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Bob Dylan: „Highway 61 Revisited“ von Colin Irwin

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Bob Dylans Album „Highway 61 Revisited“ feiert in diesem Jahr seinen 45. Geburtstag. Es ist ein absoluter Meilenstein der Musikgeschichte und verkörpert sowohl die Hinwendung Dylans zu Rock und Rythm’n’Blues, als auch das Erwachsenwerden des Rockgenres. Die Zeit der dreiminütigen „I Love You“-Songs war vorbei, komplexere Lyrik und anspruchsvollere Themen waren im Rock hoffähig geworden.

Anlässlich des Jubiläums hat der Autor Colin Irwin unter dem Titel „Bob Dylan. Highway 61 Revisited – Ein Album schreibt Geschichte“ (Edel-Verlag) nun ein Buch herausgebracht, das der Entstehung und der Wirkung dieses Albums nachgeht.

Bob Dylan: Highway 61 Revisited von Colin IrwinVor 45 Jahren erschütterte ein Trommelschlag als Songbeginn die Musikwelt und nichts war mehr so wie vorher. „Like A Rolling Stone“ von Bob Dylan war textlich eine so noch nie da gewesene Musik gewordene Anklage, von Rhythmus und Beat her aufwühlend, vom Habitus des Sängers voller Jugendprotest. Dabei war dieser Song und das Album „Highway 61 Revisited“, von dem er stammt, nichts anderes als Dylans endgültige Abkehr vom tagespolitischen Protestsong. Stattdessen wurde seine Lyrik surrealer, und vertrackt poetischer. Doch das was die Songs ausdrückten, war viel kritischer, weil Sie das Alte viel radikaler und grundsätzlicher in Frage stellten.

Faszinierende „Werkstattberichte“

In seinem Buch „Highway 61 Revisited“ schildert Colin Irwin auf spannende und kurzweilige Art die Entstehungsgeschichte des Albums und ordnet es anhand seiner Wertigkeit in die Geschichte der Populären Musik ein. Es ist ein Buch für eine neue Generation, die Dylan entdeckt oder entdecken sollte. 45 Jahre nach den in ihm beschriebenen Ereignissen.

Faszinierend sind Irwins „Werkstattberichte“ von den 65er-Aufnahme-Sessions. Wie Dylan im kreativen Chaos Musiker und Produzenten immer wieder verblüfft, nervt, zur Verzweiflung treibt oder gar düpiert, am Ende doch immer Recht behält und etwas Großes entsteht – diese Stellen des Buches sind packende, lebendige Musikgeschichtsschreibung. Nach der 1965er England-Tournee – filmisch dokumentiert durch den Klassiker „Don’t Look Back“ – fühlte sich Dylan leer und ausgebrannt. Längst war er zu seinen Rockwurzeln zurückgekehrt, wie die Platte „Bringing It All Back Home“ – veröffentlicht im März 1965 – bewies. Doch bei seiner Frühjahrstour spielte er noch den Solo-Gitarre-Künstler. Es war sehr unbefriedigend für Ihn und er spielte bereits mit dem Gedanken, die Gitarre zugunsten von Literatur oder Theater an den Nagel zu hängen.

„Like A Rolling Stone“ als Initialzündung

Währenddessen hatten die „Byrds“ aus „Mr. Tambourine Man“ vom „Bringing It All Back Home“-Album einen fulminanten Hit und den ersten Folk-Rock-Gassenhauer eingespielt. Dylan war begeistert. Gleichzeitig schrieb Dylan ein langes, zorniges Pamphlet. Seine Art und Weise sich mit den letzten Jahren, mit der Kritik der Folkszene an seiner Neuorientierung und dem Scheitern seiner Beziehungen mit Suze Rotolo und Joan Baez auseinanderzusetzen. Aus diesem selbstreinigenden Pamphlet entwickelte sich „Like A Rolling Stone“ und es war die Initialzündung für die Aufnahmen zu seinem 6. Album. Vom 15. Juni bis zum 4. August dauerten die Sessions im New Yorker Columbia-Studio. Anfangs noch mit Tom Wilson als Produzent. Unter seiner Verantwortung entstand „Like A Rolling Stone“. Später übernahm dann mit Bob Johnston ein Produzent, der von der Country- und Rockabilly Musik geprägt war. So schrieb beispielsweise seine Mutter einige Hits für Gene Autry. Johnston sollte später u.a. auch das Nachfolgealbum „Blonde on Blonde“ produzieren, dessen Aufnahme er nach Nashville verlegte und Dylan damit erstmals mit der Country-Szene in Verbindung brachte.

Beteiligt waren an den Aufnahmen zu „Highway 61 Revisited“ Ausnahmekönner wie der weiße Bluesmusiker Mike Bloomfield, Harvey Brooks oder Al Kooper. Nachts schreibt Dylan, am Tag trommelt er seine Musiker zusammen und vollendet mit Ihnen die Songs während gleichzeitig das Band mitläuft. Es geht dabei Dylan nie um die Perfektion des musikalischen Zusammenspiels, sondern um die Wirkung, die die Musik erzeugt. Johnston lässt ihm dabei freien Lauf und passt sich allen Launen und Eigenarten des Künstlers an. „Mit „Desolation Row“, „Ballad Of A Thin Man“ und natürlich dem Titelsong „Highway 61 Revisited“ versammelt das Album einige der größten Songperlen Dylans auf einer Scheibe.

Dylan entzweit die Folkwelt

Ebenfalls in die Zeit der Aufnahmen von „Highway 61 Revisited“ fällt auch der legendäre Auftritt von Dylan in Newport. Mit der ihm eigenen Spontaneität, Sturheit und Konsequenz spielte der gefalle Folk-Engel inmitten der Folk-Walhalla einen elektrischen Set. Nur eine Nacht gemeinsam geprobt, waren Dylan und seine Musiker schlecht aufeinander abgestimmt, noch dazu die Tonanlage scheinbar überfordert, so dass ein wohl grässlicher Sound entstand. Mit gutem Gespür für Situationskomik schildert Irwin die Auseinandersetzungen hinter der Bühne. Auf der einen Seite die Folk-Gralshüter Pete Seeger und Alan Lomax, auf der anderen Seite die Ritter von Bobs Tafelrunde wie Manager Al Grossman oder Sangeskollege Peter Yarrow von Peter, Paul & Mary. Vollends grotesk wird es, wenn sich Grossman und Lomax im Ringkampf auf dem Boden wälzen oder der Frage nachgegangen wird, ob Pete Seeger wirklich mit einer Axt das Stromkabel durchtrenne wollte.

Dylans Wechsel zur Rockmusik und die daraus folgenden, zum Teil erbittert geführten Kontroversen muten heutzutage wie fremdes Geklingel aus einer längst vergangenen Zeit an. Hier Protest und Folk, dort Rock. Dieses Schisma sollte sich bis Ende der 60er bereits völlig aufgelöst haben. Schließlich wurde der Folk-Rock en vogue und auch die Protestlieder bedienten sich schon bald den Rock-Rythmen. Das legendäre Woodstock-Festival sollte 1969 ein erster der Höhepunkt dieser Entwicklung sein.

Rastlose „Legende“

Doch da hatte Dylan die Rockpfade schon wieder verlassen und eignete sich die Countrymusik an. „John Wesley Harding“ (1968) und vor allem „Nashville Skyline“ (1969) markieren die Auseinandersetzung Dylans mit diesem Genre. Doch auch hier blieb Dylan nicht stehen, seine weitere Karriere sollte ein immerwährendes Haken schlagen sein. So kehrte er in den Siebzigern zurück zum Folk-Rock (1973-76), schwenkte dann hin zum Big Band-Rock (1978), zum Gospel-Rock (1979/80), zum Stadion-Rock (1984-87) und fiel dann Ende der 80er/Anfang der 90er tief und war ziemlich weg vom Fenster. Also spielte er alte Blues-, Folk- und Country-Songs (1992/93), um sich selbst und seine Wurzeln in der Musik wieder zu finden. Zur Jahrtausendwende (1997 -2001) feierte er dann ein fulminantes Comeback und wird seitdem von Kritik und Publikum gleichermaßen als „lebende Legende“ verehrt und ist noch immer im Alter von 69 Jahren auf seiner „Never Ending Tour“ unterwegs.

Fazit: Das Album „Highway 61 Revisited“, so die Überzeugung nicht nur des Autors Colin Irwin, ist bis heute ein Meisterwerk und Meilenstein geblieben. Es bietet – blickt man mit Hilfe von Irwins Buch hinter seine Kulissen – einen entscheidenden Beitrag sowohl zum Mythos, als auch zum Verständnis des Musikers Bob Dylan. In diesem Sinne sei Colin Irwins Buch allen empfohlen, die sich tiefer gehender mit der populären Musik und Bob Dylans Beitrag dazu auseinander setzen wollen.

Bob Dylan: Highway 61 Revisited von Colin Irwin Titel: Bob Dylan: Highway 61 Revisited von Colin Irwin
Künstler: Colin Irwin
Veröffentlichungstermin: September 2010
Label: Edel Books
Format: Buch
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Sprache: Deutsch

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Über Thomas Waldherr (542 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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