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Donna Ulisse: Bluegrass, Gospel, Country

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Beim Anhören der inzwischen als „gigantisch“ eingestuften Box „Daughters Of Bluegrass“, die nur von Tom T. Hall und Dixie Dean geschriebene Songs enthält, fiel mir ihr Name auf. Und weckte Erinnerungen. Also kramte ich mir das Album „Trouble At The Door“ aus dem Schrank, das 1991 von Atlantic Records veröffentlicht wurde.

Das Label gab der der Allgemeinheit weitgehend unbekannten Sängerin und Autorin damals eine Chance, die sie aber nicht nutzen konnte. Oder wollte? Denn musikalisch steht sie auf und für Tradition. Die aber passt nicht in das seit mehreren Jahrzehnten von der Industrie vorgebene Vermarktungs-Schema. So verblieb es bei zwei bescheidenen Einträgen in den Singles Charts.

Donna Ulisse aber – um die handelt es sich nämlich, zog sich dorthin zurück, wo sie sich heimisch und wohl fühlt: Bluegrass, Gospel und traditionelle Country Music. In der Music Community von Nashville gilt sie immer noch als eine der besten Sängerinnen und Autorinnen.

Donna Ulisse stammt aus Hampton in Virginia und ist fest verwurzelt in der Musik, die in dieser Region seit Generationen gepflegt und auf nachfolgende übertragen wird. Sie bekam den Musik-Virus in die Wiege gelegt, man erkannte ihr Talent, förderte sie nach Kräften, sie machte sich auf nach Music City USA. Ihr Vater kam aus Italien, die Mutter war ein echter Redneck, wie Ulisse es beschreibt – und sie waren Music Freaks. Erste Station war eine Western Swing Band, wo sie Erfahrung sammelte. Vor allem aber traf sie dort Rick Stanley. Der Cousin von Carter & Ralph Stanley wurde ihr Ehemann. Ralph Stanley und seine Clinch Mountain Boys spielten auf der Hochzeitsfeier. Ulisse erinnert sich: „Als sich das rumsprach, war der Teufel los. Wildfremde Leute fragten nach Tickets. Es waren Menschenmassen gekommen und sobald die Band zu spielen begann, geriet alles außer Kontrolle. Es schien als ob alle Anwesenden clog dancen wollten. Da begriff ich erst, wie populär Ralph Stanley war und immer noch ist. Es wurde ein unvergesslicher Tag.“

In Nashville fiel sie wegen ihrer kräftigen Stimme bald auf, Donna Ulisse wurde zu einer der gefragtesten Background-Sängerinnen, weil sie vor allem eine ganze Palette von Stilrichtungen beherrscht. Dann folgte der schon erwähnte Deal mit Atlantic Records, der aber nicht zum erhofften Ziel führte. Obwohl Ulisse seit dem 12. Lebensjahr eigene Songs schrieb und man ihr bescheinigte, dass sie auch auf dem Gebiet viel Talent besaß, griff man bei Atlantic lieber auf Songs anderer Autoren zurück. Das Ergebnis ist bekannt.

Donna Ulisse

Tim DuBois war es, der Donna Ulisse ermutigte, sich auf das Songschreiben zu konzentrieren. Ein guter Rat, denn eine ganze Reihe ihrer Stücke sind unterdessen von anderen Künstlern verschiedener Richtungen aufgenommen worden. Vor allem aber sang Ulisse sie selbst. Bei Live Gigs und auf den inzwischen auf ihrem eigenen Label Hadley Muasic veröffentlichten Bluegrass- und Gospel-Alben. Und die können sich weiß Gott hören lassen.

2007 startete sie mit „When I Look Back“, zwei Jahre später folgte die CD „Walk This Mountain Down“. Anno 2010 ließ sie mit dem Gospel Album „Holy Waters“ aufhorchen, dann gab es erneut Bluegrass vom Feinsten mit „An Easy Climb“. Besonders stolz ist Donna Ulisse auf ihr bisher letztes Projekt aus dem Jahre 2012. Denn bei „All The Way To Bethlehem“ handelt es sich um einen dramatischen Song-Zyklus (ähnlich wie „Jesus Christ Superstar“) im Bluegrass-Gewand. Die Idee dazu kam ihr ausgerechnet bei einem Tontauben-Wettbewerb in Arkansas, bei dem sie mit ihrer Band Poor Mountain Boys spielte. Sie erläutert: „Der Veranstalter lud uns ein, noch einen Tag zu bleiben. Wir saßen abends draußen am Feuer, da erzählte er eine Geschichte, die mit dem Alten Testement verbunden war. Egal ob die Story echt war oder nicht, mich packte das Thema und ich begann zu schreiben. Die Menschen in meiner Geschichte wussten nicht, was aus ihnen werden würde oder wohin die Reise ging. Sie waren einfach nur Menschen, die versuchten, mit wundersamen Ereignissen fertig zu werden.“

Die Aufnahmen für das Album standen unter keinem guten Stern. Bei Glatteis wurden sie und ihre Band in einen Unfall verwickelt, der leichte Verletzungen verursachte und die Instrumente zu Bruch gehen ließ. Dann zog sich Rick Stanley bei einem Sturz eine schmerzhafte Kopfwunde zu. Am schlimmsten war jedoch die Diagnose für Donna Ulisse, sie habe vermutlich Brustkrebs. Sie liess sich bei den Aufnahmen nichts anmerken, ertrug die teils schmerzhaften Behandlungsmaßnahmen bis die Mediziner ihr mitteilten, der Verdacht habe sich nicht bestätigt. Ulisse: „Natürlich war das eine enorme Erleichterung, bis dahin fühlte ich mich oft wie gerädert, eine schlimme Zeit.“ Einmal mehr sorgte die Musik für Ablenkung, vermutlich hat die besondere Konstellation sogar dazu geführt, dass ein besonders tsimmungsvolles Album entstanden ist. Ulisse: „Ich habe gespürt, dass bei den Aufnahmen etwas Besonderes in der Luft lag. Wie es in mir drin aussah, wusste ich ja. Keith (Sewell, Multi-Instrumentalist) hatte mit der eigenen Gefühlswelt zu kämpfen, da sein enger Freund Earl Scruggs gerade gestorben war. Ich kann es nicht erklären, man kann es auch nicht greifen aber es war etwas ganz Spezielles in diesem Raum.“

Lassen wir uns also mitnehmen auf eine aufregende, gefühlsbetonte Reise „All The Way To Bethlehem“ – eine bessere Reiseführerin als Donna Ulisse kann man dafür nicht gewinnen.

Das 2012er Album All The Way To Bethlehem von Donna Ulisse – Bestellen, Format, VÖ. und Label:

 
Donna Ulisse - All The Way To Bethlehem
 
Künstler / Albumtitel: Donna Ulisse – All The Way To Bethlehem
Format / Label / Veröffentlicht: CD (Hadley Music Group, 2012)
 
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Trackliste:

01. I See The Light Of The World
02. You Will Be Delivered
03. Elisabeth
04. He’s Not Mine
05. All The Way To Bethlehem
06. You Cannot Stay Here
07. Let The World Wait For A Little While
08. He Is Here
09. I’m Gonna Shine
10. We’ve Come To Worship Him
11. Morning In Bethlehem

 
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