Meldungen

Mehr als Mister Eurovision: Johnny Logans Verbindung zur Country Music

Special über seine Verbindung zur Country Music.

ANZEIGE
Hier Tickets bestellen

Johnny Logan kennt fast jeder als „Mister Eurovision“. Doch seine musikalische Geschichte führt auch nach Nashville, zu den Jordanaires und zu den gemeinsamen Wurzeln von Irish Folk und Country Music.

Johnny Logan: Mehr als nur Mr. Eurovision Johnny Logan: Mehr als nur Mr. Eurovision. Collage (Country.de) // Photo Credit: © Manfred Baumann

Johnny Logan – bei diesem Namen denken die meisten zunächst an den Eurovision Song Contest. An „What’s Another Year“, „Hold Me Now“ und an einen Sänger, der europäische Musikgeschichte geschrieben hat. Mit Country Music wird Logan dagegen nur selten in Verbindung gebracht. Dabei zieht sich die Nähe zu Country, Folk und amerikanischer Roots Music erstaunlich deutlich durch seine Karriere.

ANZEIGE
Hier Tickets bestellen

Wer etwas tiefer in die musikalische Geschichte des Iren eintaucht, entdeckt Nashville, die Jordanaires und ein Album, auf dem Fiddle, Dobro und irische Traditionals auf amerikanische Songs treffen. Sogar die Geschichte seines ersten großen Eurovision-Erfolgs besitzt eine unerwartete Verbindung zur Country Music.

Der „Mister Eurovision“

Zunächst führt natürlich kein Weg am Eurovision Song Contest vorbei. 1980 gewann Johnny Logan für Irland mit „What’s Another Year“ den Wettbewerb in Den Haag. Sieben Jahre später wiederholte er den Erfolg in Brüssel mit dem selbst geschriebenen „Hold Me Now“. 1992 gewann schließlich Linda Martin mit „Why Me?“, das ebenfalls aus Logans Feder stammte.

Damit wurde Logan über Jahrzehnte zum „Mister Eurovision“. Erst Loreens zweiter Sieg als Interpretin im Jahr 2023 beendete seinen Status als einziger Sänger, der den Wettbewerb zweimal gewonnen hatte. Doch diese Erfolge erzählen eben nur einen Teil seiner musikalischen Geschichte.

Schon „What’s Another Year“ hatte eine Country-Vorgeschichte

Eine besonders schöne Randnotiz führt ausgerechnet zu jenem Song, mit dem alles begann. „What’s Another Year“ wurde von Shay Healy geschrieben. Bevor daraus jene große Pop-Ballade wurde, mit der Logan 1980 den Eurovision Song Contest gewann, war das Demo des Stücks im Country-&-Western-Stil angelegt. Erst Bill Whelan arrangierte den Song neu und passte ihn an Logan an.

Damit macht diese Geschichte Johnny Logan natürlich noch lange nicht zum Country-Sänger. Sie zeigt aber, dass die Berührungspunkte erstaunlich früh beginnen – noch bevor Millionen Menschen seinen Namen kannten.

Johnny Logan geht nach Nashville

Wesentlich eindeutiger wurde es zehn Jahre später. 1990 reiste Logan nach Nashville, Tennessee, und nahm dort eine Country-Version von „Miss You Nights“ auf. Und zwar nicht mit irgendwelchen Begleitmusikern: Mit dabei waren die Jordanaires, jene legendäre Gesangsgruppe, deren Name untrennbar mit zahlreichen Aufnahmen von Elvis Presley verbunden ist.

Diese Nashville-Aufnahme ist keine nachträgliche Interpretation seiner musikalischen Laufbahn, sondern wird ausdrücklich in Johnny Logans offizieller Biografie aufgeführt. Spätestens hier wird deutlich: Seine Beschäftigung mit Country Music war mehr als eine zufällige musikalische Begegnung.

Zurück zu den irischen Wurzeln

Vielleicht musste Logan für seinen Weg zur amerikanischen Roots Music aber gar nicht weit reisen, denn ein Teil dieser Verbindung liegt praktisch vor seiner Haustür. Logan wurde 1954 als Sohn irischer Eltern in Australien geboren und kam bereits als Dreijähriger nach Irland. Sein Vater war der bekannte irische Tenor Patrick O’Hagan. Schon als Kind begleitete Johnny seinen Vater auf Tourneen und begann später selbst Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben.

Der Sänger und Songschreiber Johnny Logan

Der Sänger und Songschreiber Johnny Logan. Photo Credit: © Manfred Baumann


Mit zunehmender Dauer seiner Karriere rückten diese irischen Wurzeln stärker in den Vordergrund. 2007 erschien „The Irish Connection“, mit dem sich Logan intensiv der traditionellen Musik Irlands zuwandte. Das Album wurde besonders in Skandinavien ein großer Erfolg. Damit war der Weg zu einem Projekt frei, das für Countryfans besonders interessant werden sollte.

„Irishman In America“ – wenn Irland auf Amerika trifft

2008 veröffentlichte Logan „Irishman In America“. Die Grundidee war ebenso einfach wie reizvoll: traditionelle irische Musik sollte auf amerikanische Songs und neue Eigenkompositionen treffen. Logan arrangierte und produzierte das Album selbst. Stücke wie „Rocky Road To Dublin“ und „Paddy On The Railway“ standen neben Woody Guthries „This Land Is Your Land“ oder „The Night They Drove Old Dixie Down“. Hinzu kamen eigene Songs.

Musikalisch entstand genau jener Brückenschlag, der die historischen Verbindungen zwischen irischer Folk Music und amerikanischer Roots Music hörbar machte. Für Country.de war das übrigens schon damals ein Thema.

Country.de hörte bereits 2009 genauer hin

Am 7. Februar 2009 stellten wir Irishman In America unseren Lesern vor. Schon damals beschäftigten wir uns mit der Frage, was Johnny Logan eigentlich mit Country Music verbindet.

Unser damaliges Fazit fiel ausgesprochen positiv aus. Besonders die Kombination der unterschiedlichen musikalischen Welten überzeugte: Fiddle und Dobro trafen auf irische Instrumentierung, amerikanische Songs auf traditionelle Stücke von der grünen Insel. Auch „Dancing With My Father“ fiel auf. Logan widmete das Stück seinem Vater Patrick O’Hagan. Bei dem Titelsong „Irishman In America“ sangen wiederum seine drei Söhne Adam, Fionn und Jack im Backgroundchor.

Heute, mehr als 17 Jahre später, wirkt unser damaliger Blick auf das Album fast wie ein früher Hinweis darauf, dass man Johnny Logan musikalisch nicht ausschließlich auf seine Eurovision-Erfolge reduzieren sollte.

Country hört Johnny Logan übrigens selbst

Dass Country für Logan keine bloße musikalische Fingerübung war, zeigt auch ein Interview aus dem Jahr 2013. Auf die Frage, welche Musik er selbst gerne höre, erklärte Logan in einem Interview mit dem österreichischen KURIER, dass sein Geschmack ausgesprochen vielseitig sei. Neben Künstlern wie Jimmy Webb, Michael McDonald und Peter Gabriel nannte er ausdrücklich Country sowie jüngere Acts wie Mumford & Sons und The Lumineers.

Das passt zu seiner eigenen Musik. Logan bewegte sich nie ausschließlich in einem Genre. Pop, Rock, Irish Folk und Singer-Songwriter-Traditionen flossen immer wieder ineinander. Gerade deshalb erscheint seine Beschäftigung mit Country Music rückblickend nicht wie ein Fremdkörper.

Irish Folk und Country – näher verwandt, als es zunächst scheint

Dass ein irischer Musiker irgendwann bei amerikanischer Country Music landet, ist ohnehin weniger ungewöhnlich, als man zunächst vermuten könnte. Einwanderer aus Irland, Schottland und England brachten ihre Balladen, Fiddle Tunes und musikalischen Traditionen nach Nordamerika. In den Appalachen entwickelten sich daraus gemeinsam mit weiteren kulturellen Einflüssen jene Musikformen, aus denen später unter anderem Old-Time Music, Bluegrass und Teile der Country Music hervorgingen.

Wer Irish Folk und traditionelle amerikanische Country Music nebeneinander hört, entdeckt deshalb bis heute Verwandtschaften: die Fiddle, erzählende Songs, einfache akustische Instrumentierung und vor allem die Bedeutung von Geschichten. „Irishman In America“ spielte ganz bewusst mit dieser Verbindung.

Johnny Logan muss deshalb kein Country-Sänger sein

Denn genau hier liegt vielleicht der entscheidende Punkt: Wir müssen Johnny Logan nicht nachträglich zum Country-Künstler erklären. Das würde seiner langen und vielseitigen Karriere ebenso wenig gerecht wie die Reduzierung auf „Mister Eurovision“.

Interessanter ist etwas anderes. Ein Sänger, den Millionen Menschen vor allem mit großen europäischen Pop-Balladen verbinden, beschäftigte sich immer wieder mit jener Musik, deren Wurzeln zwischen Irland und Amerika verlaufen. Er nahm in Nashville mit den Jordanaires auf, verband Irish Folk mit amerikanischen Songs und erklärte selbst, dass Country zu jener Musik gehört, die er gerne hört.

Vielleicht ist Johnny Logan deshalb kein Country-Sänger. Aber ein Irishman in America war er musikalisch tatsächlich – und damit der Country Music näher, als viele vermutlich gedacht hätten.

ANZEIGE
Hier klicken und Radio hören

Einige unserer Artikel enthalten s.g. Affiliate-Links. Affiliate-Links sind mit einem * (oder mit einem sichtbaren Bestellbutton) gekennzeichnet. Partnerprogramme Amazon, JPC, Bear Family Records und Awin (Eventim), Belboon (MyTicket): Country.de ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon Europe S.à.r.l. und Partner des Werbeprogramms, das zur Bereitstellung eines Mediums für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann. Ausserdem ist Country.de Teilnehmer der Partnerprogramme von JPC und Bear Family Records sowie Affiliate-Marketing-Anbieter Awin (Eventim) sowie Belboon (MyTicket).

Über Dirk Neuhaus (1993 Artikel)
Seit 26 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: Traditional Country, Bluegrass. Rezensionen, News, Specials.