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Whiskey Myers: Mud

Lebendiger Southern-Country-Rock, der sich eindrucksvoll von glattpolierten Nashville-Produktionen abhebt.

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Whiskey Myers - Mud Whiskey Myers, Mud - Bildrechte: Universal Music

Mit finsteren, schlammverschmierten Mienen wird der Zuhörer auf dem Cover des vierten Studioalbums der texanischen Country-Rockband Whiskey Myers empfangen. Nicht wenige Szeneexperten sind der Meinung, dass wir es hier mit einer der authentischsten Formationen der aktuellen Southern-Music zu tun haben. Während Bands wie Blackberry Smoke oder The Cadillac Three ihren Southern-Rock-Riffs gerne mal kommerziell verwertbare Untertöne beimischen, lassen die Männer aus der Kleinstadt Tyler ihre naturbelassene Countryseele durchschimmern.

Nach dem Top-10-Erfolg des dritten Studioalbums, dem eher rockbasierten „Early Morning Shakes“, ist mit dem nun erschienenen Silberling Mud die Brücke zu den Countrywurzeln eindrucksvoll geschlagen worden. Um diesen Kern freizulegen, wurde das Quintett um zwei weitere Personen, dem Fiddler und Keyboarder Jon Knudson und Perkussionisten Tony Kent, erweitert. Der stimmgebende Frontman Cody Cannon, dessen Charakterorgan die ganze Klaviatur von balladesk bis bretthart bedienen kann, erklärt die Banderweiterung wie folgt: „Die Jungs bringen uns großartige Energie. Ich denke, es hilft unserem Sound und macht uns als Band vielseitiger. Wir haben zwar jetzt weniger Platz auf der Bühne, aber Familien wachsen nun mal hin und wieder.“

Um die perfekte Dosis zwischen Southern-Rock und Country zu finden, wurde Produzentengenie Dave Cobb (Chris Stapleton, Jason Isbell, Sturgill Simpson) als Taktgeber engagiert. Das Ergebnis ist ein charakterstarker 10-Teiler, der lebensnahe Geschichten aus dem Süden zu erzählen weiß und diese neben den harten Rockgitarren mit einem Instrumentenpotpourri aus perlenden Pianointermezzi, launigen Horn-Sections und kreisenden Fiddles garniert.

Und so startet die musikalische „Schlammschlacht“ mit „On The River“, einem schmackhaften Roots-Cocktail, den man stilistisch der roten Erde Oklahomas zuordnen darf. Hier ist – von dem Fiddle-Banjo-Intro über fetzige Riffs mit inspirierenden Tempowechseln – so ziemlich alles drin, was Southern-Music heutzutage interessant macht. Mit dem Titelsong „Mud“ wird dann der Käfig endgültig geöffnet und die Jungs aus dem osttexanischen Niemandsland stellen ihren muskulösen Hardrockelementen eine bodenständige Country-Guy-Story gegenüber. Hier ebenso wie auf dem erdigen Heimatrocker „Deep Down In The South“ sind musikalische Einflüsse von Bob Seger bis zu den Black Crowes stimmig verarbeitet.

Die aktuelle Radiosingle „Lightning Bugs And Rain“ trägt ein luftigeres Soundkorsett mit Country- und Soulanteilen, das durch die ungewohnten Bläsersätze verfeinert wird. Schon hier wird deutlich, dass das Spektrum des Bandsounds variabler geworden ist, aus dem auch eine pianogetriggerte Rockballade wie „Stone“ nicht ausgeschlossen wird. Die bescheidene Working-Class-Story auf dem akustisch instrumentierten „Trailer We Call Home“ macht deutlich, welche „homegrown roots“ sich hinter dem kraftvollen Soundvorhang verbergen.

Immer dann wenn man das Gefühl bekommt, dass sich die Band in ihren Rockgefilden austobt, folgt die Countrykorrektur auf dem Fuß. Der düstere, von Black-Crowes-Gitarrist Rich Robinson geschriebene Southern-Rocker „Frogman“ erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte eines heimatverbundenen Navy Seals. Dem folgt mit der fiddlegeprägten Roots-Perle „Hank“ der Ausgleich in Sachen Country auf den Fuß. Schon vor dem Abschluss mit dem spielerisch-folkigen „Good Ol‘ Days“ wird klar, dass Whiskey Myers stilistisch dort weitermachen, wo anderen Southern-Rock-Bands natürliche Grenzen gesetzt sind.

Fragt man die Band nach ihren prägenden Einflüssen, so werden Lynyrd Skynyrd, Waylon Jennings, Hank Williams Jr. und Led Zeppelin genannt. „Mud“ ist in diesem Zusammenhang ein Musterbeispiel für die Lebendigkeit des Southern-Country-Rock, der sich fern ab von den glattpolierten Nashville-Produktionen der jüngeren Zeit abspielt.

Fazit: Wer als Countryfreund auch der härteren Gangart nicht abgeneigt ist, dürfte an den „Schlammspielen“ der Texaner von Whiskey Myers seine Freude haben. Daumen hoch für eines der überzeugendsten Country-Rock-Alben des laufenden Jahres.

Whiskey Myers – Mud: Das Album

Whiskey Myers - Mud

Titel: Mud
Künstler: Whiskey Myers
Veröffentlichungstermin: 16. September 2016
Label: Spinefarm
Vertrieb: Universal Music
Laufzeit: 38:45 Min.
Format: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 10
Genre: Country, Southern Rock
Bewertung: 4 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. On The River
02. Mud
03. Lightning Bugs And Rain
04. Deep Down In The South
05. Stone
06. Trailer We Call Home
07. Some Of Your Love
08. Frogman
09. Hank
10. Good Ol‘ Days

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Über Bernd Wenserski (585 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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