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Various Artists: From Where I Stand. The Black Experience In Country Music

Eine 4er CD Box der Country Hall Of Fame And Museum zeichnet die Geschichte der afroamerikanischen Beiträge zur Countrymusik nach.

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From Where I Stand. The Black Experience In Country Music From Where I Stand. The Black Experience In Country Music. Bildrechte: Country Hall Of Fame And Museum

Spätestens seit den Carolina Chocolate Drops in den späten 2000er und 2010er Jahren sind die afroamerikanischen Beiträge zur Countrymusik wieder einer größeren Öffentlichkeit bewusst geworden. Neben der Erinnerung an das afroamerikanische Erbe wie dem Banjo, dem Blues und der Stringband Music, sind es vor allem auch aktuelle Countrymusiker wie Darius Rucker, Mickey Guyton und Kane Brown und die Kontroversen um Lil Nas X‘ „Oldtown Road“ oder Beyoncè’s „Cowboy Carter“, die hier die Themen setzen. Zuletzt haben auch Alice Randalls Buch „My Black Country“ (plus das Album dazu) und der neue Longplayer von Swamp Dogg mit dem schönen Titel „Blackgrass“ selbstbewusst die afroamerikanischen Wurzeln der Countrymusik hervorgehoben.

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All dies waren sicherlich Gründe für die erweiterte Neuauflage von „From Where I Stand: The Black Experience In Country Music“. Die Sammlung erschien ursprünglich 1998 als Box-Set mit drei CDs und wurde damals mit großer Begeisterung und Kritikerlob aufgenommen. Die 4-CD-Box erzählt nun die Geschichte von fast hundert Jahren Countrymusik schwarzer Künstler – von den Stringbands der 1920er und 1930er Jahre und den Country-Songs, die von Rhythm & Blues-Stars gecovert wurden, über den Durchbruch von Charley Pride und seinen Zeitgenossen bis hin zu den vielen unterschiedlichen Künstlern, die auch im 21. Jahrhundert noch immer eine Vorreiterrolle spielen. Diese erweiterte und aktualisierte Ausgabe enthält neben der vierten CD auch zwei neue Essays.

CD 1 – The Stringband Era

Die Musikauswahl macht deutlich, dass musikalische und gesellschaftliche Entwicklungen eng miteinander verknüpft sind. So erklingen auf CD 1, die die 1920er bis 1940er Jahre umfasst, der erste schwarze Opry-Star DeFord Bailey, der Opfer von rassistischem Mobbing wurde oder es spielt die weiße Stringband Georgia Yellow Hammers zusammen mit dem schwarzen Fiddler Andrew Baxter. Die Georgia Yellow Hammers und Andrew und Jim Baxter reisten im Sommer 1927 nach Charlotte, North Carolina, um für die Plattenfirma Victor Aufnahmen zu machen. Wegen der Jim-Crow-Gesetze mussten die Baxters auf der Zugfahrt nach Charlotte mehrere Waggons hinter den Yellow Hammers fahren. In Charlotte nahm jede Gruppe ihre eigenen Sessions auf, mit einer Ausnahme: Andrew Baxter spielte bei den Yellow Hammers Geige auf „G Rag“. Somit ist der „G Rag“ eine der frühesten integrierten Aufnahmen von Musikern aus Georgia. Ebenfalls vertreten auf der ersten CD sind desweiteren u.a. der von dem weißen Folkloristen John Lomax entdeckte legendäre Leadbelly, der später zum Musikantenkreis um Woody Guthrie und Pete Seeger gehörte und die Mississippi Sheiks, denen vor einigen Jahren Bob Dylan ein Denkmal setzte, als er mehrere Songs der afroamerikanischen Stringband neu einspielte.

CD 2 – Soul Country

Die 2. CD zeigt dann die große Nähe von Soul und Country auf. Künstlerinnen und Künstler wie Ray Charles, The Supremes oder The Staple Singers bewegten sich ganz selbstverständlich in beiden Gefilden. Ray Charles veröffentlichte gleich zwei Alben – Modern Sounds in Country and Western Music und Modern Sounds in Country and Western Music Volume Two – die Soul und Country verschmolzen. The Staple Singers sind mit „Will The Circle Be Unbroken” einem der bekanntesten Country-Gospels vertreten und The Supremes interpretieren Floyd Tillmans „It Makes No Difference Now”, das auch schon Ray Charles aus seinem ersten Country-Album hatte. So wie der Soul mit den afroamerikanischen Gospels verwandt ist, so sind eine der Grundlagen des Country ja auch Kirchenlieder. Da waren sich schwarz und weiße Südstaatler trotz Rassentrennung ziemlich nahe und deshalb sind sich auch Soul und Country so nahe. So nahe, dass vor wenigen Jahren der weiße Soulsänger Eli Paperboy Reed ganz prächtig Merle Haggards Songs „soulifiziert“ hat. „Er konnte diese außerordentlich komplizierten emotionalen Gefühle in zweieinhalb Minuten auf den Punkt bringen“, hob Reed damals hervor und nannte damit auch eine Ausgangsbedingung für gute Soulmusik. Die Songs auf dieser CD sind denn auch über die Jahre von Country- und Soulsängern immer wieder neu interpretiert worden. So haben „It Makes No Difference Now“, das so wunderbar als Soulstück funktioniert u.a. auch Merle Haggard (!) und Wille Nelson gespielt.

CD 3 – Forward With Pride

Die CD 3 heißt „Forward With Pride“ und setzt mit dem Erfolg von Charley Pride, dem zweiten Afroamerikaner auf der Opry-Bühne nach DeFord Bailey ein. Während er unzählige Chart-Hits hatte und breite Akzeptanz, war dies seinem weiblichen Pendant Linda Martell nicht gegeben. Sie musste rassistische und Ausfälle über sich ergehen lassen, erfuhr so gut wie keine Untersützung von ihrem Manager und zog sich in den 1970ern enttäuscht vom Country-Business zurück. Beyoncè hat ihr erst kürzlich auf „Cowboy Carter“ ein Denkmal gesetzt. Mit dabei sind hier auch The Pointer Sisters und Aaron Neville und Herb Jeffries. Mit seinem Song „I’m A Happy Cowboy“ wird an den afroamerikanischen „Singing Cowboy“ erinnert, der wiederum daran erinnerte, dass in der Hochzeit der Cowboys etwa ein Viertel von davon Afroamerikaner waren. Und dass die ursprünglichen Cowboysongs sehr oft von Schwarzen stammen. Auch Leadbelly hatte einige davon im Repertoire.

CD 4 – Reclaiming The Heritage

„Reclaiming The Heritage“ ist der Titel der neuen, vierten CD. Es setzt an mit den Carolina Chocolate Drops und Rhiannon Giddens ein, natürlich ist der schwarze Country-Superstar Darius Rucker vertreten, aber auch „Our Native Daughters“, Valerie June, Allison Russell und Yola, als jüngere Vertreterinnen des Americana. Mit Mavis Staples hat auch eine Soul-Veteranin hier ihren Platz gefunden und mit Kane Brown und Blanco Brown sind aktuell erfolgreiche afroamerikanische Countrysänger vertreten. Zu nennen ist hier auch Wendy Moten, die von ihrer Zusammenarbeit mit Vince Gill und als Sängerin der Nashville Supergroup „The Time Jumpers“ bekannt ist. Einziger Wermutstropfen bleibt das Fehlen von „Old Town Road“ von Lil Nas X. Konnten die Country Hall Of Fame und das Nashville Establishment hier nicht über ihren Schatten springen? Wir erinnern uns: Gerade eben mit 17 Wochen an der Spitze der US-Charts zum Rekordhalter geworden, wurde er anfangs noch in den Billboard Country Charts geführt. Just als er sich anschickte auf die Pole-Position zu klettern, kam man bei Billboard zu der Expertise, „Old Town Road“ sei gar kein Country-Song und versetzte ihn in die Popcharts. Später erklang der Song dann doch in der Opry. Aber nicht von Lil Nas X, sondern vom Remix-Gesangspartner, der Country-Legende Billy Ray Cyrus, und dem Kinderstar Mason Ramsey.

Fazit: Das bleibt der einzige Schönheitsfehler in einem ansonsten großartigen Projekt, für das u.a. Rhiannon Giddens und Rissi Palmer Essays zu den Liner Notes beigetragen haben.

Und am 18. Juni wird es auch ein großes Konzert zum Erscheinen des Albums in Nashville geben, bei dem u.a. Blanco Brown, Cowboy Troy, Tony Jackson, Hubby Jenkins, Miko Marks, Wendy Moten, Rissi Palmer, Darius Rucker, The War And Treaty sowie Barrence Whitfield auftreten werden. Fantastisch!

Various Artists – From Where I Stand. The Black Experience In Country Music: Das 2024er Album

From Where I Stand. The Black Experience In Country Music

Künstler: Various Artists
Album: From Where I Stand. The Black Experience In Country Music
Veröffentlichung: 31. Mai 2024
Label: Country Music Hall Of Fame And Museum (Warner Music Nashville)
Formate: 4-CD-Box & Stream
Tracks: 82
Genre: Country

„From Where I Stand. The Black Experience In Country Music“ ist hierzulande noch nicht erhältlich, aber die Musik (Songs) und alle Texte dazu sind auch auf der offiziellen Webseite des Country Music Hall Of Fame And Museum’s zu finden!

Trackliste: (From Where I Stand. The Black Experience In Country Music)

CD 1 – The Stringband Era:

01. DeFord Bailey- Pan American Blues
02. DeFord Bailey- Muscle Shoals Blues
03. Taylor’s Kentucky Boys – Gray Eagle
04. Georgia Yellow Hammers – G Rag
05. Andrew & Jim Baxter – K. C. Railroad Blues
06. The Dallas String Band – Dallas Rag
07. James Cole String Band – Bill Cheatem
08. Peg Leg Howell & Eddie Anthony – Turkey Buzzard Blues
09. Charlie McCoy & Bo Chatmon – Corrine Corrina
10. Mississippi Sheiks – Sitting on Top of the World
11. Mississippi Sheiks – Yodeling Fiddling Blues
12. Memphis Sheiks- He’s in the Jailhouse Now
13. Mississippi Mud Steppers- Morning Glory Waltz
14. Lead Belly – The Midnight Special
15. Lead Belly – Rock Island Line
16. Nathan Frazier & Frank Patterson – Eighth of January
17. Murph Gribble, John Lusk & Albert York – Apple Blossom
18. DeFord Bailey – Fox Chase

CD 2 – Soul Country:

01. Wynonie Harris – Bloodshot Eyes
02. The Orioles – Crying in the Chapel
03. Big Al Downing – Down on the Farm
04. Ivory Joe Hunter – City Lights
05. Ray Charles – I’m Movin’ On
06. Ray Charles – I Can’t Stop Loving You
07. Bobby Hebb – Night Train to Memphis
08. Solomon Burke – Just Out of Reach
09. Fats Domino – You Win Again
10. Esther Phillips – Release Me
11. Joe Hinton – Funny How Time Slips Away
12. Arthur Alexander – Detroit City
13. The Supremes – It Makes No Difference Now
14. Bobby Hebb – A Satisfied Mind
15. The Staple Singers – Will the Circle Be Unbroken
16. Joe Tex – Half a Mind
17. Etta James – Almost Persuaded
18. Joe Simon – The Chokin’ Kind
19. Ivory Joe Hunter – He’ll Never Love You
20. Dorothy Moore – Misty Blue

CD 3 – Forward With Pride:

01. Charley Pride – The Snakes Crawl at Night
02. Charley Pride – Is Anybody Goin’ to San Antone
03. Charley Pride – Kiss an Angel Good Mornin’
04. Linda Martell – Color Him Father
05. Otis Williams & the Midnight Cowboys – How I Got to Memphis
06. La Melle Prince – The Man That Made a Woman Out of Me
07. Stoney Edwards – She’s My Rock
08. Stoney Edwards – Hank and Lefty Raised My Country Soul
09. Stoney Edwards – Pickin’ Wildflowers
10. O. B. McClinton – Don’t Let the Green Grass Fool You
11. Jo Ann Sweeney – I’ll Take It
12. The Pointer Sisters – Fairytale
13. Ruby Falls – Show Me Where
14. Lenora Ross – Lonely Together
15. Big Al Downing – Touch Me (I’ll Be Your Fool Once More)
16. Professor Longhair – Jambalaya (On the Bayou)
17. Dobie Gray – From Where I Stand
18. Cleve Francis – Love Light
19. Aaron Neville – The Grand Tour
20. Barrence Whitfield – Irma Jackson
21. Ted Hawkins – There Stands the Glass
22. Herb Jeffries – I’m a Happy Cowboy

CD 4 – Reclaiming The Heritage:

01. Carolina Chocolate Drops – Ruby, Are You Mad at Your Man?
02. Rhiannon Giddens – At the Purchaser’s Option
03. Darius Rucker – Wagon Wheel
04. Darius Rucker – Don’t Think I Don’t Think About It
05. Valerie June – Workin’ Woman Blues
06. Our Native Daughters – Black Myself
07. Mavis Staples – Touch My Heart
08. Tony Jackson – I Didn’t Wake Up This Morning
09. Rissi Palmer – Country Girl
10. Miko Marks – It Feels Good
11. Kane Brown – Heaven
12. Kane Brown – Worldwide Beautiful
13. Yola – Ride Out in the Country
14. Allison Russell – Nightflyer
15. Wendy Moten – ’Til I Get It Right
16. Cowboy Troy – I Play Chicken with the Train
17. Blanco Brown – The Git Up
18. BRELAND – Cross Country
19. Brittney Spencer – Bigger Than the Song
20. Mickey Guyton – Black Like Me
21. Keb’ Mo’ – Loving Arms
22. The War And Treaty – A Lesson in Leavin’

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Über Thomas Waldherr (823 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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