Merle Kilgore (Biografie)
Merle Kilgore war infiziert und tat alles, was neben der Schule möglich war, um ins Country Business zu kommen. 1950 gehörte Kilgore zu den Künstlern, die regelmäßig beim Hayride auftraten. Er verdiente sich morgens vor der Schule einige Dollar als Discjockey und bekam dann auch eine lokale TV Show, durch die er als Moderator führte. Auch wenn er kein Texaner war hieß er rasch und überall „The Tall Texan“! In seiner Heimat wurde Merle Kilgore rasch beliebt und vielbeschäftigt. Deshalb stellte ihn seine damalige Freundin vor die Alternative – entweder die Musik oder sie. Kilgore überlegte nicht lange – und erinnerte sich an den rat des Hank Williams. Noch auf dem Weg zum Studio schrieb er den Song „More And More (I´m forgetting About You)“. Bekanntlich wurde daraus eine No. 1 für Webb Pierce. Und Kilgore wundert sich noch heute: „Mit diesem Song öffneten sich für mich plötzlich Türen, die bis dahin fest verschlossen waren. Jemand, der einen Hit schreiben konnte, den durfte man nicht ignorieren.“ Im Zusammenhang mit diesem Hit musste Kilgore auch die Lektion lernen, dass man den geschäftlichen Bereich nicht vernachlässigen durfte. Er begriff rasch und sollte im weiteren Verlauf seiner Karriere gerade auch auf diesem Gebiet Cleverness und damit Erfolg an den Tag legen. Merle Kilgore bekam nun auch als Sänger mehr Aufmerksamkeit und damit einen Vertrag bei Starday Records. 1960 tauchte er mit „Dear Mama“ und „Love Has Made You Beautiful“ in den Top Twenty auf – es sollten als Sänger seine besten Platzierungen bleiben. Mir gefällt besonders sein späterer Hit „42 In Chicago“, der mich seinerzeit auch veranlasste, nach einem eigenen Kilgore-Album zu suchen. Dafür machte er als Songschreiber Schlagzeilen mit „Johnny Reb“, einem Millionseller für Johnny Horton.
Nun, 1962, war es an der Zeit für Kilgore, dorthin umzusiedeln, wo „die Musik spielte“ – nach Nashville. Der Erfolg blieb ihm treu, Claude King machte aus seinem „Wolverton Mountain“ einen Klassiker. Grund genug für Johnny Cash, diesen smarten, gut aussehenden Riesen für sein Vorprogramm mit auf Tournee zu nehmen. So lernte Kilgore u.a. den Madison Square Garden in New York kennen – aber auch June Carter. Beide beschlossen, gemeinsam einige Songs zu schreiben. Kilgore erinnert sich: „Anita Carter stand kurz davor, ein Album für Mercury aufzunehmen und brauchte noch Songs. June und ich haben versucht, ihr etwas zu schreiben. Irgendwie brachte uns die kaputte Beziehung einer von June’s Bekannten auf die Idee, in diesem Zusammenhang etwas zu schreiben, das „Ring Of Fire“ hieß. Anita sang es als wunderschöne Folk-Ballade für ihr Album. Wenige Wochen später kam Johnny Cash, dem der Song sehr gut gefiel. Er sagte, er habe geträumt, dass er diesen Song singen würde, unterlegt mit mexikanischen Trompeten. Falls Anita´s Version kein Hit werden sollte, dann würde er, Cash, es singen. Nun, wir alle wissen, was daraus geworden ist!“. Wir wissen aber auch, was aus Merle Kilgore geworden ist – nicht der erfolgreiche Sänger, der er vermutlich hatte werden wollen. Er beherzigte den frühen Rat aus Shreveport und blieb mit jemand Berühmten zusammen. Und der heißt ausgerechnet Hank Williams Jr.! 1964 schloss er sich ihm an, zunächst als Conferencier und Anheizer im Vorprogramm, bis ein Jagdunfall die Karriere von Hank Williams Jr. für eine ganze Weile stoppte. Kilgore fand derweil weiter Beschäftigung, er schrieb weiter Songs und trat als Live Act auf. Als solchen habe ich ihn im „Possum Holler“ in Nashville erlebt, ein Club, den George Jone seinerzeit dort betrieb. Nachdem Hank Williams Jr. wieder genesen und bereit war, seine Karriere als Country Entertainer fortzusetzen, holte er Merle Kilgore zurück. Diesmal nicht nur für das Vorprogramm sondern vor allem als Manager. – kein einfacher Job wie er bald feststellen sollte. Hank Williams Jr. jedenfalls weiß, was er an Kilgore hat, denn immer wieder war der für seinen Schützling auch so etwas wie die Vaterfigur. Mit seiner Erfahrung steuerte Kilgore Karriere und teilweise auch das Privatleben des Hank Williams Jr. an manch gefährlicher Klippe vorbei. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der gut aussehende Kilgore auch in Filmen mitgewirkt hat. Die meisten Leute werden ihn bei uns in „Coalminer´s Daughter“ (dt. Titel „Nashville Lady“) gesehen haben. Aber Kilgore gehörte auch zur Besetzung von Robert Altman’s „Nashville“, von W.W. and the Dixie Dance Kings“ (mit Don Williams), „Roadie“ und in der TV Verfilmung von Hank Williams Jr. Biografie „Living Proof“ (da spielte er einfach sich selbst).
Merle Kilgore ist glücklich geworden mit dem, was er tat. Eine ganze Reihe von Auszeichnungen wie „Manager des Jahres“, „Business Person des Jahres“, die Aufnahme in die Songwriter Hall of Fame“ oder der Titel „Ehrenamtlicher Senator von Tennessee“ dokumentierten seine Bedeutung. Kilgore scheute sich auch nicht, immer wieder Ehrenämter im Music Business anzunehmen. Er kannte sich aus im Business, sein Rat war bis zu seinem Tode gefragt. Und wer kann schon von sich behaupten, mindestens vier Songs geschrieben zu haben, die Klassiker der Country Music sind und immer wieder aufgenommen werden? Merle Kilgore starb am 06. Februar 2005 nach kurzer schwerer Krankheit.


