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Hoyt Axton

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Er war ein Kerl wie ein Baum, rein äußerlich habe ich ihn gern mit „Hoss“ aus der Serie „Bonanza“ verglichen. Ein Gemütsmensch, so schien es mir, ein ungemein unterhaltsamer Gesprächspartner, der durchaus einige Jahre als „Raubein“ hinter sich hatte. Vor allem war er ein kreativer Mensch, der sich in kein Schema pressen ließ.

Kennengelernt hatte ich ihn durch seine Mutter, die im Show Business sehr rege Autorin und Journalistin Mae Boren Axton. Die gebürtige Texanerin wuchs in Oklahoma auf, wo sie zunächst als Lehrerin für Englisch und Journalismus arbeitete. Nach ihrer Heirat mit dem Navy Officer John T. Axton lebten sie etliche Jahre in Florida, wo Mae Boren Axten ins Music Business hinein wuchs.

Hoyt AxtonVon ihren vielen Funktionen wurde die einer Autorin am bekanntesten. Sie brachte den noch weitgehend unbekannten Elvis Presley mit dessen späterem Manager „Colonel“ Tom Parker zusammen. Sie zeichnete als Co-Autorin für Presley’s Welthit „Heartbreak Hotel“ verantwortlich und sie arbeitete in Sachen Promotion und Public Relations an den Karrieren so manchen Country Stars, darunter Willie Nelson, Tanya Tucker, Eddy Arnold und Johnny Tillotson. Mae Boren Axton starb am 9.4.1997 als sie infolge eines Herzinfarktes in ihrer Badewanne ertrank.

Am 25. März 1938 hatte Mae Boren Axton in Duncan, Oklahoma den älteren ihrer beiden Söhne zur Welt gebracht, der den Namen Hoyt Wayne Axton erhielt. Er sollte später in die künstlerischen Fußstapfen seiner Mutter treten. Zunächst aber wuchs Hoyt Axton in Commanche, Oklahoma gemeinsam mit seinem Bruder John ohne besondere Auffälligkeiten heran.

Das änderte sich ab 1949 als die Familie nach Florida umgezogen war und Axton ein Faible für derbe Späße entwickelte. Er erwarb sich einen zweifelhaften „Ruhm“ als Raubein. Ein Kind von Traurigkeit sei er wahrhaftig nicht gewesen, erzählte mir seine Mutter in seinem Beisein. Kaum vorstellbar, denn ich hatte den Riesen als einen sanften, humorvollen Zeitgenossen kennengelernt. Einer der Streiche, an denen Axton beteiligt war, ging gründlich in die Hose. Er meinte dazu nur, am Abend nach dem High School Abschluss im Jahre 1956 hätten er und einige Kumpel in angetrunkenem Zustand eine Posse geritten, in deren Verlauf ein Ladenlokal in Flammen aufgegangen wäre. Er habe daraufhin die Hosen ganz schön voll gehabt und sich aus dem Staub gemacht. Weitere Details dazu wollte er nicht verraten.

Hoyt Axton verschwand zurück nach Oklahoma und begann ein Studium an der Oklahoma State University. Lange blieb er nicht bei der Stange, das Studium schien ihm zu langweilig, er fühlte sich eingepfercht, er wollte etwas erleben. Der beste Weg dazu schien ihm die Navy zu sein, schließlich hatte der durch seinen Vater einige Einblicke bekommen. Ehe er sich’s versah, fand er sich auf der „USS Ranger“ wieder – von einer Karriere in der Musik weit und breit noch nichts zu erkennen.

An der Westküste endete sein Dienst in der Navy, Axton blieb gleich dort und wandte sich dem zu, was er von seiner Mutter her kannte und bei der Navy begonnen hatte. Er stieg ins Show Business ein, genau gesagt, er ging in die aufblühende Folk Szene Kaliforniens. Das Rüstzeug holte er sich weitgehend in entsprechenden Clubs im Bereich der San Francisco Bay, wo er gleichzeitig seine selbst verfassten Songs vor Publikum testen konnte. Im renommierten Troubadour entstand durch einen Mitschnitt sein erstes Album mit dem Titel „The Balladeer“. Es enthielt mit „Greenback Dollar“ den ersten Song, mit dem er für Furore sorgen sollte, denn das Kingston Trio griff zu und landete damit 1963 einen ihrer größten Erfolge. Schon da zeigte sich, dass Axton’s Songs nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt werden konnten.

Da Hoyt Axton sich auf dem richtigen Weg fühlte, ging er nach Nashville, wo er seine ersten Studio Aufnahmen einspielte. Mit seinen eigenen Aufnahmen aber konnte er noch nicht recht punkten – er würde es im weiteren Verlauf seiner Karriere nie schaffen, als Sänger so erfolgreich zu sein wie es andere mit seinen Songs waren. Immerhin setzte er 1963 mit den Alben „Thunder ‚N‘ Lightnin'“ und „Saturday’s Child“ eine Duftmarke, wenn auch nicht in den Country Charts. Sein nächster hochkarätiger Song wurde „The Pusher“, ein Lied, zu dem ihn der Tod eines Freundes aufgrund einer Überdosis Rauschgift inspiriert hatte. Die Rock Gruppe „Steppenwolf“ machte einen Welthit daraus, der sich zudem im Soundtrack von „Easy Rider“ wiederfand. „Steppenwolf“ war später mit Axton’s „Snowblind Friend“ erneut erfolgreich. Mit dem Thema „Drogen“ kannte sich Axton aus eigener Handhabung aus. Die negativen Erfahrungen, die er damit machte, verarbeitete er wiederholt in seinen Songs. Jahrelang trat er später in der Öffentlichkeit als Gegner von Drogen in Erscheinung, kam aber selbst offenbar nie so richtig und endgültig davon los. 1997 jedenfalls wurden er und seine Frau in Montana wegen Besitzes von Marijuana verhaftet und auf Bewährung bestraft. Axton’s Frau gab an, sie habe das Marijuana beschafft, um die Schmerzen ihres Mannes zu lindern, unter denen er seit einem Schlaganfall leide.

Seine eigene Plattenkarriere kam erst Ende der 60er Jahre ein wenig in Fahrt als er bei Columbia unterschrieb. Doch reichte es bei dem Label auch nur für ein Album: „My Griffin Is Gone“. Axton blieb aber all die Zeit auch live unterwegs. Beispielsweise im Vorprogramm der damals populären Rocker von Three Dog Night“. Die fanden Gefallen an Axton’s „Joy To The World“, nahmen den Song auf und landeten ihren größten Hit damit. Der Song wurde ein Evergreen, das es in hunderten von Versionen gibt. Eine weitere Nr. 1 verbuchte Three Dog Night 1972 mit Axton’s „Never Been To Spain“.

Hoyt Axton hatte mit seinen eigenen Versionen weniger Glück, zwei Alben für Capitol Records verpufften mehr oder weniger. 1973 wechselte er zu A & M Records, kein ausgesprochenes „Country Label“. Jetzt aber gelang ihm erstmals der Sprung in die Country Charts, wo er 1974 sein Debüt mit „When The Morning Comes“ feierte. Linda Ronstadt sang die zweite Stimme bei der Aufnahme, Platz 10 sprang dabei heraus. Noch zwei Positionen höher kletterte gleich danach „Boney Fingers“, es blieb sein größter Hit als Sänger. Ex-Beatle Ringe Starr gesellte sich zu den illustren Axton-Kunden, 1975 schob er sich mit „The No No Song“ bis auf Platz 3 der Pop Charts.

Nachdem es weiterhin nicht mit eigenen Hits klappte, gründete Hoyt Axton mit Jeremiah Records 1979 eine Plattenfirma, setzte voll auf Country und wurde insoweit belohnt als er mit „Della And The Dealer“, „Rusty Old Halo“ und „Evangelina“ drei wunderschöne, zeitlose Hits erzielen konnte. Doch hielten derartige Erfolge nicht an. Dass er beste Songs im Angebot hatte, sprach sich natürlich auch in Nashville herum. Zunehmend tauchten seine Songs auch bei Country-Interpreten auf wie Anne Murray, Waylon Jennings oder John Denver.

Derweil fand Hoyt Axton ein anderes Betätigungsfeld. Er wandte sich vermehrt der Schauspielerei zu und war damit erfolgreicher als mit allen Gesangsversuchen. Erste vielversprechende Erfahrungen als Schauspieler hatte er schon 1963 gemacht als er in dem TV Film „The Story Of A Folksinger“ mitwirkte. Auch in einer Folge der Kult-Serie „Bonanza“ konnte man Hoyt Axton sehen. In den 80er Jahren blieb Axton ein gefragter Schauspieler. Er beherrschte dabei sowohl die „Bösewichter“ als auch die „Guten“ in Streifen wie „The Gremlins“, „The Black Stallion“, „We’re No Angels“ oder „I Dream Of Jeannie“. Sein letztes Studio-Album nahm Hoyt Axton 1990 auf, „Spin Of The Wheel“ erschien auf dem kleinen DPI Label.

Von dem zuvor bereits erwähnten Schlaganfall im Jahre 1995 konnte sich Axton nie mehr richtig erholen. Lange Zeit blieb er sogar auf den Rollstuhl angewiesen. Nach weiteren Herzanfällen und den damit verbundenen Komplikationen starb Hoyt Axton am 26. Oktober 1999 im Alter von nur 61 Jahren auf seiner Ranch in der Nähe von Victor in Montana.

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