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1. Old West Saloon Country Festival

Real Cowboys listen to real Country Music: Tipi-Dorf in Walbeck.

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Truck Stop 2019
Old Western Saloon Festival Old Western Saloon Festival - Bildrechte: Michael Förschges

Von Freitag, den 08. Juli bis Sonntag, den 10.Juli 2016, stand das Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden in der Region um Walbeck ganz im Zeichen der Countrymusik. Der Old West Saloon aus dem niederländischen Lomm lud ein zum Festival im Tipi-Dorf zu Walbeck in der Nähe von Geldern. Mit musikalischen Gästen aus den Niederlanden und Deutschland, sowie Dänemark und sogar aus Nashville Music City USA war sichergestellt, dass jeder Countryfan auf seine Kosten kommen konnte. Auch für ein tolles Rahmenprogramm war gesorgt, was die Herzen von Cowgirls und Cowboys höher schlagen ließ.

Doch fangen wir mal mit dem Freitagabend an. Einlass auf das Festivalgelände war ab 17.00 Uhr und empfangen wurden die Besucher mit Musik aus dem Computer unter der Regie von DJ John aus den Niederlanden. Nach einer kurzen Begrüßung durch Andre Baur vom Old West Saloon in Lomm – war das Festival offiziell eröffnet. Da die erste Band erst für 19.30 Uhr angekündigt war, hatte man genug Zeit schon mal das weitläufige Gelände zu erkunden oder sich bei den anwesenden Händlern noch sozusagen in letzter Minuten das passende Outfit zu besorgen. Linedance-Freunde aus den Niederlanden und Deutschland nutzen die Zeit um die Tanzfläche einzuweihen und sich aufzuwärmen.

Eh man sich versah war es auch schon 19.30 Uhr und die erste Band des Festivals stand in den Startlöchern, die zahlreich erschienenen Country- und Linedancefans mit Livemusik zu versorgen. Es handelte sich um die in den Niederlanden bestens bekannte TCC-Band. Der Country Club, oft auch TCC Band genannt, kommt aus der Region Emmen in den Niederlanden und besteht aus sechs erfahrenen Musikern die ihrer Liebe und Leidenschaft zur Countrymusik nachgehen. Mit dem Potential mehrerer Leadvocal-Stimmen und einer auffallenden Frontfrau ist die TCC-Band in der Lage ein breitgefächertes Spektrum der Countrymusik im Repertoire zu haben. Bekannt in den Niederlanden ist der Country Club nicht zuletzt durch seine Auftritte im Rahmen der Western Experience – der niederländischen Country Musik Messe. In Deutschland sah man die TCC-Band zuletzt auf dem Geronimo Town Festival in Güllesheim. Was noch fehlt, ist die Besetzung der Truppe, als da wären: Miranda Snijders (Sängerin), Manfred Rohling (Gitarre), Henk Nannen (Solo Gitarre) Charles Rotteveel (Bass), Fred Lubben (Keyboard, Akkordeon, Harmonika) und Bert Bergsma (Drums).

Da der Freitagabend erst am Samstagmorgen enden sollte und die Zeitspanne für eine Band allein zu umfangreich wäre, hatten die Organisatoren rund um Andre und Ine Baur einfach eine zweite Band eingeplant, so dass sich beide Formationen einfach nach einem Set abwechseln konnten. Diese zweite Band kam ebenfalls aus den Niederlanden und trägt schon im Namen die Begeisterung der vier Cowboys, die die Bühne rockten im Namen Yeeehaa.

Mit Yeeehaa gab es Countrymusik aus dem Herzen der Region von Mas und Waal. Die Jungs von Yeeehaa finden ihre Inspirationen in der reichhaltigen Tradition der Countrymusik in den USA als auch in den vielen verschiedenen Arten der Countrymusik. Die Mitglieder der Band zögern nicht Titel ihrer großen Vorbilder aus dem Mutterland der Country Music zu covern und ihnen dabei gleichzeitig den ganz speziellen Yeeehaa-Sound zu verleihen. Ebenfalls hat das Quartett auch einenge Songs im Repertoire, die Stories erzählen über durchlebter Liebe und Leiden, über Wohl und Wehe sowie Begehren und Trostlosigkeit. Und natürlich haben wir auch die Namen und die Besetzung von Yeeehaa parat: Peter Noppen (Sänger, Gitarre,Harmonika), Raymond van Haalen (Solo-Gitarre) , Pleun Vermeulen (Bass) und noch Johan van Haalen (Drums).

Im Laufe des Abends konnte jede der beiden Formationen in zwei Sets sich dem Publikum präsentieren und für Partystimmung im Tipi-Dorf sorgen, was auch besten klappte. Das letzte Set gestatteten dann TCC-Band und Yeeehaa zusammen und gegen 01.00 Uhr ging der erste Tag des Old West Saloon Festivals schon fast zu Ende. Als kleine Überraschung gab es noch ein Betthupferl in Form eines singing Cowgirls begleitet durch einen Cowboy mit US-Flagge. Die beiden hoch zu Ross waren zum einen die Country-Sängerin Shirley Ann, die im weiteren Verlauf des Festivals noch eingeplant war und zum anderen der Chef des Old West Saloon Andre Baur. Nach so einer Nummer hieß es dann Licht aus und Tipi zu – Kraft tanken für den zweiten Tag des Festivals

Nach einer lauen Sommernacht ging es am Samstag ab 11.00 Uhr erst einmal wieder los mit Musik aus der Konserve, präsentiert von DJ John, der im Übrigen auch alle Umbaupausen auf der Bühne musikalisch überbrückte. Ab 11.30 Uhr hieß es dann wieder Bühne frei für Livemusik. Den Samstag hatte sechs verschiedenen Programmpunkte zu bieten. Bis zum Abend teilten sich Dusty Owen aus Deutschland, Jenny Casey aus Nashville USA, die Band Sidewinder aus den Niederlanden und T.J. Andrews aus Deutschland die Aufgabe, die Besucher zu unterhalten.

Dem deutschen Teil der Festivalbesucher war Dusty Owen sicherlich bekannt; hat er doch seine Zelte in der Gegend um Remscheid im Bergischen Land aufgeschlagen. Als Countrysänger der besonderen Art bekannt, begeistert er seit 2001 sein Publikum mit seiner charismatischen Stimme. Durch Zufall und einen guten Freund in die Country-Szene gekommen hatte Dusty schon Auftritte in ganz Deutschland. Zu seinen Highlights gehörte sicherlich eine Aufnahme im Bayou Studio in Nashville Tennessee, in dem auch Trace Adkins und Alabama schon ihre Songs aufgenommen haben. Zu seinem Repertoire gehören vorwiegend New-Country-Songs von Garth Brooks, Alan Jackson, Jason Aldean, Travis Tritt und vielen namhaften Künstlern mehr.

Auf Dusty folgte die Countrylady mit der sicherlich weitesten Anreise – Jenny Casey aus Nashville Music City USA. Nach der Geburt ihrer vier Kinder und einem Full-Time-Job als Lehrerin wurde Jenny zur Songwriterin und Sängerin. Beeinflusst von ihren Idolen wie Loretta Lynn und Dolly Parton begann Jenny ihre musikalische Karriere mit Mitte 30 Sie hat es schnell verstanden, wie man mit Humor und Gefühl tolle Songs schreibt, die aus dem Leben gegriffen sind. Sie selbst bezeichnet sich als „Country Singing Mom“ und ist sich nicht zu schade, für ihre Fans auf ein Selfie parat zu stehen. Ihr Weg führte sie von den berühmtesten Country Festivals in den USA bis hin zum größten Country-Event in Europa. Auf der Bühne begleitete sich Jenny entweder mit Gitarre oder Keyboard und präsentiert eine unvergessliche Show mit eigenen Songs als auch neu interpretierten Songs anderer US-Größen. Im Übrigen hat Jenny den Wunsch zukünftig öfters mal für die deutschen Countryfans aufspielen zu können und sucht daher noch nach Gelegenheiten und Kontakt zu Veranstaltern.

Nach zwei Solokünstlern war es nun an einer Band, weiter für Livemusik zu sorgen. Also betraten die Cowboys von Sidewinder mit ihrer Lady die Bühne. Diese Formation aus den Niederlanden hat nicht nur zu Hause Spuren in der Country Szene hinterlassen, auch in der englische Szene waren die vier Musiker bereits erfolgreich. Im Jahr 2011 gewannen sie den „Battle Of The Year“ im Rahmen des Rockfeld Festivals und toure seitdem jährlich auch druch England uns Wales. Ihr Repertoire besteht aus Western Swing, Country Boogie, Traditional Songs und Americana. Zur personellen Besetzung können wir noch anmerken, dass Sidewinder aus Wilma, Eddy, BE und George besteht. Informationen zur Rollenverteilung liegen leider nicht vor.

Nach Sidewinder betrat wieder ein Solo-Künstler die Bühne im Tipi-Dorf – T.J. Andrews aus Deutschland. Der wie Dusty Owen aus Remscheid stammende Künstler wurde 1970 in Wuppertal geboren und kam in jungen Jahren durch seinen Vater zum Rock’n’Roll und wurde dabei auch mit Country infiziert. Alles was in dieser Hinsicht dann im Radio lief, wurde mitgesungen. Viele Jahre später sollte das alles professioneller werden und in 2011 begann T.J. seine Karriere fast ausschließlich mit Songs seiner Idole Elvis Presley und Johnny Cash. Heute singt er neben den Traditionals auch Songs im New Country Bereich von Garth Brooks über Josh Turner bis hin zu Chris Young und vielen mehr.

Wie schon gesagt war der Tag den vier vorgestellten Künstlern gewidmet, die die Besucher des Old West Saloon Festivals mit ihrer Musik begeisterten. Der Abend war dann für eine Band aus Dänemark und einer Solokünstlerin aus den Niederlanden vorbehalten: Johnny Horsepower (DK) und Shirley Ann (NL). Um 20.30 Uhr betraten drei Herren im dunklen Anzug und mit Instru-menten bewaffnet die Bühne – die Jungs von Johnny Horsepower einer Coverband von Johnny Cash & The Tennessee Two. Stationiert in Dänemark touren die Jungs überall durch Europa. Sie gelten als eine der authentischsten Johnny Cash Coverband im Stil der 50er und 60er Jahre. Als Highlight bei den Jungs war sicherlich die Studioarbeit mit WS Fluke Holland – dem einzigen wirklichen Schlagzeuger von Johnny Cash. Und wo natürlich könnte man so ein Album besser produzieren als im Sun Studio in Memphis. Wer Johnny Cash mag, wird die Jungs von Johnny Horsepower sicherlich lieben.

Und wenn die Jungs von Johnny Horsepower Pause hatten, stand Shirley Ann startklar am Bühnenrand um das Programm fortzuführen. Diese Countrylady ist im Deutsch-Niederländischen Grenzgebiet bestens bekannt, hat sie doch Auftritte in den Niederlanden als auch in Deutschland. Als kleines Mädchen schon stand sie zwischen den Schiebetüren und gab einen Auftritt für ihre Eltern und Familie. Ihre große Leidenschaft für die Countrymusik hatte sie schon in jungen Jahren und seitdem hat die Countrymusik auch einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen. Und zudem ist Shirley auch erfolgreich: In 2013 hat sie den Titel „Country Music Euro Masters“ in der Kategorie Solo gewonnen. Im letzten Jahr hat sie das Mini-Album „On A Mission“ herausgebracht. Wenn Shirley nicht gerade auf Wettbewerben singt oder im Studio ist, tourt sie als Frontfrau der Band „The Country Wings“ oder als weibliche Hälfte des Duos „This Is Us“ durch Europa.

Aber auch der Samstag endete erst am frühen Sonntagmorgen und bevor alle ins Tipi oder auch Hause gingen, gab es wie schon am Vorabend eine Überraschung. Ein einsamer Cowboy betrat die Bühne und wollte von seiner Herzdame wissen: Will you marry me? Zu seinem Glück wurde der Antrag angenommen und der Trautermin gleich auf den Sonntagmorgen festgelegt. Wir lernen: In den Niederlanden geht vieles etwas unkomplizierter als bei uns.

Nach einer kurzen Nacht ging es dann am Sonntagmorgen weiter mit der Trauung. Als „Standesbeamtin“ fungierte hier Shirley Ann, die Dank eines Zertifikates des niederländischen Staates quasi die Befugnisse eines Friedensrichters hat, wie wir es aus den USA kennen.

Ab 11.30 ging es dann nach dem Einsatz von DJ John weiter im Programm. Und wo Shirley Ann schon einmal früh in Action war, machte sie auch den Anfang an diesem dritten Tag des OWS-Festivals in Walbeck. Während Shirley ja nur ein Mikro benötigte und sich dank Funktechnik frei auf dem Festivalgelände bewegen konnte, nutzen die nächsten Interpreten diesen Umstand und bauten schon mal ihre Instrumente auf. Als Ablösung fungierte hier dann die Terry White Band aus den Niederlanden. Mit Ausnahme von Jenny Casey, die wir ja auch schon am Samstag genießen durften, stammten alle Künstler an diesem Tag aus den Niederlanden.

Zurück zur Terry White Band: Im Jahr 2010 gegründet mit 6 erfahrenen Musikern aus verschiedenen Bands und aus den verschiedensten Ecken der Niederlanden bietet die TWB harmonische und tanzbare Countrymusik aus den 1950er und 1960er Jahren bis hin zum Rock’n’Roll. Seit ihrer Gründung hat sich die TWB einen guten Ruf erarbeitet und ist ein gerngesehener Gast auf Festivals in den Niederlanden als auch im angrenzenden Ausland. Es mag vielleicht komisch klingen, aber die Frontfrau der Truppe ist keineswegs die Namensgeberin – womit wir bei der Besetzung der TWB wären: Die Lady der Truppe Gerry van Koot – Gesang unterstützt von den Jungs Sandy Marotel –  Sologitarre; Danny Berkelie – Pedal Steel; Frank Smith – Bass/Background Vocals; Dick Koopman – Akustikgitarre und last but not least Wout van Koot – Drums /Gesang.

Nach der TWB folgte nun wieder ein Solokünstler – Gerhard Biermann. Und wenngleich der Name auch einen Künstler aus Deutschland vermuten ließ, so stammt Gerhard doch aus den Niederlanden. Er ist bereits seit seinem 12. Lebensjahr Musiker und spielt Akkordeon, Keyboard und Gitarre und singt selbstverständlich dazu. Nach einem mehrjährigen Ausflug als Duo mit seinem Bruder in die Partymusik, zog es Gerhard dann doch wieder zurück zur Countrymusik, an der sein Herz hängt. Bei einem Talentwettbewerb in 2014 wurde ihm ebenfalls bestätigt, dass seine Performance reif für die Bühne sei und seitdem tourt Gerhard durch die Niederlande – entweder als Solist oder als Teil des Duos „Two Remember“.

Der nächste Programmpunkt wies dann wieder Country from USA aus – in Form der charmanten und hübschen Jenny Casey aus Nashville. Hier noch viele Worte zu verlieren ist sicher nicht nötig, hatte uns doch Jenny von ihrem Können bereits am Vortag voll überzeugt.

Und last but not least stand dann auch noch einmal Shirley Ann auf der Bühne – allerdings nicht allein sondern gleich in fünffacher Begleitung. Das Ganze nennt sich The Country WIngs und ist eine Band mit Frontfrau Shirley Ann. Folglich kommt auch diese Formation aus den Niederlanden und steht für die moderne amerikanische Countrymusik. Ein umfangreiches Repertoire und Shirley Ann als Frontfrau garantieren eine wunderbare Show in der die Lady der Band oft als „Kentucky Wildcat“ bezeichnet wird. Aber bei The Country Wings hat nicht nur Shirley was zu sagen, auch ihre Jungs dürfen mal ran und so ist ein abwechslungsreiches Programm gewährleistet. Inspiriert wird die sechsköpfige Band durch Namen wie zum Beispiel Little Big Town, Trick Pony, Sugarland, Miranda Labert, Johnny Cash oder den Kentucky Headhunters. The Country Wings sind zwar in den Niederlanden beheimatet, sind auch aber oft auf deutschen Festivals zu Besuch und daher der deutschen Szene nicht unbekannt.

Abschließend noch ein paar Worte zu einem Künstler, der nicht selber sang und auch kein Instrument spielte, dennoch aber zum Gelingen des Festivals beigetragen hat – die Rede ist von DJ John, unserem, Lückenfüller und Stimmungsmacher an diesem Wochenende. Im Jahr 1999 ging John zu einem Auftritt einer Countryband und verlor sofort sein Herz an diese Musik und an den Linedance. Er ging auf die Sache nach einem Linedanceclub und nach vielen Jahren und viel Übung war aus ihm ein guter Linedancer geworden. Seine Leidenschaft wuchs weiter und so gründete er einen eigenen Country Club und gab Linedance Unterricht. In Sachen Countrymusik entschloss er sich DJ zu werden und arbeitet nun fast täglich mit Countrymusik. Ohne seine Arbeit an diesem Wochenende wären die unvermeidlichen Umbaupausen eine muisklose Zeit gewesen.

Bedanken möchte ich mich abschließend bei den Organisatoren des Festivals. Ine und Andre Baur mit ihrem Team, den Helfern, den Ausstellern und allen die diese drei Tage im Juli 2016 zu einem tollen Festival gemacht haben. Denn neben jeder Menge Livemusik vom Feinsten gab es auch noch genug anderes zu Entdecken, wie zum Beispiel Ponyreiten für Kinder und Erwachsene, eine Greifvogelstation mit direkten Kontakt zu Eule, Habicht und andere Greifvögel, ein Wolfshund-Gehege in dem man mit einem Wolfshund auf direkte Tuchfühlung gehen konnte oder ein original US Chuck Wagon vom American Treasures, an dem man sich handgemachte Holzschilder oder Kisten zulegen konnte.

Hoffen wir auf ein Wiedersehen in 2017 zum 2. Old West Saloon Festival im Tipi-Dorf zu Walbeck an der Deutsch-Niederländischen Grenze.

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Über Michael Förschges (45 Artikel)
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