auftraten. Die Band selbst fungierte dabei oft als musikalisches Fundament der gesamten Show.

Wenig später folgte ein weiterer Meilenstein: die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Grand Ole Opry in der Londoner Royal Albert Hall.

Gemeinsam mit Luke Combs, Ashley McBryde, Carly Pearce und weiteren Stars standen Mumford & Sons auf einer Bühne, die traditionell als Herzstück der Countrymusik gilt. Spätestens hier wurde deutlich, dass die Briten längst Teil der erweiterten Nashville-Familie geworden sind.

Sierra Ferrell und Chris Stapleton als perfekte musikalische Partner

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre spiegeln sich auch auf dem aktuellen Album „Prizefighter“ wider. Obwohl das Werk eindeutig Folk bleibt, finden sich zahlreiche Elemente, die auch Country- und Americana-Fans ansprechen dürften.

Besonders deutlich wird dies beim Song „Here“. Zunächst nahmen Mumford & Sons den Titel gemeinsam mit Chris Stapleton auf. Nun folgte eine neue Version mit Sierra Ferrell, einer der spannendsten und zugleich angesehensten Stimmen der modernen Americana- und Alternative-Country-Szene.

Gerade diese Zusammenarbeit zeigt, welchen Stellenwert Mumford & Sons inzwischen innerhalb der Country-Community genießen. Sierra Ferrell gilt als Musikerin, die von Kollegen beinahe noch mehr geschätzt wird als vom Mainstream-Publikum. Ihr Einfluss innerhalb der Szene ist enorm.

Nicht ohne Grund trug Post Malone bei seinem Überraschungsauftritt während des CMA Fest 2024 ein Sierra-Ferrell-Shirt und holte die Sängerin später sogar mit auf seine Tour.

Dass nun auch Mumford & Sons mit Ferrell zusammenarbeiten, wirkt daher wie ein weiterer logischer Schritt ihrer musikalischen Entwicklung.

Warum die Grenzen zwischen Folk und Country immer weiter verschwimmen

Auch die kommende Welttournee der Band unterstreicht diese Entwicklung. Als Support-Acts begleiten unter anderem die Marcus King Band und Dylan Gossett die Tour. Zudem werden Mumford & Sons beim BST Hyde Park Festival auftreten, wo die aufstrebende Country-Folk-Künstlerin Stella Lefty als Support angekündigt wurde.

All dies bedeutet allerdings nicht, dass Mumford & Sons plötzlich zur Country-Band geworden sind. Vielmehr zeigen diese Partnerschaften, wie offen die musikalischen Grenzen heute geworden sind.

Vor zehn oder fünfzehn Jahren hätte die Vorstellung einer britischen Folkband, die regelmäßig mit Country-Stars aus Nashville zusammenarbeitet, vermutlich noch für Diskussionen gesorgt. Heute erscheint sie nahezu selbstverständlich.

Genau darin liegt die eigentliche Geschichte hinter Mumford & Sons.

Was Mumford & Sons über die Zukunft der Countrymusik verraten

Die Erfolgsgeschichte der Briten erzählt gleichzeitig viel über den aktuellen Zustand der Countrymusik. Das Genre hat sich in den vergangenen Jahren sichtbar verändert.

An die Stelle vieler Klischees und Schablonen sind wieder stärker persönliche Geschichten, authentische Emotionen und ehrliches Songwriting getreten. Künstler wie Zach Bryan, Tyler Childers oder Noah Kahan bewegen sich mühelos zwischen Folk, Americana, Indie und Country, ohne sich eindeutig festlegen zu müssen.

Mumford & Sons verkörpern diese Entwicklung wie kaum eine andere Band. Sie sind keine Country-Band und wollen vermutlich auch nie eine werden. Doch sie zeigen eindrucksvoll, wie durchlässig die Grenzen zwischen den Genres inzwischen geworden sind.

Für Fans von Country & Folk ist das eine hervorragende Nachricht. Denn selten zuvor war es so einfach, beide musikalischen Welten gleichzeitig zu genießen.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Die Zukunft der Countrymusik wird nicht durch strengere Grenzen geprägt sein – sondern durch Künstler, die sie überwinden.

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Über Dirk Neuhaus (1886 Artikel)
Seit 26 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: Traditional Country, Bluegrass. Rezensionen, News, Specials.