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Emmylou Harris und die Story von „Wrecking Ball“

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1995 war in Emmylou Harris Karriere ein entscheidender Wendepunkt. Genervt und überdrüssig vom immer gleichen Nashville-Country-Mainstream des Formatradios schickte sich die damals 48-jährige Grande Dame der Countrymusik an, neue Wege zu beschreiten.

Einen kongenialen Partner fand sie im tiefen Süden Louisianas, im flirrenden, ebenso lebensfrohen wie mysteriösen New Orleans, mit dem Produzenten-Genie und Sound-Magier Daniel Lanois. Gemeinsam zauberten sie „Wrecking Ball“ hervor. Die Platte, die heute im Allgemeinen für Harris‘ Karriere für so bedeutsam gesehen wird, wie die „American Recordings“ für Johnny Cash oder „Time Out Of Mind“ für Bob Dylan. Aufgrund der durch Outakes und Making Of-DVD erweiterten soeben erschienenen Neuausgabe des Albums, soll hier seine Geschichte erzählt werden.

Country-Rock-Heldin & Bluegrass Queen

Wir erinnern uns: Anfang der 1970er betrat sie mit Country-Rock-Pionier Gram Parsons die Bühne und behauptete sich auch nach dessen allzu frühen Tod durch Kollaborationen mit Bob Dylan und The Band ehe sie mit ihren musikalischen und privaten Freunden Rodney Crowell und Brian Ahern Ende der 70er ihre ersten künstlerischen Erfolge verbuchen konnte. Mit den Alben „Blue Kentucky Girl“ und „Roses In The Snow“ stieg sie zur Country- und Bluegrass-Queen auf. Sie erntete Grammies und wurde gefragte Duett-Partnerin. Und bildete gar 1987 mit Linda Ronstadt und Dolly Parton ein Trio und brachte mit beiden ein erfolgreiches Album unter diesem Titel heraus.

Ausgelaugt und auf der Suche

In den 90ern dann die Wende. Sinn suchend aufgrund einer selbst konstatierten musikalischen Sackgasse und genervt vom Mainstream-Country-Betrieb, begibt sie sich in neue Klanggefilde: Mehr Americana und Folk und mit einem guten Verständnis für Weltmusik. Aber sie beschreitet diesen Weg auf ungewöhnliche Art und Weise. Sie setzt dem glattpolierten Country-Mainstream nicht einfach nur Traditionalismus entgegen. Sondern sie nimmt sich mit dem „Sound-Magier“ Daniel Lanois einen der angesagtesten Rock-Produzenten zu Hilfe. Der Mann hatte schon Peter Gabriel, U2 und Bob Dylan zum Erfolg geführt. Aber wie würden die Bluegrass-Queen und der Klangtüftler miteinander harmonieren?

Klang-Zauberer mit Folk-Erdung

Schnell entpuppt sich die Zusammenarbeit als Glücksfall für beide Seiten. Von Anfang an harmonieren die Zwei prächtig. Lanois ist beeindruckt von Emmylou. „Ihr Wissen über die amerikanische Musik und über die Musik der Appalachen war irgendwie berührend“, erinnerte sich Lanois kürzlich gegenüber dem Musikmagazin „The Edge“. Denn genau hier trafen sich die beiden vermeintlich so unterschiedlichen Künstler. Schließlich hatte sich der Franko-Kanadier auf seinem ersten Solo-Album „Acadie“ 1989 ganz intensiv mit den musikalischen Wurzeln seiner Volksgruppe beschäftigt. Denn ein großer Teil der französisch-stämmigen Kanadiern wurde ja bekanntermaßen von den Briten vertrieben und siedelte sich in Louisiana an, wo ihre Kultur die Cajun- und Zydeco-Musik hervorbrachte. Das Verständnis für regionale amerikanische Volkskulturen hatten sie gemein und befeuerten ihre Zusammenarbeit.

Sphärische Klänge, Echo und Hall

Lanois nimmt dieses Roots-Gefühl von Harris und legt einen Klangteppich unter ihre Nachtigall-Stimme, der wunderbar passt. Erdige Songs von Steve Earle, Gilian Welch oder Lucinda Williams bekommen somit ganz neue Dimensionen, in dem sie klanglich erweitert werden. Lanois produziert sich in einen Sog. „Es war so magisch für mich“ sagt er heute. Und Emmylou pflichtet ihm bei. „Ich wusste gleich, dass hier etwas ganz besonderes passiert. Die Atmosphäre und die turbulenten Rhythmen waren inspirierend. Alles was ich zu tun hatte, war singen“, erzählte sie kürzlich der „Globe And Mail“.

Ein Meilenstein für Beide

Und so wurde „Wrecking Ball“ ein Meilenstein für Beide. Längst ein Kultalbum, das aber auch sowohl für Emmylou als auch Daniel ein Solitär geblieben ist. Für Lanois war es klar, dass die Einzigartigkeit nicht wiederholt werden konnte und sollte. Umso schöner, dass nun eine Neuausgabe mit bislang unveröffentlichten Tracks und einer DVD mit einem „Making Of“ veröffentlicht wurde. Nun bekommt man einen noch stärkeren Zugang zum Zauber dieser Platte. Und was ganz hoch zu bewerten ist. Emmylou und Daniel sind im Mai auf „Wrecking Ball“-Tour in den Niederlanden, Belgien und England. Weitere Konzerte sind in Vorbereitung.

Emmylou Harris - Wrecking Ball: Hier bestellen! Titel: Wrecking Ball
Künstler: Emmylou Harris
Veröffentlichungstermin: 11. April 2014
Label: Nonesuch (Warner)
Format: CD & DVD, Box-Set

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Über Thomas Waldherr (516 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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