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Pat Reedy: Working Man‘s Poet

Der Sänger gibt im Sommer Konzerte in Deutschland und spielt Songs aus seinem neuen Album - Make It Back Home.

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Pat Reedy Pat Reedy. Photo Credit: Jessica Cunney Reedy

Pat Reedy ist das Stehaufmännchen des Indie Country. Ein kleiner Mann mit großen Songs. Wem die heutige Countrywelt manchmal zu grell und künstlich erscheint, der ist bei Reedy an der richtigen Adresse. Wenn Reedy singt, dass er gerade von der Schicht kommt, dann ist das auch so. Echter geht’s nicht.

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Pat Reedy ist wie eine Katze. Er fällt immer auf die Füße. Und neun Leben hat er sowieso. Immer unter Strom blitzt es wach und aufmerksam aus seinen Augen. Das war auch so während des Corona Shutdowns, der die Livemusik zum Erliegen brachte. Reedy behielt den Kopf oben und kämpfte.

So war er einer der allerersten, der mit regelmäßigen Online-Shows im Indie-Country-Universum anfing, denn bereits am 21. März 2020 begann er das, was bald danach Pat Reedy’s Locked In Show Live heißen sollte. Lange Zeit ging er wöchentlich mit dem zuerst arg improvisierten aber stets charmanten Format auf Facebook auf Sendung.

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Was Reedy schnell begriff, war, dass es für das Publikum auf Dauer etwas langweilig sein könnte, immer die gleichen Songs des immer gleichen Künstlers zu hören. Also machte er das Ganze zu einer Art wöchentlichen Independent Country Talkshow und lud sich online illustre Gäste ein: Buddies wie Casey Prestwood, Riley Downing von den Deslondes, Todd Day Wait, Zach Bryson oder Ags Connolly und John Lewis, und aufstrebende Talente wie Willi Carlisle, Riddy Arman, Dylan Earl oder Hannah Juanita.

Zuerst gab es einen und dann mitunter auch zwei Gäste. Sie wechselten sich beim Spielen ab und zwischendurch chattete Pat mit ihnen munter drauflos. Fertig war eine sehr unterhaltsame wöchentliche Country-Zoom-Conference. Das zog er auch durch, wenn es mal mit der Technik haperte oder nur fünf Seelen zuschauten. Und wenn Pat mal aus Nashville wegmusste, sendete er von unterwegs. So gab es mitten im ersten Pandemie-Sommer sogar auch Liveschalten aus England. Pat Reedy Style.

Um dem immer mehr grassierenden Hass des Corona- und Trump-Jahres 2020 auf Facebook zu entkommen, verlegte Reedy später das Ganze auf Instagram und YouTube und warb für sich mit dem Spruch: „Watch America‘s youngest Baby Boomer discover instagram in real time!“ Denn Humor und Selbstironie sind bei Pat Reedy seit jeher bei allem stets dabei.

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Mitte November 2020 veröffentlichte Reedy dann wieder neue Musik. Gedreht wurde das beeindruckende Video zur Single Tallest Man In Tennessee auf einer der großen Baustellen, auf denen auch Pat immer wieder arbeitet, wenn er nicht tourt oder anderweitig Musik macht. Denn Pat Reedy schreibt nicht nur moderne Arbeiterlieder, er ist selbst ein Blue-collar worker. „Tallest Man In Tennessee“ handelt dann auch von einem Kollegen Reedys, der sich oben im 33. Stock eines im Bau befindlichen Hochhauses stolz in das stählerne Geäst stellt und verkündet, der größte Mann in Tennessee zu sein. Reedy macht sich keineswegs darüber lustig, sondern formt aus einer solchen alltäglichen Skurrilität ein kleines Denkmal für die hart arbeitenden, sich nie beschwerenden amerikanischen Worker, die von Paycheck zu Paycheck leben und immer über die Runden kommen müssen, weht ihnen der Wind auch noch so kalt ins Gesicht. Und am Ende des Videos platziert Reedy auch noch einen positiven Hinweis auf die Arbeit der Gewerkschaften im Baugewerbe. Pat Reedy hat halt auch politisch mehr gemeinsam mit einem Woody Guthrie als, sagen wir mal, einem Garth Brooks.

Ob er wie früher auch schon im Tagebau oder bei der Ölförderung arbeitet oder ob er Musik macht, Pat Reedy zieht sein Ding durch. Er ist kein Quitter. Wenn es schwierig wird, passt er sich den Umständen an und kämpft – ist der Kampf auch noch so aussichtslos. David gegen Goliath. Angst kennt er nicht. Das war schon immer so für den drahtigen kleinen Mann.

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Geboren in Colorado und aufgewachsen in der Nähe von Chicago, bestand Pat Reedys Leben seit frühester Jugend aus Umherziehen. Die längste Zeit lebte er in New Orleans, und dort begann er auch mit Anfang Zwanzig erstmals Musik auf der Straße zu spielen.

Pat ist alt genug, um noch auf einigen Radiosendern richtige Countrymusik gehört zu haben und er verliebte sich schon damals in die Geschichten und den Sound sowie den intelligenten Witz, den man heute so gar nicht mehr im US-Country-Radio findet. So war es von Anfang an seine Mission, dieser Musik ihr Herz, ihren Humor und vor allem ihren Verstand zurückzugeben. Lange tourte Pat auch mit Luke Bell und wohnte mit ihm zusammen und dieser war es dann auch, der ihn später überredete, sein Glück in Nashville zu versuchen.

In Reedys Backing Band den Longtime Goners spielten über die Jahre und Tourneen viele illustre Musiker. Unter anderen bediente John R. Miller den Bass, der nun selbst Hallen füllt und aktuell mal wieder als Opener für Tyler Childers fungiert.

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Pats erste beide Alben mit den Longtime Goners wurden über eine Kickstarter-Kampagne finanziert. Im Video zur zweiten Kampagne sagt Pat: „We are playing music. That’s the only thing we’re good at… There is no financial backing for us. We are independent. We gonna keep makin’ it. We gonna keep doin it. Cause we’re stubborn and maybe stupid.”

Ein Credo, das für seine ganze Musik gilt: Reedy macht keine Musik zum Zeitvertreib. Er macht Musik, weil er Musik machen muss. Sprechen die Umstände auch manchmal dagegen, wie z.B. während der Corona-Zeit.

Das führte auch zu Reedys im April 2021 veröffentlichter Single Roadsick Blues. Das im Lockdown ein Jahr zuvor geschriebenes Stück wurde unter Regie des ehemaligen Colter Wall Drummers Aaron Goodrich ganz ohne Schnickschnack Anfang 2021 in Nashville eingespielt. Der Sound erinnert etwas an The Band und unterscheidet sich von Reedys üblichen Sachen. Wieder einmal schafft es Reedy hier, die Gedanken vieler – gerade auch vieler Musiker – infolge der Pandemie auf den Punkt zu bringen und dann noch nebenbei mit der politisch so polarisierten Situation in den USA zu kontrastieren.

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Über sein Stück sagt Reedy, dass lovesick bedeute, Liebe zu vermissen, so wie homesick bedeute sein Zuhause zu vermissen. Er sei hingegen niemals gut darin gewesen, irgendwo lange zu leben. Wegen Covid vermisste er es, on the road – also auf Tour – zu sein. Er saß also im Bible Belt in Tennessee fest und musste sich die ganze Zeit den Bullshit der Leute dort anhören. Und das machte ihn krank.
Das ist nun Gott sei Dank seit geraumer Zeit vorbei. Und so war Reedy auch einer der ersten, der sich aufmachte wieder live zu spielen.

Pat Reedys viertes Album Make It Back Home sollte eigentlich schon lange, lange erschienen sein. Erst gab es Probleme mit dem Label, dann verhinderte die Pandemie, dass es veröffentlicht wurde. Zuletzt sollte die Platte im Frühjahr 2021 herauskommen, nun ist es am 22. März 2024 endlich so weit.

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Konsequent, dass Reedy dieses Album wieder völlig unabhängig selbst herausbringt. Und man darf sich freuen, denn neben dem digitalen Release wird es auch als CD und auf Vinyl erscheinen und neben Spotify und Co. auch auf Bandcamp erhältlich sein.

Mit den 12 Songs beweist Reedy wieder einmal mehr auf sympathische Weise, was für ein versierter Songschreiber er ist. Einfache Worte gepaart mit eingängigen Melodien werden bei Pat Reedy zu eindringlichen Songs, zu denen jeder Zuhörer eine Beziehung aufbauen kann. Das ist überzeugend und echt, weil Reedy es ist. Reedy schafft auf diese Weise Momente, die es so eigentlich nur in der Countrymusik gibt. Denn diese ist immer dann am stärksten, wenn sie authentisch und somit der Soundtrack des Lebens realer Menschen ist.

Produziert wurde die Platte von Multi-Instrumentalist John James Tourville von den Deslondes, nicht nur ein alter Freund von Pat, sondern auch ehemaliges Mitglied seiner Band und der einzige Mensch, der mir bekannt ist, der augenzwinkernd und durchaus mit Stolz ein „I-hate-Pat-Reedy-Tattoo“ auf der Wade trägt. Ein schönerer und lustigerer Liebesbeweis ist kaum denkbar.

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Auch Pat Reedy mag vielleicht etwas verrückt sein, aber seine Musik ist es nicht. Seine Songs sind so klar und geradeaus, sie sagen Dir die Dinge Deines Herzens, von denen Dein Kopf nicht wüsste, wie Dein Mund sie sagen sollte, würde man Dich fragen. Diese Gabe als Songwriter macht Pat Reedy nicht nur zu einer Inspiration, sondern zu einer der heimlichen Ikonen der Countrymusik unserer Tage – so menschlich, so echt.

Nach fast fünf Jahren kommt Pat Reedy im Sommer 2024 endlich wieder nach Deutschland. Präsentiert vom beliebten Musik-Video-Kanal Western AF ist er mit Todd Day Wait und Kristina Murray auf Europa-Tournee. Diese wunderbare Country Music Review wird am 4. Juni in Hamburg spielen, am 5. in Berlin und am 9. in Köln. Ein solch hochkarätiges Trio ist hierzulande selten zu sehen. Man darf gespannt sein und sollte sich rechtzeitig um Karten bemühen.

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Über Oliver Kanehl (55 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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