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Beth Nielsen Chapman

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Zugegeben, man kann sich schwer tun mit den Tonträgern dieser Künstlerin, diese noch in die Rubrik „country“ einzuordnen. Die junge Frau und Mutter aus Alabama, 1984 in Nashville aufgetaucht, ist zumindest eine sehr interessante Künstlerin, die ihre Spuren in der Country Music seit ihrem Debüt nachhaltig hinterlässt. Vor allem als Autorin, denn zahlreiche hochkarätige Stars bis hin zu Willie Nelson nehmen gern und regelmäßig und mit großen Erfolg ihre Lieder auf.

Harlingen, Texas ist Schauplatz ihrer Geburt, als mittleres von fünf Kindern dort am 14. September 1956 zur Welt gekommen. Der Vater war Major in der Air Force, für die Familie bedeutete dies etliche Umzüge. Als sie schließlich in Alabama Wurzeln schlugen, kamen sie aus München dorthin.

Beth Nielsen ChapmanBeth Nielsen Chapman war im Teenageralter und brachte eine Framus-Gitarre aus Germany mit. Sobald sie das Instrument einigermaßen beherrschte, begann sie, Songs zu schreiben. Sie besitzt die Gabe, Dinge im Hinterkopf abzuspeichern und abzurufen, wenn sie gebraucht werden. Sie weiß die Gefühle eines Kindes auszudrücken, bringt ebenso plastisch die Fallstricke des Erwachsenwerdens zum Ausdruck, wirkt dabei immer aufrichtig und bringt die richtige Prise Gefühl ein.

Über ihre Anfänge sagt sie: „Wir hatten den Vietnam-Krieg, Martin Luther King war ermordet worden und ich hatte noch den Schock eines Besuches im Konzentrationslager Dachau in lebhafter Erinnerung. Das zerstörte meine kindlichen Vorstellungen von der heilen Welt, da begriff ich allmählich, diese Welt viel realistischer wahrnehmen zu müssen. Dann zogen wir von München in das Zentrum der Menschenrechtsbewegung. Ich klammerte mich an der Gitarre fest“.

Mit 18 begann sie mit öffentlichen Auftritten in Montgomery, gehörte zeitweise einer Folk-Gruppe an. 1979 wurde ein wichtiges Jahr. Chapman: „Da habe ich geheiratet, wir sind nach Mobile gezogen, ich unterschieb einen Autorenvertrag bei Screen Gems und nahm eine erste LP auf.“ „Hearing It First“, aufgenommen in Muscle Shoals, wurde von Capitol veröffentlicht und blieb weitgehend unbeachtet. Bald wurde ein Sohn geboren, die junge Mutter zog sich weitgehend aus dem Business zurück. Songs schrieb sie nur wenige, trat aber gelegentlich noch in Mobile auf.

Etwa 1985 wurde Chapman wieder musikalisch aktiver, auf Ermutigung ihres Ehemannes hin sowie der Freunde Barry Beckett und Mac MacAnally. Mit rund 40 Songs im Gepäck zogen die Chapmans nach Nashville. Einige Jahre musste sie dort richtig strampeln, dann war sie als Autorin angekommen. Stars wie Willie Nelson („Nothing I Can Do About It Now“) und Tanya Tucker („Strong Enough To Bend“) machten Chapman-Songs zu Nr. 1 Hits.

Das Label Reprise nahm sie 1990 unter Vertrag und produzierte sie erfolgreich als Pop-Sängerin. Als Autorin schadete es ihr überhaupt nicht, denn die Songs, die sie schrieb, passten haargenau auch ins Country-Genre. Dann kam das Jahr 1993, ihr Ehemann erkrankte an Krebs, 1994 starb er daran. Beth Nielsen Chapman zog sich erneut zurück bis 1997. Da erschien ihr drittes Album mit dem Titel „Sand And Water“. Eine deutlich lebenserfahrenere, gereifte Künstlerin stellt Songs voller Emotion vor, mit denen sie einen Teil ihrer Vergangenheit bewältigte und mit anderen Menschen teilte. Gerade der Titelsong dürfte autobiographisch sein, darin legt Chapman ihre Gefühle offen. Elton John sang „Sand And Water“ bei seiner 1997er Tournee als Reminiszenz an Prinzessin Diana.

2000 stellte sie ihr nächstes Album mit dem Titel „Deeper Still“ fertig – da wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Das Album wurde erst 2002 veröffentlicht, nachdem Chapman wieder genesen war. Im Nachhinein kann man den Eindruck gewinnen, dass Beth Nielsen Chapman eine Vorahnung von ihrer Erkrankung hatte als sie einige der Songs des Albums schrieb. Für sie selbst keine Überraschung: „Mir ist das oft passiert – meine Songs haben Ereignisse angekündigt. 70 Prozent von „Sand And Water“ habe ich mehr als ein Jahr vor der Erkrankung meines Mannes geschrieben. Beim Schreiben folge ich oft Eingebungen, ich entwickele eine bestimmte Situation und weiß dann oft nicht, worüber ich eigentlich konkret schreibe. Ich war verwundert als sich das bei „Deeper Still“ wiederholte.“

Beth Nielsen Chapman hat das Songschreiben zu einer vollendeten Kunst entwickelt. Sie arbeitet mitunter als Lehrerin für Songschreiber und als Coach für Kreativität, auch und besonders in Großbritannien. Ihr Musik war in einer ganzen Reihe von Filmen und TV-Verfilmungen zu hören.

Dann stand ihr erneut eine Schicksalsstunde ins Haus. Sie arbeitete mit ihrer besten Freundin Annie Roboff an Liedern für ihr Album „Back To Love’s“, kam aber nicht richtig voran. Für sie ein unbekanntes Gefühl. Die Ärzte stellten einen Gehirntumor fest, der das Sprachzentrum beeinträchtigte. Gottlob war die Opration erfolgreich. Chapman: „Ich fühlte mich wie neu geboren. Am Morgen nach der Operation wachte ich auf und hatte sofort die zwei fehlenden Zeilen zu „How We Love“ parat. So als ob mein Gehirn sagen würde, okay, wir sind zurück im Geschäft.“ Das Album wurde Anfang 2010 zunächst in England und erst Monate später in den USA veröffentlicht.

Trotz all der Höhen und Tiefen in ihrem Leben ist Beth Nielsen Chapman heute eine glückliche Frau. Sie hat nach dem Tod ihres Ehemannes einen neuen Lebenspartner gefunden, der mit ihr durch dick und dünn geht und sowohl wesentlicher Rückhalt in ihrem Leben als auch Inspiration für neue Songs ist. Sie strahlt von innen heraus als sie sagt: „Da ist diese wunderschöne Sache, die geschieht, wenn zwei Menschen zusammen stehen, wenn jeder für den anderen da ist, wenn er gebraucht wird. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl und doch schreibe ich darüber und versuche gleichzeitig, damit vor Glück zu tanzen.“

Über ihre Arbeit sagt sie: Als Autorin lege ich mir kein Limit auf, schreibe auch nicht für eine bestimmte Musikrichtung. Als Sängerin fühle ich mich nur zu ganz bestimmten Songs hingezogen, die ich geschrieben habe.“ Ihre Songs erzählen von der Zerbrechlichkeit des Lebens, es spielen die schmerzlichen Augenblicke einer Beziehung eine Rolle, die Unerbittlichkeit des menschlichen Geistes ebenso wie das Bitter-Süße von Jahren, die vergangen sind. Beispiele dafür finden sich auf den Alben zahlreicher Stars, es lohnt sich, nach dem Namen Beth Nielsen Chapman bei den Autorenangaben zu schauen.

Einige konkrete Beispiele für Songs, an denen sie zumindest als Co-Autorin beteiligt war:

„This Kiss“ (Faith Hill)
„One In A Million“ (Mindy McCready)
„Shine On Me“ (Waylon Jennings)
„Ain’t Necessarily So“ und „If My World Didn’t Have You“ (beide Willie Nelson)
„Long Way Down“ und „All The Reasons Why“ (beide Highway 101)
„The Color Of The Roses“ (Bette Midler)
„Happy Girl“ (Martina McBride)
„You Say You Will“, „Down On My Knees“ (beide Trisha Yearwood)
„Five Minutes“ (Lorrie Morgan)
„You Say You Will“ (Holly Dunn)
„When Love Is New“ (Crystal Gayle)
„Sometimes Goodbye“ (Terri Clark)
„Here We Are“ (Alabama)
„Save Yourself“ (Suzy Bogguss)

Wie gesagt, nur eine kleine, willkürliche Auswahl.

Als Sängerin ist Beth Nielsen Chapman nie wirklich erfolgreich gewesen, gemessen an Verkaufszahlen. Einige wenige Singles finden sich in den Pop- oder Adult Charts, im Country-Bereich sucht man sie dort vergebens. Aber sie singt mit Stil und dem Tiefgang, den sie ihren Songs als Autorin beimisst. Überlassen wir ihr selbst das Schlusswort, denn dem ist nichts hinzuzufügen: „Ich bin auf diesen so unterschiedlichen musikalischen Reisen gewesen, da tauch ich gern tief hinein in Songs über menschliche Beziehungen und Herzensangelegenheiten. Mich haben immer Lieder angezogen, die wie eine dreiminütige Reise in die Tiefen der menschlichen Seele sind, in die Glückszeiten und Tragödien, in den Humor und wie wir lernen, mit all dem umzugehen. Für mich reduziert sich dann alles auf ein Wort: Liebe.“

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