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Kann „Country Music“ in Deutschland populär sein?

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Zurzeit wird wieder sehr gerne in Superlativen über den Erfolg (immerhin ein vierter Platz bei SSDSDSSWEMUGABRTLAD – TV Total, Pro Sieben) von Mario Strohschänk (Tommy Roberts Jr.) von Fans und Medien gesprochen. Doch was bringt es uns – den Medien, oder den Fans dieses Musikgenre? Ganz ehrlich gesagt – fast nichts – leider!

Im Jahr 2006 hatte Texas Lightning (No, No, Never) mit ihrem Erfolg beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest (Grand Prix) für einen kleinen Boom in Sachen Country Music in unseren deutschen Landen gesorgt. Innerhalb weniger Wochen wurde der Song einer der meistgespieltesten Radiosongs des Jahres und erreichte die Top-Position der deutschen Single Carts. Das Album und die Single wurden mit Platin ausgezeichnet und eine Single (I Promise) wurde nachgeschoben – die nicht im Ansatz an den Erfolg der ersten Single anküpfen konnte. Doch was ist am Ende geblieben – vom „Countryboom“? Nichts …

Einzig, die abgedrehten Jungs (das meine ich im positiven Sinne) von The BossHoss steigern sich. Hunderte von Konzerten in 24 Monaten, 3 Alben in 3 Jahren und mehrere Singles in den Charts. Doch die machen auch nicht nur pure Country Music, sondern mehr so eine Art Symbiose aus Country, Punk & Rock, was sehr gut, beim meist jungen Publikum, ankommt.

Ich habe jetzt extra nur die kommerziell erfolgreichen Künstler angesprochen, sicher haben auch die Slow Horses, The Twang einen vollen Terminkalender, doch reichen ihre Verkäufe der Tonträger bei weitem nicht an die hier angesprochenen Künstler heran. Auch aussen vor, möchte ich die Jungs von Truck Stop, Tom Astor, Linda Feller und Gunter Gabriel lassen, da sie ein ganz anderes Publikum ansprechen.

Einen Boom hätte man haben können, wenn die Macher in den Schaltzentralen der großen Plattenfirmen (und ich meine nicht die kleinen Label, die sich wirklich bemühen Country in Deutschland populär zu machen) den Trend erkannt hätten. Da ignoriert man bewußt den Geschmack von Hunderttausenden, obwohl gerade der finanzielle Erfolg von Texas Lightning eine ganz andere Sprache spricht.

Doch es liegt nicht nur an den Labeln, es liegt generell am schlechten Image der Countryszene in unserem Land und natürlich an den Musikredaktionen, die zum Größtenteil Chartware spielen, weil sie glauben, dass wäre der Geschmack der Masse. Das aber gerade solche Sender wie NDR 1, WDR 1, BR, HR, SWR (die immer wieder Country im Programm haben) und ähnliche Sender die größten Anteile am Markt haben, hat sie noch nicht dazu bewegt, an ihren Einstellungen etwas zu ändern.

Das Einzige was wirklich boomt, ist das Internet. Dort treffen sich mittlerweile die meisten Countryfans um überhaupt noch schnell an Informationen, Videos und Musik zu kommen. Übertragungen von Awardshows, werden in die Nachtstunden verlegt, die einzige Videoshow läuft alle vier Wochen samstags bei 3sat. Die andere zwar jede Woche, aber leider nur im Pay-TV.

Man könnte mit dieser Musik, auch ausserhalb der USA, große Erfolge feiern – nur da müssten auch die Amis ein wenig mitspielen. Bei denen hat man auch manchmal das Gefühl die wollen nicht so richtig aus ihrem Land heraus – was auch wieder verständlich ist. Die haben dort so eine Menge Fans, der Tourplan ist voll und warum sollte man in der freien Zeit, die der amerikanische Künstler sehr gern mit seiner Familie verbringt, noch eine Tour durch Deutschland machen, wo dann nur ein paar Leutchen den Weg zum Konzert finden.

Irgendwie sind wir Alle ein wenig schuld daran, dass nichts Großes passiert. Der Fan, weil im die CDs zu teuer sind, die Wege zu den Konzerten zu weit sind, Countrymessen ohne große Stars (Headliner) stattfinden, Veranstalter schlechte Bands buchen, Label keinen Bock auf Country haben, die GACMF nicht aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, die Musikredaktionen der Sender (Radio & TV) die Country-CDs gleich in den Müll werfen, die großen Festivals jedes Jahr die selben Künstler buchen und natürlich die Fans, die sich bekriegen – weil sie den Geschmack des Anderen nicht tolerieren können.

Zum Schluss möchte ich aber dennoch eine positive Bilanz ziehen. Immerhin findet, dank einzelner mutiger Menschen, doch der ein oder andere große US-Künstler den Weg nach „Ol‘ Germany“. Tracy Lawrence, The Wilkinsons, Ryan Bingham, The Beggars, The Infamous Stringdusters und auch einige sehr gute Bluegrass-Künstler werden dieses Jahr einige Konzerte geben. In unserem kleinen Nachbarland wird uns seit mittlerweile 20 Jahren vorgemacht wie’s geht. Die Country Night Gstaad und auch Interlaken holt Jahr für Jahr Top-Künstler in die Schweiz und die Country Music findet dort im normalen Programm statt.

Trotzalledem solten wir nicht den Kopf hängen lassen. Eingige Menschen sind sehr bemüht die Country Music und ihre Facetten weiter voran zu treiben, dies gilt insbesondere für die vielen Radio-DJs die Country spielen, Veranstaltern die sich was trauen und natürlich den vielen guten Künstlern, die jedes Wochenende irgendwo im Lande „ihre“ (unsere) Musik machen.

Was kann der Einzelne tun? Rufen Sie ihre Radiostationen an – jetzt wo das Thema „Country“ heiß ist, und wünschen Sie sich Countrysongs. Egal ob Tim McGraw, Keith Urban, Chris Cagle, Brooks & Dunn, George Strait oder auch Mario (alias Tommy Roberts Jr.) – nur tun Sie’s. Je öfter ein Redakteur diese „Ihre“ Wünsche bearbeiten muss, umso eher befasst er sich damit.

Fazit: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen … aber es kommt immer über den Winter. Vielleicht ist es mit der Country Music genauso … warten wir den Winter ab. Man soll die Hoffnung nie aufgeben.

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Über Dirk Neuhaus (1038 Artikel)
Chef-Redakteur. Fachgebiet: Traditional Country, Bluegrass. Rezensionen, News, Specials.