Hard2Soul: Von den Rockclubs Amerikas zur großen Liebe für Countrymusik
Countrymusik aus Berlin, das große Special über die Band rund um Oliver Christopher!
Collage (Country.de) // Photo Credit & Logo: © Oliver Christopher
Oliver Christopher hat in seinem Musikerleben schon viel erlebt, jetzt schlägt der Berliner mit seiner Band Hard2Soul ein neues musikalisches Kapitel auf. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt er von Begegnungen mit internationalen Rockstars, persönlichen Schicksalsschlägen und davon, warum er im Country-Rock eine neue musikalische Heimat gefunden hat.
Manchmal dauert es tatsächlich viele Jahre, bis ein Musiker genau dort ankommt, wo er sich musikalisch zu Hause fühlt. Bei Oliver Christopher, Sänger, Songwriter und Gründer der Berliner Band Hard2Soul, führte dieser Weg über die Rockclubs von New York und Los Angeles, durch die deutsche Musikbranche und schließlich in die Welt der modernen Countrymusik.
Es ist eine Geschichte von großen Träumen, außergewöhnlichen Begegnungen, schwierigen Entscheidungen und einem musikalischen Neuanfang. Und sie zeigt, dass Countrymusik manchmal nicht am Anfang einer Karriere stehen muss, um am Ende dann doch eine ganz besondere Bedeutung zu bekommen.
Als Slash an der Bar saß und Kiss im Publikum standen
Es waren aufregende Jahre, als Oliver Christopher damals in die USA ging, um seinen Traum von einer profesionellen Karriere als Rockmusiker zu verwirklichen. Die amerikanische Musikszene befand sich mitten in der Hochphase des Hair Metal. Bands wie Bon Jovi, Mötley Crüe und Guns N’ Roses prägten damals das Musikgeschehen.
Christopher erinnert sich noch ziemlich gut an seinen ersten Auftritt als Sänger im legendären Cat Club in New York. Später stand er im FM Station in Los Angeles als Vorgruppe von Night Ranger auf der Bühne. Im Publikum saßen nach seinen Erinnerungen sogar Musiker von Kiss und Mötley Crüe.
Durch eine Bekannte aus dem Management von Bon Jovi erhielt er außerdem Einblicke in das Umfeld der Band. Mit seinen Demotapes wartete er gelegentlich backstage im Madison Square Garden, in der Hoffnung, dass jemand seine Songs anhören und ihm eine ehrliche Meinung dazu geben würde.
Auch Begegnungen mit bekannten Musikern gehörten zu dieser Zeit. Besonders lebhaft erinnert sich Christopher an einen jenen Abend, an dem er mit Slash von Guns N’ Roses an einer Bar saß und einen Jack Daniel’s trank.
Doch die aufregenden Jahre hatten auch ihre Schattenseiten, denn irgendwann ging ihm das Geld aus. Gleichzeitig veränderte der Erfolg von Nirvana und der Grunge-Bewegung die Rocklandschaft grundlegend. Mit dieser musikalischen Entwicklung konnte Christopher wenig anfangen. Er entschied sich kurzerhand, nach Berlin zurückzukehren.
Ein eigenes Musikzentrum und große Namen als Gäste
Zurück in Deutschland musste der Musiker zunächst seinen Lebensunterhalt sichern. Nach einem Engagement in einer Musicalproduktion arbeitete er als Studiosänger, unterstützte andere Bands bei Aufnahmen und war als Sessionmusiker unterwegs.
1999 verwirklichte er schließlich einen weiteren Traum: die Gründung der Limelight MusicFactory in Berlin. Das Musikzentrum entwickelte sich zu einer Anlaufstelle für zahlreiche Künstler und Bands. Zu den Musikern, die dort probten oder sich auf Tourneen vorbereiteten, gehörten unter anderem Die Ärzte, das Farin Urlaub Racing Team, Roland Kaiser und der Countrymusiker Larry Schuba. Auch das legendäre MTV-Special von Die Ärzte wurde nach Christophers Angaben in den Räumlichkeiten der MusicFactory aufgezeichnet.
Für den Berliner bedeutete das eigene Musikzentrum nicht nur berufliche Selbstständigkeit, sondern auch die Möglichkeit, andere Künstler bei ihrer musikalischen Arbeit zu unterstützen. Leider rückte seine eigene Karriere als Sänger und Songwriter dabei allerdings zunehmend in den Hintergrund. Familie, Beruf und die Verantwortung für seine Kinder bestimmten über viele Jahre seinen Alltag. Doch der Wunsch, wieder mit eigenen Songs auf der Bühne zu stehen, blieb.
Ein Schicksalsschlag, der alles veränderte
Besonders emotional wird das Gespräch, als Oliver Christopher auf seine frühere Band Marilynn zurückblickt. Nach einigen Reunion-Konzerten wollte er mit seinen langjährigen Musikerkollegen wieder neues Material aufnehmen, doch dann wurde sein Freund und Bassist Michael bei einem schweren Autounfall lebensgefährlich verletzt und fiel ins Koma. Für Christopher war dies ein einschneidendes Erlebnis. Gemeinsam mit seinen Musikerkollegen entstand der Song „Walk Alone“, dessen Musikvideo unmittelbar nach dem Unfall mit Freunden und Familienmitgliedern aufgenommen wurde.

Photo Credit: © Oliver Christopher
Als die Beteiligten nach den emotionalen Dreharbeiten nach Hause kamen, erreichte Christopher eine weitere traurige Nachricht: Sein Schwiegervater war während der Aufnahmen verstorben. Bis heute besitzt das Video deshalb eine ganz besondere Bedeutung für ihn.
Michael überlebte den Unfall und kämpfte sich zurück ins Leben, die Freundschaft besteht weiterhin. Nach Christophers Worten stehen beide nahezu täglich miteinander in Kontakt, und Michael besucht bis heute die Konzerte von Hard2Soul. Die Erlebnisse führten schließlich zu einer schwerwiegenden Entscheidung: Christopher ließ Marilynn ruhen und begann, über einen musikalischen Neuanfang nachzudenken, es entstand Hard2Soul.
Hard2Soul – ein neues Kapitel zwischen Rock und Country
Der Bandname Hard2Soul leitet sich von „From Heart to Soul“ ab und beschreibt damit auch den persönlichen Anspruch, der hinter dem Projekt steht. Mit einigen früheren Bandkollegen begann Oliver Christopher, neue Songs zu schreiben und aufzunehmen. 2017 erschien mit „Live in Berlin“ eine Konzertveröffentlichung, gefolgt von der Weihnachtssingle „All I Wish For Is Snow“. Im Juni 2018 veröffentlichte die Band schließlich das Studioalbum „Still A Rockstar“.
Musikalisch bewegte sich Hard2Soul zwischen Rock, Pop und ersten Country-Einflüssen. Songs wie „Here Comes the Rain“ und „Roads To Heaven“ ließen bereits erkennen, dass Christopher eine besondere Vorliebe für melodische, von amerikanischer Musik geprägte Arrangements hatte.
Doch genau diese stilistische Vielfalt wurde mitunter zum Problem, denn für klassische Metal-Festivals war die Musik zu poppig, für den Mainstream dagegen zu rockig. Die Band saß, wie Christopher rückblickend erzählt, zwischen den Stühlen. Hinzu kamen unterschiedliche musikalische Vorstellungen innerhalb der Besetzung. Gleichzeitig begann der Sänger, sich immer intensiver mit der Studioszene in Nashville und moderner Countrymusik zu beschäftigen. Und damit öffnete sich für ihn eine neue musikalische Tür.
Nashville verändert den Sound von Hard2Soul
Ende 2025 begann Oliver Christopher mit dem Schreiben neuer Songs: Mit der im Mai 2026 veröffentlichten Single „Runaway Train“ präsentierte Hard2Soul schließlich eine deutlich stärker vom Country geprägte musikalische Ausrichtung. Instrumente wie Banjo, Lap-Steel und Pedal-Steel eröffneten der Band neue Klangwelten. Die Begeisterung darüber war offenbar so groß, dass aus den ersten Ideen schnell Material für ein komplettes Album entstand.
Derzeit arbeitet Hard2Soul an 13 neuen Songs für das geplante Studioalbum mit dem Arbeitstitel „My Heart Beats Country“. Dabei sollen nicht nur eingängige Melodien im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem persönliche Geschichten.
„Gabriele“ ist beispielsweise eine Liebeserklärung an Christophers Ehefrau. „Ride With Me“ widmet er seinen Harley-Freunden. In „Little By Little“ beschäftigt er sich mit der Erkenntnis, dass es manchmal besser ist, das Leben etwas langsamer anzugehen, anstatt überstürzt Entscheidungen zu treffen. Der Song „My Heart Beats Country“, der als Opener des Albums vorgesehen ist, bringt die neu entdeckte musikalische Leidenschaft unmittelbar zum Ausdruck.
Christopher beschreibt die Arbeit an den neuen Songs als ausgesprochen befreiend. Endlich könne er Musik schreiben, ohne ständig darüber nachdenken zu müssen, in welche stilistische Schublade sie passen soll. Dabei sieht er seinen Weg zum Country-Rock keineswegs als vollständigen Bruch mit der Vergangenheit. Vielmehr verbindet er die Erfahrungen aus seiner Rockkarriere mit den musikalischen Möglichkeiten, die ihm die Countrymusik heute bietet.
Ein neues Album und die Rückkehr auf die Bühne
Nach derzeitiger Planung soll „My Heart Beats Country“ im Frühjahr 2027 erscheinen. Die Studioarbeiten laufen bereits, parallel sucht die Band nach geeigneten Vertriebs- und Promotionpartnern. Schon zu Weihnachten 2026 ist eine weitere Veröffentlichung vorgesehen: Der Hard2Soul-Song „All I Wish For Is Snow“ soll in einer neuen Countryversion erscheinen.
Auch Livekonzerte spielen in den Zukunftsplänen eine wichtige Rolle. Einige der neuen Songs hat die Band bereits vor Publikum ausprobiert. Nach Christophers Schilderung fielen die Reaktionen ausgesprochen positiv aus. Für ihn ist die unmittelbare Begegnung mit den Zuhörern ohnehin einer der schönsten Aspekte seines Berufs. Hier entscheidet sich, ob ein Song tatsächlich beim Publikum ankommt. Genau diese Momente möchte der Musiker künftig wieder häufiger erleben.
Eine musikalische Reise, die noch lange nicht zu Ende ist
Oliver Christopher hat in seiner Karriere zahlreiche Höhen und Tiefen erlebt. Er stand auf amerikanischen Clubbühnen, begegnete bekannten Rockmusikern, arbeitete mit Künstlern unterschiedlichster Genres, baute ein eigenes Musikzentrum auf und musste persönliche Rückschläge verkraften. Heute scheint er mit Hard2Soul musikalisch dort angekommen zu sein, wo er sich besonders wohlfühlt: bei handgemachtem Country-Rock mit eingängigen Melodien und Geschichten aus dem eigenen Leben.
Ob die neuen Songs auch das Country-Publikum überzeugen werden, muss sich nach ihrer Veröffentlichung zeigen. Die Voraussetzungen für ein spannendes neues Kapitel sind jedenfalls geschaffen. Seine Zukunftspläne bringt Christopher mit einem Satz auf den Punkt, der auch als Lebensmotto taugt: „Ich will nicht mit Träumen sterben, sondern mit Erinnerungen.“


