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Alina Sebastian: Makin’ A Mess

Auf ihrem zweiten Album erzählt die Sängerin vom Chaos nach dem Aufbruch – und führt damit die Geschichte von „Eyes Of The Highway“ konsequent weiter.

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Dreieinhalb Jahre begleitet Country.de bereits den musikalischen Weg von Alina Sebastian. Mit ihrem zweiten Album „Makin’ A Mess“ beginnt nun das nächste Kapitel: zwölf Songs über Freiheit und ihre Konsequenzen, Begegnungen, Beziehungen, falsche Entscheidungen und das Chaos des Lebens.

Alina Sebastian – Makin’ A Mess Alina Sebastian – Makin’ A Mess. Collage (Country.de) // Photo Credit: © Niklas Herzog

Als wir Alina Sebastian Anfang 2023 erstmals ausführlicher bei Country.de vorstellten, stand ihr Debütalbum noch bevor. Mit „California“ hatte eine junge deutsche Singer & Songwriterin unsere Aufmerksamkeit geweckt, die Country nicht kopieren, sondern auf ihre eigene, moderne Art interpretieren wollte. Wir schrieben damals, dass gute Countrymusik keineswegs ausschließlich aus Nashville oder Texas kommen müsse.

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Dreieinhalb Jahre später ist aus dieser ersten Begegnung längst eine kleine gemeinsame Geschichte geworden. Wir haben Alina Sebastian bei Singles, ihrem Debütalbum „Eyes Of The Highway“, bei Konzerten, „The Demo Tapes“ und neuen Songs immer wieder begleitet. Zuletzt zeigte „Dirty Little Liars“ eine deutlich rockigere Seite der Musikerin.

Jetzt ist das zweite Album da und „Makin’ A Mess“ beginnt interessanterweise genau dort, wo „Eyes Of The Highway“ damals aufgehört hat.

Wenn das Fernweh seine Spuren hinterlässt

„Eyes Of The Highway“ war 2023 ein Album über Fernweh, Freiheit und das ständige Weiterziehen. „Makin’ A Mess“ beschäftigt sich nun gewissermaßen mit der anderen Seite dieser Lebensweise: Was passiert eigentlich mit einem Menschen, der ständig unterwegs ist, nie wirklich ankommt, Beziehungen eingeht, wieder weiterzieht, Fehler macht, sich verliebt, verletzt wird und zwischendurch versucht, mit sich selbst klarzukommen?

Alina Sebastian versteht die zwölf Titel ihres zweiten Albums deshalb nicht einfach als Sammlung einzelner Songs. Sie gehören für sie zusammen und erzählen eine Geschichte – die Geschichte ihres Lebens seit der Veröffentlichung des Debüts, in dem offenbar genügend Chaos zusammenkam, um daraus ein komplettes Album zu machen. Der Albumtitel ist damit nicht bloß eine nette Überschrift. Das Chaos ist das verbindende Element.

Musikalisch hat sich ebenfalls einiges getan. War „Eyes Of The Highway“ noch deutlich stärker vom klassischen Singer & Songwriter-mit-Band-Gefühl geprägt, sind die Produktionen diesmal größer, vielseitiger und moderner geworden. Das passt zu einer Entwicklung, die sich bereits bei den vergangenen Veröffentlichungen angedeutet hat: Alina Sebastian erweitert Country zunehmend um Rock und Pop, ohne ihr eigentliches Fundament – persönliche Geschichten und ehrliches Songwriting – aufzugeben.

„I’m A Mess“ – und das darf so sein

Schon der Opener bringt die Idee des Albums ziemlich treffend auf den Punkt. „I’m A Mess“ ist Alinas kleine Hymne für all diejenigen, bei denen das Leben eben nicht immer fein säuberlich sortiert in den dafür vorgesehenen Schubladen liegt. Emotionales Chaos, ganz reales Chaos – oder von beidem etwas. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass auch das zu einem Menschen gehört.

Danach wird es allerdings schnell konkreter. „Town That Broke Me“ nimmt beispielsweise eines der ältesten Motive der Countrymusik und dreht es kurzerhand um. Unzählige Countrysongs erzählen von der Heimatstadt, zu der man irgendwann zurückkehrt, von vertrauten Straßen, alten Freunden und dem Gefühl, nirgendwo sonst wirklich zu Hause zu sein. Aber was ist mit den Menschen, für die ihre Heimat genau dieses Gefühl nicht besitzt? „Town That Broke Me“ ist ein Song für diejenigen, die nicht zurückkehren möchten, sondern lieber weiterziehen. Und gerade weil das dem klassischen Country-Narrativ widerspricht, ist es ein spannender Gedanke.

Begegnungen, die bleiben

„Adventure In Your Eyes“ wiederum beschäftigt sich mit jenen Menschen, die manchmal nur ganz kurz Teil unseres Lebens sind. Ein Gespräch, eine Begegnung, vielleicht wenige gemeinsame Stunden – anschließend sieht man sich möglicherweise nie wieder. Und trotzdem hinterlassen solche Menschen Spuren. Alina Sebastian stellt dabei eine schöne Frage: Wenn diese flüchtigen Begegnungen uns zu einem kleinen Teil zu dem Menschen gemacht haben, der wir heute sind – können sich diejenigen, die diesen Einfluss hatten, überhaupt noch an uns erinnern?

Solche Gedanken sind eine Stärke von „Makin’ A Mess“. Es sind keine weltbewegenden Geschichten. Es sind vielmehr diese scheinbar kleinen Beobachtungen, aus denen gutes Songmaterial entsteht.

Die Schattenseite des Unterwegsseins

Besonders deutlich wird die Verbindung zum ersten Album bei „Can’t Remember How To Stay“. Auf „Eyes Of The Highway“ war das Unterwegssein noch Freiheit und Abenteuer. Jetzt bekommt es Konsequenzen. Wer sich daran gewöhnt hat, immer weiterzuziehen und nie wirklich anzukommen, kann irgendwann feststellen, dass Bleiben schwieriger geworden ist als Gehen – insbesondere in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Genau hier funktioniert „Makin’ A Mess“ für uns am besten als Fortsetzung seines Vorgängers. Die Perspektive hat sich verändert, denn es geht nicht mehr ausschließlich um die Straße vor einem. Alina Sebastian schaut diesmal häufiger zurück und fragt, was auf dem bisherigen Weg eigentlich passiert ist.

Mit dem Teufel sollte man nicht küssen

Und selbstverständlich gehören zu einem ordentlichen Chaos auch Entscheidungen, von denen man bereits vorher weiß, dass sie vermutlich keine besonders gute Idee sind. „Don’t Kiss The Devil“ handelt genau von solch einem Moment: Der Verstand kennt die möglichen Konsequenzen längst, trotzdem gewinnt der Augenblick. Alina bringt die Sache mit der zentralen Aussage des Songs ziemlich treffend auf den Punkt: Wer Angst vor der Hölle hat, sollte den Teufel besser nicht küssen.

„Whiskey Lips“ führt anschließend in eine wesentlich verletzlichere Richtung. Der Song beschreibt völlige Überforderung – jenen Zustand, in dem so viel gleichzeitig in einem Menschen vorgeht, dass irgendwann scheinbar gar nichts mehr zu spüren ist. Der brennende Whiskey wird zum Gegenpol dieser inneren Taubheit.

Das sind Momente, in denen „Makin’ A Mess“ deutlich erwachsener und nachdenklicher wirkt als sein Vorgänger.

Ein Song aus Teenagerzeiten

Mitten in diesem neuen Material findet sich dann ein Stück, dessen Geschichte viel weiter zurückreicht. „Without You“ schrieb Alina Sebastian bereits mit 15 Jahren. Ein Jahr später stand sie damit beim Deutschen Rock & Pop Preis in der Siegerlandhalle auf der Bühne und belegte den ersten Platz. Seitdem existierten verschiedene Fassungen des Songs – nun hat es das Stück erstmals in vollständig produzierter Form auf ein Album geschafft.

Das ist mehr als eine nette Randnotiz. Auf einem Album, das sich stark damit beschäftigt, was Erlebnisse und Menschen aus uns machen, begegnet die heutige Alina Sebastian plötzlich ihrer 15-jährigen Version. Und ein Song, der ihr eigenes Songwriting nach eigener Aussage nachhaltig geprägt hat, bekommt viele Jahre später seinen festen Platz in ihrer Diskografie.

Zwischen Vertrauen und kleinen Lügen

Auch „Almost Forgot“ und „Dirty Little Liars“ gehören zu den emotionaleren Stationen der Platte. Bei „Almost Forgot“ geht es um Vertrauen und den Moment, in dem man nach langer Zeit wieder daran erinnert wird, wie weh das Leben tun kann. Mit dem dazugehörigen Musikvideo verband Alina Sebastian den Song zudem mit einem anderen Anliegen und arbeitete mit den Tierschutzvereinen Ankerhunde und Tierhilfe Hoffnung zusammen.

„Dirty Little Liars“ kennen Country.de-Leser bereits. Im November 2025 haben wir den Song vorgestellt und damals vor allem die überraschende Pop-Punk-Attitüde hervorgehoben. Im Zusammenhang des Albums bekommt er noch einmal eine andere Funktion. Die kleinen vermeintlich harmlosen Lügen, mit denen Menschen andere schützen wollen, werden irgendwann selbst zum Problem. Aus Verletzung entsteht Schmerz, aus Schmerz schließlich Wut. Und irgendwann braucht selbst das größte Chaos eine Verschnaufpause.

Es wird schon irgendwie wieder gut

Dafür sorgt „See You Soon“. Den Song haben wir bereits Anfang 2025 als eingängigen Titel vorgestellt, der mit einem Augenzwinkern davon erzählt, den eigenen Problemen zumindest für einen Moment davonzulaufen. Natürlich verschwinden die Sorgen dadurch nicht. Man darf sie aber manchmal für ein paar Stunden hinter sich lassen.

Das Album wird zum Ende hin entsprechend ruhiger. „Summer Rain“ beschreibt den seltenen Moment, in dem der permanente innere Alarm verstummt und man einfach nur im Augenblick lebt. Wie ein leichter Sommerregen nach einem heißen Tag. Und schließlich schließt sich sogar ein Kreis zurück zum Debütalbum. „Until I Do“ versteht Alina Sebastian als zweiten Teil von „Never Fall In Love“, dem letzten Titel von „Eyes Of The Highway“. Damals ging es darum, sich gegen das Verlieben zu wehren. Nun können sich Überzeugungen offenbar doch verändern – wenn man bereit ist, auf das eigene Gefühl zu hören. Das kann wunderschön sein. Oder eben wieder neues Chaos verursachen. Passender könnte dieses Album eigentlich kaum enden.

Ein Album, das ohne die Fans nicht entstanden wäre

Zu „Makin’ A Mess“ gehört allerdings noch eine Geschichte, die nichts mit einem einzelnen Song zu tun hat. Alina Sebastian ist Independent-Künstlerin. Ihr Debütalbum hatte sie noch selbst geschrieben, produziert und gemischt; inzwischen arbeitet sie bei ihren Produktionen mit ihrer Band und einem kleinen Team zusammen.

Das zweite Album wurde darüber hinaus durch eine Crowdfunding-Kampagne ermöglicht. Rund 6.000 Euro kamen dabei zusammen. Alina bezeichnet „Makin’ A Mess“ deshalb selbst als „unser Album“ – als Gemeinschaftsprojekt zwischen ihr und den Menschen, die ihre Musik unterstützen.

Gerade bei einer Independent-Künstlerin ist das keine Selbstverständlichkeit. Es zeigt, dass sich über die vergangenen Jahre eine Hörerschaft entwickelt hat, die neue Musik nicht nur anklickt, sondern bereit ist, deren Entstehung unmittelbar mitzutragen.

Alina Sebastian ist ihren Weg weitergegangen

Als Country.de im Januar 2023 erstmals über Alina Sebastian berichtete, war „California“ gerade erschienen und „Eyes Of The Highway“ lediglich angekündigt. Inzwischen liegen zahlreiche Singles, zwei Alben, Konzerte in mehreren Ländern und eine musikalische Entwicklung dazwischen, die wir immer wieder begleiten durften. Auch live haben wir erlebt, wie ihre Songs beim Publikum funktionieren. „Makin’ A Mess“ ist deshalb für uns nicht einfach Album Nummer zwei. Es ist die nachvollziehbare Fortsetzung einer Geschichte.

„Eyes Of The Highway“ wollte hinaus. Die Straße lag vor einem und irgendwo hinter dem Horizont wartete das nächste Abenteuer. „Makin’ A Mess“ weiß inzwischen, dass jedes Abenteuer Spuren hinterlässt. Dass Freiheit ihren Preis haben kann. Dass Menschen kommen und gehen. Dass man falsche Entscheidungen trifft, verletzt wird, selbst verletzt, manchmal davonläuft – und irgendwann trotzdem wieder aufsteht.

Musikalisch ist Alina Sebastian dabei größer und vielseitiger geworden. Country bleibt das Fundament, aber Pop und Rock dürfen inzwischen wesentlich selbstverständlicher mitmischen. Das passt zu einer Künstlerin, die sich schon früh nicht darüber definieren wollte, wie Countrymusik angeblich zu klingen oder auszusehen hat.Vor allem aber ist geblieben, was uns bereits 2023 aufgefallen ist: Alina Sebastian hat etwas zu erzählen. Und manchmal muss man offenbar erst ein ziemliches Chaos anrichten, damit daraus eine richtig gute Geschichte wird.

Alina Sebastian – Makin’ A Mess: Das 2026er Album

Makin’ A Mess

Künstler: Alina Sebastian
Album: Makin’ A Mess
Veröffentlichung: 8. August 2026
Formate: CD & Download
Genre: Country, Pop, Rock
Tracks: 12
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5 von 5 Sternen)

Alina Sebastian – Makin’ A Mess: Bei Amazon bestellen

„Makin’ A Mess“ – Trackliste

01. I’m A Mess
02. Town That Broke Me
03. Adventure In Your Eyes
04. Can’t Remember How To Stay
05. Don’t Kiss The Devil
06. Whiskey Lips
07. Without You
08. Almost Forgot
09. Dirty Little Liars
10. See You Soon
11. Summer Rain
12. Until I Do

„Makin’ A Mess“ ist seit dem 8. August 2026 digital erhältlich und umfasst zwölf Titel. CDs können über Alina Sebastians Onlineshop für CD-Bestellung vorbestellt werden.

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Über Dirk Neuhaus (1941 Artikel)
Seit 26 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: Traditional Country, Bluegrass. Rezensionen, News, Specials.