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„Cowboy“ Jack Clement in Nashville verstorben

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Es gibt Menschen, bei denen es leicht fällt, einen Nachruf zu schreiben. Sie waren bekannt, populär, oder sogar Beides, viele Leute wissen genau, von wem da die Rede ist, und die Fakten ihres Leben, die Verdienste und Leistungen und Einflüsse, sind schnell beschrieben und deutlich. Und dann gibt es Menschen, die in irgendeiner Form wichtig waren, die aber kaum Jemand kennt.

Dann gibt es natürlich die, die soviel in ihrem Leben gearbeitet, geleistet, inspiriert und gesteuert haben, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Ein solcher Mensch war Jack Henderson Clement, bekannt als „Cowboy“ Jack Clement.

Cowboy Jack ClementNoch vor ein paar Monaten, im April nämlich, saß ich vor dem Rechner und sah mir die Ankündigung der nächsten Mitglieder der Country Music Hall Of Fame an, live, online – eine moderne Art des Fernsehens. Gleich zu Beginn wurde bekannt gegeben, dass eben dieser Cowboy Jack Clement (der eine bekannte Abneigung gegen Pferde hatte) in diesem Jahr in die Ruhmeshalle der Country Music aufgenommen werden wird, zusammen mit Bobby Bare und Kenny Rogers. Ich habe laut gejubelt und mich gefreut, weil ich der Meinung war und bin, dass das mehr als nur verdient und gerechtfertigt ist.

Er wird die feierliche Zeremonie der Aufnahme nicht mehr erleben. Geboren am 5. April 1931 in Whitehaven, Tennessee, ganz in der Nähe von Memphis, starb er heute in seinem Haus in Nashville, Tennessee. Aber wie um alles in der Welt will man beschreiben, wer er war und was er gemacht hat, ohne Seiten über Seiten zu füllen? Ich will es versuchen. Er war bei den US Marines und salutierte für Prinzessin Elisabeth, die heutige Königin von England. Ein Foto davon hing in seinem Büro. Er studierte kurzzeitig an der Memphis State University, und damit war er in der Stadt, in der eine unglaubliche Karriere ihren Anfang nahm.

Er begann 1956 für Sun Records zu arbeiten. Er produzierte u.a. Johnny Cash, Carl Perkins, Roy Orbison, Charlie Rich, und natürlich Jerry Lee Lewis, den er auch entdeckte, als Sam Phillips in Florida weilte. Er schrieb „Guess Things Happen That Way“ und „Ballad Of A Teenage Queen“, beides Nummer Eins Hits für Johnny Cash. Natürlich produzierte er diese Aufnahmen auch. Er saß bei der berühmten Session des „Million Dollar Quartet“ am Mischpult und produzierte „Great Balls Of Fire“ und „Whole Lotta Shakin‘ Goin‘ On“ für Jerry Lee Lewis. Er ging nach Texas und produzierte dort den Million Seller „Patches“ für Dickey Lee.

Er kam zurück nach Nashville und produzierte und arrangierte Johnny Cash’s Aufnahme von „Ring Of Fire“ im Jahre 1963. Er entdeckte und produzierte Charley Pride und schrieb u.a. dessen Riesenhit „Just Between You And Me“ und machte ihn zum Star. Er überzeugte Kris Kristofferson davon, in Nashville zu bleiben. Er gründete JMI Records und entdeckte Don Williams. Er produzierte eines der großartigsten Alben in der Geschichte der Country Music, „Dreaming My Dreams“, für Waylon Jennings.

Er schrieb zwei Songs, über die er selbst sagte, sie stünden in jeder Liste der schlechtesten Songs in der Geschichte der Country Music. Das sind „Flushed From The Bathroom Of Your Heart“ und „Dirty Old Egg-Sucking Dog“, beide aufgenommen von Johnny Cash. Sie waren nicht nur auf dessen Album „Everybody Loves A Nut“, sondern eben auch auf „Johnny Cash At Folsom Prison“. Das machte ihn reich. Er gründete eine Vielzahl von Studios, in denen Country Music Geschichte geschrieben wurde. Zuerst Jack Clement Recording Studio, heute Sound Emporium, dann Jack’s Tracks, in dem Allen Reynolds Crystal Gayle, Kathy Mattea, Garth Brooks und viele Andere produzierte, und natürlich das berühmte Cowboy Arms Hotel & Recording Spa, seiner langjährigen Residenz.

Im Jahre 1978 erschien dann endlich auch ein Album von Cowboy Jack Clement, „All I Want To Do In Life“. 2004 dann erschien ein weiteres Album, „Guess Things Happen That Way“, und 2005 schließlich eine DVD mit der Dokumentation „Shakespeare Was A Big George Jones Fan“, auf der u.a. Johnny Cash, Kris Kristofferson, Charley Pride und George Jones zu sehen sind, dessen Nummer Eins Hit „She Thinks I Still Care“ von 1962 übrigens Jack Clement verlegt hatte. Er hat auch Townes Van Zandt produziert. Für U2 produzierte er einige Songs des Albums „Rattle And Hum“ im Sun Studio. 1975 produzierte er den Horrorfilm „Dear Dead Delilah“, den letzten Filmauftritt von Agnes Moorehead. Und immer wieder produzierte er Alben für Johnny Cash.

Er ist Mitglied der Nashville Songwriter’s Hall Of Fame, erhielt von der Americana Music Association den Lifetime Achievement Award for Songwriting und wurde aufgenommen in die Rockabilly Hall Of Fame. Im Jahre 2011 brannte sein Haus und Studio am Belmont Boulevard in Nashville nieder. Der Wiederaufbau dauerte ca. ein Jahr. Er moderierte eine wöchentliche Radiosendung für den Sender Sirius XM auf dessen Outlaw Channel. Und wer jetzt glaubt, dass das alles war, der sieht sich getäuscht. Dieser Artikel könnte noch lange weitergehen.

Cowboy Jack Clement war schon länger krank gewesen und starb schließlich an den Folgen von Leberkrebs. Er wurde 82 Jahre alt. Seine Tochter Alison, die an Stelle ihres Vaters die Dankesrede in der Rotunda der Country Music Hall Of Fame hielt im April, wird sicherlich auch die Dankesworte sprechen, wenn ihr Vater dann feierlich in die Hall Of Fame aufgenommen wird. Er selbst wird vielleicht auf einer Wolke im Hillbilly Heaven die Zeremonie verfolgen, der Polka King von Nashville. Hatte ich das noch nicht erwähnt? Ach nein, hatte ich nicht. Wie so viele andere wichtige Einzelheiten aus dem Leben dieses erstaunlichen Mannes. Möge er in Frieden ruhen.

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Über Bernd Wolf (138 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Johnny Cash, Singer & Songwriter. Rezensionen und Biografien.