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Bob Wayne: Bad Hombre

Wer auf traditionelle Country Music steht, kann bei Bob Wayne und seinem neuen Album "Bad Hombre" nichts verkehrt machen.

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Bob Wayne - Bad Hombre Bob Wayne - Bad Hombre. Bildrechte: People Like You Records

Ich muss zugeben, als man mich bat, diese Rezension zu schreiben, hatte ich keine Ahnung, wer Bob Wayne ist. Inzwischen weiß ich, dass er im Vorprogramm von The Boss Hoss in Deutschland unterwegs war, was wiederum erklärt, warum er erneut mehrere Monate hier auf Tour ist und dieses Album hierzulande in dieser Weise beworben wird.

Bob Wayne macht Country Music. Aber wo gehört er hin, stilistisch? Diese Frage hatte ich ihm gestellt. Er sagte, er höre nicht wirklich viel Country Music, die nach den 1970er Jahren entstanden sei. Er sehe sich irgendwo zwischen Johnny Cash und Hank Williams III. Der Vorgänger des hier rezensierten Albums, nämlich „Hits The Hits“, ist ein Album voller Cover von Rock und Pop Songs, von den Stones bis Guns & Roses, von Adele bis Bob Marley. Ich will ehrlich sein: es gibt immer wieder Fälle, wo Künstler einen Song bis Hit aus einem fremden Genre zum (erneuten) Erfolg bringen. Gerade schickt sich Cody Jinks an, mit der alten Pink Floyd Nummer „Wish You Were Here“ eine Nummer eins in Texas zu erreichen (und auch dieses Projekt findet reichlich Kritik, wenn auch nicht von mir), und als eines der prominentesten Beispiele in dieser Kategorie darf sicherlich der Nine Inch Nails Song „Hurt“ in der Version von Johnny Cash genannt werden.

Leider, leider ist es so, dass ich mit dem Vorgängeralbum nicht viel anfangen kann. Aber auch auf dem aktuellen Longplayer Bad Hombre findet sich ein genrefremder Hit, nämlich „Wake Me Up“. Warum er diesen Pophit für dieses aktuelle Album aufgenommen habe, fragte ich ihn. Nun, viele Künstler täten dies ja, gerade auch in der Country Music. Es sei nicht ungewöhnlich, einen Coversong zwischen seine eigenen Tracks zu stellen. Johnny Cash habe viele Hits gehabt mit Songs, die er nicht selbst geschrieben habe. Dies sei im Music Business nicht ungewöhnlich. Er habe ihn für dieses Album aufgenommen, weil er das wollte. Für mich fühlte es sich so an, als sei das Thema der countryfizierten Popsongs noch nicht abgeschlossen, aber ich mag da ja auch falsch liegen. Und leider funktioniert dieser Song hier nicht. Aber das ist ja nur einer von dreizehn Songs auf diesem Album, und dann auch noch der Closing Track. Fangen wir also vorne an, mit dem Opener „Hell Yeah“. Auch hierzu hatte ich eine Frage formuliert. Wie es zu diesem Song kam, der doch insgesamt anders ist als die anderen Songs. Warum dieser Sprachgebrauch? Nun, er habe diesen Song quasi auf der Bühne angefangen zu schreiben, als Witz sozusagen. Er rufe nach jedem Song „Hell yeah!“, und das Publikum rufe dann sehr laut zurück. Zum Sprachgebrauch mit all den „cuss words“, also nicht-salonfähigen Ausdrücken, sagt er, er sehe sich als Medium, durch das ein bereits geschriebener Song sich manifestiere. Er schreibe nur das auf, was aus ihm herauskomme, und er sei offen dafür, die Sprache nicht zu verändern, und es kämen oft sehr interessante Dinge dabei heraus. Glücklicherweise allerdings spiele er die meisten Konzerte vor Erwachsenen, die sich sehr stark betrinken würden, insofern sei der Sprachgebrauch in diesem Song kein Problem.

Es gibt auf diesem Album durchaus einige Highlights.“Mr. Bandana“ ist die Erinnerung an einen Freund, „Still Truckin'“ funktioniert perfekt und weckt Erinnerungen an Red Simpson, „The Hangin‘ Tree“ erklingt atmosphärisch an Western erinnernd. Überhaupt ist dies ein durchweg traditionelles Album. Zum Teil sehr persönliche Geschichten in ein sehr retro-klingendes Gewand gekleidet sind die Basis dieses Albums. Auch hierzu stellte ich eine Frage, nämlich ob er seinen Sound „retro“ nennen würde, und ob dies beabsichtigt sei. Ja, sein Sound sei durchaus retro, und das sei auch nachvollziehbar. Wenn er einen Song geschrieben habe, setzten er und seine Freunde, die auf allen seinen Alben spielten, sich zusammen und würden überlegen, welche Instrumentierung zu dem jeweiligen Song wohl passen könnte. Sein Bassist Dave Roe habe ja bei Johnny Cash gespielt (er war der letzte Bassist in der Band, von ca. 1992 bis 1997, Anm. des Redakteurs), sein Fiddler Billy Contreras habe mit so ziemlich jedem Künstler von George Jones bis Charlie Daniels gespielt, und schließlich „der Meister“ Andy Gibson, der der maßgebliche Toningeneur und Produzent sei und zusätzlich auch die gesamte Arbeit an der Pedal Steel in Waynes Musik einbringe, und mit diesen gestandenen Country Musikern alter Schule sei es eher schwierig, nicht diesen authentischen Country Sound zu haben.

Erwähnen möchte ich auch noch „80 Miles From Baghdad“. Musikalische Anlehnungen an „Waymore’s Blues“ sind nicht zu leugnen. Musikalisch exzellent umgesetzt, ist es der Gesang, der für mich nicht funktioniert. Schade. Wer diesen Sound mag, wem die aktuelle Country Music zu rockig, zu poppig oder beides ist, der wird hier fündig. Wer auf traditionelle Country Musik steht, sollte hier mal reinhören. Dreizehn Songs gibt es fürs Geld. Und Bob Wayne ist weiterhin in Deutschland unterwegs. Bei seinen Konzerten können Sie diese und sicher auch noch andere Scheiben von ihm erwerben. Unser Dank gilt Bob Wayne dafür, dass er sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen zu beantworten.

Folgende verbleibende Tourdaten können wir für interessierte Fans noch nennen:

24.06.2017 – Bremen, Deutschland, Lila Eule
26.06.2017 – Mannheim, Deutschland, Altes Volksbad
27.06.2017 – Krefeld, Deutschland, Kulturrampe
03.07.2017 – Trier, Deutschland, Exhaus
11.07.2017 – Tübingen, Deutschland, Blauer Saloon
15.07.2017 – Siegen, Deutschland, Vortex Surfer

Bob Wayne – Bad Hombre: Das Album

Bob Wayne - Bad Hombre

Albumtitel: Bad Hombre
Künstler: Bob Wayne
Erscheinungsdatum: 5. Mai 2017
Label: People Like You Records (Sony Music)
Format: CD & Vinyl
Tracks: 13
Genre: Country

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Trackliste: (Bob Wayne – Bad Hombre)

01. Hell Yeah
02. Mr. Bandana
03. Still Truckin‘
04. 420 Bound
05. Hangin‘ Tree
06. Take Back The USA
07. The Last Breath You Take
08. Fairground In The sky
09. Devil’s Backbone
10. Kiss My Ass God Bless The USA
11. 80 Miles From Baghdad
12. Working Class Musician
13. Wake Me Up

Truck Stop 2019
Über Bernd Wolf (138 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Johnny Cash, Singer & Songwriter. Rezensionen und Biografien.