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Hal Ketchum

Das Porträt über den großartigen Sänger und Songschreiber.

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In das übliche Raster für einen Country-Star passt er eigentlich nicht. Solange man ihn in der Öffentlichkeit kennt, war er immer etwas anders, darin mag der Schlüssel zu seinem Erfolg liegen. Eines ist sicher, ein leichter Weg war es für Hal Michael Ketchum nicht.

Geboren wurde er am 9. April 1953 im Örtchen Greenwich, New York. Eine landschaftlich wunderschöne Umgebung im nördlichen Teil des Bundesstaates. Musik gehörte seit Generationen zum Alltag der Ketchums, seinem Vater hatte es insbesondere Country Music angetan. Aber auch mit klassischer Musik wuchs Ketchum auf. Er erinnert sich, dass er sogar das berühmte Jazz Festival im nahen Newport besucht hat und begeistert war.

Hal Ketchum

„Für mich war Musik Bestandteil des Alltags“, erzählt er. „Mit 8 bearbeitete ich die Drums, mit etwa 14 trat ich in Bars und Clubs der Gegend auf, um die Besucher ein wenig bei Laune zu halten. Das waren für meine Selbstfindung wichtige Jahre. Ich spürte, dass ich ein Gen dafür hatte, mit einem Publikum zu kommunizieren. In diesen Jahren habe ich die Basis und das Selbstvertrauen aufgebaut, das man braucht, um als Künstler langfristig bestehen zu können. Das war wie eine Schule, es ging Schritt für Schritt weiter. Irgendwann habe ich einen meiner beiden Drum-Sets gegen ein 5-string Banjo eingetauscht, dann kam die Gitarre hinzu, danach das Songschreiben. So wurde ich immer vielseitiger und besser auf den Beruf vorbereitet.“

Um sicher zu gehen, hatte Hal Ketchum den Beruf des Zimmermanns erlernt. Anfang der 1980er Jahre ging er ins klimatisch wärmere Texas und landete in der regen Musik-Szene in und um Austin. Für ihn der ideale Nährboden, schon bald vergaß er seinen eigentlichen Beruf und setzte ganz auf die Musik.

Über einigte Umwege schaffte er es, die legendäre „Gruene Hall“ im gleichnamigen Ort des Hill Country zu seinem Wohnzimmer zu machen. Mit Jimmie Dale Gilmore, Robert Earl Keen, George Strait, Lyle Lovett, Townes Van Zandt, Butch Hancock hatte er Leute um sich, die ihre eigenen Ideen einbrachten, die sich gegenseitig anspornten und beeinflussten. Sein Debüt in Gruene schildert Ketchum so: „Ich hatte gerade meine bescheidene Hütte bezogen als ich an einem Samstag von irgendwo Musik hörte. Von der Gruene Hall hatte ich da noch keine Ahnung. Ich setzte mich in mein Auto und folgte der Musik. Als ich über den Guadalupe River kam und den Hügel hochfuhr, sah ich sie auf der rechten Seite: die Gruene Hall in all ihrem Glanz. Ray Benson und Asleep at the Wheel spielten für 600 betrunkene Frohnaturen und ihre Freundinnen. Ich dachte, wo bist du hier gelandet, es war wie in einem Film.“ Wer heute in die Gegend kommt, sollte sich die Gruene Hall nicht entgehen lassen, sie existiert nach wie vor und verschafft ein unvergessliches Erlebnis.

Hal Ketchum war sofort fasziniert und bald ein Teil der Clique, die sich dort traf, Songs austauschte, miteinander muszierte, Bierchen trank, einfach Spaß hatte. Ketchum noch einmal: „Das war meine Songschreiber-Schule, es war die vielleicht schönste Zeit als Musiker. Irgendwann hatte ich dann meinen festen Auftritt am begehrten Sonntagnachmittag. Ich stellte meine erste eigene Band zusammen, um meine Geschichten so zu untermalen, dass man dazu tanzen konnte.“

Hal Ketchum wurde allmählich über Gruene hinaus bekannter. Er nahm ein erstes Album mit eigenen Songs auf („Threadbare Alibis“), das die Aufmerksamkeit von Curb Records weckte. Der Vertrag mit dem Label brachte Ketchum nach Nashville. Das erste Album für Curb erschien 1991, die Auskoppelung „Small Town Saturday Night“ kletterte auf Platz 2 und machte aus Ketchum über Nacht einen Hillbillysänger. Mike Curb, der Label-Eigner, beteuert, Ketchum’s Erfolg habe dazu geführt, das Curb Records auf Nashville setzte und die Aktivitäten von Los Angeles dorthin konzentriert wurden.

In den folgenden Jahren blieb Ketchum erfolgreich, sowohl live als in den Charts. „Past The Point Of Rescue“, „Sure Love“, „Mama Knows The Highway“, „Hearts Are Gonna Roll“ und „Stay Forever“ sind weitere Top Ten Hits, eine Nr. 1 allerdings blieb ihm bis heute verwehrt. Wichtiger vielleicht als alle Plattenverkäufe: es gelang ihm, eine große Anhängerschaft hinter sich zu bringen, die von seinem Charisma ebenso wie vom Gehalt seiner Songs begeistert ist. Auch in Großbritannien gehört er zu den Favoriten.

Seit 1994 Mitglied der Grand Ole Opry zeigt sich Hal Ketchum vielseitig engagiert und interessiert. Schon Ende der 80er Jahre erprobte er sich als Schauspieler. Er ist ein talentierter Maler, schreibt Geschichten für Kinder und bastelt als gelernter Zimmermann gern Gegenstände aus Holz. Dazu findet er daheim vor den Toren Nashville’s immer wieder Zeit. Auch zur Freude von Ehefrau Gina und den beiden Töchter Rosie und Ruby. Die jüngere der Beiden, Ruby, konnte man mit ihrem Daddy auch schon mal auf der Bühne der Grand Ole Opry erleben.

Zur Karriere des Hal Ketchum gehören auch Nackenschläge gesundheitlicher Art. 1998 wurde eine akute transverse Myelitis diagnostiziert, eine Lähmungserscheinung des Rückenmarks. Die führte dazu, dass Ketchum zeitweise unter linksseitigen Lähmungen und Funktionsausfällen litt. Er musste nach der Ausheilung das Gehen und Gitarre spielen sowie andere Funktionen komplett neu lernen. Später wurde Multiple Sklerose festgestellt. Zwar kann diese Krankheit nicht geheilt, ihr Fortschreiten aber verzögert oder aufgehalten werden. Zumindest hindert die Krankheit Hal Ketchum nicht, seinen geliebten Beruf weiter auszuüben.

Besonders stolz ist Ketchum auf sein Album „Father Time“. Warum? Lassen wir es uns von ihm erklären: „Die Aufnahmen wurden live, also direkt aufgenommen. Ich habe mit einigen Musikern zusammen gesessen, wir haben uns darüber unterhalten, wie sehr die hoch entwickelte Technik dieser Tage die Kreativität einer Gruppe ausbremst. Die Konsequenz daraus war, dass ich sagte, wir machen ein Live Album und nehmen nur auf 2 Spuren auf. Alle stimmten zu und machten begeistert mit. Im Studio waren nur der Drummer und Percussionist in einer sowie die Backgroundsänger in einer anderen Kabine. Dann wurde alles live aufgenommen, auch gemixt wurde dabei sofort. Die ersten 5 Songs klappten auf Anhieb, am Abend hatten wir 9 Tracks fertig. Auf dem Album sind die Songs in der Reihenfolge, in der wir sie aufgenommen haben. Als wir das Ergebnis hörten, waren wir alle stolz. Für mich bekam das Album eine besondere Bedeutung. Ich wollte wieder so arbeiten wie ganz am Anfang, in etwa so, wie wir uns auch auf der Bühne präsentieren. Bei diesem Album kann ich uneingeschränkt sagen, das bin ich, das ist meine Stimme, das sind meine Songs.“

Es ist in jeder Beziehung gelungen. „Father Time“ vermittelt ein ganz besonderes Feeling, es ist ein Album, das fesselt und fasziniert und das über alle Altersgrenzen hinaus. Hal Ketchum gilt als ein Poet unter den Country-Sängern, er wird dies hoffentlich noch eine ganze Weile bleiben.

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