Jeannie Kendall
Zurück im Zivilleben arbeitete Royce Kendall als Friseur und begann, mit seiner Tochter zu singen. Ihre beiden Stimmen harmonierten ausgezeichnet miteinander. Das fand auch Steeler Pete Drake, der das Duo für Stop Records unter Vertrag nahm. Nächste Station wurde Dot Records, ebenfalls kein Meilenstein in der Karriere. Es folgte eine Durststrecke von fünf Jahren, ehe die Kendalls beim damals neu gegründeten Label Ovation Records unterschrieben.
Label Boss Brien Fisher hatte den richtigen Riecher. Gleich die zweite Ovation Single brachte den Durchbruch. „Heaven’s Just A Sin Away“ schoss an die Spitze und hielt sich dort vier Wochen lang. Es war Jeannie Kendall’s auffallende Stimme, der Royce Kendall eine überaus wirksame Harmoniestimme hinzufügte, die zum Markenzeichen wurden. Auch die nächsten Scheiben gingen weg wie geschnitten Brot. Über „It Don’t Feel Like Sinnin‘ To Me“ (Nr. 2) und „Pittsburgh Stealers“ (Nr. 6) marschierten sie zur nächsten Nr. 1: „Sweet Desire”. Die Kendalls blieben Stammgast in den Charts, 1984 – sechs Jahre später also – standen sie noch einmal ganz oben, diesmal mit „Thank God For The Radio“.
Inzwischen waren sie bei Mercury unter Vertrag. Danach wurden die Erfolge allmählich weniger, die beiden letzten Male tauchten die Kendalls 1988 in den Charts auf mit „The Rhythm Of Romance“ (Step One Records) und 1989 mit „Blue Blue Day“ (Epic Records).
The Kendalls blieben aber im Geschäft, sie gingen regelmäßig auf Tournee, machten das eine oder andere Album und waren häufig in Branson, Missouri zu sehen. Dort hatten sie sich in Häusern in unmittelbarer Nachbarschaft nieder gelassen. Jeannie Kendall war unterdessen verheiratet. Am 22. Mai 1998 erlag Royce Kendall in Iowa einem Herzinfarkt. Das Duo hatte zu der Zeit mit den Arbeiten an einem neuen Album für Rounder Records begonnen und bereits einige Songs aufgenommen. Jeannie Kendall stellte das Album dann mit Hilfe von Kollegen wie Alan Jackson, Alison Krauss, Ricky Skaggs fertig. Danach nahm sie sich einige Jahre eine Auszeit, um zu sich selbst zu finden und mit der neuen Situation umgehen zu lernen.
Im Jahr 2005 war sie bereit, sich wieder auf die Bühne und ins Studio zu begeben. Es entstand das Album „All The Girls I Am“, das eine neue Jeannie Kendall zeigt. Ihre Songs sind reifer geworden, die Produktion geht deutlich mehr in Richtung Pop. Sie habe zeigen wollen, dass sie mehr singen könne als reine Country Music, ließ sie dazu verlauten. Ihre Fans mussten sich erst einmal daran gewöhnen. Spätestens jetzt wurde offenkundig, wie wichtig der Gesang des Vaters für den Sound der Kendalls gewesen war.
Jeannie Kendall tritt weiter als Sängerin auf, ob es in absehbarer Zeit ein neues Album von ihr geben wird muss abgewartet werden.


