Freddy Fender
Das Glück hielt nicht lange an, denn noch 1960 wurde Fender wegen Besitzes von Marijuana in Baton Rouge, Louisiana zu einer fünfjährigen Haftstrafe verdonnert. Während er diese Strafe verbüßte, hatte er immerhin Gelegenheit, einige weitere Platten aufzunehmen. Country-Star Jimmie Davis, damals in seiner zweiten Amtszeit als Gouverneur von Louisiana, erwirkte, dass Fender bereits nach drei Jahren auf Bewährung frei gelassen werden konnte. Mit der Auflage, sich während der Bewährungszeit von Orten fern zu halten, an denen Alkohol ausgeschenkt wurde. Für einen Musiker ein schwieriges Unterfangen.
Fender kehrte nach Texas zurück, arbeitete als Automechaniker und trat nur an Wochenenden noch auf. Und er nutzte die Zeit, seine Schulausbildung zu verbessern, indem er zwei Jahre ein College besuchte.
1974 lernte er Huey Meaux kennen, der sein Manager wurde. Meaux, selbst kein Kind von Traurigkeit, schaffte es auf seine umtriebige Art, Freddy Fender bei ABC/Dot unterzubringen. Gleich die erste Single stellte sich als Rakete raus, „Before The Next Teardrop Falls“ marschierte sowohl in den Country wie in den Pop Charts durch bis zur Nr. 1. Damit hatte Fender genau den Song gefunden, von dem jeder ambitionierte Künstler träumt. „Before The Next Teardrop Falls“ ist längst ein Klassiker der Unterhaltungsmusik geworden. Mit dem schon erwähnten „Wasted Days And Wasted Nights“, einer Fender-Version von „Secret Love“ und „You’ll Lose A Good Thing“ landete er in kurzer Folge weitere Top-Hits. Seine ungewöhnliche Stimme, seine Phrasierung und sein vom Swamp-Blues des südlichen Louisiana beeinflusster Musikstil machten ihn unverkennbar.
Ende der 1970er Jahre ließen seine Erfolge rapide nach, woran auch mehrere Labelwechsel nichts änderten. Das lag sicher daran, dass der Überraschungseffekt verflogen war und zweisprachig gesungene Songs. Wie Fender sie oft sang, sich immer schwer taten. Einige Jahre hörte man kaum mehr etwas von Fender bis er 1989 der von Doug Sahm (ehemals Sir Douglas Quintet) gegründeten Gruppe „Texas Tornados“ beitrat, zu der auch Augie Meyers und Flaco Jiminez gehörten. Sie stießen mit einer Mischung aus Country, Blues, R&B, Conjunto, Tejano oder wie immer man es bezeichnen will, in eine Marktlücke. Vor allem auch als Live-Act. Insgesamt sind vier Alben von den „Texas Tornados“ erschienen. Nach dem Tod von Doug Sahm löste sich die Gruppe nach und nach auf.
Ins Rampenlicht rückte Fender noch einmal Ende der 1990er Jahre als Mitglied von „Los Super 7“, einer Gruppe, in der u.a. David Hidalgo (Los Lobos), Flaco Jiminez, Joe Ely und Rick Trevino mitmachten. 2001 erschien das letzte Solo Album von Freddy Fender mit dem Titel „La Musica de Baldemar Huerta“, eine Sammlung klassischer mexikanischer Boleros. Hierrfür bekam er seinen insgesamt dritten Grammy, diesmal als bestes Latin Pop Album. Der Kreis hatte sich geschlossen, Fender war endgültig zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
2002 musste sich Fender einer Nierentransplantation unterziehen (Spenderin war seine Tochter), 2004 auch noch einer Lebertransplantation. Sein Gesundheitszustand verbesserte sich allerdings nicht mehr. 2005 wurde Lungenkrebs diagnostiziert. Am Silvestertag 2005 trat Freddy Fender zum letzten Mal auf und begab sich danach in Chemotherapie. Im Alter von 69 Jahren starb Freddy Fender am 15. Oktober 2006 in Corpus Christi. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof von San Benito.


