Die legendäre Emmylou Harris gibt ein beeindruckendes letztes Konzert in Deutschland
Die Nachtigall des Country verabschiedet sich.
Emmylou Harris beim Deutschlandkonzert in Monheim. Photo Credit: Thomas Waldherr (Country.de)
Sie hat die Entwicklung der Countrymusik in den letzten 50 Jahren entscheidend mitgeprägt. An der Seite des Cosmic-Country-Rockers Gram Parsons, dann mit wunderschöner Country-, Bluegrass- und Gospelmusik gepaart mit feinem Songwriting und dem Gespür für gute Texte von anderen und dann schließlich mit anspruchsvollem Americana.
Nun führte die 79-jährige Emmylou Harris bei ihrem letzten, von Country.de präsentierten, Deutschlandkonzert am vergangenen Sonntag in Monheim bei Leverkusen ihre Fans durch eine atemberaubende Werkschau aus allen ihren Karrierephasen.
Den Auftakt des Konzertabends bestritt ihr guter Freund Jim Lauderdale, auch er eine Americana-Institution, der mit viel Selbstironie seine „Country-Superhits“ und Bluegrass-Balladen wie Hummingbird oder „King Of Broken Heart“ (mit gesanglicher Unterstützung von Emmylou!) anstimmte und damit bestens den Boden für die von ihm mit den höchsten Tönen gelobten Harris bereitete.

Jim Lauderdale beim Deutschlandkonzert in Monheim. Photo Credit: Thomas Waldherr (Country.de)
Begleitet von ihrer großartigen fünfköpfigen Band „The Red Dirt Boys“ – es ragten hier insbesondere der Fiddle- und Mandolinen-Spieler Eamon McLoughlin sowie Phil Madeira an den Tasteninstrumenten heraus – spielte sie große Erfolge wie „Two More Bottles Of Wine“, „Tulsa Queen“ oder „Boulder To Birmingham“, streute immer wieder Cover von geschätzten Kollegen ein -u.a. „Orphan Girl“ von Gillian Welch, „Kern River“ von Merle Haggard oder gegen Ende „Long May You Run“ von Neil Young – und sang voller Hingabe Bluegrass- und Gospelstücke von Ralph Stanley, Bill Monroe und Johnny Cash. Natürlich durften auch eine Erinnerung an Dolly Parton und der Townes van Zandt-Klassiker „Pancho & Lefty“ nicht fehlen. Für Freunde traditioneller amerikanischer Folk- und Countrymusik war dieser Abend ein wahres Eldorado.
Zwischendurch zeichnete sie ihren eigenen Lebensweg von der Folksängerin im New Yorker Greenwich Village bis zum gefeierten Grand Ole Opry-Star nach. Zwar merkte man der Country-Legende ihr Alter an – hier und da kamen die hohen Töne nicht mehr so sicher und für kleine Augenblicke wirkte sie durchaus zerbrechlich. Doch große Spielfreude und absolute Professionalität überragten dies bei weitem und je länger das Konzert zu dauern schien, desto kraftvoller wurde sie.

Emmylou Harris beim Deutschlandkonzert in Monheim. Photo Credit: Thomas Waldherr (Country.de)
Gut 110 Minuten dauerte das Konzert, das letzte Stück war „When We’re Gone, Long Gone“ von „The O’Kanes“ und schon zum Ende des regulären Sets wurde ihr mit Standing Ovations gedankt. Danach setzte sich keiner mehr – zu groß, zu historisch und zu wehmütig war dieses Ereignis. Die Nachtigall des Country setzt sich zur Ruhe, ihre Lieder werden ebenso bleiben wie die Erinnerung an eine ganz große Künstlerpersönlichkeit.
Bye, bye Emmylou!
Setlist: Monheim, 6. September 2026
01. Easy From Now On (Carlene Carter)
02. Two More Bottles Of Wine (Delbert McClinton)
03. Orphan Girl (Gillian Welch)
04. Making Believe (Jimmy Work)
05. Hello Stranger (The Carter Family)
06. Red Dirt Girl
07. Pancho & Lefty (Townes Van Zandt)
08. Kern River (Merle Haggard)
09. Green Pastures (Ralph Stanley)
10. Get Up John (Bill Monroe and the Bluegrass Boys)
11. Help Him, Jesus (Johnny Cash)
12. Born To Run (Paul Kennerley)
13. Bright Morning Stars
14. Prayer in Open D
15. Together Again (Buck Owens And His Buckaroos)
16. All The Roadrunning (Mark Knopfler & Emmylou Harris)
17. Goin‘ Back To Harlan (Kate & Anna McGarrigle)
18. Thank God For Weed (die Band ohne Emmylou)
19. Tulsa Queen
20. Wheels (The Flying Burrito Brothers)
21. Luxury Liner (The International Submarine Band)
22. Boulder To Birmingham
23. Long May You Run (The Stills–Young Band)
24. When We’re Gone, Long Gone (The O’Kanes)





