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Home Free in Wien: Mehr als eine Tourstation

Konzert in Wien: Fünf Stimmen begeistern die Fans.

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Fünf Stimmen, knapp 500 begeisterte Fans und ein Abend voller musikalischer Überraschungen: Home Free gastierten in der Wiener SimmCity. Stefan Winsel war für Country.de dabei und berichtet über Country-Klassiker, Seemannslieder, beeindruckendes Beatboxing und eine besondere Verbindung zwischen Band und Publikum.

Home Free in Wien: Fünf Stimmen begeistern die Fans Home Free in Wien: Fünf Stimmen begeistern die Fans. Collage (Country.de) // Photo Credit © Stefan Winsel

Zehn Jahre nach ihrer Österreich-Premiere beim European Country Festival am Tiroler Achensee kehren Home Free nach Wien zurück. Im Gespräch mit Country.de erinnern sich die A-cappella-Country-Stars an ihre Anfänge im deutschsprachigen Raum, eine überraschend innige Fanbeziehung und ein virales Gospel-Video mit rund 30 Millionen YouTube-Aufrufen. Beim Konzert in der Wiener SimmCity treffen Country-Klassiker auf Seemannslieder – und zwei Songs aus dem neuen Album „90’s Country Mixtape, Vol. 1“ machen Lust auf eine musikalische Zeitreise.

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Es gibt Bands, die man einmal live erlebt und danach wieder vergisst. Und es gibt Home Free. Fünf Stimmen, ein unverwechselbarer Bass, Beatboxing statt Schlagzeug und ein musikalisches Selbstverständnis, das Country, Pop, Gospel und Bluegrass miteinander verbindet. Wer die US-amerikanische A-cappella-Gruppe auf der Bühne erlebt, merkt schnell: Hier wird nicht einfach nur gesungen. Hier wird mit Stimmen musiziert, als hätte man ein ganzes Orchester im Gepäck.

Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass Home Free erstmals im deutschsprachigen Raum auftraten. Der Schauplatz ihrer Österreich-Premiere war das European Country Festival am Tiroler Achensee. Eine Reise, die sich für die Band gleich mehrfach lohnen sollte. Denn wenige Tage vor dem Festival entstand in der Nähe von Innsbruck ein Video zur Gospel-Hymne „How Great Thou Art“. Die Aufnahme entwickelte sich auf YouTube zum viralen Hit und verzeichnet inzwischen rund 30 Millionen Aufrufe.

Zehn Jahre später führte uns die Geschichte zurück nach Österreich – diesmal nach Wien. Wir wollten wissen, wie die Band auf ihre ersten Schritte in der DACH-Region zurückblickt und was sich seit damals verändert hat. Die Antwort gab es nicht nur im Gespräch, sondern vor allem auf der Bühne der SimmCity. Dort warteten am 8. Oktober 2026 knapp 500 Fans auf eine Formation, die längst mehr ist als ein Geheimtipp für Liebhaber vokaler Countrymusik.

Wien – ein besonderes Wiedersehen

Dass Wien für Home Free einen besonderen Stellenwert hat, wurde im Gespräch mit COUNTRY.de deutlich. Die österreichische Hauptstadt verbindet die Band mit einer besonderen Erinnerung an die Pandemiezeit: Das für den 10. März 2020 geplante Konzert musste abgesagt werden, nachdem die Corona-Pandemie auch das Tourleben weltweit zum Stillstand gebracht hatte. Erst im September 2023 konnte der Auftritt nachgeholt werden.

Umso schöner war es, Home Free nun erneut in Wien zu erleben. Für die Musiker ist Österreich längst mehr als nur eine Station auf dem Tourplan. Zehn Jahre nach ihrem ersten Auftritt beim European Country Festival am Tiroler Achensee ist aus einem Konzerttermin eine besondere Verbindung zu den Fans geworden.

Auf die Frage von COUNTRY.de, woran sie sich mit einem Lächeln an ihre Österreich-Premiere erinnern, erzählten die Musiker, dass sie damals niemals damit gerechnet hätten, dass aus diesem ersten Auftritt eine derart besondere Fanbeziehung entstehen würde. Dass sie auch zehn Jahre später noch immer so gerne nach Österreich kommen, ist für sie etwas Besonderes.

Home Free in Wien

Home Free: Konzert in Wien. Photo Credit © Stefan Winsel (Country.de)

Für Adam Chance, den Bariton der Gruppe, war der Auftritt am Achensee 2016 ohnehin eine Premiere von besonderer Bedeutung. Es war sein erster Auftritt außerhalb der USA. Im Mai desselben Jahres war er als Nachfolger des Gründungsmitglieds Chris Rupp zur Band gestoßen. Zehn Jahre später gehört Chance längst zum vertrauten Klangbild von Home Free.

Für Adam Bell-Bastien, den High Tenor der Formation, war dagegen der Wiener Auftritt am 8. Oktober 2026 die Österreich-Premiere. Damit schloss sich ein kleiner Kreis: Während Chance vor zehn Jahren in Österreich seine internationale Bühnenpremiere erlebte, durfte Bastien nun selbst erstmals die besondere Atmosphäre des österreichischen Publikums kennenlernen.

Und das Publikum ließ keinen Zweifel daran, dass es neue Bandmitglieder ebenso herzlich willkommen heißt wie alte Bekannte.

Die SimmCity wird zum Country-Kessel

Schon mit „Life Is a Highway“ war klar, wohin die Reise an diesem Abend gehen würde. Die knapp 500 Fans in der Wiener SimmCity waren vom ersten Song an auf Betriebstemperatur. Es wurde gejubelt, gekreischt und applaudiert, als stünde nicht eine A-cappella-Gruppe, sondern eine komplette Country-Rock-Band auf der Bühne.

Mit „Ring of Fire“ und „Elvira“ folgten zwei Klassiker, die wie geschaffen sind für Home Frees Fähigkeit, bekannte Melodien in ein völlig eigenes vokales Gewand zu kleiden. Die Stimmen übernehmen dabei die Aufgaben von Gitarren, Bass und Schlagzeug, ohne dass der Charakter der Originale verloren geht. Im Gegenteil: Gerade weil kein klassisches Instrument die Aufmerksamkeit auf sich zieht, hört man umso genauer hin, wie präzise die einzelnen Stimmen ineinandergreifen.

„Something to Talk About“ brachte eine weitere Facette ins Spiel, bevor „Constant Sorrow“ für einen der musikalischen Höhepunkte der ersten Konzerthälfte sorgte. Besonders gelungen war die Verbindung mit Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“. Der Klassiker wurde raffiniert in „Constant Sorrow“ hineingewoben – eine Kombination, die nicht nur Country-Puristen ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Hier zeigt sich, was Home Free über die Jahre perfektioniert haben: Sie singen Coverversionen nicht einfach nach, sondern arrangieren sie so um, dass daraus etwas Eigenständiges entsteht. Das Publikum kennt die Melodien, weiß, was kommt, und bekommt trotzdem eine Überraschung serviert.

Mit „Edmund“ wechselte die Stimmung anschließend in deutlich ernstere Gewässer. Der Song erinnert an die 29 Seeleute, die vor 51 Jahren beim Untergang des Frachters Edmund Fitzgerald ums Leben kamen. Home Free ließ keinen dieser Männer in Vergessenheit geraten und trug sämtliche 29 Namen vor. Ein bewegender Moment, der zeigte, dass hinter der mitreißenden Unterhaltung auch ein ausgeprägtes Gespür für Geschichten und menschliche Schicksale steckt.

Mit „Skull & Bones“ deutet die Band ihre Liebe für Seemannslieder an, bevor „I’m in a Hurry“ die erste Hälfte schwungvoll abschloss.

Nach diesem Auftakt war die 20-minütige Pause dringend nötig. Nicht nur für die Band, sondern auch für ein Publikum, das mit den ersten Takten alles gegeben hatte. In dem gut gefüllten Saal war es entsprechend heiß geworden.

Sieben Minuten Beatboxing – und ein Publikum im Ausnahmezustand

Wer dachte, nach der Pause könne man erst einmal in Ruhe wieder zu Atem kommen, hatte die Rechnung ohne Adam Rupp gemacht. Das fest zum Programm gehörende, rund siebenminütige Beatboxing-Solo des Musikers war ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie vielseitig der menschliche Körper als Musikinstrument sein kann.

Rupp erzeugte Rhythmen, Klangfarben und perkussive Effekte, die man eher von einem ganzen Drumset oder einer elektronischen Rhythmusmaschine erwarten würde. Dabei blieb es nicht bei einer technischen Demonstration: Das Solo war Unterhaltung, musikalische Präzision und Publikumsanimation in einem.

Überhaupt gehört das Zusammenspiel der fünf Sänger zu den größten Stärken von Home Free. Jeder hat seine eigene Funktion, seine eigene Klangfarbe und seine eigenen Momente. Und wenn sich die Stimmen schließlich zu einem gemeinsamen Klang verbinden, entsteht jene typische Home-Free-Mischung, die auch nach zehn Jahren nichts von ihrem Reiz verloren hat.

„Highways & High Seas“ – mit deutlicher Schlagseite Richtung Meer

Der Tourtitel „Highways & High Seas“ verspricht eine musikalische Reise zwischen amerikanischen Highways und den Weiten der Ozeane. Nach der Pause wurde allerdings schnell deutlich, dass die Seefahrt an diesem Abend ordentlich Rückenwind bekam.

Mit „Bonnie Ship the Diamond“ und weiteren Shanty-Titeln rückte die maritime Seite des Programms deutlich in den Vordergrund. Die Mischung aus traditionellen Seemannsliedern, kraftvollen Stimmen und rhythmischen Arrangements passte durchaus zum Konzept der Tour. Dennoch war diese Schwerpunktsetzung nicht jedermanns Sache. Einige Besucher hätten sich in der zweiten Hälfte mehr klassische Country-Hits und weniger Shanties gewünscht.

Das ist ein nachvollziehbarer Einwand. Schließlich kommen viele Fans zu Home Free, weil sie Countryklassiker in außergewöhnlichen A-cappella-Versionen hören möchten. Wenn der maritime Teil des Abends über weite Strecken dominiert, verschiebt sich der musikalische Schwerpunkt spürbar.

Andererseits wäre es zu einfach, Home Free auf ihre Coverversionen bekannter Country-Songs zu reduzieren. Die Band hat sich über die Jahre eine eigene musikalische Identität aufgebaut, und dazu gehört auch die Lust, mit traditionellen Liedern, ungewöhnlichen Arrangements und neuen Themen zu experimentieren.

Die Wiener Setlist bot beides: vertraute Country-Momente und die ausgeprägte Seefahrerleidenschaft, die sich auch auf dem Album Challenge the Sea und der 2026 veröffentlichten Deluxe-Ausgabe wiederfindet. Die maritime Ausrichtung erklärt, warum Shanties auf der Tour so viel Raum einnehmen.

Wenn Tim Foust seine Bandkollegen vorstellt, braucht es Geduld

Einer der schönsten Momente des Abends hatte wenig mit der Setlist zu tun. Als Tim Foust seine Bandkollegen vorstellte, dauerte die Prozedur sage und schreibe sechs Minuten. Das lag allerdings nicht daran, dass der Bassist besonders ausschweifende Lobeshymnen vorbereitet hatte. Vielmehr ließ das Wiener Publikum die einzelnen Musiker kaum zu Wort kommen.

Kaum wurde ein Bandmitglied angekündigt, brandete frenetischer Applaus auf. Jubel, Pfiffe und begeisterte Rufe machten aus einer gewöhnlichen Bandvorstellung eine Liebeserklärung des Publikums an seine Musiker.

Home Free in Wien

Home Free: Konzert in Wien. Photo Credit © Stefan Winsel (Country.de)

Und ganz ehrlich: Diesen Applaus hatten sich die fünf verdient. Denn Home Free sind nicht einfach fünf Sänger, die ihre Parts nacheinander abliefern. Sie hören einander zu, reagieren aufeinander und lassen selbst komplizierte Arrangements mühelos wirken. Gerade live wird deutlich, wie viel musikalisches Können hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit steckt.

Tim Foust führte gewohnt gut gelaunt durch den Abend. Mit seinem trockenen Humor und seiner sympathischen Art hielt er den Kontakt zum Publikum, ohne die Musik aus dem Mittelpunkt zu drängen.

Gegen Ende der Show wandte er sich an Adam Bell-Bastien und wollte wissen, ob das stimme, was ihm die Band über das österreichische Publikum erzählt habe. Die Fans feierten den Neuzugang, als wäre er der heimgekehrte Kaiser persönlich.

Bastiens Antwort fiel denkbar kurz aus: „This.“

Ob er damit „Das stimmt“ meinte oder ihm angesichts des Jubels schlicht die Worte fehlten, blieb offen. Als Reaktion auf die Begeisterung im Saal war es jedenfalls charmant. Und vielleicht braucht es manchmal tatsächlich nicht mehr als ein einziges Wort.

Foust hatte ohnehin keinen Zweifel daran gelassen, wie sehr die Band diesen Abend genoss: Er erklärte die Wiener Fans zu den besten der gesamten Tour. Angesichts des frenetischen Jubels und des minutenlangen Applauses klang das keineswegs nach einer bloßen Höflichkeitsfloskel.

Zwei neue Songs, die Lust auf die 90er machen

Bei aller Seefahrerromantik gab es in Wien auch einen Vorgeschmack auf das nächste musikalische Projekt der Band. Am 16. Oktober 2026 erscheint 90’s Country Mixtape, Vol. 1 – ein Album, das sich den Country-Hits der 1990er-Jahre widmet. Die sieben Titel umfassende Sammlung enthält neben „My Maria“ und „No One Needs to Know“ auch „I’m in a Hurry (And Don’t Know Why)“, „Something to Talk About“, „The Walk“, „Don’t Let Our Love Start Slippin‘ Away“ und „Achy Breaky Heart“.

Zwei Songs daraus präsentierten Home Free bereits in Wien: „My Maria“, bekannt durch Brooks & Dunn, und „No One Needs to Know“ von Shania Twain.

Beide Stücke fügen sich erstaunlich gut in die musikalische Welt der Gruppe ein. Die vertrauten Melodien bleiben erhalten, bekommen aber durch die vokalen Arrangements, den markanten Bass und die rhythmische Präzision eine ganz eigene Handschrift. Dazu kommt jene kräftige Note 90er-Jahre-Country, die den Songs ihren besonderen nostalgischen Charme verleiht.

Das Ergebnis ist keine bloße Kopie der Originale. Home Free nehmen die Songs ernst, spielen aber zugleich mit ihren Möglichkeiten. Wer die Originale im Ohr hat, erkennt sie sofort wieder – und entdeckt dennoch neue Details.

Das Album verspricht damit eine musikalische Zeitreise, die nicht nur auf Nostalgie setzt, sondern auch zeigt, wie zeitlos gute Country-Songs sein können.

Und Home Free wären nicht Home Free, wenn sie es bei schönen Worten belassen hätten. Die Musiker versprachen, so schnell wie möglich nach Österreich zurückzukehren – am liebsten schon 2027.

Für die Fans ist das eine erfreuliche Aussicht. Für die Band dürfte es ein Wiedersehen mit einem Publikum sein, das sie seit zehn Jahren begleitet und dessen Begeisterung offenbar nichts von ihrer Intensität verloren hat.

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