pez und „Groundtrippin’“: Von der Oberpfalz auf dem eigenen Weg Richtung Nashville
Vom Regensburger Domspatzen zum etablierten Countrymusiker.
pez: Groundtrippin'. Collage (Country.de) // Photo Credit: © (Peter Geyer)
Seit Jahren geht Peter Geyer seinen eigenen Weg in der Countrymusik. Country.de begleitet ihn seit 2021. Mit seinem Debütalbum „Groundtrippin’“ fügt der Independent-Musiker nun die einzelnen Kapitel zu einem Ganzen zusammen.
Manchmal lässt sich die Entwicklung eines Musikers besonders gut daran erkennen, was einige Jahre zuvor über ihn geschrieben wurde. Als wir pez im Juni 2021 erstmals ausführlicher bei Country.de vorgestellt haben, lautete unsere Überschrift noch schlicht: „Country Rock aus der Oberpfalz“. Anlass war damals seine Debüt-EP „all lowercase“.
Fünf Jahre später ist Peter Geyer, wie pez mit bürgerlichem Namen heißt, immer noch in der Oberpfalz zu Hause. Musikalisch ist seitdem allerdings einiges passiert. Am 18. September 2026 hat er mit „Groundtrippin’“ sein erstes vollständiges Album veröffentlicht – zehn Songs, geschrieben, arrangiert und produziert in Eigenregie. Ohne Label im Rücken, dafür mit einer inzwischen bemerkenswerten Verbindung zu Musikern aus Nashville.
Zwischen Fernweh und Bodenständigkeit
Schon der Albumtitel erzählt ziemlich genau, worum es pez geht. „Groundtrippin’“ ist eine Wortschöpfung, die zwei vermeintliche Gegensätze zusammenbringen soll: von fernen Orten träumen und trotzdem mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen.
Das passt zu einem Musiker aus der nördlichen Oberpfalz, dessen Countrymusik schon seit Jahren immer wieder gedanklich und musikalisch Richtung USA blickt, ohne deshalb die eigene Herkunft verstecken zu wollen.
Als pez 2025 mit „Never Seen Tennessee“ das erste Kapitel seines geplanten Debütalbums öffnete, haben wir bei Country.de deshalb getitelt: „Klingt nach Nashville – kommt aus Bayern“. Der Song spielte humorvoll mit genau diesem Spannungsfeld. Geyer hatte bereits einiges von den USA gesehen – nur ausgerechnet Tennessee noch nicht. Selbst seine in Nashville gebaute Gibson wurde Teil der Geschichte. Heute erscheint dieser Song in einem größeren Zusammenhang.
Ein Album, das Stück für Stück gewachsen ist
„Groundtrippin’“ ist nämlich nicht plötzlich entstanden. Country.de konnte einen Teil seiner Entwicklung über längere Zeit verfolgen. Bereits 2024 setzte pez mit „Lost Me For Country“ ein deutliches Zeichen für die musikalische Richtung, in die es gehen sollte. Die Produktion entstand in seinem eigenen Studio im nordbayerischen Mitterteich. Unterstützung holte er sich schon damals aus Nashville – unter anderem von Pedal-Steel-Musiker Sasha Ostrovsky, bekannt durch seine Arbeit mit Darius Rucker.
Mit „Never Seen Tennessee“ begann 2025 schließlich offiziell die Reise zum Debütalbum. Es folgte „Lynchburg, TN“, bei dem pez den Sound grooviger und druckvoller gestaltete. Treibende Drums, Bass, Gitarrenriffs und Fiddle trafen auf eine augenzwinkernde Geschichte über die Heimatstadt eines weltbekannten Tennessee-Whiskeys.
Im August 2026 zeigte „Late Night Talks“ wiederum eine ganz andere Seite. Statt großer Country-Rock-Geste standen akustische Instrumente und die Atmosphäre langer Sommernächte im Vordergrund. Nashville-Musiker Jake Clayton steuerte Fiddle, Mandoline und Dobro bei.
Vier Vorboten des Albums – „Never Seen Tennessee“, „Lynchburg, TN“, „Where The Highway Ends“ und „Late Night Talks“ – nennt pez selbst als einzelne Kapitel, die nun mit „Groundtrippin’“ zu einem Gesamtbild werden.
Country-Rock muss nicht aus Tennessee kommen
Dabei hat sich pez musikalisch nicht auf eine einzige Spielart festgelegt. Die zehn Titel reichen nach eigenen Angaben von klassischem Country-Rock über akustische und poppigere Countryelemente bis zur Ballade und an anderer Stelle dürfen die Gitarren deutlich härter werden.
Bemerkenswert ist vor allem die Entstehung des Albums. Geyer hat die Songs selbst geschrieben, arrangiert und produziert. Gleichzeitig hat er sich für die Aufnahmen Musiker ins Boot geholt, deren Namen weit über die Oberpfalz hinausweisen.
Dazu gehören unter anderem Kyle May am Schlagzeug, Tyler Slawson an der Gitarre und Sasha Ostrovsky an der Pedal Steel. Jake Clayton ist mit Fiddle, Dobro und Mandoline vertreten. Kelby Ray Caldwell von The Cadillac Three spielt unter anderem Lap Steel, Aaron Thompson Bass. Alexander Höffken, der bereits mit Künstlern wie Michael Patrick Kelly, Ronan Keating, Nico Santos und Mark Forster gearbeitet hat, ist ebenfalls auf mehreren Songs zu hören.
So entsteht eine interessante Konstellation: Ein Independent-Album aus der Oberpfalz, dessen musikalische Fäden bis nach Nashville reichen.
„Without Superman“ wird persönlich
Den emotional vielleicht persönlichsten Punkt setzt pez ans Ende des Albums. „Without Superman“ ist Track Nummer 10 und gleichzeitig die neue Fokus-Single zu „Groundtrippin’“. Musikalisch gehört der Song zu den härtesten Stücken, die Geyer bislang veröffentlicht hat. Southern Rock, kräftige Gitarren und ein entsprechend druckvoller Sound bestimmen die Aufnahme.
Der Hintergrund ist allerdings alles andere als unbeschwert: pez verarbeitet in dem Song den Verlust seines Großvaters, der besonders während seiner Kindheit eine wichtige Bezugsperson für ihn war. Trauer und Wut über diesen Verlust finden sich nach seiner Beschreibung auch im musikalischen Charakter des Stücks wieder.
Gerade deshalb wirkt „Without Superman“ als Schlusspunkt eines Albums passend, das viel von Herkunft, Fernweh, Erinnerungen und persönlichen Erfahrungen erzählt.
Vom Domspatz zur Countrymusik
Dass Peter Geyers musikalischer Weg einmal hierher führen würde, war keineswegs vorgezeichnet, den bereits mit zehn Jahren sammelte er im Konzertchor der Regensburger Domspatzen internationale Bühnenerfahrung. Später spielte er hauptberuflich als Sänger und Gitarrist in verschiedenen Coverbands. 2017 startete er sein Soloprojekt pez, 2019 folgte der erste Plattenvertrag mit Audiofachwerk. Daraus entstand die EP „all lowercase“. MTV Germany, Radio-Airplay und Fernsehauftritte folgten. Seit 2024 geht Geyer seinen Weg wieder unabhängig und arbeitet als Self-Producing Artist.
Für Country.de schließt sich damit ebenfalls ein kleiner Kreis: Als wir 2021 über „all lowercase“ berichteten, wollte pez mit seiner Musik unter anderem zeigen, dass Country in Deutschland mehr sein kann als die bekannten Klischees von Prärie, Fiddle und Whiskey. Schon damals verband er Country mit Rock und Pop und hielt wenig von der Vorstellung, man müsse für diese Musik zwangsläufig im „richtigen“ Land geboren sein.
Fünf Jahre später trägt sein erstes Album einen Titel, der kaum besser zu diesem Weg passen könnte.
pez – Groundtrippin‘: Das 2026er Album

Künstler: Pez (Peter Geyer)
Album: Ground Trippin‘
Label: ℗© 2026 pez
Veröffentlichung: 18. September 2026
Formate: CD, Stream & Download
Genre: Country, Southern Rock
Tracks: 10
„Groundtrippin’“ – Trackliste
01. Where The Highway Ends
02. Lynchburg, TN
03. By Nine
04. Never Seen Tennessee
05. Late Night Talks
06. Lost Me For Country
07. Nine To Five
08. Nice And Slow
09. Three Chords And The Truth
10. Without Superman
Ein konsequenter nächster Schritt
„Groundtrippin’“ markiert deshalb mehr als nur die Veröffentlichung des ersten Albums von pez. Es dokumentiert auch die Entwicklung eines Musikers, der sich über mehrere Jahre seinen eigenen Platz zwischen deutschem Independent-Dasein und amerikanisch geprägter Countrymusik geschaffen hat.
Nicht jeder Weg Richtung Nashville muss schließlich dort beginnen. Manchmal beginnt er auch in Mitterteich.





