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Danni Leigh: Hoffnungsträger beeindruckt in Europa

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Die Verhältnisse müssen sie an heimische Gefilde erinnert haben. Die Sonne brannte gnadenlos vom Planeten herunter, seit Tagen, ja seit Wochen. Die grosse Bühne war in einem Stadtpark aufgebaut, der ansonsten den Bürgern Entspannung und Ruhe umgeben von Blumen, Sträuchern und Bäumen garantiert. Seit weit mehr als einem Jahrzehnt allerdings steht dieser Flecken im niederländischen Oudewater, einer Kleinstadt unweit von Breda ein Wochenende lang ganz im Zeichen von Country Music. Am 10. August freilich hatte das insbesondere für diesen Teil Europas seit Wochen anhaltende brütend heisse Klima immerhin eine Menge Zuschauer nach Oudewater gelockt. Geboten wurde vor allem musikalische eine Menge. Auf zwei Bühnen, die so platziert waren, dass sie einander nicht störten, konnte man sich nach Lust und Laune Country, Bluegrass und Cajun & Zydeco Music non-stop anhören. Es verwundert nicht, dass die Flecken, die ein wenig Schatten boten, am gefragtesten waren, was zur Folge hatte, dass sich neben und hinter der grossen Bühne beinahe so viele Menschen die Darbietungen anhörten als vor der Bühne. Für die Künstler ganz sicher ein auch nicht alltägliche Situation. Bei diesem Ambiente konnte man sich durchaus wie irgendwo in Texas bei einem Open Air Concert fühlen.

Dort stand sie also nun an diesem Sonntagnachmittag auf der Bühne, mit ihren langen blonden Haaren und ihrem dunklen Bühnen-Outfit: Danni Leigh. Mir war sie vor wenigen Jahren bei einem USA-Aufenthalt im Fernsehen aufgefallen mit ihrer so frischen aber nicht neuen Musik. Spontan dachte ich damals, diese Sängerin wäre etwas für Europa. Denn sie bringt alles mit, was man von einem Country-Entertainer erwartet. Danni Leigh ist hübsch, sie hat eine leicht erkennbare Stimme, sie weiss sich auf einer Bühne zu bewegen – und sie fügt all das zu einem musikalischen Live-Programm zusammen, das von ihrer dynamischen Persönlichkeit geprägt ist.

Danni LeighDanni Leigh pflegt eine Art von Country Music, die eine lange Tradition hat und sowohl in den USA wie in Europa immer genügend Anhänger findet. Reichlich Honk Tonk, dazu Bakersfield-Sound und unüberhörbare Spuren von Buck Owens, Dwight Yoakam aber auch Merle Haggard, Lefty Frizzell und Patsy Cline, Tammy Wynette oder Loretta Lynn. Danni Leigh zeigte sich durchaus überrascht von den Reaktionen des europäischen Publikums, die sie gerade hautnah erleben konnte. Denn sie kam aus Skandinavien, wo sie in Norwegen, Schweden und Dänemark bei Festivals gastiert hatte. „Es tut richtig gut zu erleben, wie die Leute mitmachen und ihnen meine Art Country Music offenbar gefällt. So hatte ich das eigentlich nicht erwartet“, zeigte sie sich glücklich. Da schreibt man auch gerne im Schweisse des Angesichtes noch Autogramme und posiert für „Familienfotos“ bis der letzte Fan zufrieden ist – ein „Service“, der mitunter anstrengender ist und länger dauert als der eigentliche Auftritt. Leider hatte Danni Leigh in Oudewater nur 45 Minuten – die allerdings reichten, um festzustellen, dass es ruhig mehr sein dürfte beim nächsten Mal. Bei erstaunlich guter Tonqualität präsentierte sie dem dankbaren Publikum einen Mix aus Songs von ihren Alben und Klassikern, ohne die ein Konzert selten auskommt.

Die aus dem Örtchen Strasburg in Virginia stammende Danni Leigh ist den schwierigeren Weg in der Musik gegangen. Von Kindheit an ein wenig rebellisch und mit einem „starken Kopf“ ausgestattet. Sicher nicht immer zur Freude er Eltern, denn ihre Tochter ritt wilde Pferde, dann auch Motorräder und konnte sich mit der Autorität eines Vaters nicht recht anfreunden. Als sie dann die Musik entdeckte und darin ihre Zukunft sah, gab es den nächsten Ärger. Denn es war beileibe nicht nur country, zeitweise neigte sie u.a. der Punk Music mehr zu. Mit entsprechendem Outfit inclusive Frisur. Das konnte nut gut gehen, wenn sie Heimat und Familie verliess. 19 Jahre alt und ab nach Florida. Dort spielte und sang sie mit den verschiedensten Bands und sammelte wichtige Erfahrungen. Die nächste Station hiess dann Nashville, wo Miss Leigh sich als Kellnerin im legendären Bluebird Cafe verdingte. Augen und Ohren sperrte sie auf, ohne dabei der Versuchung zu erliegen, sich selbst bei den zahlreichen Gästen aus dem Business anzubiedern. Es dauerte zwar aber ihre Chance kam als sich ein Mitarbeiter von Warner Chappell Publishing für ihre Songs interessierte. „Songschreiben ist mir wichtig, ist eine wichtige Form, seine Gefühle auszudrücken. Aber was mich immer angetrieben hat und mir auf der Seele brennt, ist Live Entertainment“, sagt sie. Wir haben es in Oudewater miterlebt und können sagen: Stimmt!

Nach Jahren des Lernens, Beobachtens, harter Arbeit, des Hoffens und Bangens schienen sich 1998 die Träume zu erfüllen: Danni Leigh erhielt bei Decca Records einen Vertrag. Doch nach nur einer Single schloss Decca die Pforten. Miss Leigh fühlte sich als ihr der Boden unter den Füßen entzogen worden sei – doch nicht lange. Dann „griff“ sie wieder an. Monument Records hatte Grosses vor mit ihr. Richard Bennett und Emory Gordy produzierten das first class Album „A Shot Of Whiskey & A Prayer“. Zwei Singles zeitigten nicht den erwarteten Erfolg beim Radio – wieder zerplatzte ein Traum. Eine jener beiden Singles hatte ich als Video beim schon erwähnten USA Besuch im Fernsehen gesehen. Offenbar gefiel das nicht nur mir, denn aufgrund massiven Verlangens der Fans veröffentlichte Sony schliesslich Anfang 2001 doch noch das Album – da gehörte Danni Leigh schon nicht mehr zum Label.

Ihre neue „Platten-Heimat“ fand sie bei Audium Records, wo das derzeit noch aktuelle Album „Divide And Conquer“ erschien. Damit stürmte sie die Charts zwar auch nicht aber sie konnte und kann immer noch mit dem Meisten dessen, was in diesen Tage der Tonträgermarkt so hergibt, problemlos mithalten. „Last Train To San Antone“ belegte im Indie World Country Radio Report im Mai 2003 sogar Platz 1 – ein deutlicher Fingerzeig, dass die Countryfans weltweit sie hören wollen“. Nachdem Danni Leigh die Sorgen um ein Plattendeal aus dem Kopf hatte, konzentrierte sie sich wieder auf das, was ihr am meisten am herzen liegt: „Wir wollen einfach auftreten und unsere Country Music einem daran interessierten Publikum darbieten – egal, wo das ist auf der Welt, ob bei Festivals, in Honky Tonks, Clubs oder bei Konzerten.“ Bei den nicht unbeträchtlichen Kosten, die das Touren verlangt, kein leichtes Unterfangen. Aber Danni Leigh wäre nicht sie selbst, würde sie dafür keinen gangbaren Weg finden. In mancherlei Hinsicht scheint sie mir seelverwandt zu sein mit einem Dwight Yoakam. Wenn man sie dann aber einmal live erleben kann, darf man sicher sein, man bekommt 100%. Denn Danni Leigh gibt auf der Bühne alles – mag die Sonne auch noch so herunter brennen und der Applaus auch lautstark von Leuten kommt, die sie selbst von der Bühne aus nicht sehen kann, weil sie in den Schatten geflohen sind.

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