Walter Fuchs ist tot – Abschied von einer deutschen Country- und Bluegrass-Legende
Der Radiomoderator, Autor und Initiator des Internationalen Bühler Bluegrass Festivals, Walter Fuchs, ist am 30. Juni 2026 im Alter von 90 Jahren verstorben.
Walter Fuchs. Collage (Country.de) // Photo Credit: © (Franz-Karl Opitz)
Die deutsche Country- und Bluegrass-Szene hat einen ihrer wichtigsten Wegbereiter verloren. Walter Fuchs ist am 30. Juni 2026 im Alter von 90 Jahren verstorben. Sein Sohn Patrick Fuchs veröffentlichte die traurige Nachricht über die sozialen Medien.
Walter Fuchs war weit mehr als ein Radiomoderator. Er war Autor, Musikjournalist, Country-Historiker, Festivalmacher und vor allem ein leidenschaftlicher Vermittler einer Musik, die in Deutschland lange Zeit kaum eine Lobby hatte.
Über Jahrzehnte hinweg brachte er Country Music und Bluegrass zu den Menschen. Im Radio, in Büchern, bei Veranstaltungen und später auch als Autor bei Country.de. Für viele Fans in Deutschland war seine Stimme untrennbar mit Country Music verbunden.
Mit seinem Tod verliert die deutsche Country- und Bluegrass-Szene einen Mann, der einen großen Teil ihrer Geschichte nicht nur begleitet, sondern selbst mitgeschrieben hat.
Wir verlieren zugleich einen Freund.
Von Offenburg nach Nashville – zumindest musikalisch
Walter Fuchs wurde am 30. Dezember 1935 in Offenburg geboren. Bereits als Jugendlicher entdeckte er seine Begeisterung für amerikanische Country Music. Aus dieser frühen Leidenschaft wurde eine Lebensaufgabe.
Eigentlich war sein beruflicher Weg zunächst ein ganz anderer. Walter Fuchs war Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik. Doch die Musik ließ ihn nie los. Bereits in den 1960er Jahren schrieb er über Country Music und beschäftigte sich intensiv mit ihrer Geschichte, ihren Künstlern und ihren unterschiedlichen Stilrichtungen.
Sein Weg zum Radio gehört zu jenen Geschichten, die im Rückblick beinahe zu schön klingen, um wahr zu sein.
Als der damalige Südwestfunk in seinem Programm eine Country-Sendung ausstrahlte, schrieb Walter Fuchs dem Sender einen Brief. Er lobte die Sendung, merkte aber gleichzeitig an, dass die Auswahl an Country-Schallplatten beim Sender offenbar nicht besonders groß sei. Seine eigene Plattensammlung könne da vielleicht weiterhelfen.
Aus diesem Brief entwickelte sich eine Radiokarriere.
Walter Fuchs wurde Teil der legendären SWF3-Zeit und für unzählige Hörer zu einer der wichtigsten deutschen Stimmen der Country Music. Später moderierte er unter anderem für Radio Victoria und von 1991 bis 2003 die „RPR Zwei Country Time“. Weitere Sendungen folgten bei Coolradio, PopStop und Schwarzwaldradio.
Dabei war Walter nie einfach nur ein Moderator, der Platten ankündigte. Er erklärte Zusammenhänge, erzählte Geschichten und vermittelte Wissen. Wer ihm zuhörte, bekam nicht nur Musik präsentiert, sondern lernte etwas über ihre Herkunft, ihre Entwicklung und die Menschen dahinter.
Ein Leben für die Country Music
Walter Fuchs gehörte zu einer Generation von Musikjournalisten, für die Wissen aus jahrelanger Beschäftigung, persönlichen Begegnungen, Reisen, Schallplatten, Büchern und Gesprächen entstand. Er pflegte Kontakte zur amerikanischen Country-Szene und erwarb sich auch international einen hervorragenden Ruf.
1997 erhielt Walter Fuchs den „International Broadcaster Award“ der Country Music Association in Nashville. Eine außergewöhnliche Auszeichnung für einen deutschen Radiomoderator und zugleich eine Anerkennung für seine jahrzehntelange Arbeit für die Country Music außerhalb der Vereinigten Staaten. Bereits 1974 wurde er zum Ehrenbürger des Bundesstaates Tennessee ernannt. Im Laufe der Jahre folgten weitere Ehrungen und Auszeichnungen.
Sein Wissen gab Walter nicht nur im Radio weiter. Er schrieb mehrere Bücher über Country Music. Werke wie „Die Geschichte der Country Music“, „Das Buch der Country Music“, seine Veröffentlichung über Johnny Cash und schließlich „Das neue große Buch der Country Music“ wurden für deutschsprachige Fans zu wichtigen Nachschlagewerken.
In einer Zeit lange vor Internet, Streamingdiensten und jederzeit verfügbaren Künstlerbiografien waren solche Bücher von unschätzbarem Wert. Walter erklärte Country Music nicht von außen. Er kannte ihre Geschichte, ihre Wurzeln und viele ihrer Protagonisten persönlich.
Bühl wurde zu seinem großen Vermächtnis
Ein ganz besonderes Kapitel seines Lebens begann Anfang der 2000er Jahre. Walter Fuchs gehörte zu den Initiatoren des Internationalen Bühler Bluegrass Festivals, das 2003 erstmals stattfand. Was damals begann, entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Veranstaltungen für Bluegrass im deutschsprachigen Raum und weit darüber hinaus. Walter brachte seine jahrzehntelange Erfahrung und seine internationalen Kontakte ein. Musiker aus den USA, Kanada und Europa kamen nach Bühl. Für einige Tage wurde die badische Stadt regelmäßig zu einem Treffpunkt der internationalen Bluegrass-Szene.
Das Festival wuchs. Aus einem Veranstaltungstag wurden zwei, und das Publikum kam längst nicht mehr nur aus der Region. Besucher reisten aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland an. Walter stand dabei nicht nur hinter den Kulissen. Bis 2015 führte er selbst durch das Programm. Wer ihn dort erlebt hat, erinnert sich an einen Gastgeber, der sein Publikum und seine Künstler kannte. Seine Moderationen lebten von Erfahrung und Wissen, aber ebenso von seiner sichtbaren Freude an der Musik.
2016 übernahm sein Sohn Patrick Fuchs die künstlerische Leitung und Moderation des Festivals und führte damit weiter, was sein Vater aufgebaut hatte.
Das Internationale Bühler Bluegrass Festival bleibt ein wesentlicher Teil des Vermächtnisses von Walter Fuchs.
Walter Fuchs, Country.de und eine Freundschaft über viele Jahre
Die Verbindung zwischen Walter Fuchs und Country.de war weit mehr als eine journalistische Zusammenarbeit. Walter war nicht nur Gesprächspartner unseres Magazins, sondern selbst Autor bei Country.de. In zahlreichen Beiträgen schrieb er über Bluegrass, seine Geschichte und die Menschen, die diese Musik geprägt haben. Seine Texte zeigten genau jene Eigenschaften, die auch seine Radioarbeit auszeichneten: großes Wissen, Respekt vor den Künstlern und die Fähigkeit, Musikgeschichte verständlich und lebendig zu erzählen.
Doch für uns persönlich war Walter viel mehr als ein geschätzter Kollege und großer Kenner der Country- und Bluegrass-Musik. Über viele Jahre trafen wir ihn regelmäßig in Bühl, mindestens einmal im Jahr beim Internationalen Bühler Bluegrass Festival. Trotz all des Trubels, der Termine und der Verantwortung, die ein solches Festival mit sich bringt, nahm sich Walter immer wieder Zeit für uns. Wenn es sein Zeitplan zuließ, setzte er sich zu uns.
Dann wurde geredet. Natürlich über Country und Bluegrass. Über Musiker, Entwicklungen, Erinnerungen und Geschichten aus einer Welt, die Walter wie kaum ein anderer kannte. Aber unsere Gespräche drehten sich längst nicht nur um Musik. Wir sprachen über das Leben, über Persönliches und über all die Dinge, die man irgendwann miteinander teilt, wenn aus einer Bekanntschaft langsam Freundschaft wird.
Genau das ist im Laufe der Jahre geschehen. Aus den regelmäßigen Begegnungen in Bühl entstand eine Freundschaft, die wir sehr geschätzt haben und für die wir dankbar sind.
Walter war einer der liebenswürdigsten und aufmerksamsten Menschen, die wir kennenlernen durften. Er war ein Mensch, der zuhörte. Einer, der sich aufrichtig für sein Gegenüber interessierte und der trotz seines enormen Wissens, seiner Erfolge und seiner internationalen Anerkennung nie den Eindruck vermittelte, sich selbst wichtiger zu nehmen als andere.
Im Mai 2015 traf Country.de Walter beim 13. Internationalen Bühler Bluegrass Festival zu einem ausführlichen Gespräch. Damals war er fast 80 Jahre alt. Während um ihn herum die Vorbereitungen für das Festival liefen und noch längst nicht alles geklärt war, wirkte Walter gelassen. Erfahrung macht offenbar ruhig. Bezeichnend war, worüber er zum Ende des Gesprächs sprach: nicht über das gerade laufende Festival, sondern bereits über seine Planungen für das nächste Jahr. So war Walter.
Es ging immer weiter. Die nächste Sendung. Der nächste Artikel. Das nächste Festival. Die nächste Geschichte, die erzählt werden musste. Wir werden diese gemeinsamen Stunden vermissen. Die Gespräche, sein Wissen, seinen Humor und vor allem den Menschen Walter Fuchs.
Eine Stimme, die bleiben wird
Mit Walter Fuchs verliert die Country Music in Deutschland einen ihrer großen Wegbereiter. Wir aber verlieren zugleich einen Freund.
Heute ist Country Music jederzeit verfügbar. Neue Songs erscheinen weltweit gleichzeitig, Konzerte werden über soziale Netzwerke angekündigt und Informationen über Künstler sind nur wenige Klicks entfernt. Walter begann seine Arbeit in einer anderen Zeit. Damals musste diese Musik noch gefunden, gesammelt und erklärt werden. Schallplatten aus den USA waren Kostbarkeiten. Informationen über Künstler waren schwer zu bekommen. Country Music fand im deutschen Radio nur selten statt.
Menschen wie Walter Fuchs haben das verändert. Er öffnete Türen und Ohren. Er brachte die Musik ins Radio, schrieb ihre Geschichten auf und holte internationale Bluegrass-Musiker nach Deutschland. Vor allem aber nahm er diese Musik immer ernst.
Walter Fuchs ist am 30. Juni 2026 verstorben. Was er für Country Music und Bluegrass in Deutschland geschaffen hat, bleibt. Und für uns bleiben die Erinnerungen: An Bühl, an die gemeinsamen Stunden, an Gespräche über Musik und das Leben und an einen Menschen, der sich Zeit nahm, obwohl um ihn herum eigentlich immer etwas zu tun war.
Seine Stimme ist verstummt. Seine Geschichten, seine Bücher, seine Radiosendungen und das Festival in Bühl werden weiter von einem Mann erzählen, der sein Leben einer Musik gewidmet hat, die für ihn weit mehr war als nur ein Genre.
Unsere Gedanken sind bei Patrick, seiner Familie, seinen Freunden und allen Menschen, die Walter nahestanden.
Wir werden ihn sehr vermissen. Mach’s gut, Walter und danke für die gemeinsame Zeit.
Beate und Dirk


