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„I Can’t Read Your Mind“ – Der neue gemeinsame Nelson-Dylan-Song ist typisch Willie, typisch Buddy Cannon und typisch Dylan

Willie Nelson und Bob Dylan verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft – doch gemeinsame Kompositionen sind eine Seltenheit. Warum ausgerechnet Buddy Cannon den neuen Song „I Can’t Read Your Mind“ vollenden musste und weshalb die Zeile „The letters are too small“ so typisch Dylan ist, erfahrt ihr in unserem neuen Hintergrundartikel.

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Willie Nelson – I Can't Read Your Mind Willie Nelson – I Can't Read Your Mind. Collage: (Country.de) // Cover: © (Sony Music)

Zwei Legenden. Zwei gemeinsame Songs in über 30 Jahren.

Die beiden sind seit Jahrzehnten miteinander befreundet, haben schon recht oft die Bühne miteinander geteilt, doch die Song-Kooperationen kann man im wahrsten Sinne des Wortes an den Fingern einer Hand abzählen: Willie Nelson und Bob Dylan haben lediglich zwei (!) Songs gemeinsam geschrieben. Das legendäre „Heartland“ von 1993 und den soeben auf Willies neuem Album „Dream Chaser“ erschienenen Song „I Can’t Read Your Mind.“ Der Song wurde sowohl von den Medien, als auch von Willie selbst gleich gehypt. Dieser teilte einem Instagram-Beitrag vom Freitag, 29. Mai, ein Schwarz-Weiß-Foto, das ihn gemeinsam mit Dylan zeigt, und ermutigte seine Fans dazu, in den neuen Song hineinzuhören.

Willie hypt den Song auf Instagram

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„Wir hatten vor einer Weile darüber gesprochen, gemeinsam einen Song zu schreiben“, erzählte Nelson der GQ im vergangenen Jahr. „Er hatte die Idee zu ‚I Can’t Read Your Mind‘. Wir begannen mit den Zeilen: ‚I can’t read your mind. The letters are too small.‘ Das gab ich an Buddy weiter; er nahm es sich vor und machte daraus einen guten Song. So etwas geht mit Bob ziemlich selten.“ Darum gibt es auch nur die oben genannten zwei gemeinsame Songs.

Und die Zusammenarbeit dabei gestaltet sich in der Regel auch nicht einfach. So entstand „Heartland“ dadurch, dass beide immer wieder Textzeilen auf dem Anrufbeantworter des anderen hinterließen. Das ist tatsächlich etwas anderes, als das gemeinsame Dichten auf der Front Porch oder im Tourbus, wie sich das vielleicht Romantiker vorstellen. Da Willie und Bob 2024 und 2025 gemeinsam wochenlang bei den Outlaw Festivals zusammenwaren, hätte ja die Möglichkeit bestanden, zusammen ernsthaft zu dichten. Aber so wie es Willie erzählt, ist es irgendwie auch wieder schräg. Nach den ersten beiden Zeilen, die wirklich typisch Dylan sind: „Ich kann Deine Gedanken nicht lesen, die Buchstaben sind zu klein“, erteilt Willie seinem engen Partner Buddy Cannon, der seit 2012 sechzehn (!) Platten für Nelson produziert und unzählige Songs für ihn geschrieben hat, den Auftrag, den Song weiterzuschreiben.

Von Willie und Bobby kommt der Text zu Buddy

Das Ergebnis ist dann im weiteren Verlauf nicht mehr so originell wie der Anfang, aber textlich-musikalisch typisch für die Zusammenarbeit von Willie und Buddy. Und typisch für Dylan, wegen der Anfangszeile und der wieder einmal recht unkonventionellen Art der Zusammenarbeit. Doch der Song ist keineswegs schlecht, er ist eine recht lakonische Darstellung davon, dass zwei Menschen aneinander vorbeireden oder gar nicht mehr die gleiche Sprache sprechen. Und der Sänger versucht ja auch gar nicht aktiv, die Trennung zu verhindern. Er sieht das fatalistisch. Er will nur das hören, was er versteht oder gar nichts. Egal, ob die Person geht oder bleibt.

“Why don’t you just go away
And why don’t you just stay
So I won’t need to wonder
What it is that you’re trying to say?”

Und so passt die Geschichte dann doch nicht nur in Nelsons, sondern auch in Dylans Alterswerk. Sie schließt in ihrer ungeschönten Traurigkeit an Dylans „Long And Wasted Years“ (2012, Album „Tempest“). Es ist quasi eine Country-Light-Version des Dylan’schen Themas, dass sich Paare über die Jahre auseinanderentwickeln. Was auf „Tempest“ unbarmherzig böse war, ist nun auf Willies „Dream Chaser“ melancholisch-traurig. Und damit ein typischer Country-Song.

Fazit

Auch wenn Dylan Menschen mag und verehrt, er hält immer eine gewisse Distanz. So sagt er im Dezember letzten Jahres dem Magazin „New Yorker“ über Willie: „Ich persönlich habe ihn stets als gütig, großzügig und tolerant erlebt; als jemanden, der Verständnis für die menschlichen Schwächen aufbringt – als Wohltäter, Vater und Freund.“

Doch das Schreiben von Songs bleibt für Dylan gerade im Alter weiterhin keine gesellige Angelegenheit. Er ist und bleibt der einsame Poet. Willie jedenfalls hat es ihm nicht krummgenommen. Schließlich kennen und schätzen sie sich eben seit Jahrzehnten.

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Über Thomas Waldherr (928 Artikel)
Seit 17 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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