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Sierra Hull: Wohin geht der Weg dieser Mandolinen-Virtuosin?

Country.de traf Sierra Hull beim diesjährigen "Bühler Bluegrass Festival" zum Interview.

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Sierra Hull beim Bühler Bluegrass Festival Sierra Hull beim Bühler Bluegrass Festival. Bildrechte: Franz-Karl Opitz

Sie sitzt mir gegenüber, nachdem sie soeben über eine Stunde lang auf der Bühne des Bühler Bluesgrassfestivals gestanden hat, danach noch jede Menge Autogramme verteilte und für Selfies mit Fans lächelte. Die zierliche und – es sei gestattet, ausnehmend hübsche Frau, nimmt sich für unser Gespräch Zeit. Sie versichert mir zunächst, dass Sierra Hull kein Künstlername, sondern ihr richtiger sei.

Als Sierra mit acht Jahren ihre erste Mandoline bekam, wurde ihren Eltern schnell klar, was für ein musikalisches Talent die Tochter ist. Schon nach kurzer Zeit war sie in der Lage, die Fiddle-Parts von Bluegrass-Songs auf der Mandoline zu spielen. Wie gut sie das beherrscht, hatte sie während des Konzerts gezeigt: Auf Zuruf des Publikums spielte sie Bluegrassklassiker. Als sie zehn war, nahm sie in Eigenproduktion ihre erste CD „Angel Mountain“ auf. Der Ruf eines Wunderkindes eilte ihr voraus und als sie 15 war, nahm sie dann bei der renommierten Plattenfirma Rounder ihr erstes Album auf.

Ich frage sie, wie dieser Status eines Wunderkinds sich auf ihre Jugend und Schulzeit ausgewirkt hat. „Als ich 16 war, hatte ich zwar meine ersten Auftritte, doch ich war natürlich lange nicht so unterwegs wie heute. Außerdem hatte ich das Glück, in Brydstown in Tennessee aufzuwachsen, einem Ort, der gerade 900 Einwohner hat. Als ich meiner Lehrerin stolz die Schwielen an meinen Fingern zeigte und ihr sagte, schau mal, ich lerne Mandoline, da hat sie mich gleich aufgefordert, der Klasse etwas vorzuspielen“, erinnert sich Sierra. „Ich war eingebunden in das Leben im Ort und das hat mir damals immer Halt gegeben.“ Nach ihrem High School Abschluss erhielt sie unter anderem durch die Empfehlung von Alison Krauss ein zweijähriges Stipendium für das renommierte Berklee College of Music in Boston.

Franz-Karl Opitz und Sierra Hull

Franz-Karl Opitz und Sierra Hull. Bildrechte: Franz-Karl Opitz


Was für eine Art von Musik macht sie eigentlich. Ist das schon Bluegrass Jazz oder Cow Jazz? „Bluegrass ist mein Fundament, meine Herkunft, damit bin ich aufgewachsen. Ganz ehrlich, ich kann zwar ein paar Nummern, die jazzig sind, ich habe mit Jazzmusikern zusammengearbeitet, aber Jazzmusik, nein“. Sierra überlegt einen Moment: „Es ist schwer, meine Musik genau zu benennen.“ Noch einmal habt sie hervor, wie toll sie die Reaktionen des Publikums auf ihre Art der modernen Bluegrassmusik fand. Immerhin, sie spielte und sang, nur begleitet von dem wirklich genialen Bassisten Ethan Jodziewicz und man hätte eine Nadel fallen hören können, so ruhig wurde den beiden zugehört.

Ob sie, die nun in Nashville lebt, auch daran denkt, möglichen Lockrufen der großen Plattenfirmen nachzugeben. Sierra will sich nicht festlegen. Es habe zwar schon Anfragen gegeben, aber zurzeit sei sie in der Vorbereitung einer neuen CD. „Das erfordert viel Zeit und Kreativität, denn ich will nicht bei der Musik (von dem Album „Weighted Mind“ von 2016) stehenbleiben“. Sierra erklärt, dass sie am Anfang ihrer Karriere sicher war, später einmal Teil eine großen Bluegrass Band zu sein. Sie hätte nie gedacht, dass sie eine Platte nur mit Mandoline und Bass einspielen würde. In diesem Jahr habe sie die Musik mit jeweils einem dritten Instrument ausprobiert, mit einem Saxophonisten oder einem Pianisten zum Beispiel. „Ich will mal schauen, was mich weiterbringen könnte, was mich interessiert und dabei ich will mir selbst treu bleiben. Wenn man wie ich zwei Jahre nach der letzten CD diese Musik viel gespielt hat, hat man schon das Bedürfnis, etwas Neues zu machen“, sagt sie. Was könnte das denn genauer sein, vielleicht doch eine kommerziellere Ausrichtung?

Sierra will sich nicht festlegen. Sie will die neue CD in einigen Monaten anfangen, schreibt Musik dafür und sie hat viel Hilfe, zum Beispiel von ihrem großen Kollege Bela Fleck oder ihre Mentorin Alison Krauss. Aber ein Vertrag bei einer großen Firma? Wenn ein entsprechend gutes Angebot käme, warum nicht. Aber Sierra macht gleich eine Einschränkung: „Das kommt nur in Frage, wenn ich damit nicht das aufgeben müsste, was mir am Herzen liegt. Nämlich ehrliche Musik, von deren Qualität ich überzeugt bin. Und wenn ich damit ein viel größeres Publikum erreichen könnte, klar, das würde mir gefallen. Wer möchte nicht den größtmöglichen Erfolg haben.“ Sierra lacht. „Mal sehen, das ist aufregend.“ Und sie entschwindet nach freundlichem Abschied, denn es steht ja noch der gemeinsame Schlussauftritt mit den Musikern des Festivals bevor.

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