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Mr. Dylan zieht auf’s Land – Dylan goes Country: 40 Jahre “Nashville Skyline”

[1. April 2009 | 3 Kommentare | Von | Kategorie: Specials]

Vom Protestbarden zum Rockstar zum Countrysänger. Bob Dylans Haken und Häutungen seit den 60ern sind Legende. Mit “Nashville Skyline”, das am 9. April 1969 erschien, dokumentierte Mr. Zimmerman öffentlich seine Hinwendung zum entspannten Familienleben auf dem Lande. Countrymusic quasi als Soundtrack zu seiner neuen Lebensphase mit Frau und Kindern.

Und doch wäre Dylan nicht Dylan, würde er sich damit begnügen, den Nashville-Mainstream abzubilden. Zwar ist er ihm musikalisch ganz dicht auf der Spur – John Wesley Harding und die Basement Tapes waren der ursprünglicheren amerikanischen Volksmusik gewidmet – doch seine Texte sind poetischer, anspruchsvoller und auch bisweilen deutlich sexuell aufgeladen. Zudem arbeitet er hier mit niemand geringerem zusammen als mit Johnny Cash, der ja zeitlebens mit dem Nashville-Establishment so seine Probleme hatte.

Bob Dylan - Nashville SkylineUnd Dylan gelingt ein ganz entspanntes, leichtes Album. Das mit 27:14 Minuten auch sein kürzestes ist. Die Highlights sind neben “Girl From The North Country” (im Duett mit Johnny Cash), die drei Liebeslieder “Tonight I’ll Be Staying Here With You”, “To Be Alone With You” und natürlich “Lay, Lady, Lay”, das damals ein veritabler Single-Hit wurde. Die Platte zeichnet sich aus durch eingängige Melodien und natürlich durch die ganz neue Dylan-Stimme. Weg vom nasalen “Antisänger” hin zum zuckersüßen “Countrygrooner”.

Dylan eignet sich mit diesem Album eine weitere Form der amerikanischen Populärmusik an. Nach Folk, Blues und Rock’n'Roll nun das Country-Genre. Wie tief die Auseinandersetzung ist, zeigt sich an den gemeinsamen Sessions, mit Johny Cash, in denen er parallel zu den Aufnahmen für Nashville Skyline eine Reihe von Country-, Folk und Hillbilly-Standards aufnahm, aber nicht veröffentlichte.

Dabei war Nashville Skyline ja nicht seine erste Platte, die er in der Music-City aufnahm. Ausgerechnet sein aus vielen Gründen revolutionäres Album “Blonde On Blonde” spielte er dort 1966 mit bekannten Nashville-Studiomusikern ein. Und das zu einer Zeit, als noch lange kein Crossover zwischen Country- und Rockwelt vorauszusehen war und es noch keine Outlaw-Country-Bewegung gab. Der Brückenschlag von Gram Parsons, den Byrds, von The Band und eben von Dylan sollte noch zwei, drei Jahre auf sich warten lassen. Als Bob Dylan, der Protest- und Rocksänger dann 1969 in der ersten Johnny Cash-TV-Show auftrat, war dies auch ein deutliches Zeichen, dass sich hier eine musikalische Zeitenwende auftat.

Eine ganze Reihe Songs von “Nashville Skyline” sind auch heute immer noch im Gepäck seiner Never Ending Tour. “Lay, Lady, Lay” ebenso wie “To Be Alone With You”. Ein Zeichen dafür, dass die Platte dem Meister immer noch einiges bedeutet. Dass mit “Country Pie” eher ein Nebenwerk dieser Platte vor ein paar Jahren längere Zeit seine Aufnahme in Dylans-Live-Repertoire fand, bleibt ein Geheimnis des Maestro.

Wie auch immer: Country taucht seit Nashville Skyline immer wieder als musikalisches Element in den Songs von Bob Dylan auf. Auch auf dem neuen Album “Together Through Life” soll es diese Country-Momente geben.

   
Nashville Skyline
CD: “Nashville Skyline”
Erscheinungsdatum: 1969
Label: Columbia

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Trackliste:

01. Girl From The North Country
02. Nashville Skyline Rag
03. To Be Alone With You
04. I Threw It All Away
05. Peggy Day
06. Lay, Lady, Lay
07. One More Night
08. Tell Me That It Isn’t True
09. Country Pie
10. Tonight I’ll Be Staying Here With You

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3 Kommentare »

  • Roberto schreibt:

    Was ich mich frage: Warum war auf Johnny Cashs ganzen American Recordings-CDs kein einiziger Bob Dylan-Song? Hat Cash Dylan dessen Verhalten nach dem Rausschmiss bei Columbia übel genommen? Gab es überhaupt ein spezifisches Verhalten…? Komisch…

  • Thomas Waldherr schreibt:

    Hallo Roberto,

    hier gilt Vorsicht vor zuviel Spekulation. Nach dessen “Rausschmiss” bei Columbia trat Cash 1992 bei Dylans 30jährigen Plattenjubiläum im Madison Square Garden zusammen mit seiner Frau June auf und Dylan wiederum war 1999 beim Tribute für Cash – über Videoeinspielung – dabei. Der gegenseitige künstlerische und menschliche Respekt war bis zuletzt ungebrochen – Dylan fand bewegende Worte zu Cashs Tod – und alles andere mag dem künstlerischen Konzept von Cash und Rubin geschuldet sein.

    Und ich bin jetzt weg und fahre zum Dylan-Konzert nach Saarbrücken!
    Beste Grüße
    Thomas Waldherr

  • Roberto schreibt:

    Hallo Thomas,

    ich war auch in Saarbrücken, fand es sehr gut. Auch die Setlist – war ein tolles Konzert.

    Kenne die Worte D.s zum Tod von Cash – wundere mich dennoch. Nicht einmal auf den posthum veröffentlichen “Resten” der Cash-Rubin-Zusammenarbeit ist auch nur ein einziger Dylan-Song dabei. Nicht, daß es nötig wäre. Interessiert mich nur.
    Beste Grüße,
    Roberto

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