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Country im deutschen Radio? Stella Lefty zeigt, dass es doch geht

Nun erobert Stella Lefty mit „Boston“ das deutsche Mainstreamradio!

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Stella Leftys „Boston“ läuft inzwischen bei mehreren großen deutschen Radiosendern. Während andere internationale Country-Hits im deutschen Mainstreamradio kaum berücksichtigt werden, findet der Country-Pop-Song seinen Weg in die Playlists. Die spannende Frage ist: Warum funktioniert es bei ihr?

Stella Lefty: Boston Stella Lefty: Boston. Collage (Country.de) // Photo Credit: © Jack Balaban

Vor wenigen Tagen haben wir bei Country.de ausführlich darüber berichtet, warum einer der derzeit erfolgreichsten Country-Songs der Welt im deutschen Mainstreamradio praktisch nicht stattfindet. Ella Langley steht mit „Choosin‘ Texas“ seit Monaten an der Spitze der Country-Charts und feiert inzwischen auch außerhalb der USA enorme Erfolge.

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Doch Countrymusik und deutsches Radio – geht das vielleicht doch zusammen? Die Antwort liefert derzeit ausgerechnet eine junge Sängerin, die innerhalb kürzester Zeit international für Aufmerksamkeit gesorgt hat: Stella Lefty. Ihr Song „Boston“ ist inzwischen auch in Deutschland angekommen und zwar nicht nur bei Country-Radios oder kleinen Spartensendern, sondern mitten im Programm großer deutscher Popwellen.

„Boston“ läuft bei großen deutschen Sendern

Ein Blick in aktuelle Playlists zeigt: „Boston“ ist längst kein vereinzelter Testtitel mehr. Bayern 3 hat den Song im Programm, bei Bremen Vier läuft Stella Lefty regelmäßig und auch bei 1LIVE ist „Boston“ angekommen. Besonders interessant sind dabei die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen: Allein in der Woche vom 31. August bis 6. September kam der Song bei 1LIVE auf 28 Einsätze. Für den gesamten August werden bereits 95 Plays ausgewiesen.

Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung bei Bremen Vier. Dort ist „Boston“ nicht nur regelmäßig im laufenden Programm zu hören. Beim aktuellen Hörer-Voting des Senders liegt Stella Lefty mit dem Song sogar auf Platz 4. Das bedeutet: Der Titel wird nicht einfach nur von Musikredaktionen in eine Rotation aufgenommen – offenbar kommt er auch beim Publikum an.

Also doch: Country funktioniert im deutschen Formatradio

Genau an diesem Punkt wird die Geschichte interessant. Denn die häufig gehörte Erklärung, aktuelle Countrymusik passe grundsätzlich nicht zum deutschen Formatradio, lässt sich angesichts eines Songs wie „Boston“ zumindest nicht pauschal aufrechterhalten.

Stella Lefty wird international dem Country-Pop-Umfeld zugerechnet. Erst Anfang September stand sie erstmals auf der Bühne der legendären Grand Ole Opry in Nashville – einem der symbolträchtigsten Orte der Countrymusik überhaupt.

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Trotzdem klingt „Boston“ anders als vieles, was derzeit aus Nashville kommt. Der Song verbindet Country und Singer & Songwriter-Elemente mit modernen Pop. Akustische Instrumentierung trifft auf eine Produktion, die problemlos zwischen aktuellen Titeln von Popstars im Programm eines Mainstreamsenders bestehen kann. Vielleicht liegt genau darin der entscheidende Unterschied.

Warum „Boston“ ins deutsche Radio passt

Wer „Boston“ hört, bekommt keinen Song serviert, der schon nach wenigen Sekunden unmissverständlich „Country“ ruft. Keine dominante Steel Guitar, kein ausgeprägter Honky-Tonk-Sound und auch keine Produktion, die sich bewusst an traditioneller Countrymusik orientiert. Stattdessen erinnert die musikalische Sprache stärker an den modernen Folk-Pop und Singer-Songwriter-Sound, der sich längst im internationalen Mainstream etabliert hat.

Für deutsche Musikredaktionen dürfte das die entscheidende Hürde deutlich niedriger machen, denn „Boston“ kann zwischen Pop, Folk und Singer & Songwriter laufen, ohne innerhalb eines typischen Formatradioprogramms wie ein musikalischer Fremdkörper zu wirken. Trotzdem kommt die Künstlerin aus einer Welt, die sich selbst sehr deutlich zur Countrymusik zählt.

Der Vergleich mit Ella Langley ist unvermeidlich

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf Ella Langley. „Choosin‘ Texas“ ist erheblich deutlicher als Country-Song erkennbar. Steel Guitar, Melodieführung und Produktion lassen kaum Zweifel daran, aus welchem musikalischen Umfeld der Titel stammt.

International hat genau das dem Erfolg offensichtlich nicht geschadet. In Deutschland sieht die Situation bislang anders aus. Während „Boston“ inzwischen bei großen Popwellen läuft, sucht man „Choosin‘ Texas“ in deren regulären Playlists hierzulande weiterhin weitgehend vergeblich. Damit entsteht eine interessante Differenzierung zu der Diskussion, die wir vor wenigen Tagen bei Country.de angestoßen haben. Vielleicht lautet die entscheidende Frage gar nicht, ob deutsche Mainstreamsender Countrymusik spielen, sondern welche Countrymusik sie spielen.

Country darf offenbar Country sein – aber nicht zu sehr?

Natürlich lässt sich aus einem einzelnen erfolgreichen Titel keine allgemeingültige Regel ableiten. Musikprogramme entstehen aus vielen Faktoren: Zielgruppenanalysen, Musiktests, Streamingentwicklungen, Bekanntheit eines Songs und nicht zuletzt der Frage, wie gut ein Titel in den Klang eines Senders passt.

Doch tatsächlich ist Stella Leftys Erfolg im deutschen Radio ein bemerkenswertes Beispiel. „Boston“ zeigt, dass die Verbindung zu Nashville und zur Countrymusik offensichtlich kein grundsätzliches Ausschlusskriterium ist. Entscheidend scheint vielmehr zu sein, wie stark diese Herkunft im Sound hörbar wird.

Je näher sich moderner Country dem internationalen Pop und Folk-Pop annähert, desto leichter scheint der Weg in deutsche Mainstream-Playlists zu werden. Das wäre zumindest eine Erklärung dafür, warum Stella Lefty derzeit eine Tür öffnet, vor der andere erfolgreiche Country-Künstler weiterhin stehen.

Stella Lefty kommt 2027 nach Deutschland

Dass Stella Lefty auch hierzulande zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, dürfte sich bald nicht mehr nur im Radio zeigen. Am 14. März 2027 kommt die junge Sängerin nach Deutschland und spielt im Luxor in Köln.

Bis dahin könnte „Boston“ längst dafür gesorgt haben, dass ihr Name auch außerhalb der Country-Szene hierzulande bekannt ist. Die aktuellen Radioeinsätze bei großen deutschen Sendern sind jedenfalls ein bemerkenswerter Anfang – und dürften dem Deutschlanddebüt zusätzlichen Rückenwind geben.

Eine erfreuliche Entwicklung

Genau deshalb wollen wir die Entwicklung ausdrücklich positiv sehen: Countrymusik findet im deutschen Radio statt. Vielleicht noch nicht in der Breite, die angesichts der internationalen Entwicklung des Genres angemessen wäre. Vielleicht auch bevorzugt in einer Form, die für bestehende Radioformate möglichst leicht zugänglich ist. Aber „Boston“ beweist zumindest eines: Die Tür ist nicht vollständig geschlossen.

Und wenn ein Song aus dem Country-Pop-Umfeld bei 1LIVE innerhalb einer Woche 28 Mal gespielt wird und bei Bremen Vier bis auf Platz 4 des Hörer-Votings klettert, darf man durchaus genauer hinschauen. Denn vielleicht erleben wir gerade einen kleinen Schritt hin zu etwas, das vor wenigen Jahren noch deutlich unwahrscheinlicher gewesen wäre: Aktuelle Countrymusik mitten im deutschen Mainstreamradio.

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Über Dirk Neuhaus (1966 Artikel)
Seit 26 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: Traditional Country, Bluegrass. Rezensionen, News, Specials.