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Blue Water Highway Band: Things We Carry

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Blue Water Highway Band - Things We Carry

Es macht immer wieder Spaß, junge aufstrebende Bands bei der Darbietung traditioneller Musikstile zu begleiten. So konnten dem Genre des Americana nahestehende Gruppen wie Six Market Blvd, Dolly Shine oder zuletzt Midnight River Choir die ohnehin bunte texanische Musikszene mit ihren Einstiegswerken bereichern.

Die Blue Water Highway Band aus Kyle, einer Kleinstadt im Süden der Musikmetropole Austin, zählt zu den Szenedebütanten, denen gerade von Expertenseite eine vielversprechende Zukunft vorausgesagt wird. Top-Produzent und Dixie-Chicks-Mentor Lloyd Maines spricht von der „besten neuen Band, die er seit Jahren gehört hat“. Country-Singer-Songwriterin Terri Hendrix zählt die beiden Leadsänger gar zu den besten Vokalisten der aktuellen Szene und gibt zu, von deren Live-Shows absolut beeindruckt zu sein. Hendrix weiter: „Ihre Art Abzuliefern, das Timing, die Texte, Harmonien und ihre Fähigkeiten als Musiker machen Sie zu einer ganz großen Nummer.“

Mit derartigen Vorschusslorbeeren beladen ist nun das Debütalbum des sechsköpfigen Ensembles unter dem bezeichnenden Titel Things We Carry erschienen. Ein Album, das erst durch bandeigenes Fundraising aus einem Gulf Coast Concert finanziert werden konnte. Hält dieser Erstling nun den hohen Erwartungen stand oder haben wir es am Ende doch mit einem „Lobbyprojekt“ der von Nachwuchstalenten übersäten texanischen Musikszene zu tun?

Schon der erste Eindruck des auf 58 Minuten ausgedehnten Longplayers erfüllt Qualitätsansprüche, die weit über die Erwartungen eines Debütalbums hinausgehen. Die Blue Water Highway Band präsentiert sich mit einer derartigen Abgeklärtheit und stilistischen Sicherheit, dass man als Fan des Roots-Americana-Style nur applaudieren kann. Neben einem Feuerwerk musikalischer Facetten stehen die beiden Leadsänger Zack Kibodeaux und Greg Essington als kongeniale Stimmpartner immer wieder im Mittelpunkt. Auch wenn jeder der 13 Songs seine eigene Geschichte erzählt und neue Stilvariationen bereithält, ist das Album auf authentischste Weise in der texanischen Musikszene verwurzelt. Dies schliesst den ein oder anderen Flirt mit verschiedenen Genres von luftigem Folk-Pop bis erdigem Blues wie selbstverständlich mit ein.

So zeigt bereits der Opener „Hard Time Train“ eine beeindruckende stilistische Bandbreite, die von reduziertem Modern Country zu Beginn bis zum finalen High-Speed-Honkytonk reicht. Im Zentrum dessen verleiht sich Leadsänger Zack Kibodeaux mit ausdrucksstarker Stimmfarbe und Phrasierung einen Zac-Brown-ähnlichen Anstrich. Doch wer glaubt, eine Texas-Kopie des mittlerweile im Country-Mainstream angelangten Ensembles aus Atlanta vorzufinden, sieht sich schon ab Song Nr.2 getäuscht. Das mit einem Harp-Trigger versehene „City Love, City Lose“ sowie das hymnische „Oh Seraphim!“ sind tiefschürfender Texas-Country, deren Harmonievocals an Local Bands wie Green River Ordinance oder The Washers erinnern. Auf dem melancholischen „Greytown“ wird ähnlich wie auf dem von Greg Essington eindrucksvoll performten „My Blue San Antone“ das Thema Stadt als Liebesmetapher auf charaktervolle Weise zelebriert.

Mindestens ebenso eindrucksvoll wie die Balladen sind die Upbeats. „Medicine Man“ ist der Song, der die Karriere der „Blue Water Boys“ zu höheren Weihen führen könnte. Eine beschwingte Folk-Pop-Nummer mit erneut großartigen Leadvocals und einer infektiösen Melodie könnten die Zutaten für den ersten großen Radiohit sein. Auch der Titelsong trägt kommerziellere Züge ohne dabei jedoch in zu seichtes Fahrwasser zu geraten, während das finale „Highway To Glory“ als optimistische Roots-Nummer seinen Traditionsbezug nach außen trägt. Man könnte in der Tat jeden einzelnen der 13 Songs als Positivbeispiel für die Kreativleistung des Sextetts aus dem zentraltexanischen Hay Country heranziehen. Doch respräsentativ soll Song Nr. 8 „John Henry“ erwähnt werden, der etwas verkörpert, was nur wenigen jungen Bands zu eigen ist. Dieser unkommerzielle, bluesige Südstaatengospel wird von Zack Kibodeaux im Preacherstyle derart charismatisch interpretiert, dass die Nebelschwaden über dem Mississippidelta vor dem geistigen Auge aufsteigen. Am Ende fassen die Famous Last Words von Lloyd Maines die Qualität des Longplayers geeignet zusammen: „Ihre Stimmen sind auf den Punkt, ihr Songwriting ist intelligent und tiefgründig. Sie sind durchweg ernsthafte und eindrucksvolle Musiker.“

Fazit: Die Blue Water Highway Band aus dem Herzen des Lone Star States hat mit ihrem Erstling „Things We Carry“ einen musikalischen Paukenschlag hingelegt. Mit einem schier unglaublichen Reifegrad präsentiert das Americana-Sextett um die beiden begnadeten Leadsänger Zac Kibodeaux und Greg Essington einen Stilmix, der das Wesen der lokalen Musikszene quasi lückenlos zusammenfasst. „Hard Time Train“, „Greytown“ und das unwiderstehliche „John Henry“ sind die kreativen Highlights, während „Medicine Man“ der Eisbrecher für einen breiteren Publikumserfolg werden könnte. Für mich persönlich, das bislang überzeugendste Szenealbum des Jahres.

Blue Water Highway Band - Things We Carry

Künstler / Albumtitel: Blue Water Highway Band – Things We Carry
Format / Label / Veröffentlicht: Digital (Blue Water Highway 2015)
Bewertung: 4,5 von 5 möglichen Punkten

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Trackliste:

01. Hard Time Train
02. City Love, City Lose
03. Oh Seraphim!
04. Greytown
05. Medicine Man
06. How I Broke Your Heart
07. My Blue San Antone
08. John Henry
09. The Running
10. Voice In Ramah
11. Q To Cortelyou
12. Things We Carry
13. Highway To Glory

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Über Bernd Wenserski (588 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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