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Tendenzen der Countrymusik im Jahr 2013

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Das Fachmagazin Billboard veröffentlicht in seiner Endjahresausgabe den kompletten Überblick über das Jahr in der Musik in den USA. Natürlich steht für Country.de im Vordergrund, wie die Countrymusik dabei abgeschnitten hat und ob sich in der Countrymusik selbst Entwicklungen vollzogen haben.

Country & Pop im Jahr 2013

Im Vergleich zum Jahr 2012 hat sich für die Countrymusik in der Konkurrenz mit den anderen Musikgenres einiges verändert. Die Kriterien für die Ermittlung der Spitzenkünstler sind Plattenverkauf, Airplay im Radio, aber auch die digitalen Verkäufe, das sogenannte Streaming und die Beliebtheit eines Künstlers in den sozialen Medien wie Twitter und Facebook. Obwohl hier zu erwarten gewesen wäre, dass dies die Countrykünstlern eher benachteiligt, ist dies nicht der Fall. Die Anzahl der Countrystars, die in der Top 50 der erfolgreichsten Musiker vertreten sind, bleibt fast gleich, zehn waren es 2012, neun 2013. Taylor Swift steht dabei auf Platz 2 hinter Bruno Mars, weiterhin sind Luke Bryan (13.), Florida Georgia Line (15.) Blake Shelton (16.) in den Top 20. Carrie Underwood (43.) ist die zweite Countrysängerin und Tim McGraw schafft immerhin noch Platz 50. Im Bereich der Hot 100 Songs, also der Charts, in der alle Genres vertreten sind, ist die Zahl der hier erfolgreichen Countrysingles ebenfalls konstant geblieben. Allerdings ist „Cruise“ von Florida Georgia Line auf Platz 9, was außergewöhnlich ist.

Was die Alben angeht, so hat die Countrymusik leicht zugelegt. Immerhin sind 20,5 Prozent aller verkauften Alben von Countrymusikern aufgenommen worden. Dabei steht hinter dem Spitzenreiter Justin Timberland Taylor Swift auf Platz 2, gefolgt von Luke Bryan auf der 3. Immerhin kommen 14 der 50 erfolgreichsten Künstler aus der Countrymusik, was die Beliebtheit dieser Musik in den USA nur unterstreicht. Allerdings sind unter den zehn bestverkauften Alben nur zwei, die uns interessieren: Auf der Nr. 7 „Here’s To The Good Times“ von Florida Georgia Line und auf der 9 findet man Luke Bryan mit „Crash My Party“. Schaut man sich aber die Top 200 der verkauften Alben an, so zählt man 34 Alben aus Nashville. Auf Platz 107 finden wir mit „The Legend of Johnny Cash“ einen Hinweis darauf, dass sich Johnny Cashs Musik auch noch zehn Jahre nach seinem Tod gut verkauft.

Die erfolgreichsten Countrystars 2013

Auch für die Countryartists wurde bei der Ermittlung der Topstars oben erwähnte Methodik angewandt. So überrascht es nicht, dass die ersten Fünf der sehr modernen und auf das jüngere Publikum zielenden Stilart der Countrymusik angehören, in der Reihenfolge sind dies Florida Georgia Line, Luke Bryan, Taylor Swift, Blake Shelton und Hunter Hayes. Bei den Newcomern stehen Kacey Musgraves und Tyler Farr vor Brett Eldredge, Cassadee Pope und Parmalee. Dieses Jahr unterscheidet Billboard zum ersten Male zwischen dem Erfolg in der Hit Country Songs Hitparade, die neben dem Airplay in den Radios auch noch die Anzahl der verkauften und runtergeladenen Songs berücksichtigt und dem Erfolg in der nur von den Radios bestimmten Airplayhitparade. Erstaunlicherweise sind in der Reihenfolge in den beiden Charts keine gravierenden Unterschiede zu erkennen. Natürlich führt beide Male wieder Florida Georgia Line, bei den Hot Country Songs vor Luke Bryan, im Airplay vor Tim McGraw. Die größten Unterschied gibt es bei Brad Paisley: Airplay Platz 10, Hot Country nur Platz 19 und der Zac Brown Band, Airplay 9, Hot Country 21.

Bei der Reihenfolge der Countrysongs gibt es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen Hot Country und Airplaycharts. Beispiele sind „Cruise“, die Nummer 1 bei Hot Country ist, im Airplay gar nicht vertreten und andersherum ist Billy Curringtons „Hey Girl“ die Nummer 1 im Airplay, aber nur Nummer 19 in Hot Country oder Easton Corbins „All Over The Road“ hier Nummer 3 und da nur Platz 25.

Die dienstältesten Countrystars

Was kann aus den Charts noch herausgelesen werden? Ich habe mir bei den 50 erfolgreichsten Countryartists angeschaut, seit wann sie Erfolg haben. Da ist der „dienstälteste“ George Strait (seit 1981) 2013 auf Platz 21 und Alan Jackson (1989) kam noch auf Platz 40. Erfolgreicher sind Tim McGraw (1992) auf Platz 7 und Kenny Chesney (1993) auf Platz 12. Noch im 20. Jahrhundert begannen die Karrieren von Brad Paisley (1999, Platz 19), Keith Urban (1999, Platz 26) sowie Toby Keith (1993, Platz 35). Auffallend ist, dass keine Countrysängerin aus dieser Zeit vertreten ist! Und fast unglaublich ist, dass die vierfache CMA-Awardsgewinnerin Miranda Lambert mit ihren 30 Jahren bei den Frauen am längsten im Geschäft ist. Sie ist seit 2003 erfolgreich und steht dieses Jahr auf Platz 14. Erfolgreicher dieses Jahr ist bei den Damen Carrie Underwood, Platz 7. Insgesamt konnten sich nur neun Frauen unter den Top 50 platzieren, zudem sind die Sängerinnen noch bei The Band Perry, Lady Antebellum und Gloriana vertreten. Trotzdem bleibt als Fazit, dass die Countrymusik rein zahlenmäßig immer noch eine Männerdomäne ist. Und der Trend zu immer jüngeren Künstlern setzt sich auch fort: von den 50 besten Künstlern haben 24 erst in den letzten fünf Jahren ihren ersten Hit gehabt.

Scott Borchetta von Big Machine und die „Popifizierung“

Im neuesten Billboard wird der Besitzer und Chef von der Plattenfirma Big Machine Scott Borchetta interviewt. Big Machine war 2013 zweiterfolgreichster Label und hat dies Sängerinnen und Sängern wie Taylor Swift, Tim McGraw, Rascal Flatts, Thomas Rhett, Florida Georgia Line oder The Band Perry zu verdanken. Er wirkt darauf angesprochen, dass manch ein Kritiker von einer Popifizierung (was für ein Wort, im Englischen Original heißt es „popification“) der Countrymusik redet. Für Borchetta ist das kein Problem. Er antwortet, dass die Leute nun mal große Hits mögen und seine Firma solche Hits habe. Je mehr Leute Musik aus Nashville mögen (und kaufen), desto besser sei dies für die Countrymusik. Er schränkt allerdings ein, dass die Countrymusik nicht versuchen dürfe, dem Erfolg im Pop nachzujagen. Tue man dies, so sei das sinnlos und zum Scheitern verurteilt.

Über was wird in den Countryhits gesungen?

Ich habe mir die 100 erfolgreichsten Countryhits des Jahres 2013 einmal genauer angehört und zwar in Bezug auf das, was in den Songtexten thematisiert wird. Oft wird kritisiert, dass zu viele Songs von jungen, männlichen Countrysängern das Bier trinken, Auto fahren (meist Pick-up Trucks) mit hübschen Mädchen als Garnitur verherrlichen. Nennen wir das mal den typischen Lifestylesong, den „Fun-Song“, so ist mit „Cruise“ ein solcher äußerst erfolgreich, sowie auf Platz 11 Luke Bryans „That’s My Kind Of Night“ (den Zac Brown ja als schlechtesten aller Countrysongs bezeichnet hat). Witzigerweise könnte auch George Straits einziger Hits des Jahres „Give It All We Got Tonight“ (Platz 27) in diese Kategorie fallen, das Liebespaar ist im Auto unterwegs und hält an einer romantischen Stelle an, um sich der Liebsten zu widmen. Auch Brad Paisley, der ja ebenfalls mehr nicht zu den jungen Künstlern zählt, hat dieses Thema in „Beat The Summer“ (Platz 36) besungen. Ebenfalls um die angenehme Art zu leben, aber mit karibischem Einschlag, geht es in den Songs „Pirate Flag“ von Kenny Chesney (Platz 34) und der Zac Brown Band in „Jump Right In“ (50). Lee Brice feiert die „Parking Lot Party“ (40), Dierks Bentley „Tip It On Back“ (61) ist ebenso ein „Fun-Songs“ wie Cole Swindells „Chillin It“ (70), Kip Moores „Beer Money“ (63), Eric Paslays „Friday Night“ (77) und Jon Pardis „Up All Night“ (93). Und gleich zu dritt sind Jason Adean, Luke Bryan und Eric Church mit „The Only Way I Know“ (43). Das sind also 13 von hundert Songs, eine überschaubare Anzahl. Nur zwei Songs würde ich bei von Rap beeinflusstem Countrysound einordnen: Blake Sheltons „Boys ‚Round Here“ (Platz 3) und Jason Aldeans „1994“ (Platz 53). Aber glücklicherweise werden auch Geschichten erzählt wie von der Eli Young Band, „Drunk Last Night“ oder Brad Paisleys „Southern Comfort Zone“, Kacey Musgraves gleich zweimal mit „Merry Go Round“ und „Blowin‘ Smoke“ und natürlich „Mama’s Broken Heart“, geschrieben von Kacey Musgraves, toll interpretiert mit wirklich witzigem Video von Miranda Lambert auf Platz 8. Im starken Gegensatz hierzu steht Kip Moores „I Drive Your Truck“ (38) mit der Erinnerung an den gefallenen Sohn.

Die große Mehrheit Songs handeln von dem, was für Country immer das wichtigste Thema war: von der Liebe, glücklich (Blake Shelton, „Sure Be Cool If You Did“) oder unglücklich (Cassandra Pope, „Wasting All These Tears“), manche etwas origineller (The Band Perry, „Better Dig Two“) oder recht altbacken (Justin Moore, „Point At You“).

Für mich wurde der Song des Jahres von einer Legende geschrieben, die mit Country immer mal wieder in Berührung kam, aber nun seinen ersten wirklich großen Countryhit hatte: Bob Dylans Mitsinglied „Wagon Wheel“, herrlich gesungen von Darius Rucker, landete auf Platz 2 der populärsten, amerikanischen Countryhits.

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Über Franz-Karl Opitz (873 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditional Country. News & Storys, Charts, Rezensionen.
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