Beiträge des Monats: August 2006
Country Music aus Deutschland ist ja immer so eine Sache, bei der die Meinungen auseinander gehen. Bei Will Handsome aus Würzburg dürfte man sich allerdings einig sein. Zumindest was die Authentizität betrifft, denn selten gab es so urwüchsigen und originalgetreuen Country mit deutschem Gütesiegel wie hier. Da werden Songs von Hank Williams, Johnny Cash oder Merle Travis quasi 1:1 nachgespielt – ohne, dass die Songs nennenswert an Qualität verlieren. Und das muss man erstmal so hinbekommen. Sicherlich ist eine Legende wie Hank Williams stimmlich betrachtet unerreichbar, aber Sänger und Kopf der Band Dennis Schütze, seines Zeichens absoluter Vollblutmusiker, kommt mit seinen Interpretationen von “Ramblin’ Man”, “Weary Blues From Waitin’” und dem komplizierten “Long Gone Lonesome Blues” schon ziemlich nah ans Original heran. Das ist Countrynostalgie auf allerhöchstem Niveau. Auch die Versionen von Johnny Cashs “Cry, Cry, Cry” oder diverser Songs des großen Merle Travis zeugen von ungeheuerem Respekt vor den Originalen. Längst vergessene Klassiker werden von Will Handsome wieder zum Leben erweckt. Man verneigt sich hier vor einer Ära, in der Country und klassischer Rock’n'Roll mit all ihren Unterkategorien friedlich nebeneinander existieren konnten, ohne dass sich jemand daran gestört hat. Wichtig war halt nur, was hinten raus kam: also der Song.
Mit dem dreiteiligen Instrumental “Amazing Steel” bietet dieses Album eine echte Besonderheit: reiner Steel-Guitar-Sound in seiner klarsten Schönheit. Wow! Wo findet man etwas Derartiges heutzutage sonst noch? Und auch die Eigenkomposition sowie gleichzeitig Finalsong der CD “Papa’s Waltz” demonstriert, dass hier jemand mit ganz viel Liebe zur Musik am Werk war. Wieder ein reines Instrumental, diesmal allerdings mit akustischer Piano-Begleitung statt Steel-Guitar.
Künstler wie er sind gesucht, ihr Talent ist gefragt – aber es gibt sie nicht oft. Radney Foster gehört zu den Emsigen im Country-Business, seit Jahren bereits taucht sein Name immer wieder auf. In ganz verschiedenen Bereichen des Genres – meist ist dann Positives über ihn beziehungsweise seiner Arbeit zu berichten.
Am 20. Juli 1959 wurde er als Sprössling einer Anwaltsfamilie im texanischen Del Rio geboren. Ein Städtchen mit besonderem Charme, fernab am Rio Grande und damit unmittelbar an der mexikanischen Grenze gelegen. Dort schien Radney Foster ganz in die Fußstapfen des musikalischen Vaters zu treten, doch dann brach er sein Studium ab, um sich für die Musik zu entscheiden. Daddy Foster war Drummer in einer Swing Band, der mit seiner Familie viel in der Welt umher kam, weil man vorzugsweise in Militär-Clubs spielte, weltweit. 20 Jahre alt und einen großen Traum im Gepäck kam er in Nashville an. Doch ein Jahr später hatte ihn die Ernüchterung besiegt, er ging zurück nach Texas und schloss sein Studium erst einmal ab. Das gab ihm eine gewisse Sicherheit für die Zukunft – seine musikalischen Pläne freilich hatte er längst noch nicht aufgegeben. Das Studium besserte er finanziell durch Auftritte in Clubs auf und er schrieb fleißig Songs.
Als ich unlängst Gelegenheit hatte, mich mit dem großen George Jones eine ganze Strecke zu unterhalten, kam auch die Situation im Countryradio zur Sprache. Die kann für die verdienstvollen, älteren Künstler nicht befriedigend sein. Sie haben dort einfach keine Chance mehr, egal, was sie produzieren. Allein das Geburtsdatum führt schon zur Aussortierung. Wenn ein Stonewall Jackson die Grand Ole Opry wegen Diskriminierung verklagt, weil man ihn – nach seinem persönlichen Empfinden – wegen seines Alters dort zunehmend auf’s Abstellgleis bugsiert, mag man darüber schmunzeln. Es kennzeichnet gleichwohl die Situation. George Jones, der nach wie vor einer der gefragtesten Künstler für Duette mit Kollegen aller Altersklassen und Musikrichtungen ist, meinte mit einer gehörigen Portion Sarkasmus: “Ich mache seit Jahren nur noch Alben. Wozu noch Singles, wenn die ohnehin nicht gespielt werden?”
Liebhaber meiner Generation fragen sich regelmäßig, wo denn die “Helden” unserer Zeit geblieben sind, die Stars der 1960er, 1970er und auch noch 1980er Jahre. Meist hört man nur noch von ihnen, wenn sie verstorben sind. Aber es gibt sie noch, sie sind zum großen Teil auch noch aktiv und finden ihr Publikum. Auch wenn dies in viel bescheidenerem Rahmen und weitgehend unbeachtet stattfindet. So findet in Branson, Missouri das ganze Jahr 2007 eine Show unter dem Motto “The Grand Ladies of Country Music” statt. Dort treten u.a. auf: Norma Jean, Leona Williams, Jean Shepard, Wanda Jackson, Margo Smith, Jody Miller, Helen Cornelius, Mary Lou Turner. Diese Künstlerinnen und eine ganze Reihe anderer kann man in ganz unterschiedlichen Zusammenstellungen unter dem Motto “Country Gold Tour” erleben. Organisiert wird diese Tour von Gladys van Dyke, der Ehefrau des Countrystars Leroy van Dyke. Und der tourt natürlich selbst auch noch kräftig mit.
Ein Widerspruch ist es nicht, wenn in der Songschreiber-Rubrik ein Künstler auftaucht, der als Sänger mindestens ebenso bekannt und erfolgreich ist. Gerade in der Country Music vereinigen viele Künstler beide Eigenschaften in einer Person. Bill Anderson beispielsweise. Unglaublich – seit über 40 Jahren ist der Mann erfolgreich im Geschäft.
Im Jahr 1958 landete Country-Kultstar Ray Price einen Riesenhit mit “City Lights” – geschrieben von eben diesem Bill Anderson. Schon 1963 war er der erfolgreichste Country-Songschreiber und gleichzeitig auch Countrysänger des Jahres in den USA. Auch im Jahre 2005 schreibt er weiter Songs, die gefragt sind. Meist mit anderen Kollegen zusammen.
Glen Campbell (70), der bereits mit sechs Jahren Gitarre spielen konnte, erlangte nicht nur als Countrysänger Weltruhm, grosse Erfolge verbuchte er auch neben John Wayne in dem Kinofilm “True Grit (Der Marshall)”. Als Teenager sang er schon im lokalen Radiosender, sowie im Kirchenchor. Eigentlich hätte Glen Travis Campbell, der am 22. April 1936 in Delight, Arkansas, das Licht der Welt erblickte, mit seinen vielen Geschwistern, immerhin 11 an der Zahl, einen eigenen Chor gründen können. Seine ersten Auftritte als Gitarrist und Sänger absolvierte er mit der Dick Bills Band. Eine Band die sein Onkel ins Leben rief.
Mit 18 Lenzen gründete Glen seine erste eigene Band, die Western Wranglers. Mit denen tourte er durch den Süden, bzw. Süd-Westen der USA. Nachdem er als Backroundsänger u.a. bei den Rocklegenden Elvis Presley, Bobby Darin und Ricky Nelson in Los Angeles seine ersten “Big-Dollars” verdiente, fing er an sich auf seine Solokarriere vorzubereiten. Sein erstes Highlight war eine 18-monatige Tournee mit den Beach Boys. Dort sprang er seinerzeit für den erkrankten Brian Wilson ein. Die Tour mit den Beach Boys machte ihn schlagartig berühmt. Das folgende Angebot, doch der Band beizutreten, lehnte er ab, er wolle sich mehr auf seine Karriere als Studiomusiker konzentrieren. Das sahen aber einige Scouts der Label anders, wenig später folgte ein Plattenvertrag bei Capitol Records.
Eine neue Gruppe mit einem ungewöhnlichen Namen. Ungewöhnlich ist noch mehr, denn eine Gruppe, die aus vier hübschen Mädchen besteht, noch dazu aus zwei Geschwisterpaaren, findet man nicht nur im Countrybereich selten. Sie kommen aus Malmö in Schweden und haben einen Plattenvertrag bei einem Major Label in Nashville. Man bezeichnet sie schon jetzt als eine Symbiose aus den Dixie Chicks und den Corrs. Musikalisch zumindest kommt das hin. Gut abgestimmter Harmoniegesang, moderne, mit Pop Elementen angereicherte Country Music, der vor allem instrumental noch ein Schuss keltischer Einfluss mitgegeben wird. Das hört sich gut an.
Die meisten der Songs haben sie selbst geschrieben, davon verstehen sie also auch etwas. Ihr Plus besteht darin, dass sie aus musikalischen Familien stammen und von Kindesbeinen an gemeinsame Sache gemacht haben. Lisa Troedsson und ihre jüngere Schwester Caisa einerseits, Anna und Malin Törnqvist andererseits. Fingen mir irischer Musik an, was natürlich Spuren hinterlassen hat. Ihre wichtigsten Erfahrungen, so behaupten sie übereinstimmend, hätten sie bei ihren “Auftritten” an Straßenecken und in Fußgängerzonen gesammelt. Es sei ein erhebendes Gefühl, wenn die Menschen stehen bleiben und zuhören. Wem es an einer Straßenecke nicht gelinge, der werde es auch nicht schaffen, sich durchzusetzen. Durchsetzungsvermögen im Blut und feste Ziele im Auge, so gewappnet machten sie sich auf den Weg durch Teile Europas, dann in die USA. Jede sich bietende Gelegenheit nutzen sie, vor Publikum zu spielen. Das brachte schließlich die Aufmerksamkeit von John McEuen (ehemals Nitty Gritty Dirt Band) und James Stroud, dem Boss von Universal Nashville. Rasch war ein Plattenvertrag unterschrieben und nun liegt also dieses erste Album vor.



