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Happy Birthday: Wanda Jackson wird 75

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Mein Gott, wie lange ist das nun schon her, seit ich Wanda Jackson mit klopfendem Herzen zum ersten Mal an meinem Mikrofon hatte? Sie befand sich auf einer Tour durch amerikanische Clubs in Deutschland, in meinem „Stammquartier“ in Spangdahlem (Eifel) begeisterte sie ihre Landsleute und die wenigen Deutschen, die dort Zutritt hatten.

Auch im Jahre 2012 tritt sie noch regelmäßig auf. Manch jüngerer Star würde sich freuen, wenn er eine ähnliche Anzahl von Gigs hätte. Immer noch ist sie agil, vital und trotz ihres Alters sehr gut bei Stimme – und sie hat ihr treues Publikum. Weltweit … wahrlich eine Meisterleistung!

Eigentlich begleitete diese Wanda Jackson mein eigenes Leben über Jahrzehnte hinweg. Begonnen hatte es in den Teenagerjahren, so Ende der 1950er, Anfang der 1960er. Als ich noch zum Rummelplatz ging, in erster Linie der Musik wegen, die aus den Lautsprechern dröhnte. Natürlich Let’s Have A Party, damals ein absoluter Knaller, inzwischen ein Kultsong. Immer noch ihr Markenzeichen ebenso wie diese Stimme. Die kann wie ein Reibeisen klingen und dann doch ungemein zärtlich – auch heute noch. Zu Fujiyama Mama, Mean Mean Man, Hard Headed Woman oder Long Tall Sally wirbelten wir über die Tanzflächen. Wanda Jackson, der weibliche Rock’n’Roll-Star schlechthin!

In Maud, Oklahoma, am 20. Oktober 1937 als Wanda Lavonne Jackson geboren, machte sie sehr jung Bekanntschaft mit der Musik. Ihr Vater, selbst Musiker, erhoffte sich in Kalifornien bessere Verdienstmöglichkeiten, die Familie zog um nach Bakersfield. Das beeinflusste die Entwicklung von Wanda Jackson nachhaltig. Dass sie Sängerin werden wollte, stand für sie immer fest, zumal ihr Vater den Wunsch nährte, indem er seine Tochter mit zu Veranstaltungen nahm. 1948 gingen die Jacksons zurück nach Oklahoma, Wanda war in ihrem Wunsch stärker beseelt denn je. Über einen gewonnenen Talentwettbewerb bekam sie ihre eigene Sendung bei einem lokalen Radiosender. Dort hörte sie 1953 Hank Thompson, einer der populärsten Country Acts jener Tage. Er holte sie in seine Band und legte bei „seinem“ Label Capitol Records ein gutes Wort für Wanda Jackson ein. Produzent Ken Nelson, sonst eine Spürnase für Talente, soll sich gegen sie ausgesprochen haben mit der Begründung, Girls würden keine Platten verkaufen. Welch ein Irrtum!

Decca Records dachte anders und nahm Wanda Jackson unter Vertrag. Dort machte sie erste Plattenaufnahmen mit Billy Gray. 1954 feierte sie mit Gray ihre Premiere in den Country Charts, You Can’t Have My Love schaffte Platz 8. Mehr sprang nicht dabei heraus. Aber jetzt war Wanda Jackson auf dem Weg. Zwar bedeutete ihr Debüt in der Grand Ole Opry eher eine Enttäuschung aber dafür war das Engagement beim Ozark Jubilee in Springfield, MO ein voller Erfolg. Man schrieb die Zeit, in der der Rock’n’Roll sich anschickte, die Welt aus den Angeln zu heben.

In Cape Girardeau, Missouri, gehörte Wanda Jackson zu einer Show, in der auch der junge Elvis Presley und Charlie Feathers auftraten. Wenig später, im Oktober 1955, waren Elvis Presley und Wanda Jackson gemeinsam unterwegs, eine kleine Tour durch Texas stand an. Noch einige Male sollten sich ihre Wege danach kreuzen. Ob sie sich privat auch näher kamen, darüber wurde viel gemunkelt, die Sängerin schweigt sich darüber klugerweise aus.

1956 hatte Ken Nelson seine Meinung geändert, jetzt nahm Capitol Wanda Jackson unter Vertrag. Zwar fehlte ihr noch der echte Hit, dafür war sie aber voll beschäftigt. Sie sang eine Mischung aus Country und Rockabilly und kleidete sich, gemessen an Country-Standards, frecher, modischer, jugendlicher. Musikalisch wollte sie etwas Ähnliches machen wie Elvis Presley, Bill Haley und Gene Vincent – es gelang ihr, Ken Nelson davon zu überzeugen. Der heuerte die besten Rock’n’Roll-Musiker an (darunter auch ein noch unbekannter Gitarrist namens Buck Owens) und es entstanden Aufnahmen, die Rock’n’Roll-Geschichte schrieben. Ihren ersten Hit landete Wanda Jackson ausgerechnet in Japan mit Fujiyama Mama, der sich dann auch in der Heimat und in Europa durchsetzte. Bei Mean Mean Man kam ihre Reibeisenstimme so richtig zur Geltung. 1959 bereits tourte Jackson durch Japan.

1960 schlug Wanda Jackson’s große Stunde. Jesse Mae Robinson hatte den Song Let’s Have A Party geschrieben, den Elvis Presley 1957 für den Film „Loving You“ aufnahm. Noch blieb der Song im Dornröschenschlaf. Daraus erweckte ihn Wanda Jackson 1960 mit ihrer Version. Die Scheibe wurde nicht einmal ein richtiger Chart-Erfolg, denn in den Hot 100 bei Billboard kam er nur auf Platz 37 und in England auf Platz 32. Aber „Let’s Have A Party“ entwickelte sich zum Dauerbrenner, der auch mehr als 50 Jahre später nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat. Für Wanda Jackson wurde es der Karriere-Hit, der sie unsterblich machte und ewig mit ihrem Namen verbunden bleiben wird, egal, welche anderen Versionen es davon auch geben mag.

Nun tourte die Sängerin mit ihrer eigenen Band, die man, dem Hit nachempfunden, The Party Timers taufte. Ihr gehörten zeitweise die noch unbekannten Big Al Downing und Roy Clark an! Doch auch schon damals wandte sich Wanda Jackson keineswegs von der Country Music ab. Sie sang wunderschöne Country-Balladen und Liebeslieder. Dabei zeigte sie, wie viel Feeling in ihr steckt, dass sie weit mehr konnte als die Jugend auf die Tanzfläche bringen. Im Oktober 1960 nahm sie mit Right Or Wrong nicht nur einen selbst geschriebenen Song auf sondern auch den Song, der, auf ihre gesamte Karriere bezogen, so etwas wie ihr Theme-Song wurde. 1961 brachte er sie auf Platz 9 der Country Charts. Dem folgte unmittelbar mit „In The Middle Of A Heartache“ ein echter „Tearjerker“, der es bis zur Nr. 6 schaffte. Das sollten in den Country-Charts ihre höchsten Notierungen bleiben. Wanda Jackson bewies jedoch, dass man zum Weltstar nicht unbedingt an der Spitze von irgendwelchen Charts stehen muss, wenn man beim Publikum einen Stein im Brett hat.

Wanda Jackson: Unfinished Business

Eine Weile fuhr Jackson noch zweigleisig, indem sie mal Rock’n’Roll und mal Country aufnahm. Auch in ihren Konzerten lief es oft so. Zwar stieß sie nicht mehr in die Top Ten der Country-Charts vor, blieb in den Hitlisten aber präsent. Mitte der 1960er Jahre wandte sie sich voll der Country Music zu, der Rockabilly-Boom war abgeebbt. 1961 hatte sie Wendell Goodman geheiratet, der damals bei IBM arbeitete. Er wurde auch ihr Manager und hat seither die Karriere seiner Ehefrau sehr geschickt in Gang gehalten. Goodman war der richtigen Überzeugung, dass Wanda Jackson mit der Country Music ein Standbein hatte, auf das sich die Zukunft bauen ließ. Bis Mitte der 1970er Jahre hielt sie sich in den Country-Charts. Titel wie Tears Will Be The Chaser For Your Wine, The Box It Came In, My Big Iron Skillet, A Woman Lives For Love und Fancy Satin Pillows schafften es immerhin in die Top Twenty.

Und dann war da ja auch noch Good Ol‘ Germany. Ausgerechnet bei uns gelang ihr ein Riesenhit, noch dazu in deutscher Sprache. Santo Domingo musste sie danach oft selbst im Ausland, vor allem in ihrer amerikanischen Heimat bei ihren Konzerten singen. Auch heute noch. Natürlich kam sie nun erst recht immer wieder nach Deutschland und war oft im Fernsehen vertreten. Santo Domingo allerdings hätte sie fast zur Verzweiflung gebracht. Wanda Jackson erinnert sich auch heute noch lebhaft: „Otto Demler war damals 1965 der Produzent bei EMI in Köln. Die Aufnahmen dort im Studio raubten mir den letzten Nerv. Ich hatte schon Stunden im Studio gearbeitet, phonetisch die Aussprache gelernt, auch die Melodie. Die längeren Worte in Deutsch klappten dann auch aber die kurzen wie „und“ wollten nicht hinhauen. Irgendwann bin ich raus gerannt auf die Toilette, habe geheult und gegen die Wand getreten. Wendell hat mich beruhigt und zurück ins Studio geholt. Ich war völlig geschafft. Später in Japanisch ging es viel einfacher, Holländisch allerdings war wieder etwas schwerer. In Englisch habe ich Santo Domingo übrigens nie aufgenommen.“

Wusste sie denn, worüber sie in dem Song sang? „Nein, über den Inhalt war ich nicht informiert. Ich habe die Texte in den anderen Sprachen nur phonetisch gelernt ohne zu wissen, was genau ich da sang.“
Santo Domingo entwickelte sich zu einem der Songs, die zwar nicht an die Spitze der Hitparaden stürmen (wird in Deutschland offiziell als eine Nr. 5 im Jahr 1965 geführt), dafür aber ein Dauerbrenner werden. Wanda Jackson machte noch etliche weitere Aufnahmen in Deutsch, die u.a. auf dem Album „Made In Germany“ verewigt sind.

In den 1970er Jahren wurde es eine Weile ruhiger um Wanda Jackson. Ihr Vertrag mit Capitol war ausgelaufen, vor allem hatte sich ihr Privatleben geändert. Andere Dinge bekamen eine größere Bedeutung als die Musik. Dafür nahm sie sich jetzt Zeit. Die Familie trat zum christlichen Glauben über, was dazu führte, dass sie zeitweise nicht mehr dort auftrat, wo Alkohol ausgeschenkt wurde. Für kleine Label wie Myrrh und Word machte sie Gospel-Aufnahmen. Jetzt zeigte sich, aus welchem Holz das Oklahoma Girl geschnitzt ist. Sie war stets ein Mensch, der weiß, was er will und kann, der mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist. Selten habe ich ein Künstler-Ehepaar getroffen, das so menschlich geblieben ist, so normal wie man gern sagt. Wendell Goodman, dessen trockenen Humor ich schätze, ist ein Mann, der nie um eine Idee verlegen ist, ein Manager, der weiß, was möglich ist und dementsprechend verhandelt. Selten wurde mir deutlicher, wie sehr eine auf tiefes gegenseitiges Vertrauen gestützte Beziehung zwischen zwei Menschen eine Karriere erfolgreich beeinflussen kann. Wanda Jackson ist die Künstlerin, sie hat das Talent – Wendell Goodman arbeitet behutsam daran, dass ihr Talent zur Geltung kommt. Darüber hinaus sind sie im Privatleben zwei Menschen, die sich viel zu sagen haben.

In den 1980er Jahren erlebte Wanda Jackson eine Art Renaissance. Weil der Rockabilly vor allem in Europa wiederbelebt wurde. Man erinnerte sich gern an sie und holte sie nun wieder regelmäßig nach Großbritannien, Skandinavien, Holland und Deutschland. Man konnte sich sicher sein, dass man das Original bekam, denn Wanda Jackson war zwar älter geworden aber nicht eingerostet. Nicht nur das Publikum feierte sie als Rockabilly Queen und Country-Ikone, auch eine ganze Reihe der jüngeren Country-Sängerinnen verehren sie und holen sie für gemeinsame Projekte.

Seit den 1990er Jahren mischt Wanda Jackson wieder richtig mit. Ihr Auftrittskalender ist gut gefüllt und neue Alben hat sie gelegentlich auch gemacht. Im Jahr 2009 schaffte sie einen ungewöhnlichen Rekord. Das Album „The Party Ain’t Over“ kletterte in den Billboard Hot 200 Alben bis auf Platz 58. Mit 73 Jahren wurde Wanda Jackson damit die älteste Sängerin, die je die Top 60 der Charts erreichte.
Im Oktober 2012 erschien ihr 31. Studio-Album, diesmal bei Sugar Hill. Es heißt „Unfinished Business“, wurde von Justin Townes Earle (Sohn von Steve Earle) produziert und enthält einen Mix aus Country und Rockabilly.

Zu Deutschland hat sie eine besondere Beziehung: „Nicht nur meine Rock’n’Roll-Aufnahmen sind dort gefragt. Ich habe in Deutsch gesungen und Erfolg gehabt. Ich hatte denkwürdige Auftritte in Germany. Der auf der Lorelei ist mir in guter aber unangenehmer Erinnerung. Da war es mitten im Sommer so kalt und nass, dass Glühwein als Erfrischung gefragt war, richtiges Sauwetter und dementsprechend wenig Leute. Ich bin in die Country Music Hall of Fame Germany aufgenommen worden. Vor allem habe ich in Deutschland immer noch viele richtig gute Freunde. Man muss sich den Respekt und die Zuneigung der Menschen verdienen. Dass mir das gelungen ist, dafür bin ich unendlich dankbar.“

Beinahe 60 Jahre dauert ihre Karriere nun schon an. Eine Karriere, die sie immer wieder auch nach Deutschland führt. Auf ihre Art ist Wanda Jackson einzigartig. Ihre Stimme blieb so typisch, dass man sie auch heute noch leicht erkennt, egal, was sie singt. Ihr Repertoire ist so umfangreich, dass sie jede Art von Publikum locker einen Abend lang unterhalten kann. Das Interesse des Publikums an ihr scheint ungebrochen und Generationen übergreifend. Man muss besonders dankbar sein, dass Wanda Jackson nicht nur neue Aufnahmen macht sondern auch im hohen Alter von 75 Jahren noch zu den Fans kommt, um sie mit ihrem unverwechselbaren Gesang und ihrem Charisma zu unterhalten.

Völlig zu Recht wurde sie mit vielen wichtigen Auszeichnungen im Laufe der Jahre geehrt. Der wichtigste davon ist vermutlich der Americana Lifetime Achievement Award, den sie im Herbst 2009 erhielt. Längst überfällig wäre ihre Aufnahme in die Country Music Hall of Fame. Mir fällt keine Künstlerin ein, die in der Country Music und im Rockabilly so viel bewegt hat wie Wanda Jackson, eine Persönlichkeit ohne Skandale, die sich ihren Erfolg nur mit Talent, Fleiß, Hingabe, Gradlinigkeit und Charisma erarbeitet hat.

   
Wanda Jackson: Unfinished Business
Albumtitel: „Unfinished Business“
Veröffentlicht: 2012
Label: Sugar Hill Records (EMI)

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Trackliste:

01. Tore Down
02. The Graveyard Shift
03. Am I Even A Memory?
04. Pushover
05. It’s All Over Now
06. Two Hands
07. Old Weakness (Coming On Strong)
08. What Do You Do When You’re Lonesome?
09. Down Past the Bottom
10. California Stars

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