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Jerrod Niemann: High Noon

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Die Karriere von Jerrod Niemann ist bislang alles andere als geradlinig verlaufen. Dabei darf man den Sympathieträger aus Liberal in Kansas ohne Zweifel zu den kreativsten Künstlern der aktuellen Countryszene zählen. Nachdem er als „Rodeo-Singer“ in den Fort Worth Stockyards seine ersten musikalischen Gehversuche unternahm, kam im Jahr 2000 der zwangsläufige Wechsel nach Music City. Sein Talent als Songwriter machte schnell die Runde und wurde keinem geringeren als Garth Brooks mit Songs wie „Good Ride Cowboy“ und „Midnight Sun“ zuteil.

Es dauerte schließlich bis zum Jahr 2010 als der mittlerweile 30-Jährige den Mut aufbrachte, mit „Judge Jerrod & The Hung Jury“ ein im Konzeptstil entworfenes Debütalbum auf den Markt zu bringen. Diese innovative Leistung wurde letztlich mit einer Billboard-Country-Album-Nummer-Eins und den Hitsingles „Lover, Lover“ und „What Do You Want“ belohnt.

Doch dann kam das ernüchternde Jahr 2012, das Jerrod Niemann eine harte Landung bescherte und sich musikalisch bis heute prägend auszuwirken scheint. Nachdem im Mai des besagten Jahres sein Tourbus nach einer Gasexplosion Feuer fing und er selbst nur durch die Warnung von Countrybuddy Lee Brice dem Desaster entkam, veröffentlichte er im Oktober sein zweites Album „Free The Music“. Dieser intelligente und experimentelle Versuch, die Countrymusik von ihren Fesseln zu befreien, ging aus kommerzieller Sicht an sämtlichen Zielgruppen vorbei und bescherte ihm lediglich das ein oder andere „brotlose“ Kritikerlob. Das nun erschienene dritte Album „High Noon“ geht als Ergebnis dieses Lernprozesses einen gänzlich anderen Weg.

Auf acht der dreizehn Tracks hat Jerrod Niemann seine persönliche Handschrift hinterlassen, die dem ehemaligen Kunststudenten als Kreativbeitrag zu Gute gehalten werden kann. Wer jedoch titelgetreu auf eine Gary Cooper mäßige Wildwest-Romantik hofft, muss seine Erwartung deutlich zurückschrauben. Statt Kritikerlob und schwache Verkaufszahlen geht der Mann mit dem „black fidel hat“ kein Risiko ein und setzt verstärkt auf die Bedürfnisse des männlich dominierten „Bro-Country-Trendes“. Bereits die clever ausgewählte Leadsingle „Drink To That All Night“ überzeugt auf ihrem Weg an die Chartspitze durch einen fetzigen Sing-A-Long-Refrain, nachdem der Auftakt eher an eine alte Jona Lewie-Nummer aus den 80ern erinnert.

Das Album beginnt äußerst vielversprechend mit „Space“, einem relaxten modern-country-tune, der viel von der charttechnischen Geschmeidigkeit besitzt, die dem Vorgängeralbum in weiten Teilen gefehlt hat. Das Intro von „Buzz Back Girl“ zeigt Parallelen zum Nummer-Eins-Hit „Hard To Love“ von Lee Brice, der als Co-Autor seinen Teil beigesteuert hat; insgesamt ein Song, dem im Vergleich zu anderen Modern-Country-Tracks speziell im Refrain ein wenig die Luft auszugehen scheint. Auf dem melancholischen „I Can’t Give In Anymore“ kann Jerrod Niemann seinen „personal twang“ besonders zur Geltung bringen und diesen Song zu einem der Albumhighlights hochstilisieren. „We Know How To Rock“ verbindet Country und Rock-Elemente mehr oder weniger gelungen, indem den dynamischen Rockgitarren Banjo, Mandoline und Steel ausgleichend gegenübergestellt werden.

Natürlich darf auch ein Beach-Party-Tune nicht fehlen. Die Plattitüde „Come On, Come On“ erfüllt dieses Klischee in Gänze, verbreitet einen relaxten „summer-vibe“ ohne jedoch an die Coolness eines Jake Owen heranzureichen. Nach „Lucky #7“, einem Midtempotrack mit einem feinem Groove und einer wenig erinnerungswürdigen Melodie, folgt ein Song, an dem sich die Geister scheiden dürften. Zu „Donkey“ sagt Jerrod Niemann selbst, dass er beim ersten Hören des Demos nicht sicher war, was er da vor sich hatte. Es ist so etwas wie der ultimative Party-Nonsens mit einer Hip-Hop-Attitude, der sich ob seines stupiden Reimschemas als potenzielle Single eigentlich verbietet, doch möglichweise bei anstehender Veröffentlichung als Chartbreaker nicht zu verhindern ist.

Das entspannte „Day Drinkin'“ gleitet wieder in ruhigeres Fahrwasser, bevor Niemann auf dem mit einem Backgroundchor unterlegten „The Real Thing“ seine wohl gesanglich stärkste Leistung abliefert. „Refill“ lässt zunächst einen weiteren „drinking song“ vermuten, entpuppt sich jedoch als musikalischer Seelentröster, der von seinem Interpreten glaubhaft transportiert werden kann. Um die Palette abzurunden, wird den Zuhörern mit „She’s Fine“ zum Abschluss eine Hip-Hop-Country-Melange kredenzt, in der Colt Ford mit seinen „spoken verses“ entsprechendes Flair beisteuert. Dieser Song beendet ein Album, das Jerrod Niemann möglicherweise gebraucht hat, um in die kommerzielle Erfolgsspur als New-Country-Artist zurückzufinden.

Fazit: „High Noon“ ist ein Album, das den künstlerischen Fähigkeiten eines Jerrod Niemann wenig angemessen erscheint. Er begibt sich bewusst dorthin, wo viele seiner Kollegen bereits angelangt sind und das Segment des partybasierten New-Country-Styles unter sich aufgeteilt haben. Dennoch gelingt es dem Kansas-Native aufgrund seiner charakteristischen Stimmfarbe auf Songs wie „Space“, „I Can’t Give In Anymore“ oder „The Real Thing“ aus der grauen Masse herauszustechen. Jerrod Niemann ist nach zwei Jahren kommerzieller Durststrecke wieder Teil der Szene geworden und hat sich gleichzeitig von seinem Ruf als kreativer Freigeist ein Stück weit verabschiedet.

Das aktuelle Album High Noon von Jerrod Niemann – Bestellen, Format, VÖ. und Label:

 
Jerrod Niemann - High Noon
 
Künstler / Albumtitel: Jerrod Niemann – High Noon
Format / Label / Veröffentlicht: CD & Digital (Arista Nashville, 2014)
 
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Trackliste:

01. Space
02. Buzz Back Girl
03. Drink To That All Night
04. I Can’t Give In Anymore
05. We Know How To Rock
06. Come On, Come On
07. Lucky #7
08. Donkey
09. Day Drinkin‘
10. The Real Thing
11. Beach Baby
12. Refill
13. She’s Fine – mit Colt Ford

 
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Über Bernd Wenserski (588 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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