Floyd Tillman: The Influence
Seine große Stunde schlug allerdings als Songschreiber. Sein „It Makes Now Fifference Now“ durfte er selbst nicht für sein Label Vocalion aufnehmen. Das tat dann 1938 zunächst Dickie McBride aus der Band von Cliff Bruner. Tillman verkauft den Song für 300.- US-Dollar an Jimmie Davis. Der selbst hatte einen richtigen Hit damit, auch Gene Autry und Bing Crosby griffen gern zu. Jetzt traute man Floyd Tillman auch als Sänger etwas zu. Bei Decca Records erschien 1942 mit „They Took The Stars Out Of Heaven“ seinen ersten Chart-Erfolg. Seine Karriere wurde durch den Militärdienst unterbrochen, aber nicht aufgehalten. Er konnte vor allem in NCO Clubs weiter Musik machen und schrieb mit „G.I. Blues“ und „Each Night At Nine“ prägnante Songs, in denen er diese Zeit verarbeitet.
Nach dem 2. Weltkrieg begann die produktivste und fruchtbarste Zeit des Floyd Tillman. Er war als Sänger sowohl im Radio gefragt als auch live unterwegs. Seine Platten erschiennen nun bei Columbia. „Drivin‘ Nails In My Coffin“ war einer der wenigen seiner Hits, den er nicht selbst schrieb – es ist ein perfektes Bild der Honky Tonk und Bierseligkeits Szene, in der Tillman viele seiner Songs ansiedelte. Mit „I Love You So Much It Hurts“, „Slippin‘ Around“, „This Cold War With You“ und „I Gotta Have My Baby Back“ schrieb und sang Tillman Erfolge, die längst zu Klassikern geworden sind. Seine Lieder bestechen durch wenige, wohl gesetzte Worte – er beweist damit, das Wenig oft Mehr ist. Zudem wählte er Themen aus, die zwar nicht neu waren, die aber so nicht unbedingt abgehandelt wurden. „Slippin´ Around“ behandelt die Untreue, das Fremdgehen – allerdings ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu heben. Eine Kunst, die der junge Willie Nelson aufgriff und verfeinerte.
Auch Tillman’s Gesang, geprägt von einer leicht rauen Stimme, war unverkennbar. Er „jonglierte“ mit seinen Stimmbändern geradezu. Als der „Nashville Sound“ seinen Siegeszug antrat, für den Tillman ohne es zu wissen und zu wollen, den Grund mit bereitet hatte, verabschiedete er sich 1960 mit „It Just Tears Me Up“ aus den Charts. Er hatte sich schon zuvor entschlossen, in seinem geliebten Texas zu bleiben und sich nicht dem enormen Konkurrenzdruck zu stellen, der vielen seiner Kollegen die Gesundheit und manchmal auch die Karriere kostete. Er machte für verschiedene Plattenfirmen noch Aufnahmen und trat regelmäßig im Südwesten auf wann und wo er wollte. Man suchte seinen Rat, wollte von ihm lernen und das genoss er sichtlich. Willie Nelson bezeichnete Floyd Tillman als den „original outlaw“, denn er machte Musik nach seinen eigenen Spielregeln, er hatte eine ungewöhnliche Phrasierung und bewies, dass man nicht in Nashville leben und produzieren musste, um erfolgreich zu sein. Tillman bevorzugte den einfachen, an den Wurzeln orientierten Lebensstil. Er blieb der, der er immer gewesen war und bis ins hohe Alter „seiner“ Musik zugetan. 1984 wurde er in die Country Music Hall of Fame aufgenommen.
Fazit: Mit dem Album „The Influence“ wird diesem Floyd Tillman ein großartiges Denkmal gesetzt. Nahezu zwei Jahre dauerten die Arbeiten daran, noch mit 87 Jahren ging Tillman ins Studio, um diese, „seine“ Songs neu einzusingen – die Fertigstellung und Veröffentlichung des Albums konnte er nicht mehr erleben. Tracy Pitcox (Chef von Heart of Texas Records) und Justin Trevino zeichnen für dieses einmalige Album verantwortlich, dem man deutlich anhört, mit welcher Hingabe und welchem persönlichen Input die Beteiligten bei der Sache waren. Willie Nelson war sofort bereit, ein Duett mit seinem Vorbild zu singen. Als sich herumsprach, an was man arbeitete, stellten sich weitere Künstler spontan zur Verfügung und so wurden es schließlich 14 Duette. Bis auf „Drivin Nails In My Coffin“ handelt es sich ausschließlich um Tillman-Originals. Zu den einzelnen Songs gibt es ganz persönliche Informationen von Tracy Pitcox im Booklet der CD. Selten habe ich einem Album so entspannt gelauscht und bin dabei in die eigene Gefühlswelt und viele Erinnerungen abgetaucht.
| Trackliste:
01. Slippin Around – mit Dolly Parton |



