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Freddy Powers

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Man kennt ihn in der breiten Öffentlichkeit kaum, dennoch hat man ihn als Konzertbesucher vermutlich schon einmal gesehen, vor allem hat man von seinen Songs gehört. Freddy Powers, inzwischen in die Jahre gekommen, ist ein feinfühliger Vollblutmusiker und Songschreiber, der mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte.

Aber hat er das wirklich gewollt? Er stand die meiste Zeit eher im Hintergrund und freute sich, wenn seine Freunde Willie Nelson und Merle Haggard gefeiert wurden. Mit beiden Stars war er viele Jahre unterwegs, bei deren Live Gigs hat man irgendwann sicher auch diesen Freddy Powers gesehen. Seine Songs werden nicht nur die beiden Stars gesungen sondern von vielen anderen wie etwa von Ray Charles bis George Jones.

Freddy Powers

Geboren wurde er am 11. Oktober 1931 in Duncan, Oklahoma, wuchs aber in Seminole, Texas auf. In der Familie stand Musik ganz oben, gemeinsam spielte und trat man auf mit Dixieland Jazz. Der junge Freddy Powers hatte Größeres im Sinn als bei kleinen Tanzveranstaltungen zu versauern.

Mit 16 ging er zur Marine, verhinderte seinen Einsatz im Koreakrieg dadurch, dass er sich für eine Kriminalabteilung der Marine bewarb. „Als ich aus der Marine zurück kam, war klar, ich würde Musiker werden“, erinnert sich Powers. „Ich ließ mich in Dallas zum Friseur ausbilden, um die Kasse aufzubessern. Viele Musiker haben damals als Friseur gearbeitet. Johnny Gimble besuchte die gleiche Schule. Wir zogen von Ort zu Ort, schnitten den Leuten die Haare und konnten abends Musik machen.“

In Paul Buskirk fand er einen exzellenten Gitarrenlehrer und er traf einen blutjungen Musiker mit dem gleichen Feeling für Jazz: Willie Nelson. Freddy Powers wurde einer der Ersten, die einen Song von Willie Nelson aufnahmen: „Heartaches Of A Fool“ im Jahre 1955. Kurzzeitig gehörte Nelson zu Powers‘ Band „The Powerhouse“. Eine abenteuerliche Formation, die durch die texanischen Honky Tonks tingelte, mit drei Banjos und einer Tuba spielte man Dixieland und Dance Hall Jazz – und erspielte sich sogar einen Namen.

Nachdem Powers zeitweise einen eigenen Club betrieben hatte, ging er Anfang der 60er Jahre nach Las Vegas. Powers in Erinnerung an diese Zeit: „Las Vegas war damals für Entertainer ein Paradies. Gesetze gab es kaum, in den Casinos floss Schwarzgeld, Künstler standen hoch im Kurs. Das war eine ganz andere Welt als die texanischen Honky Tonks. Ich war mittendrin.“ Powers leitete die Hausband im „Stardust“ und machte sich wenig Gedanken. Powers: „Es gab reichlich Gangster in Las Vegas, die dort ihre großen Geschäfte tätigten. Man hat mit ihnen getrunken und gespielt, das war eine eigene Welt für sich. Alle schienen für Kriminelle zu arbeiten. Und die Bosse waren nur daran interessiert, Geld mit Glücksspiel zu machen. Die meisten von ihnen liebten die Musiker, wir hatten es einfach mit ihnen.“

Freddy Powers ließ sich nicht beirren und hatte sein Augenmerk ganz auf die Musik gelegt. Mit seiner Dixieland Band gehörte er zum Establishment in Vegas. Dort im „Stardust“ lernte er auch Merle Haggard kennen, der damals in der Band von Wynn Stewart spielte und noch unbekannt war.

Mitte der 1970er Jahre änderte sich Las Vegas grundlegend, auch die Country Music, mit der Powers damals noch nichts am Hut hatte, erlebte eine Revolution. Stichwort: Outlaw Music. Powers ging zurück nach Texas. Er erzählt: „Meine Freunde wie Willie wurden plötzlich zu Stars mit Country Music und Songschreiben. Ich dagegen ritt mit Dixieland ein sterbendes Pferd. Ich habe eines Tages das Banjo weggepackt und nie wieder hervor geholt. Ich fing an Lieder zu schreiben und hatte Glück. Einen meiner ersten Songs schrieb ich für Merle (Haggard). Das war der #1 Hit „I Always Get Lucky With You“. Etwa 1980 sind wir uns wieder begegnet. Ich wollte mehr über Country Music wissen, Merle mehr über Jazz. Wir taten uns zusammen, schrieben gemeinsam, machten Musik. Seither sind wir eng befreundet.“

1981 zog Powers zu Haggard an den Lake Shasta. Powers mit einem schelmischen Grinsen in Erinnerung an die Zeit: „Es war eine zehn Jahre dauernde Party die ganzen 80er hindurch. Eigenlicht eine Schande, was wir getrieben haben … aber ich würde das schon gerne noch mal machen.“ Immerhin sind auch vorzeigbare Ergebnisse dabei herausgekommen, Songs wie „A Friend In California“, „Let’s Chase Each Other Around The Room“ oder „Okie From Muskogee’s Coming Home“.

1981 produzierte Powers das mit Platin ausgezeichnete Willie Nelson Album „Somewhere Over The Rainbow“. 1983 erschien sein dem Titel entsprechend jazziges eigenes Album „The Country Jazz Singer“, im gleichen Jahr erhielt er den „Triple Play Award“, weil er Autor von drei Nummer-Eins-Songs im gleichen Jahr war.

Anfang der 90er Jahre erlebte Powers den nächsten Einschnitt in seine Karriere. Er wollte es ruhiger angehen lassen, gehörte deshalb nicht mehr Haggard’s Band und Show an sondern ging mit seiner neuen Frau Catherine nach Nashville. Powers: „In Nashville hielt ich es nicht aus. Die Musik war mir zu modern, es gefiel mir einfach nicht dort. Also hauten wir ab und versteckten uns in den Bergen am Lake Tahoe. Wir hatten Öllampen und ich bastelte aus einem Kühlschrank einen von Wasser angetriebenen Generator. Wir wollten von dem Leben, was das Land uns anbot.“

In den 1990er Jahren rief ihn Willie Nelson, seither lebt und arbeitet Powers in der Nähe von Austin. Inzwischen aber stark eingeschränkt, denn Gitarre spielen kann er nicht mehr, Freddy Powers leidet an Parkinson. Als er sich 2004 die Hand brach, stellten die Ärzte die Krankheit fest. Powers: „Ich habe es erst nicht wahrgenommen oder wahrnehmen wollen. Es ist ein schleichender Prozess. Meine linke Seite war immer schwächer, sowohl der Arm als auch das Bein. Deshalb habe ich mir nichts dabei gedacht als es dort schlechter wurde. Es ist verdammt hart, das zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass man das, was man so gerne macht, nicht mehr kann.“

Freddy Powers steckte den Kopf nicht in den Sand. Er lernte, mit der Krankheit zu leben, sie zu akzeptieren und dennoch weiter auf einer Bühne zu stehen. Mit seiner sanften Stimme kann er immer noch ein Publikum unterhalten und dort sogar Witze über seine Behinderung machen. Mehr noch, er versucht seinen Leidensgenossen Mut zuzusprechen und hat etwas gegen den Parkinson unternommen. Deshalb gründete er die Freddy Powers Parkinson Organisation.

Ein Album hat Freddy Powers vor wenigen Jahren auch noch aufgenommen: „My Great Escape“. Ansonsten lautet das Motto für ihn immer noch so wie er es in einem seiner Songs, der wie so manch anderer auch von Merle Haggard aufgenommen wurde: „Alles, was mich möchte, ist mein Lied singen, ich möchte nicht an die Zeiten denken, in den alles falsch lief. Ich möchte meinen Kopf frei bekommen aber die Erinnerung ist zu stark. Alles, was ich möchte, ist mein Lied singen!“

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