Lucinda Williams: World’s Gone Wrong
Die Legende des Americana kehrt mit neuem, gesellschaftskritischen Album zurück.
Lucinda Williams. Bildrechte: Highway 20 Records
Die dreifache Grammy-Gewinnerin Lucinda Williams setzt sich in ihrem neuen Album „World’s Gone Wrong“ (erscheint am 23. Januar bei Highway 20 Records) direkt mit dem gesellschaftspolitischen Chaos in Amerika auseinander. Ein musikalisch packendes Album, über dem von Anfang an eine düstere Stimmung liegt. In den beiden rockigen Anfangsstücken „The World’s Gone Wrong“ und „Something’s Gotta Give“ (mit Brittney Spencer) steht eine Atmosphäre der Angst im Mittelpunkt.
Düstere Stimmung, Atmosphäre der Angst
„Komm schon, Baby, wir müssen stark sein, die dunklen Tage werden lang, wir suchen Trost in einem Lied, jeder weiß, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, jeder weiß, dass die Welt aus den Fugen geraten ist“, heißt es im Titelstück. Die beiden Protagonisten im Song versuchen, davor zu fliehen. Und in „Something‘s Gotta Give“ heißt es: „Es besteht eine Gefahr, in diesen Tagen, man kann sie in der Luft spüren, das Böse ist gekommen, um sein Unwesen zu treiben.“ Auch die melodisch feine Rumpel-Bluesballade „Low Life“ (mit Micky Raphael an der Mundharmonika!) ist purer Eskapismus, hier wird Trost im Alkohol in New Orleans gesucht: Tja, ich schätze, das ist das Leben im Elend, Aber genau da will ich sein, Das ist das Leben im Elend. Trink einen Hurricane auf mich.“ Der „Hurricane“ ist mit viel Rum zubereiteter Cocktail aus der Südstaatenmetropole.
Das Böse Treiben der Mächtigen im Blick
Im Laufe des Albums wird das Böse, das Dunkle und die, die hinter dem stecken, dann aber immer deutlicher kenntlich. „Ich las, wo Matthäus sagte: „Denn was nützt es dem Menschen, der die ganze Welt beherrscht, aber dabei seine Seele verliert?“ singt Lucinda im rockig-souligen „How Much Did You Get For Your Soul?“ und „Also, ich muss dich fragen: Hast du darüber nachgedacht? Ich muss dich einfach fragen: Wie fühlt es sich an, gekauft zu werden? Wie viel hast du für deine Seele bekommen?“ Wer anders als Donald Trump könnte gemeint sein, der ganz offensichtlich seine Seele an den Teufel verkauft hat. „So Much Trouble In The World“ stellt Lucinda mit gesanglicher Unterstützung von Mavis Staples im Rock-Reggae-Rhythmus fest. Und sie singt von Männern mit Egotrips und Raumschiffen (Elon Musk, Jeff Bezos!) und dass man auf einer Zeitbombe säße. Wieder ganz düstere Bilder.
Nach dem textlich sehr mystischen und musikalisch aufwühlenden „Sing Unburied Sing“ entfaltet die Americana-Legende dann mit „Black Tears“ eine dunkle Südstaatenphantasie, die 400 Jahre Rassismus, Sklaverei und Gewalt klar benennt. Ein kraftvoller, treibender Blues und einer der Höhepunkte des Albums. In „Punchline“ zweifelt Lucinda angesichts der schlimmen Zustände in der Welt an Gott: „Und die doppelzüngigen Meister, Sie täuschen die verlorenen Seelen, Sie wissen, wen sie auswählen, Und wie sie dich benutzen, Ziehen im Hintergrund die Fäden, Hören auf ihre eigenen Mittel, Mir geht dieser Gedanke nicht aus dem Kopf, Sie sagen, es sei alles geplant, Sein Weg ist ein Rätsel, Hat Gott die Pointe vergessen?“ Sie ist einfach eine der größten Songpoetinnen unserer Zeit. Wie sie mit dunklen Bildern eine düstere, einengende, bedrohende Stimmung schafft, ist ebenso schmerz- wie meisterhaft.
Zweifel an Gott und Ode an die Freiheit
In „Freedom Speaks“ benennt sie die Abschaffung der Freiheit und die staatliche Gewalt gegen die Menschen auf den Straßen in den USA in drastischen Worten: „Da sind die, die dir sagen, dass du sicher und frei bist, bis du dich gegen ihre Vorstellungen aussprichst. Sie setzen auf dein Schweigen, auf Unwissenheit und Ungewissheit, während die Straßen von Gewalt, Chaos und Tragödie erfüllt sind.“
Den Abschluss bildet dann die Gospel-Ballade „We’ve Come Too Far To Turn Around“, bei der Nora Jones mit Gesang und Klavierspiel unterstützt. Lucinda stellt die neueren schlimmen Entwicklungen in den Kontext der Geschichte Nordamerikas: Wir werden die Last ablegen, Von Hass und Trennung, Wir sind zu weit gekommen, um umzukehren, Seit über vierhundert Jahren, gehen wir diesen Weg der Tränen, Und wir sind zu weit gekommen, um umzukehren.“ Sprich: Auch wenn es immer schlimm war und jetzt noch schlimmer – wir geben nicht auf, die Dinge verändern zu wollen.
Fazit: Lucinda Williams‘ bestes Album seit vielen Jahren. Sie ist Poetin, Humanistin und Amerikanerin und verzweifelt an ihrem Land. Sie benennt die bösen Taten der Mächtigen und kämpft dagegen an. Sie ist eine große, furchtlose Künstlerin und dies ist ein großes, wichtiges Album.
Lucinda Williams – World’s Gone Wrong: Das 2026er Album

Titel: World’s Gone Wrong
Künstlerin: Lucinda Williams
Veröffentlichungstermin: 23. Januar 2026
Label & Vertrieb: Highway 20, Thirty Tigers (SPV)
Formate: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 10
Genre: Americana
Trackliste: (World’s Gone Wrong)
01. The World’s Gone Wrong (feat. Brittney Spencer)
02. Something’s Gotta Give (feat. Brittney Spencer)
03. Low Life
04. How Much Did You Get For Your Soul
05. So Much Trouble In The World (feat. Mavis Staples)
06. Sing Unburied Sing
07. Black Tears
08. Punchline
09. Freedom Speaks
10. We’ve Come Too Far To Turn Around (feat. Norah Jones)







