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Interview mit Doyle Lawson

Friedrich Hog im Gespräch mit Doyle Lawson.

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„Meine Lieblinge in der Grand Ole Opry waren unbestritten Bill Monroe & The Bluegrass Boys“, das und vieles andere erfahren Sie im Interview von Friedrich Hog mit Doyle Lawson, dem Headliner des 09. Internationalen Bühler Bluegrass Festivals, das am 13. und 14. Mai 2011 im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl (Baden) stattfindet.

Der geniale Bandleader Doyle Lawson aus East Tennessee sagt u.a. über potentielle neue Bandmitglieder und seinen Zugang zu Jesus: „Ich schreibe mir alle Leute auf, die mir auf Festivals usw. auffallen, um sie bei Bedarf zu kontaktieren … Ich bat Jesus, in mein Leben zu kommen. Mir wurde klar, dass ich ein Sünder bin, und ich wollte gerettet werden.“

Übersetzt wurde das Interview von Eberhard Finke.

    Friedrich Hog, Country.de: Doyle, Du lebst jetzt in Bristol, Osttennessee – richtig?

  • Doyle Lawson: Ja, gerade an der Grenze zu Virginia.
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    Friedrich Hog, Country.de: Bristol ist bekannt für die Aufnahmen mit der Carter Family und Jimmie Rodgers.

  • Doyle Lawson: Ja, sowohl Virginia, als auch Tennessee heben hervor, dass Bristol der Geburtsort der Country Music ist dank der Aufnahmen vom Juli/August 1927 mit dem Old Blue Yodeler Jimmie Rodgers und der Carter Family, die ganz in der Nähe, 25 Meilen entfernt, wohnte. Sie waren die Superstars ihrer Zeit und das Sprungbrett für die ganze Country Music Industrie, wie wir sie heute kennen.
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    Friedrich Hog, Country.de: Ist dort jetzt ein Museum oder so etwas?

  • Doyle Lawson: Es entsteht gerade ein Museum. Vor ein paar Jahren gründeten wir die Bristol Country Music Alliance. Diese fördert das Erbe und zeigt die Bedeutung dieser Gegend für die Country Music. Sie sicherten sich ein Gebäude, sind aber eine gemeinnützige Organisation. Bei den heutigen weltweit schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen wird das aber eine Zeit dauern, wir hängen von Spenden und Zuwendungen ab. Aber es wird ein sehr schönes Museum werden, das unser Erbe würdig vertritt und den Besuch wert sein wird.
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    Friedrich Hog, Country.de: Gut zu hören. Du bist nicht in Bristol geboren, erzähle uns also bitte, woher Du kommst.

  • Doyle Lawson: Ich bin 25 Meilen von Bristol geboren, in der so genannten Tri-Cities-Area mit Bristol, Johnson City und Kingsport, die Städte sind nur 20 Meilen voneinander entfernt. Ich bin ein wenig außerhalb von Kingsport geboren, eine kleine Gemeinde Namens Ford Town, ungefähr 20 Meilen von meinem jetzigen Wohnort entfernt.
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    Friedrich Hog, Country.de: Hast Du also die meiste Zeit in Osttennessee gelebt?

  • Doyle Lawson: Nicht ganz: Als ich ein kleiner Junge war, zogen wir nach Südostkentucky, mein Vater arbeitete dort drei Jahre lang in einem Bergwerk und ich ging dort die ersten Jahre zur Schule. Wir zogen zurück nach Kingsport, ich verließ Osttennessee, als ich 18 war. Ich war als Musiker unterwegs. Meine Schwiegermutter starb dann im August 1984 und meine Frau wollte ohnehin schon länger zurück. So hatten wir im August 1984 Grund genug, nach Bristol zu ziehen, da war ich 40 Jahre alt.
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    Friedrich Hog, Country.de: Bist Du mit Musik aufgewachsen?

  • Doyle Lawson: Natürlich, es war immer Musik um mich, zuhause im Radio, oder in der Kirche. Sie war immer ein Teil meines Lebens. Ich liebte sie, auch in den Radiosendungen, die wir damals hörten. „Farm & Fun Time Show“ war die Lieblingsshow mit Ralph und Carter Stanley, Mac Wiseman, den Lonesome Pine Fiddlers und vielen anderen, Curly King und so. Wenn sie in der Gegend waren machten sie gerne bei den lokalen Radiosendungen Station. Und die Grand Ole Opry haben wir in der Samstagnacht gern gehört. Nashville ist zwar 300 Meilen westlich gelegen von dort, wo ich aufgewachsen bin, aber wir hatten meistens einen guten Empfang auf 650 AM (Mittelwelle). Wir hatten noch keine FM-Frequenz (UKW).
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    Friedrich Hog, Country.de: Du hast also schon sehr früh in Deinem Leben die Grand Ole Opry gehört. Wer waren Deine besonderen Lieblinge damals in der Grand Ole Opry?

  • Doyle Lawson: Das waren unbestritten Bill Monroe & The Blue Grass Boys. Weiter hörte ich gern Ernest Tubb, Roy Acuff, Eddy Arnold, Hank Snow, Hank Williams, Kitty Wells. Aber Monroe stand über allen. Ich wusste damals nicht, wer in der Band war, aber nach dem Zeitrahmen, ich bin 1944 geboren, waren das anfangs Lester Flatt, Earl Scruggs, Chubby Wise und Cedric Rainwater, später auch Jimmy Martin. Bill Monroe war anders, sein High Singing, sein Hard Driving Picking waren einzigartig. Ich fragte meine Mutter, wer da im Radio spielt, und sie sagte „Bill Monroe“. Ihm eiferte ich nach, er war der größte Einfluss, er sang mit sehr hoher Stimme und ich wollte Mandoline spielen wie er.
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    Friedrich Hog, Country.de: Monroe bedeutete Dir also viel. Hast Du ihn damals getroffen oder erst später einmal?

  • Doyle Lawson: 1966 oder 1967 in Lexington, Ky., als ich dort mit J.D. Crowe arbeitete. Wir spielten damals regelmäßig, jeden Freitag- und Samstagabend, in „Martin’s Tavern“, einer kleinen Kneipe. Da kamen Studenten der Universität und Collegeboys, sie mochten Crowe und sein Banjo und die Bluegrass Musik und der Platz war immer voll. Eines Abends kam Bill Monroe mit seinen Boys dazu und für sie war kein Platz mehr im Lokal. Aber ich quetschte sie noch hinein in die kleine Bar. So konnte Bill mit seiner Band in der kleinen Bar spielen. Die Studenten liebten ihn. Das war mein erstes Zusammentreffen mit Bill. Ich war schon 1963 mit Crowe in Nashville gewesen, hatte Bill seinerzeit aber noch nicht getroffen.
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    Friedrich Hog, Country.de: Was für eine Sorte von Mensch war Monroe?

  • Doyle Lawson: Bill war ruhig und reserviert, er hatte eine sehr zurückhaltende Art. Ich kannte ihn dann 30 Jahre lang und habe viel mit ihm geredet, auch mit ihm gesungen und Gitarre gespielt. Er liebte die Fuchsjagd, er liebte Pferde. Ich behandelte ihn mit Respekt und wenn ich das Gefühl hatte, er wolle nicht reden, ließ ich ihn in Ruhe. In den letzten Jahren wurde er umgänglicher und öffnete sich ein wenig. Als er noch jünger war, hatte er wohl den Eindruck, dass die anderen Bluegrasser von ihm etwas stehlen wollten. Später sah er ein, dass sie zu seiner Musik etwas hinzufügen wollten. Als er das kapiert hatte, öffnete er sich sehr.
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    Friedrich Hog, Country.de: Für Dich war es also nicht immer nur die Mandoline?

  • Doyle Lawson: Zuerst war es die Mandoline, ich lernte sie mit 11 Jahren, dann traf ich Jimmy Martin, als ich 14 war. Er interessierte sich für mich und gab mir viel Tipps, das Mandolinenspiel betreffend, etwa mit dem Handgelenk zu spielen und nicht mit dem ganzen Arm. Er verriet mir so manches Geheimnis. Das war mir damals neu. Ich spielte die Mandoline dann ganz gut, fing dann auch mit der Gitarre an, beschloss aber, es mit dem Banjo zu versuchen. Damals gab es ja nicht viele Bands und somit wenig Arbeitsplätze für Mandolinisten. Wir hatten Bill Monroe, der spielte schon Mandoline, ebenso waren Jesse McReynolds oder Bobby Osborne Mandolinisten, Jimmy Martin hatte seinen Schwager Paul Williams. Reno & Smiley hatten Don’s Sohn Ronnie an der Mandoline. Mac Wiseman hielt überhaupt keine feste Band, Flatt & Scruggs und die Stanley Brothers hatten keine Mandoline – da versprach es mehr Erfolg, Banjo zu spielen. Und ich hoffte, somit einen Job bei Bill Monroe oder Jimmy Martin zu bekommen. Jimmy rief mich 1963 um Weihnachten herum an und bot mir den Banjoposten bei ihm an. Ich sollte zum Vorspielen zu ihm kommen. Am 03. Februar kam ich nach Nashville und wurde der Banjospieler für Jimmy Martin. Damit hatte alles für mich begonnen.
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    Friedrich Hog, Country.de: Also war Jimmy Martin der Grund, dass Du mit 18 nach Nashville gegangen bist?

  • Doyle Lawson: Ja, absolut. Ich musste von meinem Vater Geld leihen für den Bus nach Nashville und hätte nicht zurückfahren können, glücklicherweise bekam ich den Job. Das war der Anfang meiner Profikarriere.
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    Friedrich Hog, Country.de: Das war also Deine erste Band?

  • Doyle Lawson: Ja, meine erste Band als Profimusiker.
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    Friedrich Hog, Country.de: Hast Du vorher mit anderen Bands gespielt?

  • Doyle Lawson: Ja, als Schüler, noch in der High School. Zwei meiner Vettern und ich traten vor Ort auf, wir spielten meist zu unserer eigenen Unterhaltung, machten aber auch Radioshows und waren einigermaßen populär. Manchmal waren wir zu viert oder zu fünft. Aber weil wir noch zur Schule gingen, führte das nicht weit. Drei von uns waren Cousins, so gab uns meine Mutter den Namen „The Country Cousins“, und die bestanden weiter, bis ich zu Jimmy Martin ging.
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    Friedrich Hog, Country.de: Doyle, nenne uns bitte alle Bands, in denen Du gespielt hast, möglichst mit den genauen Daten.

  • Doyle Lawson: Ich will’s versuchen. Wie gesagt, zuerst waren es die Country Cousins, bis ich am 03. Februar 1963 bei Jimmy Martin & The Sunny Mountain Boys anfing. Bei ihm blieb ich sechs Monate und zog dann nach Louisville, Ky. Dort spielte ich auf lokaler Ebene in verschiedenen Bands. Viel war aber nicht los, denn wir hatten alle tagsüber unsere Arbeit. Jedoch gehörte auch der bekannte Fiddler Art Stamper, der früher bei den Stanley Brothers gearbeitet hatte, zu meinen Partnern. Dann am 01. Dezember 1966 fand ich eine Stelle als Gitarrist bei J.D. Crowe und blieb dort bis 1969; seine Band hieß damals noch „Kentucky Mountain Boys“. Zunächst spielte ich dort die Gitarre, später wechselte ich auf die Mandoline. Damals machte ich auch meine ersten Profiaufnahmen, gemeinsam mit Red Allen und Bobby Sloan. Ich ging 1969 zu Jimmy Martin als Mandolinenspieler zurück, aber nur für sechs Monate, und Anfang Januar 1970 wieder zurück zu J.D.; er brauchte mich als Gitarristen. Bis August 1971 bin ich geblieben. Am 01. September 1971 stieß ich zu den Country Gentlemen aus Washington D.C.. Mit diesen arbeitete ich bis 1979, bis ich am 01. April 1979 meine eigene Band zusammenstellte. Damals wurde ich offiziell ein Bandleader.
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    Friedrich Hog, Country.de: Gibt es einen besonderen Grund, dass du nach acht Jahren die „Gents“ verlassen hast?

  • Doyle Lawson: Das war eine schwere Entscheidung, Friedrich, aber ich wurde ruhelos. Ich hatte nunmehr 16 Jahre als Profi musiziert, bei Martin musste ich mich sehr anpassen, da gab es keinen Freiraum für eigene Ideen. Bei Crowe ging es großzügiger zu, er war offener für Neuerungen, aber er hatte natürlich auch seine Regeln, und ähnlich war es bei den Country Gentlemen, wo ich zum Partner aufgestiegen war. Es war sehr schön mit ihnen, ich lernte auch die anderen Seiten des Business kennen, ich wirkte bei vielen Platten mit, ich produzierte selbst LPs usw. Schließlich waren dort auch die Finanzen gesichert. Ich wollte aber die volle Kontrolle über mein Tun, wollte lieber wieder ganz unten anfangen und sehen, was wie beim Publikum ankommt – und das Meiste kam gut an. Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser, es war anfangs eine aufregende Zeit. Und ich war inzwischen 34 Jahre alt und ich fragte mich: „Wann soll ich es wagen wenn nicht jetzt, bevor ich alt werde“. Aber es war eine sehr schwere Entscheidung, die Gentlemen zu verlassen.
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    Friedrich Hog, Country.de: Seither gibt es nun Doyle Lawson & Quicksilver. Wie kam der Name „Quicksilver“ zustande und wie fandest du deine ersten Musiker?

  • Doyle Lawson: Einen Namen zu finden ist nicht leicht, ich wollte weg von den gängigen Namensgebungen jener Zeit. Die meisten Bands folgten dem Muster „So-und-so und die Mountain Boys / Valley Boys / River Boys“, damals war auch „Revue“ modern, „Earl Scruggs Revue“ z.B. Ich wollte etwas Anderes. Ich fuhr zu meinen Eltern und sprach mit meiner Mutter. Ich sagte ihr, dass ich einen Bandnamen benötige, der einen Unterschied machte. Wir probierten ein wenig herum, sie schlug „Quicksilver“ vor, das sei ein guter Name. Das steht für Dauerhaftigkeit. Ich fuhr darauf ab, der Alleinstellungscharakter des Namens gefiel mir und die damit verbundene Möglichkeit, mich bzw. meine Band damit herauszustellen. Während der vier Stunden Heimreise gefiel mir das immer besser. Als ich zuhause war, stand „Doyle Lawson & Quicksilver“ fest, und so blieb es dabei. 32 Jahre später klingt das jetzt immer noch gut.
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    Friedrich Hog, Country.de: Und „Quicksilver“ ist ein richtiges Markenzeichen geworden, jeder kann es sofort erkennen und einordnen.

  • Doyle Lawson: Ja, das ist richtig, es verhalf zu einer erfolgreichen Reise durch die Musik. Meine Mutter hat mir zwei Mal den Namen für meine Bands gegeben, anfangs die „Country Cousins“ und jetzt für die aktuelle Band. Mit Namen scheint sie es zu haben.
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    Doyle Lawson

     

    Friedrich Hog, Country.de: Wie hast du deine ersten Musiker gefunden?

  • Doyle Lawson: Natürlich hatte ich mich schon ein Jahr lang umgeschaut, als ich noch bei den Country Gentlemen war. Unsere Plattenfirma war Rebel, und die lud mich einmal ein, eine Seite einer LP einer neuen Gruppe aus North Carolina zu produzieren. Das tat ich und dabei lernte ich den Gitarristen Jimmy Haley kennen und Lou Reid, damals als Louis Pyrtle bekannt, am Banjo, und diese beiden merkte ich mir. Als es mit Quicksilver dann so weit war, rief ich Haley an und fragte, ob er interessiert sei und ob er auch einen Banjospieler bzw. Bassisten wüsste. Reid sollte dann Bass spielen, er war einer der Musiker, die alles können, Fiddle und Mandoline auch, alle Instrumente richtig gut. Und fürs Banjo schlug er Terry Baucom vor, der damals gemeinsam mit Ricky Skaggs bei Boone Creek spielte. So hatte ich mit einem Telefonanruf meine Band beisammen: Lou Reid, Jimmy Haley und Terry Baucom.
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    Friedrich Hog, Country.de: Du hast eine Menge Bluegrass Gospel Alben aufgenommen. Warum das?

  • Doyle Lawson: Gospel Musik war schon immer um mich herum gewesen, mein Vater sang in einem a capella-Gospelquartett in Kirchen und bei anderen Gelegenheiten, sogar im Radio am Sonntag Nachmittag. Auch in der Familie wurde immer gesungen, meine Eltern sangen, gemeinsam mit einem Neffen meines Vaters. Als meine Mutter ausstieg, um sich mehr um mich und meinen kleinen Bruder zu kümmern, trat meine große Schwester an ihre Stelle in der Formation. Es wurde um mich herum also immer der Quartettgesang praktiziert. Es ist auch eine persönliche Sache: Als ich acht Jahre alt war, bekannte ich mich zu Jesus, der mich errettete, und die Religion bedeutet mir viel. Sie gibt mir auch in schweren Stunden Mut und Trost, wenn ich weiß, dass jemand, der größer ist als ich, mir hilft.
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    Friedrich Hog, Country.de: Was ist damals konkret passiert, als du acht warst?

  • Doyle Lawson: Ich bat Jesus, in mein Leben zu kommen. Mir wurde klar, dass ich ein Sünder bin, und ich wollte gerettet werden. Die Bibel sagt, dass der Weg zu Gott nur über Jesus geht und dass dieser für unsere Erlösung gezahlt hat. Er lehrt dich, Gut und Böse zu unterscheiden. Man fragte mich, ob ich schon erlöst sei. Ich sagte nein, aber ich wolle es gern. Ich müsse mich selbst darum bemühen und Jesus bitten, in mein Leben zu kommen, sagte man mir. So ging ich zum Altar, betete, bat um Vergebung und wurde getauft. Der Glaube ist sehr, sehr, sehr wichtig für mich.
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    Friedrich Hog, Country.de: Der Glaube ist weiterhin wichtig für Dich, zumal Du viel Gospel Music aufnimmst. Verkauft sich Bluegrass-Gospel?

  • Doyle Lawson: Für mich absolut. Ich verkaufe mehr Gospel als Bluegrass.
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    Friedrich Hog, Country.de: Vor längeren Jahren, als Du hier warst und bei Eberhard Finke übernachtetest, war das Verhältnis 3:1, wie Du damals berichtetest.

  • Doyle Lawson: Das ist wohl immer noch richtig, ja.
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    Friedrich Hog, Country.de: Das ist schon erstaunlich, denn viele Künstler mixen ab und zu einen Gospeltitel in ihre Alben oder nehmen ab und zu ein Gospelalbum auf, aber nicht in dem Ausmaß.

  • Doyle Lawson: Ich denke, die Leute handhaben das so, wie es ihnen richtig scheint. Ich würde niemandem reinreden und sagen, er solle sein Geschäft so oder so betreiben. Jeder tut es, wie es für ihn richtig ist, und für mich ist es so richtig. Ich habe das Glück, eigentlich zwei Märkte zu haben, einmal Southern Gospel und daneben Bluegrass, und beides funktioniert. Die Leute kaufen da und ebenso dort meine Platten, das hilft mir eine Menge.
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    Friedrich Hog, Country.de: Viele große Sänger und Musiker sind durch Deine Band und damit in deine Schule gegangen wie Russell Moore oder Jamie Dailey. Was fühlst du, wenn sie deine Band verlassen?

  • Doyle Lawson: Ich wünsche ihnen das Beste. Irgendwie hassen wir alle den Wechsel, aber wenn sie gehen, haben sie ihren Zweck erfüllt und suchen neue Aufgaben; das ist so. Wir müssen uns erinnern: Musik muss immer wachsen, die einzige Alternative hierzu wäre, dass sie stirbt. So muss es immer neue Musiker geben, die die Musik weiterführen und den Platz der Vorgänger einnehmen. So muss es auch neue Bands geben, die die Musik weiterführen. Anfangs hatten wir Bill Monroe, Lester & Earl haben ihn verlassen und Mac Wiseman trat in die Band ein. Es gab Ralph & Carter Stanley, und sie spielten alle dieselbe Musik in ihrer persönlichen Ausrichtung. Es ist notwendig, dass die Leute kommen und wieder weiterziehen. Es ist nicht so, dass ich sie nicht gerne halten würde, aber ich bin keinem böse, wenn er geht. Das ist der Lauf der Welt. Sie sollen verfolgen, was ihnen vorschwebt, ich versuche, meine Musik weiterzuentwickeln, ohne Zurückzuschauen, mit den besten Musikern, die ich bekommen kann. Global gesprochen wächst auf diese Weise die Musik. Als ich 34 Jahre alt war, war ich ja auch in der Position zu gehen und etwas Neues zu starten. Daher verstehe ich jeden, der sagt, er muss jetzt etwas Anderes machen.
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    Friedrich Hog, Country.de: Wer von deinen früheren Bandmitgliedern hat das Meiste aus deiner Lehre gemacht?

  • Doyle Lawson: Man kann nicht sagen, wer der Beste ist, das ist eine persönliche Einschätzung. Ich hatte immer hervorragende Musiker, auch wenn es mal eine kleine Schwäche gab. Russell Moore ist Russell Moore, seine Musik und sein Ruf sprechen für sich selbst. Das gilt auch für Steve Gulley, Lou Reid, Terry Baucom, Scott Vestal, Jim Mills, da ist eine lange Liste von hervorragenden Musikern, ich kann da keinen herausheben. Mir obliegt es nicht zu sagen, jener sei besser als einer der anderen, da dies den anderen gegenüber unfair wäre.
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    Friedrich Hog, Country.de: Jamie Dailey hat einige Preise zu Doyle Lawson & Quicksilver gebracht und Dailey & Vincent erhalten nun viele Awards seit drei Jahren. Hörst du viel von Dailey & Vincent?

  • Doyle Lawson: Nein, ehrlich nicht. Ich habe so viel zu tun, ich betreibe mit meiner Formation ein Geschäft in Vollzeit, das lässt mir kaum Zeit, andere Bands anzuhören. Ich habe viele, viele Preise gewonnen, ehe Jamie Dailey der Band beitrat und wir können weiterhin Preise gewinnen. Das liegt nicht nur an einer Person. Mein Part ist es, die Musiker individuell zu fördern, aber die Band insgesamt bekommt die Preise, nicht die einzelnen Künstler.
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    Friedrich Hog, Country.de: Weißt du noch, wie viele Musiker du insgesamt in deiner Band hattest?

  • Doyle Lawson: 35 ungefähr, so genau weiß ich das nicht. Es interessiert mich auch nicht sonderlich, ich bin genug damit beschäftigt, meine aktuelle Band vorwärts zu bringen. Da zähle ich nicht die früheren Musiker.
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    Friedrich Hog, Country.de: Terry Baucom ist ein Musiker, der zu dir zurückgekommen ist. Gibt es noch mehr solche?

  • Doyle Lawson: Ich kann mich nur an zwei andere erinnern, Mike Hartgrove und Dale Perry. Dale war neuneinhalb Jahre bei mir gewesen, dann war er sechs Jahre weg, seit gut einem Jahr ist er wieder zurück. Ein paar mehr wollten zu mir zurück, aber ich hatte gerade keinen Platz für sie. Als Mike bzw. Dale zurückkamen, brauchte ich eben einen Geiger bzw. Banjoisten und Bass-Sänger, ich werfe ja niemanden aus der Band, um jemanden die Rückkehr zu ermöglichen. Ich verwehre umgekehrt auch niemandem aus Prinzip den Weg zu mir zurück.
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    Friedrich Hog, Country.de: Wie findest du alle die vielen jungen Musiker, immer neue und immer bessere. Auch die Band wurde ja größer, jetzt ist sie ein Sextett.

  • Doyle Lawson: Ich schreibe mir alle Leute auf, die mir auf Festivals usw. auffallen, um sie bei Bedarf zu kontaktieren. Aber nicht alle sind dann aus den verschiedensten Gründen bereit, mit mir zu gehen. Umgekehrt bewerben sich Leute bei mir, vor allem, wenn sie hören, dass ein Platz frei wird. Und natürlich höre ich mich überall um, was es so gibt. Die Vestal-Brüder, Scott und Curtis, sowie Russell Moore z.B. hörte ich in Texas, als sie das Vorprogramm für mich stellten, und ich war so beeindruckt, wie jung sie waren und wie gründlich sie meine Musik studiert hatten, dass ich sie bei nächster Gelegenheit zu mir holte. Das war gerade mal ein Jahr später. Lustig, nicht?

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    Friedrich Hog, Country.de: Eben diese drei waren mit dir, als du 1985 in Tübingen aufgetreten bist. Da habe ich dich zum ersten Mal gesehen.

  • Doyle Lawson: Ja. Sie waren damals ganz neu bei mir.
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    Friedrich Hog, Country.de: Aber es war ein perfektes Konzert.

  • Doyle Lawson: Gut, wir hatten fleißig geprobt und sie waren sehr engagiert.
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    Doyle Lawson

     

    Friedrich Hog, Country.de: Kannst du mir alle Bands nennen, wo deine früheren Musiker jetzt spielen?

  • Doyle Lawson: Oh nein, das kann ich mir nicht merken (lacht), dafür sind es zu viele, und manche haben inzwischen in mehreren Bands gespielt. Lou Reid z.B. hat eine eigene Band und ist zusätzlich noch bei der Seldom Scene, und Dailey & Vincent sind immer noch beisammen.
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    Friedrich Hog, Country.de: Dein neuestes Album enthält wieder Gospelsongs. Kannst du uns den Titel nennen und einige Einzelstücke, gar deine besonderen Lieblinge?

  • Doyle Lawson: Es heißt „Light On The Feet And Ready To Fly“, einzelne hervorzuhebende Stücke heißen „He Will Remember Me“, „I’ll Live For Him ‘Cause He Died For Me“ und „Mighty Hard Road“ von Carl Story. Allgemein aber, um Dir, Friedrich, meine Philosophie beim Aufnehmen zu verraten: Ich nehme nur Stücke auf, die ich mag, nicht irgendetwas, nur um die CD zu füllen. Jedes Lied, das ich aufnehme hat seine Berechtigung, wenn es sich nicht vollkommen gut für mich bzw. die Band anfühlt, machen wir es nicht. Insofern fällt es mir schwer, einzelne Favoriten herauszupicken. Sie sind mir alle gleich lieb?

     

    Friedrich Hog, Country.de: Du durchsuchst alte Liederbücher nach brauchbaren Liedern. Woran erkennst du diese? Welche anderen Quellen verwendest du?

  • Doyle Lawson: Ich suche halt in den Archiven nach alten, obskuren Liedern, die kaum einer kennt. Wenn es nötig ist, bastele ich ein wenig an ihnen herum, bis sie mir am besten in mein Konzept passen. Ich höre es einfach und sage dann „Das wird ein guter Song für mich“ und arrangiere ihn bis zur Aufnahmereife. Daneben habe ich Songschreiber, die ich favorisiere, entweder für Bluegrass- oder für Gospelmaterial, und ich gebe neue Lieder in Auftrag. Corey Hensley aus meiner Band schrieb „Light On The Feet And Ready To Fly“. Mike Rogers ist ein großer Songschreiber. Er kam im August 2010 als Gitarrist zu mir von einer Karriere als Schlagzeuger beim Countrymusiker Craig Morgan, bei dem er achteinhalb Jahre war. Aber er ist mit Bluegrass aufgewachsen und kehrte jetzt zu ihm zurück. Er, Corey und ich arbeiten gemeinsam am Schreiben neuer Lieder.
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    Friedrich Hog, Country.de: Du kamst in den frühen 80er Jahren mit deiner ursprünglichen Band nach Europa. Warum bist du gekommen?

  • Doyle Lawson: Ich wollte einfach nach Europa. Ich war schon in Nordafrika gewesen und im Nahen Osten, sogar in Japan 1972 und 1975. Ich wollte reisen und etwas Neues sehen in Europa, wo ich zuvor noch nicht war. Jimmy Haley, Randy Graham und Terry Baucom gehörten, glaube ich, damals zur Band. Nach Schottland und England ging ich später, Deutschland, Italien Frankreich, die Niederlande, die Schweiz, all das hatte ich zuvor noch nie gesehen. Und ich hoffte, die Leute mögen meine Musik und werden zu Fans.
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    Friedrich Hog, Country.de: Und wie waren die Reaktionen deiner Hörer, deiner Fans auf deiner ersten Tournee?

  • Doyle Lawson: Wir genossen es. In den USA sind die Entfernungen so groß, man fährt endlos von einem Ziel zum anderen. Von Küste zu Küste braucht es zwei Tage strammen Fahrens, wenn man nicht fliegt. Hier liegt alles nahe beieinander und wir konnten viel sehen, die Schweizer Alpen und den Schwarzwald in Deutschland, wo es sehr schön war. Das hat mir viel Spaß gemacht, auch zu sehen, wie die Menschen hier leben und sie und die Landschaften zu vergleichen mit jenen in den Appalachen, wo ich zuhause bin.
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    Friedrich Hog, Country.de: Hat Europa sich geändert seit jenen Jahren?

  • Doyle Lawson: Ja, es hat sich geändert, ich war 1996 zum letzten Mal auf Tour durch Europa. Seither ist der Euro eingeführt worden, der das Reisen wesentlich vereinfacht. Auch der Wegfall der Grenzkontrollen mit Ausnahme der Schweiz kommt uns sehr entgegen. Seit 1996 hat sich sicher noch mehr geändert, das können aber die Leute besser beurteilen, die dort leben, als ich das von hier aus könnte.
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    Friedrich Hog, Country.de: Wie sehr hat sich Bluegrass seit damals geändert?

  • Doyle Lawson: Der hat sich sehr geändert. Die Technik hat sich geändert, meistens zum Besseren. Platten werden mit besseren Maschinen aufgenommen, die PA-Systeme sind besser. Plattenaufnahmen und Liveauftritte werden mit mehr Sorgfalt durchgeführt. Ich nehme jetzt eine eigene Verstärkeranlage und einen eigenen Techniker mit auf Reisen, das hat es früher nicht gegeben, da hast Du jeden Abend mit einem anderen Techniker vor Ort gearbeitet, von dem Du nie wusstest, wie er Dich letztlich abmischt. Auch die Auftrittsmöglichkeiten haben sich gebessert: In den früheren Tagen spielten wir in kleinen Clubs und Kneipen, heute sind die Plätze schöner und größer. Früher haben wir fünf oder sechs Mal in der Woche in kleinen Clubs gespielt, um zu überleben. Das gibt es heute kaum noch, es ging auch ganz schön an die Substanz. So wie es heute läuft, gefällt es mir besser.
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    Friedrich Hog, Country.de: Was war der größte Moment auf der Bühne in deiner langen Karriere?

  • Doyle Lawson: Oh, es gab so viele davon, aber wenn ich nachdenke, der größte Moment oder einer der größten war, als ich zum ersten Mal in der Grand Ole Opry, im alten Ryman Auditorium auftrat. Das war etwas ganz Besonderes, schließlich war ich mit den Sendungen der Grand Ole Opry aufgewachsen. 1974 wurde das neue Opry House eingeweiht, aber im Ryman Auditorium findet jetzt wieder oft in der Zeit von Oktober bis Februar die Grand Ole Opry statt. Auch die Begegnung mit dem neulich verstorbenen Senator Robert Byrd, der ordentlich Old Time Geige spielte, im Capitol in Washington, D.C. war ein besonderes Erlebnis. Wir nahmen in seinem Büro sogar auf, er an der Fiddle, ich spielte Gitarre. Es gab einen großen politischen Empfang für die Demokratische Partei, wo wir unterstützend spielten, wo viele berühmte Leuten waren, der Präsident, Hollywood-Schauspieler, oder Muhammed Ali, einer der größten Boxer der amerikanischen Geschichte, er war auch anwesend. 2006 bekam ich ein Ehren-Diplom vom King College in Bristol. Ich könnte viel erzählen, ich war in 47 verschiedenen Ländern und allen 50 US-Bundesstaaten, wir haben gar nicht die Zeit, um alles zu streifen, das sehr bedeutungsvoll für mich war.
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    Friedrich Hog, Country.de: Doyle, du trittst im Mai beim Bluegrass-Festival in Bühl (Baden) auf. Was erwartest du von deinem Auftritt, was können wir von dir erwarten?

  • Doyle Lawson: Ich erwarte eine große Menge an Besuchern. Die können umgekehrt eine top-professionelle Band „Doyle Lawson & Quicksilver“ erwarten, die sich alle Mühe gibt, den Hörern zu gefallen, und hoffentlich etwas bringt, was den Leuten gefällt. Ich bin sehr stolz auf meine aktuelle Band, insgesamt ist sie eine der stärkeren, die ich in den letzten Jahren hatte, eine, wo alles zusammenpasst.
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    Friedrich Hog, Country.de: Was ist deine Botschaft an deine Fans in Deutschland?

  • Doyle Lawson: Mein Wunsch ist es, herüberzukommen und Leute zu begrüßen, für sie zu spielen, Autogramme zu geben, Fotos zu machen usw. Ich war lange nicht mehr in Deutschland, dabei ist es eines meiner Lieblingsreiseländer. Meine Jungs sind sehr aufgeregt, dort spielen zu können, sie freuen sich schon mächtig. Wir werden eine gute Zeit mit den Fans in Deutschland verbringen.
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    Friedrich Hog, Country.de: Ich und alle Leser warten darauf, dich und deine Band in Bühl zu sehen. Aber erzähle bitte noch etwas über deine nächsten Pläne?

  • Doyle Lawson: Nach dem Europatrip werden wir im August eine Kreuzfahrt nach Alaska unternehmen, vorher werden wir die nächste CD vollenden. Allgemein will ich eine gute Band zusammenhalten, auf Tournee gehen, hart arbeiten. Ich liebe die Musik noch immer wie ich sie immer geliebt habe. Einfach weitermachen!
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    Friedrich Hog, Country.de: Großartig, danke, Doyle, für deine Zeit und das Interview und alles, was du uns hast wissen lassen. Gute Reise und pass auf dich auf!

  • Doyle Lawson: Danke Friedrich. Wir sehen uns in Bühl im Mai, lass alle wissen, dass wir da sein werden!
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    Friedrich Hog, Country.de: Ich freue mich auf Euch, Doyle, wir sehen uns in Bühl und ich bin sicher, es wird Euch dort gefallen!

  • Doyle Lawson: Danke Friedrich, wir sehen uns dort, bye bye!

Doyle Lawson & Quicksilver – Light On My Feet Ready To Fly: Das Album

Light On My Feet Ready To Fly

Titel: Light On My Feet Ready To Fly
Künstler: Doyle Lawson & Quicksilver
Veröffentlichungstermin: 20. April 2010
Label: Horizon
Format: CD

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Info: Das Album aus dem Jahr 2010!

Doyle Lawson & Quicksilver – Drive Time: Das Album

Drive Time

Titel: Drive Time
Künstler: Doyle Lawson & Quicksilver
Veröffentlichungstermin: 29. März 2011
Label: Mountain Home
Format: CD

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Info: Das aktuelle Studioalbum!

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