Micky & The Motorcars: Hearts From Above
Mit dem nun erschienenen 6. Studioalbum „Hearts From Above“ durfte dieser letzte Schritt der Abnabelung vom Kelly-Vorbild auch unterstützt durch die Integration von drei neuen Bandmitgliedern erwartet werden. Und in der Tat scheint die Schere stilistisch ein wenig auseinanderzugehen. Während sich Reckless Kelly auf ihrem soundmalerischen Album „Long Night Moon“ verstärkt den musikalischen Wurzeln zugewandt hatten, stehen Micky & The Motorcars auf ihrer neuen Scheibe mit beiden Beinen fest im Texas Country. Auch wenn vereinzelt Harps, Harmonikas und Mandolinenklänge beigefügt werden, um die authentische Folklinie zu wahren, verlieren sie das Ziel, radiotaugliches Material abzuliefern, nicht aus den Augen.
Bereits der Titelsong ist Beleg dafür, dass ein geschmeidiger Singlehit größtmögliche Wahrnehmung garantiert. „Hearts From Above“, aktuelle Nr. 24 der Texas Airplay Charts, ist stilechter „radio-ready Texas-Country“, aus dem der typische „Braun-Sound“ unverkennbar hervorsticht. Auf „Long Road To Nowhere“ wird als Gegenpol dazu mit Harmonikabegleitung dann doch mal auf die Americana-Spur hinübergewechselt. Dieser Song kann mit seiner leicht melancholischen Bonfire-Stimmung hierzulande am besten mit den frühen Hits von James Blunt oder Ed Sheeran verglichen werden. „Hurt Again“, mit Jason Eady als Co-Autor, ist der verwegenste der 12 Titel und zeigt Micky Braun von Rock-Riffs begleitet in rowdyhafter Interpretation, die musikalisch mit Hilfe einer weichen Hammond-Orgel-Untermalung eingefangen wird.
Auch im weiteren Verlauf des Albums werden der Texas-Country-Dominanz immer wieder Folk-Einflüsse beigemischt. Dabei sind die naturgegebenen, gesanglichen Parallelen von Frontman Micky Braun zu seinem älteren Reckless-Kelly-Bruder Willy einfach nicht von der Hand zu weisen.Und auch stilistisch scheint eine musikalische Abgrenzung in letzter Konsequenz nicht wirklich gewollt zu sein, zumal Willy Braun als Produzent und auf der Heimatballade „From Where The Sun Now Stands“ auch als Co-Autor auftritt. Auch der zweite Kelly-Bruder Gary darf auf Songs wie „Once In A Lifetime Girl“ als Fiddle-Player seine Duftmarke hinterlassen.
Gegen Ende des Albums finden sich mit „Sister Lost Soul“ und „Tonight We Ride“ zwei der stärksten Songs wieder, die sich als originell und hitverdächtig zugleich erweisen. Ersterer ist ein „catchy“ und stark instrumentiertes Tribute an den 2012 verstorbenen Bassisten Mark McCoy, während letzterer Song mit hymnischer Intensität das Zeug zu einem neuen Fanfavorite haben könnte. Nach 43 Minuten haben Micky & The Motorcars jedenfalls die Fortexistenz ihres kleinen „private Idaho“ innerhalb der texanischen Musikszene sichergestellt.
Fazit: Micky & The Motorcars könnten mit „Hearts From Above“ ihr bislang erfolgreichstes Album abgeliefert haben. Sie bewegen sich dabei stilistisch auf sicherem Terrain, das von der Gebrüderband Reckless Kelly vor einigen Jahren bereits erfolgreich durchlaufen wurde. Wer sich durch den allgegenwärtigen „Big-Brother-Einfluss“ nicht gestört fühlt, wird ein top-produziertes Texas-Countryalbum vorfinden, in dem die landschaftlichen Weiten Idahos an der ein oder anderen Stelle wohltuend durchschimmern.
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| Künstler / Albumtitel: Micky & The Motorcars – Hearts From Above Format / Label / Veröffentlicht: CD, Vinyl & Digital (Blue Rose, Soulfood 2014) Bewertung: 3,5 von 5 möglichen Punkten |
| Trackliste:
01. Hearts From Above |


