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Ray Stevens

Die umfangreiche Biografie des Sängers und Songschreibers.

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„Ich möchte so gerne mal nach Nashville“ – diesen Satz, dieses Lied kennen viele Menschen in Deutschland seit Larry Schuba es mit seiner Band Western Union vor Jahren als eine Art Bekenntnis aufgenommen hat. Diese bandeigene Hymne muss er vermutlich auch heute noch bei jedem Gig singen.

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Geschrieben wurde der Song im Original von Ray Stevens. Der hatte mit seinem „Nashville“ 1973 in den USA allerdings einen für ihn vergleichsweise kleinen Hit, denn „Nashville“ endete bereits auf Platz 37. Da hatte er weitaus erfolgreichere Singles, von denen sich in der Countrymusik erstaunlicherweise keine bis ganz nach oben kämpfte. Anders in der Pop Music wie wir noch lesen werden. Dieser Ray Stevens ist ohnehin ein Mann mit vielen Gesichtern und Talenten.

Geboren wurde er am 24. Januar 1939 als Harold Ray Ragsdale in Clarksdale, Georgia, einer kleinen Baumwollstadt nördlich von Atalanta. Die Zeit und die Gegend, in der er aufwuchs, versorgte die Jugend dort mit vielen unterschiedlichen Einflüssen. Im Radio beispielsweise hörte man alle möglichen Klänge, da es auf bestimmte Musikrichtungen spezialisierte Sender noch kaum gab. Aber das, was da aus den Lautsprechern klang, turnte den jungen Ragsdale richtig an.

Schon mit 7 Jahren bekam er Klavierunterricht und war damit in einem Fahrwasser, das er nicht mehr verlassen sollte. Als Ray Stevens in den 1970er Jahren einer der Stargäste in der ZDF-Serie „It’s Country Time“ war, hatte ich Gelegenheit, mich ausgiebig mit diesem so humorvollen Künstler zu unterhalten. Er rekapitulierte: „Von Kindheit an war Musik mein Leben. Als Teenager hatte ich alles aufgesogen, was angesagt war, von Country über Gospel bis hin zu R&B. Mit 15 sang ich bei den Barons, einer Band aus Atlanta, die recht viel im Süden unterwegs war. Mit 17 ging ich ganz nach Atlanta und traf dort Bill Lowery. Das war der entscheidende Mann. Lowery war voll im Radiogeschäft, er arbeitete bei diversen Sendern, sogar als Sportreporter. Dann startete er einen Musikverlag. Ich besuchte ihn zu Hause und sagte: Mein Name ist Ray Ragsdale, ich möchte Songs für Sie schreiben! Er sagte nur: Okay Junge, mach das. Damals besuchte ich noch die Schule. Von einem Freund lieh ich mir ein Tonbandgerät und nahm an einem Sonntag in der Schule ein Demo auf. Der Song hieß „Silver Bracelet“, den hatte ich geschrieben. Lowery gefiel der Song. Er spielte ihn für Ken Nelson (Anm.: legendärer Produzent, meist für Capitol Records). Und der nahm mich für Prep Records als Sänger unter Vertrag.“

1957, immer noch an der High School, fuhr Stevens erstmals nach Nashville, um dort sein „Silver Bracelet“ aufzunehmen. Bei der Gelegenheit traf er Chet Atkins, was noch von Bedeutung sein sollte, denn mit ihm arbeitete er später zusammen. Gemeinsam kauften sie z.B. Tompall Glaser sein Tonstudio „Hillbilly Central“ ab.

Die Single wurde außer in Atlanta nirgendwo ein Erfolg, sie war aber ein Anfang. 1958 nahm Stevens einige Singles für Capitol auf, ohne Resonanz. Dann startete Bill Lowery mit NRC sein eigenes Label. Junge, hungrige Musiker wie Stevens aber auch Jerry Reed und Joe South nutzten die Gelegenheit, um im NRC Studio Aufnahmen zu machen. Gleichzeitig begann Ray Stevens an der Georgia State University ein Studium in Musik, das er aber 1961 zugunsten einer Plattenkarriere abbrach. Er hatte einen Song mit dem unmöglichen Titel „Jeremiah Peabody’s Poly Unsaturated Quick Dissolving Fact Acting Pleasant Tasting Green and Purple Pills“ aufgenommen, der in den Pop Charts bis Platz 35 kletterte. Ein Vorgeschmack auf zukünftige Comedy Hits. Nun ging er nach Nashville, bekam von Mercury einen Vertrag, spielte aber vorwiegend als Pianist bei Sessions. Bei einer Session nahm er „Ahab The Arab“ auf, das ihn 1962 auf Platz 5 der Pop Charts hievte. Er erinnert sich an ein anderes, denkwürdiges Ereignis jener Tage: „Ich war mit den Jordanaires befreundet. Dadurch konnte ich bei einer, wirklich nur einer Session für Elvis Presley mitwirken. Eigentlich brauchten sie mich gar nicht. Doch bei einem mexikanisch eingefärbten Song wollten sie Trompeten dabei haben. Tausendsassa Charlie McCoy drückte mir eine Trompete in die Hand, selbst nahm er auch eine und so tuteten wird los. Ich spielte ein Instrument, das ich kaum halten, geschweige denn spielen konnte. Unglaublich.“

Seine eigene Karriere als Sänger stellte Stevens dann in den Hintergrund, weil er genug als Produzent zu tun bekam und in dieser Eigenschaft zu Monument ging. Die noch unbekannte Dolly Parton gehörte zu seinen Klienten. Erst 1969 trat er wieder als Sänger in Erscheinung. Stevens: „Ich hatte zwar mit „Gitarzan“ wieder einen Comedy Hit, wollte mich aber nicht darauf festlegen lassen. Da ich in Nashville war, wollte ich Country Music machen. Bei Monument war uns ein noch gänzlich unbekannter Kris Kristofferson ins Haus geschneit. Der hatte wahnsinnig gute Songs. Ich nahm sein „Sunday Morning Coming Down“ als Erster auf. Andere hatten danach mehr Erfolg damit aber ich kam damit erstmals in die Country Charts.“ (Nr. 55). Mehr als 30 Singles in den Country Charts sollten folgen.

1970 unterschrieb Ray Stevens bei Barnaby Records, einem von Andy Williams gestarteten Label. Um in dessen populärer TV Show aufzutreten, benötigte er einen Hit. Stevens: „Das war eine enge Kiste. Ich hatte nicht viel Zeit. Also ging ich in mich und brütete einige Tage. Dann fiel mir „Everything Is Beautiful“ ein. Das wurde meine erste Nr. 1 in den Pop Charts und ich habe einen Grammy als bester Sänger dafür bekommen. Nicht schlecht für eine Notgeburt.“

In den Country Charts hielt er sich u.a. mit „Turn Your Radio On“ und dem eingangs erwähnten „Nashville“. 1974 kamen, die etwas Älteren werden sich erinnern, so genannte Flitzer in Mode. Erneut schlug die Stunde des Komödianten als er sich dessen annahm und „The Streak“ schrieb. Es wurde Stevens‘ zweite Pop Nr. 1 (in den Country Charts kletterte der Song bis auf Nummer 3).

Jetzt hatte er seine beste Zeit als Sänger, er konnte alles aufnehmen, was zwischen Gospel und Comedy lag. Einen weiteren Grammy verdiente er sich 1975 mit einem Remake des Erroll Garner Klassikers „Misty“. Stevens nahm es im Country Sound mit Fiddle, Steel und Banjo auf und landete damit in den Country Charts und Platz 3 seine beste Notierung.

Noch einmal in die Top Ten brachte ihn ein weiterer Comedy Song. Inzwischen bei RCA unter Vertrag, nahm Stevens den Orden der Shriner aufs Korn. Basierend auf eigenem Erleben in einem Hotel, schrieb er „Shriner’s Convention“. Single, Album und Video entwickelten sich zu einem Bombenerfolg. Auch die Mehrheit der Shriner trug es mit Humor. In Sachen Schallplatte nahm sich Ray Stevens nach und nach zurück, wenngleich er noch eine Weile auf Comedy dabei setzte.

Natürlich gehörte Ray Stevens längst zu den etablierten Entertainern, der aufgrund seines Talentes eine bunte, lustige und sehr unterhaltsame Show bieten konnte. 1991 eröffnete er im Live-Mekka Branson, Missouri sein eigenes Theater, das 2000 Besuchern Platz bot. Bis 1993 trat er dort regelmäßig an sechs Wochentagen auf. Dann gastierten überwiegend andere Künstler und Stevens war nur noch sporadisch in Branson. 2006 hat er das Theater verkauft.

Seit er nach Branson gegangen war, verlegte sich Ray Stevens verstärkt auf die Produktion von Videos und ist in diesem Metier sehr erfolgreich unterwegs. 2007 startete er mit Clyde Records sein eigenes Label, über das er seither die Produktionen vertreibt. Dabei hat er sich besonders auf die geänderten technischen Modalitäten eingestellt und bietet seine Produkte zum „Dowloaden“ an. Der Mann geht trotz seines Alters immer noch mit der Zeit. Sein wacher Geist ist eng am Tagesgeschehen und das fließt in seine Arbeit ständig ein. Unlängst ist er auf seine alten Tage noch unter die Buch-Autoren gegangen. „Let’s Get Political“ enthält 34 Essays zu politischen, patriotischen und satirischen Themen, die er auch in Songs „abgearbeitet“ hat. Im Buch kann er seine Gedanken ein wenig ausführlicher entfalten.

Aktuellstes seiner Werke ist die 2012 veröffentlichte „Encyclopedia of Recorded Comedy Music“. Sie enthält auf acht CDs verteilt die seiner Ansicht nach 96 größten Comedy-Songs aller Zeiten. Zwei Jahre hat er daran im Studio gearbeitet, um das aufzunehmen, was ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist. Dazu gibt es ausführliche Informationen zu den einzelnen Songs. Auf einer Bonus CD sind dann noch einmal 12 Songs enthalten, von denen Ray Stevens glaubt, sie wären im Goldenen Zeitalter sicher auch Radio-Hits geworden. Man darf getrost davon ausgehen, dass Ray Stevens weitere Ideen im Kopf hat und mit neuen Projekten überraschen wird.

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