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Just Cash – Umjubelte Live-Performance in der Bonner Harmonie!

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Just Cash - Bonner Harmonie (Bildrechte, Max Malsch)

Wir alle kennen Johnny Cash! Zumindest glauben wir, dies zu tun. Mit Evergreens wie „Ring Of Fire“ oder „I Walk The Line“ hat sich die schroff wirkende Countrylegende der musikalischen Öffentlichkeit hierzulande über Jahre als flüchtiger aber gern gesehener Bekannter präsentiert.

60 Jahre ist es nun her, seit der „Man In Black“ seine großartige Karriere mit der ersten Plattenaufnahme unter dem legendären Musiklabel Sun Records begonnen hat. Während Label-Mate Elvis Presley bereits Ende 1955 zum Giganten RCA-Records wechselte, blieb Johnny Cash das Aushängeschild der Memphiser Talentschmiede, bevor er Tennessee im Jahr 1958 in Richtung Columbia Records verließ. Die in Szenekreisen für ihre authentischen Cash-Interpretationen bekannte Countryformation Texas Heat um Sänger und Frontman Bernd Wolf hat dieses Jubiläum zum Anlass genommen, um das Leben und Wirken in einem Tribute-Konzert der besonderen Art am 26. Februar 2015 (Cashs 83. Geburtstag) zu würdigen.

Vor rund 250 Gästen ist es Wolf und seiner Band zum mittlerweile vierten Mal gelungen, den als Konzertkneipe umfunktionierten ehemaligen Tanzsaal „Harmonie“ im Bonner Stadtteil Endenich unter dem Titel Just Cash in eine stimmungsvolle, musikalische Gedenkstätte zu verwandeln. Nach zwei Sets und mehr als 2 Stunden begeisternder musikalischer Zeitreise dürfte der Name Johnny Cash den Anwesenden ein großes Stück näher gerückt und aus dem flüchtigen Bekannten ein lebensnaher und vertrauter Begleiter geworden sein.

Der Hauptgrund für diese Wirkung liegt in der Person des Frontman und Cash-Enthusiasten Bernd Wolf. In ihm paart sich ein schon fast lexikales Wissen über die Vita des Mannes aus Arkansas mit einer entwaffnenden Beherrschung und Performance des zugrundeliegenden Songmaterials. Wolf imitiert nicht, er interpretiert und lässt seine künstlerische Eigenständigkeit durch die Figur der Countrylegende hindurchscheinen.

Bereits zu Beginn des ersten Sets wird die authentische Stimmfärbung und Akzentuierung deutlich, die den „Man In Black“ bei geschlossenen Augen gefühlt auf die Bühne zurückkehren lässt. Die Performance als solche besticht jedoch durch den eigenen Charakter des Ensembles. So verzichtet Wolf auf die Nachahmung von Cashs eigentümlichem Bewegungshabitus, mit dem sich Hollywood-Actor Joaquin Phoenix in der Kinohommage „Walk The Line“ als Edelimitator einen Namen machen konnte.

Bernd & Elli, Bildrechte - Max Malsch

Mottogetreu widmen Texas Heat der musikalischen Startphase ihre besondere Aufmerksam-keit. Johnny Cashs Debütsingle „Hey Porter“ mit der B-Seite „Cry, Cry, Cry“ sowie die bekannteren Sun-Records-Titel „Get Rhythm“, „Folsom Prison Blues“ und „I Walk The Line“ werden schnörkellos in traditionellem Gewand präsentiert. Mit jedem weiteren Song, der von Bernd Wolf auf informative wie unterhaltsame Weise kommentiert wird, wird die 2003 verstorbene Kultfigur der Country- und Outlawbewegung ein Stück weit lebendiger. Es wird weder glorifiziert noch persifliert, sondern das Lebenswerk von Johnny Cash in seiner bodenständigen Schlichtheit dargeboten. Und genau dieser behutsame Umgang mit dem musikalischen Kulturgut macht den besonderen Charme dieses ersten Sets aus.

Zu Beginn des zweiten Sets ändern sich die Vorzeichen und Texas Heat bekommt ein neues Gesicht. Bernd Wolf präsentiert Elisabeth Erlemann, die im weiteren Verlauf der zweiten Schaffensphase Cashs mit dem June-Carter-Part neues Leben einhaucht. Die Oldenburger Countryinterpretin besticht dabei durch ihre stilechte Gesangsstimme, die sie zu Beginn des Sets in dem Carter-Family-Klassiker „Wildwood Flower“ unter Beweis stellt. Und tatsächlich stellt sich zwischen dem Frontduo auf der Bühne eine spezielle musikalische Verbindung ein, die den Vorbildern mehr als gerecht wird.

Im Verlaufe des Sets lockert die Stimmung weiter auf und Texas Heat gelingt es im Mittelteil, mit der von Johnny Cash im Jahr 1962 besungenen Bonanza-Titelmelodie einen besonderen Akzent zu setzen. Plötzlich fühlt man sich 40 Jahre zurückversetzt, hockt im heimischen Wohnzimmer vor dem alten Röhrenfernseher und lauscht den Weisheiten Ben Cartwrights, die er seinen Söhnen am Esstisch vermittelt, während China-Koch Hop Sing die Abendsuppe serviert.

Der jüngere Teil des bunt gemischten Publikums dürfte sich an der Interpretation des U2-Hits „One“ erfreut haben, den Johnny Cash im Jahr 2000 für sein Album „American Recordings III: Solitary Man“ aufgenommen hatte. Aus dem gleichen “ Wurf“ stammt auch die Version des Tom Petty-Klassikers „I Won’t Back Down“, die bei mir persönlich als Kind der 80er und Freund des amerikanischen Heartland-Rock besonders gut ankommt.

Mit weiteren stilechten Interpretationen aus dem „Carter-Cash-Fundus“ und einigen respektablen Eigenkompositionen war der Funke schon lange vor der lautstark geforderten Zugabe des „Ring Of Fire“ bis in die hintersten Reihen des „Bonner Honkytonks“ übergesprungen. Nun entsteht Platz für einen besonderen Moment. Während die Band die Bühne verlässt, bittet Bernd Wolf das Publikum um Stille. Auf dem Bühnenrand sitzend wird den andächtig lauschenden „Cash-Jüngern“ eine Akustikversion des Nine-Inch-Nails-Klassikers „Hurt“ in Gänsehautmanier präsentiert. Spätestens jetzt ist die Botschaft klar: Nur wer die verletzliche und schmerzvolle Seite des Künstlers kennengelernt hat, erhält eine Ahnung davon, wer Johnny Cash wirklich war.

Was ist nun das Fazit dieses beeindruckenden Abends? Als Countryfan, der sich zuletzt eher moderneren Strömungen des Genres zugewandt hat, entsteht spontan der Gedanke, zu den Klängen der alten Greatest-Hits-Compilations die leicht angestaubte Cash-Biographie wieder aus dem Bücherregal zu holen. Plötzlich stelle ich fest, dass ein zeitgenössischer Country-Singer-Songwriter wie der Texaner Mark McKinney in seinem Song „Diggin‘ My Grave“ den ureigenen Sound und Rhythmus des „Man In Black“ in die Neuzeit transportiert hat. Wer jedoch als Nicht-Country-Fan die Gelegenheit nutzen möchte, das musikalische Vermächtnis des Johnny Cash kennenzulernen, dem kann man nichts anderes empfehlen, als im kommenden Jahr bei der nächsten Auflage des Tribute von Texas Heat in der Bonner Harmonie mit von der Partie zu sein.

Fotocredit: Max Malsch

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Über Bernd Wenserski (585 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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