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Various Artists: Bob Dylan’s Country Selection

Truck Stop 2018

Das gerade erschienene Album Bob Dylan’s Country Selection spürt den Country-Wurzeln des Künstlers nach und bietet zudem einen interessanten Querschnitt dieses Musikgenres von den dreißiger bis zu den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es zeigt auf, wie sehr Dylan von Country-Künstlern wie Jimmie Rodgers, Hank Williams, Hank Snow oder den Stanley Brothers beeinflusst worden ist.

In den letzten Jahren ist der Markt der „Roots of“-Kompilationen fast unüberschaubar geworden. Rechte und Produktion sind billig und vielerorts hängt man sich mit schnell zusammen gestellten Silberlingen an den Erfolg eines Stars an.

Wohltuend hebt sich da seit einiger Zeit schon das Label „Chrome Dreams“ ab, dessen Produkte hierzulande von „In-Akustik“ vertrieben werden. Kenntnisreich ausgewählt, sorgsam editiert und liebevoll aufgemacht präsentieren sich die Zusammenstellungen aus diesem Hause. Nun ist das Album „Bob Dylan’s Country Selection“ herausgekommen und auch dieses besticht durch seinen profunden Kenntnisreichtum. Was kein Zufall ist, denn Derek Barker, der für Kompilation und Liner Notes zuständig ist, ist der „Mastermind“ des englischen Dylan-Fanzines „Isis“.

Dieses Album zeigt auf, welche enge Beziehung zwischen Dylan – der meist mehr mit Folk, Rock und Blues in Verbindung gebracht wird – und der Countrymusik besteht. Als Jugendlicher hörte er die Grand Ole Opry-Radio Show und speziell Hank Williams hat sein Verständnis für Musik und den Wunsch Sänger und Gitarrist zu werden maßgeblich beeinflusst. Später hat er durch die Plattensammlung des Vaters einer Freundin Jimmie Rodgers entdeckt. Und während seiner ganzen Karriere hat er immer wieder Ausflüge in dieses Genre unternommen.

42 Songs sind auf der Doppel-CD enthalten. Geordnet sind sie nach ihrer Live-Darbietung durch Dylan in den Jahren 1960 – 2002. Los geht’s mit Jimmie Rodgers „Blue Yodel No. 8“, das Dylan erstmals bei einem im Mai 1960 mitgeschnittenen Privatauftritt angestimmt hat, den Schlusspunkt setzt Bill Monroes „A Voice From On High“, das die Folkrock-Ikone 2002 mehrmals in Konzerten gespielt hat. Dazwischen gibt es viel Hank Williams auf die Ohren, Merle Travis mit „Dark As A Dungeon“, die Stanley Brothers gleich mit drei Songs und natürlich Johnny Cash und die Carter Family.

Überraschender dagegen sind die Beiträge von Hank Snow und Eddy Arnold, die man bislang eigentlich kaum mit dem Dylan’schen Universum in Zusammenhang brachte. Doch neben dem Einfluss, den sie als Country-Stars auf den jugendlichen Bobby Zimmerman gehabt haben mochten – so wurden vor wenigen Jahren zwei Abschriften des 16-jährigen Dylan der Snow-Stücke „The Drunkard’s Son“ und „Little Buddy“ gefunden – sind sicherlich die Titel ihrer Songs „You Don’t Know Me“ (Arnold) und I’m Movin On“ (Snow) als programmatisch für den ewig rätselhaften Rock-Hobo auf Never-Ending-Tour zu sehen. So sehr, dass sie Dylan bevorzugt auf den Konzerten seiner Selbstfindungsphase 1989-91 gespielt hat. Ganz nebenbei wird damit auch deutlich, dass auch der große Songwriter Dylan im Laufe seiner Karriere bei Live-Auftritten immer wieder gerne anderen Kollegen seine Referenz erwiesen hat.

Fazit: Eine liebevolle, detailreiche Zusammenstellung, die auch rein musikalisch beim Hören funktioniert, und auch für Musikfreunde, die keine Dylan-Enthusiasten sind, interessant sein sollte.

   
Bob Dylan's Country Selection
CD: „Bob Dylan’s Country Selection“
Veröffentlicht: 2011
Label: Chrome Dreams (In-Akustik)

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Trackliste: (CD 1)

01. Blue Yodel No. 8 (Jimmie Rodgers)
02. Columbus Stockade Blues (Tom Darby & Jimmie Tarlton)
03. Southern Cannonball (Hank Snow)
04. Will The Circle Be Unbroken? (Roy Acuff)
05. (I Heard That) Lonesome Whistle (Hank Williams)
06. Blues Stay Away From Me (The Delmore Borthers)
07. I Forgot More Than You’ll Ever Know (Davis Sisters)
08. Weary Blues From Waitin‘ (Hank Williams)
09. I’m So Lonesome I Could Cry (Hank Williams)
10. Folsom Prison Blues (Johnny Cash)
11. Be Careful Of Stones That You Throw (Hank Williams)
12. Cool Water (Sons Of the Pioneers)
13. You Win Again (Hank Williams)
14. I Forgot To Remember To Forget (Elvis Presley)
15. A Fool Such As I (Hank Snow)
16. Five Feet Hig And Rising (Johnny Cash)
17. Blue Yodel No. 1 (T For Texas) (Bob Downen)
18. Blue Yodel No. 5 (Jimmie Rodgers)
19. I Still Miss Someone (Johnny Cash)
20. I Walk the Line (Johnny Cash)
21. Oh Lonesome Me (Don Gibson)
22. Little Moses (The Carter Family)

  Trackliste: (CD 2)

01. Dark As A Dungeon (Merle Travis)
02. I’m Movin‘ On (Hank Snow)
03. Making Believe (Jimmy Work)
04. I’m Glad I Got to See You Once Again (Hank Snow)
05. El Paso (Marty Robbins)
06. A House Of Gold (Hank Williams)
07. More And More (Webb Pierce)
08. You Don’t Know Me (Eddy Arnold)
09. Hey Good Lookin‘ (Hank Williams)
10. Little Maggie (The Stanley Brothers)
11. Hello Stranger (The Carter Family)
12. My Blue-Eyed Jane (Jimmie Rodgers)
13. The Lonesome River (The Stanley Brothers)
14. White Dove (The Stanley Brothers)
15. Honky Tonk Blues (Hank Williams)
16. Blue Moon Of Kentucky (Bill Monroe)
17. You’re Too Late (Lefty Frizzell)
18. Train Of Love (Johnny Cash)
19. Can’t Get You Off My Mind (Hank Williams)
20. Voice From On High (Bill Monroe)

Truck Stop 2018

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