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Billy Grammer

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Er gehörte zu den eher Stillen im Lande, für Schlagzeilen war er nie gut. Nur einmal in seiner Karriere stand er richtig im Mittelpunkt. Im Jahre 1959 gelang ihm mit „Gotta Travel On“ der Hit, auf den er seine gesamte Karriere aufbauen konnte. Dabei war er eigentlich Gitarrist und wollte ursprünglich auch gar nichts anderes sein.

Billy Grammer wurde als ältestes von insgesamt 13 Geschwistern am 28. August 1925 in Benton, Illinois geboren. Seine Heimat lag in einem Bergbaugebiet, dort schuftete sein Vater wie viele Menschen, die in der Gegend lebten. Um ein wenig Abwechslung vom harten Alltag zu bekommen, musizierten Grammers Eltern oft und gern. Sein Vater gehörte als Fiddler einer kleinen Band an, gelegentlich griff er sogar zur Trompete. Das färbte auf den Stammhalter ab, der Mandoline, Banjo und Gitarre zu spielen lernte. Und bald seinen Vater zu dessen Gigs begleitete, um irgendwann selbst auf der Bühne zu stehen.

Billy GrammerIn den letzten Monaten des 2. Weltkrieges holte man Billy Grammer zum Wehrdienst, den er in der Air Force absolvierte. In diesen beiden Jahren entwickelte Grammer ein Faible für den Gesang, Zurück als Zivilist fand er 1947 Arbeit als Werkzeugmacher in Washington, D.C., zudem durfte er bei einem Sender in Arlington, Virginia live im Radio singen.

Doch all das blieb nicht von Dauer, viele Menschen wurden arbeitslos, Grammer erging es nicht anders. Zeitweise kehrte er mit seiner Frau Ruth zurück nach Illinois, er beteiligte sich an diversen Wettbewerben. Als Musiker fand man ausgerechnet im Großraum der Bundeshauptstadt am ehesten Möglichkeiten. Dort lernte Grammer den Radiomann und Promotor Connie B. Gay kennen. Es entstanden erste Plattenaufnahmen, die aber zu nichts führten. Immerhin konnte der begabte Instrumentalist Billy Grammer sein Können jetzt in den Bands von Clyde Moody, Grandpa Jones und Hawkshaw Hawkins beweisen. Sein Freund Gay verhalf ihm zu einem Job in der beliebten TV Show von Jimmy Dean.

1958 bekam Grammer einen Vertrag bei Monument Records. Er nutzte diese Chance, denn mit „Gotta Travel On“ schaffte er den Durchbruch. Der Song entwickelte sich zu einem Millionseller, er brachte ihn auf Platz 5 der Country-Charts und in den Pop-Charts sogar auf Nr. 4. „Gotta Travel On“ gehört unterdessen zu den Evergreens der Country Music.

Für Billy Grammer blieb es der größte Erfolg seiner Karriere. Die hat er zum größten Teil diesem Lied zu verdanken. Noch 1959 wurde er Mitglied der Grand Ole Opry, er blieb es bis zu seinem Tod. In der Opry gehörte er zu den Künstlern, die praktisch jedes Wochenende dort waren, zumindest in den letzten 20 Jahren seiner Karriere. Ich kann mich an keinen Opry-Besuch erinnern, bei dem Grammer nicht anwesend gewesen wäre.

Seinen zweiten Hit feierte Grammer 1963 mit „I Wanna Go Home“, das besser bekannt ist als „Detroit City“. Bis Ende der 1960er Jahre schob sich immer mal wieder eine seiner Singles bei verschiedenen Labeln in die Charts. „Jesus Was A Soul Man“ setzte 1969 den Schlusspunkt auf Platz 66.

Der stets bescheidene Künstler trauerte ausbleibendem Gesangserfolg nicht nach. Man hatte den Eindruck, dass er sogar ein wenig froh darüber war, denn die mit Plattenveröffentlichungen einhergehenden und notwendigen Promotion-Aktivitäten brauchte Grammer absolut nicht. Viel lieber griff er zur Gitarre und steuerte mit dem Instrument seinen Teil zur Unterhaltung bei. Als gelernter Handwerker liebte er es, mit seinen Händen auch anderweitig kreativ zu sein. Deshalb verband er das eine mit dem anderen und baute Gitarren. Schon 1965 gründete er mit einem Partner zusammen eine eigene kleine Firma. Ein nach ihm benanntes Modell wurde sehr populär, ein Original-Exemplar der Grammer Guitar befindet sich seit über 40 Jahren im Museum der Country Music Hall of Fame und kann dort bewundert werden.

Als bewegendstes und gleichzeitig schlimmstes Erlebnis seines Lebens bezeichnete Billy Grammer den 15. Mai 1972. Da hatte er mit seiner Band in Maryland bei der Wahlkampfveranstaltung von George Wallace gespielt. Der viermalige Gouverneur von Alabama, bekannt und berüchtigt für seine Rassentrennungspolitik, kandidierte ebenso oft in Diensten der Demokraten für das Amt des amerikanischen Präsidenten. An jenem 15. Mai wurde er von einem Attentäter so schwer angeschossen, dass er danach zeitlebens auf einen Rollstuhl angewiesen war. Drei weitere Personen erlitten bei dem übrigens nicht politisch motivierten Attentat ebenfalls Verletzungen.

Billy Grammer blieb weiter aktiv. Ihm wurde die Ehre zuteil, am 16. März 1974 bei der Eröffnung der neuen Grand Ole Opry das Bittgebet zu sprechen. Im letzten Teil seines Lebens führte eine degenerative Augenkrankheit zur völligen Erblindung des Künstlers. Von der Grand Ole Opry wurde er Ende Februar 2009 wegen der 50jährigen Mitgliedschaft besonders geehrt. Am 10. August 2011 starb Billy Grammer in seiner Heimat Benton nach längerer Krankheit letztendlich an Herzversagen.

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